{"id":24751,"date":"2015-03-05T02:13:41","date_gmt":"2015-03-05T01:13:41","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=24751"},"modified":"2015-03-04T16:46:44","modified_gmt":"2015-03-04T15:46:44","slug":"duenger-biokohle-aus-guelle-guelleverwertung-schafft-alternativen-zu-herkoemmlichem-duenger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/duenger-biokohle-aus-guelle-guelleverwertung-schafft-alternativen-zu-herkoemmlichem-duenger\/","title":{"rendered":"D\u00fcnger &amp; Biokohle aus G\u00fclle: G\u00fclleverwertung schafft Alternativen zu herk\u00f6mmlichem D\u00fcnger"},"content":{"rendered":"<p><strong>Rund 60 Millionen Tonnen G\u00fclle produzieren Schweine in Deutschland jedes Jahr. Das wird zunehmend zu einem Problem: \u201eIn Regionen mit vielen schweinehaltenden Betrieben haben die Landwirte zu wenig Fl\u00e4chen, um die G\u00fclle umweltgerecht auszubringen\u201c, sagt Andrea Ehmann, Doktorandin am Fachgebiet Nachwachsende Rohstoffe und Bioenergiepflanzen an der Universit\u00e4t Hohenheim. Deswegen suchen Hohenheimer Wissenschaftler gemeinsam mit einem internationalen Team von 15 Partnern aus Deutschland, den Niederlanden, Spanien und Gro\u00dfbritannien nach neuen Verwertungswegen f\u00fcr Schweineg\u00fclle. Ihr Ziel: \u201eWir wollen die N\u00e4hrstoffe aus der G\u00fclle zur\u00fcckgewinnen und D\u00fcnger daraus herstellen\u201c, erkl\u00e4rt Prof. Dr. Iris Lewandowski, Leiterin eines Teilprojektes von \u201eBioEcoSIM\u201c an der Universit\u00e4t Hohenheim. Die EU f\u00f6rdert das Projekt insgesamt mit rund 4 Mio. Euro. 417.000 Euro davon entfallen auf die Universit\u00e4t Hohenheim und machen das Projekt zu einem der Schwergewichte der Forschung.<\/strong><\/p>\n<p>Deutsche Bauern wissen nicht wohin mit ihrer G\u00fclle, insbesondere in den Ballungszentren der Schweinemast. Wenn alle Felder ged\u00fcngt sind, gibt es immer noch gro\u00dfe Mengen Schweineg\u00fclle, die bisher entsorgt werden m\u00fcssen. G\u00fclle enth\u00e4lt jedoch viele wertvolle N\u00e4hrstoffe, die anderswo dringend ben\u00f6tigt werden. Der Transport von G\u00fclle \u00fcber gr\u00f6\u00dfere Entfernungen lohnt sich jedoch nicht, da sie zu \u00fcber 90 Prozent aus Wasser besteht.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr soll es k\u00fcnftig eine L\u00f6sung geben: In dem EU-Projekt \u201eBioEcoSIM\u201c wird unter Federf\u00fchrung des Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Grenzfl\u00e4chen- und Bioverfahrenstechnik (IGB) ein innovatives Verfahren entwickelt, in dem in mehreren Stufen die N\u00e4hrstoffe aus der G\u00fclle zur\u00fcckgewonnen und D\u00fcnger sowie Biokohle hergestellt werden. \u201eDie neuen D\u00fcnger sollen die gleiche Wirkung haben wie herk\u00f6mmliche Minerald\u00fcnger\u201c, erl\u00e4utert Andrea Ehmann. Aufgabe der Hohenheimer Wissenschaftler ist es die Eigenschaften der neuen D\u00fcnger zu untersuchen und ihre Wirksamkeit zu testen.<\/p>\n<h3>Wertvoller Beitrag zum Umweltschutz<\/h3>\n<p>\u201eDas neue Verfahren bringt eine ganze Reihe an Vorteilen\u201c, sagt die Wissenschaftlerin: \u201eSo kann beispielsweise der Phosphor aus der G\u00fclle, der Gew\u00e4sser zum Kippen bringen kann, als Phosphatd\u00fcnger gezielt auf den \u00c4ckern verwendet werden, wo er gebraucht wird.\u201c Wenn alles klappt, k\u00f6nnte man durch die R\u00fcckgewinnung theoretisch den gesamten Phosphorbedarf f\u00fcr die D\u00fcngerherstellung decken und w\u00e4re somit unabh\u00e4ngiger von Importen. Das ist vor allem deswegen interessant, weil die nat\u00fcrlichen Phosphorreserven endlich sind und ihre Gewinnung immer aufw\u00e4ndiger wird. Phosphor kann durch kein anderes Element ersetzt und auch nicht synthetisch hergestellt werden. F\u00fcr die Produktion von Lebensmitteln wird er jedoch zwingend ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Neben Phosphatd\u00fcnger soll auch ein Stickstoffd\u00fcnger aus der G\u00fclle hergestellt werden. Stickstoff ist der wichtigste N\u00e4hrstoff in der Landwirtschaft, weil er unverzichtbar f\u00fcr die Ertragsbildung der Kulturpflanzen ist. Bisher wird Stickstoffd\u00fcnger \u00fcber das Haber-Bosch-Verfahren hergestellt, wof\u00fcr allerdings sehr viel Energie erforderlich ist.<\/p>\n<p>Die Wissenschaftler erhoffen sich neben D\u00fcnger auch Biokohle aus der G\u00fclle gewinnen zu k\u00f6nnen. \u201eDiese verbessert die N\u00e4hrstoff- und Wasserspeicherkapazit\u00e4t der B\u00f6den\u201c, erl\u00e4utert Andrea Ehmann.<\/p>\n<h3>\u00a0Umfangreiches Testverfahren<\/h3>\n<p>Im ersten Schritt haben die Hohenheimer Wissenschaftler die ersten Proben der D\u00fcnger und Biokohle bereits auf N\u00e4hrstoffgehalte sowie R\u00fcckst\u00e4nde von Schwermetallen und Antibiotika untersucht. \u201eDie Produkte d\u00fcrfen nat\u00fcrlich keine toxische Wirkung auf die Keimung und das Wachstum von Pflanzen haben\u201c, erkl\u00e4rt Andrea Ehmann. Dies wurde daher zu Beginn mit Hilfe von so genannten Keim- und Wachstumstests ausgeschlossen.<\/p>\n<p>Im n\u00e4chsten Schritt wurde im Gew\u00e4chshaus die Wirkung der neuen D\u00fcnger mit der von herk\u00f6mmlichem Minerald\u00fcnger verglichen. Als Versuchspflanzen dienten Gerste und Ackerbohne. \u201eUnsere ersten Ergebnisse sind vielversprechend\u201c, erl\u00e4utert Andrea Ehmann: \u201eWir haben herausgefunden, dass das Wachstum von Gerste- und Kresse-Keimlingen durch die neuen D\u00fcnger nicht gehemmt wird. Au\u00dferdem haben wir teilweise sogar eine bessere D\u00fcngewirkung als bei herk\u00f6mmlichem D\u00fcnger beobachtet. Bis zum Fr\u00fchjahr 2015 kann hoffentlich gen\u00fcgend hergestellt werden, um die neuen D\u00fcnger auch auf dem Feld an Weizen und Mais zu testen. Der gleiche Feldversuch soll \u00fcbrigens auch in Spanien durchgef\u00fchrt werden, um die D\u00fcnger unter verschiedenen klimatischen Bedingungen zu erproben.\u201c<\/p>\n<h3>Projektpartner arbeiten an \u00d6kobilanz<\/h3>\n<p>W\u00e4hrend die Laboranalysen und D\u00fcngerversuche in Hohenheim gemacht werden, wird auf dem landwirtschaftlichen Betrieb eines Projektpartners in Kupferzell eine Pilotanlage zur Produktion des D\u00fcngers aufgebaut. Damit k\u00f6nnen dann etwas gr\u00f6\u00dfere D\u00fcngermengen hergestellt werden als bisher im Labor. In Barcelona entwickeln Partner eine spezielle Membran zur R\u00fcckgewinnung des Stickstoffs, die Teil der Pilotanlage sein wird. An der Universit\u00e4t Wageningen in den Niederlanden arbeiten die Projektpartner daran, eine \u00d6kobilanz zu erstellen und die Akzeptanz des neuen Verfahrens bei der Bev\u00f6lkerung zu untersuchen.<\/p>\n<h3>Neue Einkommensquelle f\u00fcr Landwirte<\/h3>\n<p>Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Wenn die Versuche erfolgreich in die Praxis umgesetzt werden, dann sind die Landwirte in der Lage, die anfallende G\u00fclle direkt mit diesen Pilotanlagen bei sich in den Betrieben aufzubereiten. Dadurch sparen sie nicht nur Geld f\u00fcr den Zukauf von Minerald\u00fcnger, der Verkauf von Biokohle und Minerald\u00fcnger bietet ihnen auch die M\u00f6glichkeit zus\u00e4tzliches Einkommen zu erwirtschaften.<\/p>\n<h3>Hintergrund: Forschungsprojekt \u201eBioEcoSIM\u201c<\/h3>\n<p>Der Projektname \u201eBioEcoSIM\u201c stammt von der englischsprachigen Beschreibung: \u201eAn innovative bio-economy solution to valorise livestock manure into a range of stabilised soil improving materials for environmental sustainability and economic benefit for European agriculture.\u201c Das von der Europ\u00e4ischen Union gef\u00f6rderte Projekt l\u00e4uft bereits seit Oktober 2012 und ist auf vier Jahre angelegt. Das Projekt wird vom Fraunhofer-Institut f\u00fcr Grenzfl\u00e4chen- und Bioverfahrenstechnik (IGB) koordiniert. Neben dem IGB und der Universit\u00e4t Hohenheim sind noch 13 weitere Projektpartner aus Deutschland, den Niederlanden (Universit\u00e4t Wageningen), Spanien (u.a. Centre de Recerca i Innovacio de Catalunya und Centro Tecnologico Agrario y Agroalimentario Asociacion) und Gro\u00dfbritannien (enitial) beteiligt. Darunter sind auch kleine und mittlere Unternehmen. Die Arbeiten an der Universit\u00e4t Hohenheim werden mit rund 417.000 Euro gef\u00f6rdert. Damit z\u00e4hlt das Projekt zu einem der Schwergewichte der Forschung.<\/p>\n<h3>Hintergrund: Schwergewichte der Forschung<\/h3>\n<p>Rund 32,8 Millionen Euro an Drittmitteln akquirierten Wissenschaftler der Universit\u00e4t Hohenheim 2013 f\u00fcr Forschung und Lehre. In loser Folge pr\u00e4sentiert die Reihe \u201eSchwergewichte der Forschung\u201c herausragende Forschungsprojekte mit einem Drittmittelvolumen von mindestens 250.000 Euro bei den Experimental- bzw. 125.000 Euro bei den Sozial- und Gesellschaftswissenschaften.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rund 60 Millionen Tonnen G\u00fclle produzieren Schweine in Deutschland jedes Jahr. 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