{"id":24782,"date":"2015-03-09T02:59:21","date_gmt":"2015-03-09T01:59:21","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=24782"},"modified":"2015-03-05T16:00:31","modified_gmt":"2015-03-05T15:00:31","slug":"das-problem-mikroplastik-im-meer-anpacken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/das-problem-mikroplastik-im-meer-anpacken\/","title":{"rendered":"Das Problem Mikroplastik im Meer anpacken"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00a0Zwar gibt es kaum verl\u00e4ssliche Zahlen zur M\u00fcllflut, aber mindestens 270.000 Tonnen Plastikm\u00fcll treiben schon heute in den Ozeanen und bedecken deren Grund, sch\u00e4tzt das Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF). F\u00fcr viele Meerestiere werden die fein zerriebenen Mikroplastikteilchen zur lebensgef\u00e4hrlichen Bedrohung. Deutschland hat nun gemeinsam mit neun weiteren EU-L\u00e4ndern die Initiative \u201eMikroplastik in marinen Systemen\u201c angesto\u00dfen. Darin sollen Forscher\u00a0 die Menge, Verbreitung und gesundheitlichen Folgen der Mikropartikel auf Mensch, Tier und Meeresflora ergr\u00fcnden. 7,5 Millionen Euro stehen daf\u00fcr zur Verf\u00fcgung.<\/strong><\/p>\n<p>Rund ein Drittel der j\u00e4hrlich produzierten knapp 300 Millionen Tonnen Kunststoffe werden f\u00fcr Verpackungen eingesetzt. Haupts\u00e4chlich wird dabei Polyethylen eingesetzt. Aber auch andere f\u00fcr Verpackungszwecke eingesetzte Kunststoffe \u00fcberdauern Sch\u00e4tzungen zufolge f\u00fcr mindestens 500 Jahre in der Umwelt. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Plastikflut wird unsachgem\u00e4\u00dfem Umgang mit Plastikm\u00fcll zugeschrieben. In vielen Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern gibt es zum Beispiel weder Plastikrecycling noch -verbrennung. Sch\u00e4tzungen zufolge sinken rund 70 Prozent des im Laufe der Zeit immer feiner verriebenen Plastiks auf den Meeresgrund. Nur 15 Prozent treiben an der Wasseroberfl\u00e4che oder werden an Str\u00e4nde gesp\u00fclt.<\/p>\n<p>\u00d6kologische Selbstreinigung \u00fcberfordert<br \/>\n\u201eDie Grenzen der \u00f6kologischen Selbstreinigung sind l\u00e4ngst \u00fcberschritten\u201c, mahnte Bundesforschungsministerin Johann Wanka bei der Vorstellung des europaweiten Forschungsprogrammes Ende Februar in Berlin. \u201eAn Str\u00e4nden wie in Sylt sieht man nicht mehr soviel Plastik, denn dort wird der M\u00fcll aufgesammelt\u201c, erg\u00e4nzte die Bremer Geomikrobiologin Antje Boetius. \u201eDaf\u00fcr finden wir immer mehr auf dem Meeresgrund.\u201c Ein besonderes Problem dabei ist das sogenannte Mikroplastik. Egal ob die winzigen Kunststoffpartikel von Kunstfaser-Texitilien w\u00e4hrend des Waschens abschilfern oder als Bestandteil von Zahncremes durch den Abguss ins Abwasser gelangen \u2013 sie lassen sich nicht filtern und erst recht nicht nachtr\u00e4glich aus dem Meer entfernen.<\/p>\n<p>Mikroplastik in 690 Meerestierarten<br \/>\nMikroplastik entsteht auch durch den Zerfall gr\u00f6\u00dferer, unachtsam entsorgter oder unsachgem\u00e4\u00df deponierter Plastikm\u00fcllteile, die fortgeweht und unter dem Einfluss von Meereswasser und UV-Strahlung immer feiner zermahlen werden. Zuletzt landen sie in den M\u00e4gen von Meerestieren. \u201eBisher sind solche Partikel in 690 Spezies gefunden worden\u201c, erkl\u00e4rte die Tiefsee-Expertin Melanie Bergmann vom Alfred-Wegener-Institut f\u00fcr Polar- und Meeresforschung in Berlin.<\/p>\n<p>Das alarmiert auch die Vereinten Nationen: Bereits auf der Rio+20-Konferenz vor drei Jahren wurde die Verm\u00fcllung der Meere durch biologisch nicht-abbaubare Kunststoffe wie Polyethylen, Polypropylen, PVC, Polystyrol, PET und Polyurethan als Top-Priorit\u00e4t erkannt, \u201edie die Welt bek\u00e4mpfen m\u00fcsse\u201c. Vor diese Hintergrund betonte Wanka die Bedeutung neuer Forschungsinitiativen, um sch\u00e4dliche Effekte von Mikroplastik zu erkennen, zu lokalisieren und zu beziffern. Darauf aufbauend k\u00f6nnte dann gezielt und effektiv gegengesteuert werden.<\/p>\n<p>7,5 Millionen Euro f\u00fcr JPI Oceans<br \/>\nHelfen dabei soll die mit 7,5 Millionen Euro F\u00f6rdergeld ausgestattete, dreij\u00e4hrige EU-Forschungsinitiative \u201eJoint Programming Initiative on Healthy and Productive Seas and Oceans\u201c \u2013 kurz JPI Oceans. Beteiligt sind insgesamt zehn EU-L\u00e4nder: Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Norwegen, Portugal, Schweden und Spanien. Die erste Ausschreibung (mehr Informationen: hier klicken) soll vor allem Forschungsarbeiten in drei Bereichen ansto\u00dfen:<\/p>\n<p>Forscher sollen Verfahren entwickeln, um Mikroplastik vollst\u00e4ndig aus dem Meeresboden, aus Meeresorganismen und dem Meereswasser zu extrahieren. Ziel ist es, die Menge, Verteilung von der Oberfl\u00e4che bis zum Meeresboden und Aufnahme durch Meeresorganismen zu erfassen. Insbesondere sollen mikroskopische Verfahren verbessert werden, um auch Sch\u00e4tzungen aussagekr\u00e4ftiger zu machen.<br \/>\nIn Laborvergleichsstudien, sogenannten Ringversuchen, soll die Menge an Mikroplastik im Meeressediment bestimmt werden, denn laut AWI-Expertin Bergmann gebe es bisher \u201ekeine standardisierte und damit keine vergleichbare Methodik.\u201c<br \/>\nIn einem dritten Schwerpunkt geht es darum zu erfassen, wie giftig Mikroplastik tats\u00e4chlich f\u00fcr Tier und Mensch ist \u2013 und wie dessen Anreicherung in der Nahrungskette gemessen und f\u00fcr die Risikobewertung genutzt werden kann. Besonders unter der Lupe: die toxikologischen Wirkungen von Mikroplastik auf die Meeresorganismen.<br \/>\nWanka betonte, dass die in JPI Oceans erzielten Ergebnisse in einen Aktionsplan der G7-Wissenschaftsministerkonferenz zu Forschung und Innovation gegen Meeresverm\u00fcllung einflie\u00dfen sollen. In diesem Jahr hat Deutschland den Vorsitz der G7-L\u00e4nder, im Herbst ist ein Treffen der Forschungsminister geplant. \u201eMikroplastik im Meer ist ein grenz\u00fcberschreitendes Problem, das ein international abgestimmtes Vorgehen erfordert\u201c, so Wanka.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Zwar gibt es kaum verl\u00e4ssliche Zahlen zur M\u00fcllflut, aber mindestens 270.000 Tonnen Plastikm\u00fcll treiben schon heute in den Ozeanen und bedecken deren Grund, sch\u00e4tzt das Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF). F\u00fcr viele Meerestiere werden die fein zerriebenen Mikroplastikteilchen zur lebensgef\u00e4hrlichen Bedrohung. Deutschland hat nun gemeinsam mit neun weiteren EU-L\u00e4ndern die Initiative \u201eMikroplastik in marinen [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[5598,187],"class_list":["post-24782","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-alfred-wegener-institut-helmholtz-zentrum-fur-polar-und-meeresforschung-bremerhaven","supplier-bundesministerium-fuer-bildung-und-forschung-bmbf"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24782","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24782"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24782\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24782"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24782"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24782"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=24782"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}