{"id":24831,"date":"2015-03-11T02:30:00","date_gmt":"2015-03-11T01:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/rss.nova-institut.net\/public.php?url=http%3A%2F%2Fwww.umsicht.fraunhofer.de%2Fde%2Fpresse-medien%2F2015%2Fbio-raffiniert-8.html"},"modified":"2015-03-10T13:00:22","modified_gmt":"2015-03-10T12:00:22","slug":"bio-raffiniert-viii-biooekonomie-vom-konzept-zum-produkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bio-raffiniert-viii-biooekonomie-vom-konzept-zum-produkt\/","title":{"rendered":"BIO-raffiniert VIII: \u00bbBio\u00f6konomie: Vom Konzept zum Produkt\u00ab"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Weltbev\u00f6lkerung w\u00e4chst stetig, gleichzeitig verknappen die fossilen Rohstoffe unaufh\u00f6rlich. Nachhaltiges Wirtschaften ist unabdingbar. F\u00fcr die Zukunft ist eine biobasierte Industrie gefragt, die sich an den Prinzipien der Bio\u00f6konomie orientiert. Nachwachsende Ressourcen sollen genutzt werden, um Produkte, Verfahren und Dienstleistungen in allen wirtschaftlichen Sektoren bereitzustellen. Der von Fraunhofer UMSICHT gemeinsam mit CLIB 2021 und der EnergieAgentur.NRW veranstaltete Kongress \u00bbBIO-raffiniert\u00ab widmete sich in seiner achten Ausgabe am 25. und 26. Februar 2015 genau diesem Thema. Wo stehen wir? Wohin geht die Reise?<\/strong><\/p>\n<p>\u00bbBIO-raffiniert ist traditionell ein Treffen vieler bekannter Gesichter\u00ab, mit diesen Worten er\u00f6ffnete Prof. G\u00f6rge Deerberg, stellvertretender Leiter von Fraunhofer UMSICHT, den Kongress. Aber nicht nur die Pflege bestehender Kontakte stand bei den \u00fcber 120 Teilnehmern im Vordergrund, die Ende Februar nach Oberhausen gekommen waren. Insbesondere die gute M\u00f6glichkeit, neue Kontakte zu kn\u00fcpfen, wurde lobend erw\u00e4hnt. Dass das diesj\u00e4hrige Thema \u00bbBio\u00f6konomie: Vom Konzept zum Produkt\u00ab aktueller denn je ist, best\u00e4tigte Dr. Walther Pelzer vom Ministerium f\u00fcr Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen: \u00bbDie Bundesregierung hat den Strukturwandel von einer erd\u00f6l-basierten hin zu einer nachhaltigen biobasierten Wirtschaft zum Ziel.\u00ab Gerade aufgrund fehlender Fl\u00e4chen sei NRW pr\u00e4destiniert daf\u00fcr, Bio\u00f6konomie-Konzepte wie die Kaskadennutzung von Biomasse voranzubringen.<\/p>\n<p>Dr. Viola Bronsema, BIO Deutschland e. V., und Dr. Katrin Vohland vom Museum f\u00fcr Naturkunde, Leibniz-Institut f\u00fcr Evolutions- und Biodiversit\u00e4tsforschung fassten in ihren Keynotes zun\u00e4chst\u00a0 aktuelle sowie potenzielle M\u00f6glichkeiten der Bio\u00f6konomie zusammen. Bereits zu diesem fr\u00fchen Zeitpunkt des Kongresses kam das erste Mal zur Sprache, was sp\u00e4ter mehrfach folgen sollte: die st\u00e4rkere Einbeziehung der Bev\u00f6lkerung bei der Etablierung neuer Technologien. Nur so k\u00f6nne dem bisher oft negativen Bild von Bio\u00f6konomie in der \u00d6ffentlichkeit \u2013 etwa bedingt durch fl\u00e4chenbezogene Konflikte \u2013 entgegengewirkt werden. Wichtig sei zudem, fr\u00fchzeitig auf den technologischen Wandel zu reagieren und dabei stets die Nachhaltigkeit im Blick zu behalten.<\/p>\n<h3>Kaskadennutzung<\/h3>\n<p>Prof. Frank Baur, IZES gGmbH, benannte das Ressourcen-Dilemma: \u00bbDie Nachfrage biogener Rohstoffe steigt, das Angebot sinkt. Als Konsequenz entsteht Druck auf die Fl\u00e4che, gefolgt von einer signifikanten Steigerung der Erzeugerpreise.\u00ab Ein Schl\u00fcssel kann der effizientere Umgang mit Biomasse durch Kaskadennutzung sein. Rohstoffe oder daraus hergestellte Produkte werden in zeitlich aufeinander folgenden Schritten so lange, so h\u00e4ufig und so effizient wie m\u00f6glich stofflich genutzt. Erst am Ende des Produktlebenszyklus erfolgt die energetische Verwertung. Aktuell besch\u00e4ftigen sich die Partner des vom Umweltbundesamt in Auftrag gegebenen Projekts \u00bbRessourceneffizienz durch Kaskadennutzung von Biomasse\u00ab mit m\u00f6glichen Szenarien von Biomassekaskaden. Eine Herausforderung stellt die Ausweitung mehrstufiger Kaskaden dar. Bisher wird dieser Ansatz lediglich auf den Stoffstrom Altholz begrenzt. M\u00f6gliche weitere M\u00e4rkte bieten Zucker, Naturfasern oder St\u00e4rke. Wichtige Schnittstellen gibt es zu den kommunalen Abf\u00e4llen. Es entstehen neue Potenziale, da im Zuge des Kreislaufwirtschaftsgesetzes die getrennte Sammlung von Bioabf\u00e4llen seit dem 1. Januar 2015 verpflichtend ist.<\/p>\n<p>Fraunhofer UMSICHT forscht u. A. auf dem Gebiet der thermochemischen Nutzung von Bioreststoffen \u00fcber Torrefizierung, hydrothermale Karbonisierung (HTC) und Pyrolyse. Prof. Deerberg geht davon aus, dass der Bedarf an Bioenergietechnologie weiter wachsen wird, jedoch k\u00fcnftig ohne Subventionen gewirtschaftet werden muss: \u00bbWirtschaftliche L\u00f6sungen werden nur in gekoppelter Wertsch\u00f6pfung m\u00f6glich sein.\u00ab<\/p>\n<h3>Publikumspreis: Dr. Roberto Rinaldi<\/h3>\n<p>Wie die Forschungslandschaft auf dem Gebiet der Bioraffinerie aufgestellt ist, zeigten beispielhaft sechs Impulsvortr\u00e4ge, die auch ins Rennen um den Publikumspreis von BIO-raffiniert gingen. Dieser ging an Dr. Roberto Rinaldi. Der brasilianische Forscher, der ab April 2015 am Imperial College in London als Senior Lecturer (Department of Chemical Engineering) t\u00e4tig sein wird, zeigte interessante neue Technologien zur ganzheitlichen Nutzung von Holz auf, mit Fokus auf Papierfasern und Chemierohstoffe.<\/p>\n<h3>Marktreife erreicht<\/h3>\n<p>Nach einem eher forschungsdominierten Vortragsblock, in dem auch Prof. Walter Leitner aus dem RWTH Exzellenz-Cluster \u00bbTailor made Biofuels\u00ab berichtete, stand bei der Vorstellung verschiedener Verfahren, Produkte und Konzepte nun der Markt im Fokus. In gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfstab liefert beispielsweise schon heute der bioliq@-Prozess am Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie synthetische Kraftstoffe aus Restbiomasse, wie z. B. Stroh. Noch einen Schritt weiter ist LanzaTech \u2013 das Unternehmen nutzt Organismen f\u00fcr den Recyclingprozess von Kohlenstoff zu Treibstoff. \u00bbDieses Jahr ist der Spatenstich f\u00fcr die erste kommerzielle Anlage in China geplant\u00ab, erkl\u00e4rte Dr. Michael K\u00f6pke von LanzaTech. Ziel der Innovationsallianz ZeroCarbFP (Koordination: Emschergenossenschaft\/Lippeverband) ist die Erforschung, Entwicklung und Implementierung nachhaltiger bio-basierter industrieller Anwendungen, die die Ern\u00e4hrungssicherheit nicht gef\u00e4hrden.<\/p>\n<p>Auch die Luftfahrt kann in Zukunft von alternativen Kraftstoffen profitieren. Das zeigen die Biokraftstoffinitiative Aviation Initiative for Renewable Energy in Germany e.V (aireg) und Greasoline\u00ae, die ebenfalls bei BIO-raffiniert VIII pr\u00e4sentiert wurden. Die Technologie zum Greasoline\u00ae-Verfahren wurde bei Fraunhofer UMSICHT entwickelt.<\/p>\n<h3>Bio\u00f6konomie kritisch hinterfragt<\/h3>\n<p>Einen kritischen Blick auf das Thema Bio\u00f6konomie wagte Michael Carus, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des nova-Instituts. Er best\u00e4tigte die Aussage von Prof. Deerberg und mahnte, dass Bioraffinerien k\u00fcnftig auch ohne F\u00f6rderung \u00f6konomisch wirtschaften m\u00fcssen. Auch forderte er eine Chemiestrategie f\u00fcr Deutschland, denn: \u00bbEs wird erwartet, dass es nach 2020 auf europ\u00e4ischer Ebene keine Quoten oder andere Anreize mehr f\u00fcr Bioenergie oder Biokraftstoffe geben wird. Einige Mitgliedsl\u00e4nder werden sich dann mehr der Chemie- und Kunststoffindustrie zuwenden. Aktuell ist zu bef\u00fcrchten, dass Deutschland die Energie-Quoten auf nationaler Ebene fortf\u00fchren wird. Hier ist unsere Lobbyarbeit gefragt, um international nicht abgeh\u00e4ngt zu werden.\u00ab<\/p>\n<p>Im Laufe des Kongresses und in den zahlreichen Diskussionen war zu sp\u00fcren: Das Thema Bio\u00f6konomie bleibt spannend in den n\u00e4chsten Jahren. Es wird sich noch zeigen, welche der\u00a0 vielversprechenden Konzepte sich letztendlich durchsetzen. Bedeutsam ist dies vor allem auch, weil Technologien, die zur Bio\u00f6konomie beitragen, nicht nur in Deutschland gefragt sind, sondern auch gerade als Exportschlager auf den internationalen Technologiem\u00e4rkten platziert werden k\u00f6nnen. Hierzu muss aber oft zun\u00e4chst die Demonstration gelingen.<\/p>\n<p>Mehr als ausreichend Stoff f\u00fcr eine n\u00e4chste Ausgabe von BIO-raffiniert in zwei Jahren wird es in jedem Fall geben.<\/p>\n<p>Sascha Hermus: 3N Kompetenzzentrum Niedersachsen<br \/> Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe e.V.<br \/> \u00bbWir besch\u00e4ftigen uns mit allen Bereichen der nachwachsenden Rohstoffe, Biopolymere, Fasern und auch mit dem Bereich Algen. Ich habe viele Kontakte gekn\u00fcpft, nette Leute kennengelernt und eine Menge Neuigkeiten erfahren, die ich bislang so noch nicht geh\u00f6rt hatte. Sehr interessante Vortr\u00e4ge.\u00ab<\/p>\n<p>Dr. Michael K\u00f6pke: LanzaTech Ltd.<br \/> \u00bbDer Kongress bot eine interessante Mischung aus Wissenschaft und Politik sowie jeweilige Perspektiven auf die Nachhaltigkeit. Interessant war auch die Darstellung verschiedener Verfahren, teils mikrobiell, teils chemisch. Die Veranstaltung hatte eine hohe Qualit\u00e4t, und es ist sch\u00f6n zu sehen, dass in Deutschland so viel getan wird.\u00ab<\/p>\n<p>Dr. Bj\u00f6rn Andree\u00dfen: TU M\u00fcnchen<br \/> \u00bbMein Ziel war es, neue Erfahrungen \u00fcber biobasierte Rohstoffe zu sammeln und die Netzwerke kennenzulernen. Es war auf jeden Fall interessant.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Weltbev&ouml;lkerung w&auml;chst stetig, gleichzeitig verknappen die fossilen Rohstoffe unaufh&ouml;rlich. Nach&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[14,3879,741,3628,704,303,9398,336,1850,1563,2392,4354,9397,4,98,263,342],"class_list":["post-24831","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-3n-kompetenzzentrum-nachwachsende-rohstoffe-niedersachsen","supplier-aviation-initiative-for-renewable-energy-in-germany-aireg","supplier-biodeutschland-ev","supplier-clib2021","supplier-energieagenturnrw","supplier-fraunhofer-institut-fuer-umwelt-sicherheits-und-energietechnik-umsicht","supplier-greasoline","supplier-imperial-college-london","supplier-izes-ggmbh","supplier-karlsruher-institut-fuer-technologie-kit","supplier-lanzatech","supplier-ministerium-fuer-innovation-wissenschaft-und-forschung-des-landes-nrw","supplier-museum-fuer-naturkunde-leibniz-institut-fuer-evolutions-und-biodiversitaetsforschung","supplier-nova-institut-gmbh","supplier-rheinisch-westfaelische-technische-hochschule-aachen-rwth","supplier-technische-universitaet-muenchen","supplier-umweltbundesamt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24831","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24831"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24831\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24831"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24831"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24831"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=24831"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}