{"id":24483,"date":"2015-02-17T03:18:20","date_gmt":"2015-02-17T02:18:20","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=24483"},"modified":"2015-02-16T18:40:42","modified_gmt":"2015-02-16T17:40:42","slug":"biooekonomie-plaedoyer-fuer-eine-nachhaltige-biobasierte-wirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biooekonomie-plaedoyer-fuer-eine-nachhaltige-biobasierte-wirtschaft\/","title":{"rendered":"Bio\u00f6konomie: Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine nachhaltige, biobasierte Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<p><strong>Erkl\u00e4rtes Ziel der beim \u201eGlobal Forum for Food and Agriculture 2015\u201c versammelten Agrarminister aus der ganzen Welt ist es, in der Landwirtschaft biobasierte, nachhaltige Wertsch\u00f6pfungsketten zu bedienen. Dabei soll die steigende Nachfrage nach Nahrung und nachwachsenden Rohstoffen f\u00fcr eine wachsende Weltbev\u00f6lkerung befriedigt werden, ohne die Ern\u00e4hrungssicherheit zu gef\u00e4hrden. Wie aber sind die kommenden Herausforderungen zu meistern?<\/strong><\/p>\n<p>Die Bundesregierung hat 2013 eine umfassende \u201eNationale Politikstrategie Bio\u00f6konomie\u201c beschlossen, die aufbaut auf der &#8220;Nationalen Forschungsstrategie Bio\u00d6konomie 2030&#8221;. Mit dieser wurden die Grundlagen f\u00fcr bio\u00f6konomische Innovationen durch Forschung und Entwicklung geschaffen. Federf\u00fchrend f\u00fcr die neue, auf viele Fachbereiche ausstrahlende Politikstrategie ist das Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft (BMEL), das im Januar 2015 das \u201eGlobal Forum for Food and Agriculture\u201c (GFFA 2015) ausrichtete.<\/p>\n<p>Dort wurde diskutiert, wie ein nachhaltiger Umgang mit den nat\u00fcrlichen Ressourcen vor dem Hintergrund einer wachsenden Weltbev\u00f6lkerung und eines steigenden Bedarfs an Nahrung, Rohstoffen und Energie erzielt werden kann. H\u00f6hepunkt des Forums war der 7. Berliner Agrarministergipfel. Auf diesem stimmten die Landwirtschaftsministerinnen und -minister aus 62 L\u00e4ndern aller Kontinente darin \u00fcberein, dass das Ziel nur erreicht werden kann, wenn das Potenzial der Bio\u00f6konomie voll genutzt und die Nachhaltigkeit der Produktion und Nutzung gew\u00e4hrleistet wird. Die Politiker waren sich auch einig, dass ein weiterer Ausbau der Bio\u00f6konomie nur verantwortbar ist, wenn die Ern\u00e4hrung der Menschen Priorit\u00e4t genie\u00dft. In Workshops und Expertenrunden wurden im Rahmen des GFFA 2015 die bio\u00f6konomischen Rahmenbedingungen und Konzepte behandelt, die in verschiedenen Regionen der Welt entwickelt und durchgesetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Bio\u00f6konomische Kaskadennutzung<\/h3>\n<p>Unter Leitung der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) wurde in einem Fachpodium \u00fcber Standards und Zertifizierungen diskutiert, die sicherstellen sollen, dass nicht nur die Produktion an Biomasse f\u00fcr den Bedarf an Nahrung, Rohstoffen und Energie gesteigert werden muss, sondern diese Produktion auch nachhaltig erfolgt. Die FNR ist von der Bundesregierung als Projekttr\u00e4ger mit der Koordinierung und Betreuung von Forschungsprojekten zur Nutzung nachwachsender Rohstoffe beauftragt. F\u00fcr die Erzeugung von Biokraftstoffen sind in Europa die Vorgaben durch die Erneuerbare-Energien-Richtlinie (2009\/28\/EG) verbindlich, wie Dr. Achim Boenke von der Europ\u00e4ischen Kommission (GD Unternehmen und Industrie) ausf\u00fchrte.<\/p>\n<p>F\u00fcr die stoffliche Biomassenutzung \u2013 f\u00fcr Nahrungs- oder Futtermittel oder als Rohstoffe f\u00fcr die chemische Industrie \u2013 sind Nachhaltigkeitskriterien von der \u201eInitiative Nachhaltige Rohstoffbereitstellung f\u00fcr die stoffliche Biomassenutzung\u201c (INRO) festgesetzt worden. Sie sind aber freiwillig, und ihre Umsetzung mithilfe von Zertifizierungssystemen (wie zum Beispiel der \u201eInternational Sustainability &amp; Carbon Certification\u201c, ISCC und ISCC+) befindet sich noch in der Anfangsphase. Au\u00dferdem handelt es sich oft um sehr komplexe Wertsch\u00f6pfungsketten, die schwerlich in all ihren Teilen nachhaltig sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wie mehrere Referenten betonten, muss f\u00fcr die Sicherung unserer Zukunft auch die Fl\u00e4chennutzung in die Nachhaltigkeitsberechnungen einbezogen werden \u2013 gleichg\u00fcltig, ob f\u00fcr Nahrung, Energie oder Rohmaterialien. Davon sind wir in Deutschland noch weit entfernt, wo trotz stagnierender Bev\u00f6lkerungszahlen t\u00e4glich (!) 80 Hektar landwirtschaftlich oder nat\u00fcrlich gepr\u00e4gter Fl\u00e4che in Siedlungs- und Verkehrsfl\u00e4chen umgewandelt werden.<\/p>\n<p>Wie der Agrar\u00f6konom Joachim von Braun, Vorsitzender des Bio\u00f6konomierates (ein unabh\u00e4ngiges Beratungsgremium f\u00fcr die Bundesregierung), bei der Er\u00f6ffnung des GFFA 2015 erkl\u00e4rte, unterst\u00fctzt die Bio\u00f6konomie den Vorrang f\u00fcr die Ern\u00e4hrung in der Bio\u00f6konomie durch Kaskaden- und Koppelnutzung \u2013 ein zentrales Element der Nationalen Politikstrategie Bio\u00f6konomie. Alles, was in der Pflanze steckt, wird verwendet. An erster Stelle steht die Verwendung f\u00fcr menschliche Nahrung und\/oder als Tierfutter; dann folgt die Nutzung der Biomasse f\u00fcr die Chemie, und erst am Schluss werden die Reste und Abf\u00e4lle energetisch verwendet. Zur Erreichung dieses Zieles braucht es viel \u00dcberzeugungsarbeit und Ausdauer, um die Argumente f\u00fcr die Bio\u00f6konomie wissenschaftlich zu begr\u00fcnden.<\/p>\n<h3>Nachhaltigkeitsstandards in der Wirtschaft: Selbstverpflichtung oder \u00d6ko-Dirigismus?<\/h3>\n<p>Die freiwillige Selbstverpflichtung zur Nachhaltigkeit in einem Industrieunternehmen schilderte Apu Gosalia, Head of Global Competitive Intelligence der FUCHS PETROLUB AG (s. Artikel vom 06.10.2014: \u201eBiobasierte Schmierstoffe &#8211; technische Eigenschaften \u00fcberzeugen\u201c, Link rechts), der in dem Mannheimer Unternehmen auch die Position des \u201eChief Sustainability Officer\u201c einnimmt. F\u00fcr FUCHS hei\u00dft Nachhaltigkeit, \u201edie bestehenden Prozesse und Arbeitsweisen, die Arbeitssicherheit, die Produkte, die hergestellt werden, und das Portfolio so zu optimieren, dass den k\u00fcnftigen Generationen mindestens die gleichen M\u00f6glichkeiten erhalten bleiben, wie wir sie heute haben. Wir wollen mit weniger Ressourcen mehr Wert schaffen, und dies entlang des Drei-S\u00e4ulen-Modells der Nachhaltigkeit, das hei\u00dft in \u00f6konomischer, \u00f6kologischer und sozialer Verantwortung.\u201c Diese Selbstverpflichtung hat Vorbildcharakter und kann helfen, in der Wirtschaft den Willen zur Einf\u00fchrung von Nachhaltigkeitsstandards und -zertifizierungen zu st\u00e4rken. Doch die freiwillige Verpflichtung hat ihre Grenzen: Am Ende entscheiden der Wille des Kunden und die Profitabilit\u00e4t des Unternehmens.<\/p>\n<p>Nicht-Regierungsorganisationen, die im Workshop durch Martina Fleckenstein vom WWF (World Wide Fund for Nature) vertreten waren, setzen sich f\u00fcr Nachhaltigkeitszertifizierungen ein. Sie wenden sich aber dagegen, dass Belange von Umwelt- und Naturschutz immer hinter den wirtschaftlichen Interessen zur\u00fcckstehen m\u00fcssen. Zwar hat es in der europ\u00e4ischen Bioenergiepolitik Nachbesserungen gegeben, die den Vorrang der Ern\u00e4hrungssicherheit betonen und den Konkurrenzdruck bei der Fl\u00e4chennutzung von Energie- und Nahrungspflanzen abschw\u00e4chen. Doch die \u00f6kologischen W\u00fcsten der Mais- und Raps-Monokulturen, die als Folge der sprunghaft eingef\u00fchrten Biospritquoten und hohen Subventionen f\u00fcr die Biogasproduktion entstanden sind, werden kaum wieder in biologisch wertvolle Lebensr\u00e4ume zur\u00fcckverwandelt.<\/p>\n<p>Die Erhaltung der Biodiversit\u00e4t und die Sicherung kohlenstoffreicher Fl\u00e4chen, die auch dem Klimaschutz dienen, m\u00fcssen neben der Ern\u00e4hrungssicherheit Priorit\u00e4t haben. Der Staat muss Schutzmechanismen f\u00fcr die nat\u00fcrlichen Ressourcen B\u00f6den, Wasser und Luft durchsetzen. Das hei\u00dft, die f\u00fcr ihre Nutzung entstehenden Kosten m\u00fcssen in die Preisberechnungen einflie\u00dfen und d\u00fcrfen nicht unbestimmt der ganzen Gesellschaft und zuk\u00fcnftigen Generationen angelastet werden. Von Verfechtern des \u201eFreien Marktes\u201c wird gegen die Forderungen der Vorwurf eines \u00fcberbordenden \u201e\u00d6ko-Dirigismus in der Landwirtschaft\u201c erhoben. Doch ohne gesetzliche Regelungen werden umfassende Nachhaltigkeitskriterien, die bei allen Produktionsschritten auch die Emissionen, den Wasserverbrauch und die Bodenqualit\u00e4t ber\u00fccksichtigen, nicht umsetzbar sein. Die Einhaltung solcher Kriterien ist heute schon \u00fcberpr\u00fcfbar. Wie Dr. Andreas Sch\u00fctte von der FNR im R\u00e9sum\u00e9 des Workshops festhielt, sind Zertifizierungen ein Teil der Probleml\u00f6sung; sie tragen dazu bei, auf dem Weg zu einer nachhaltigen Bio\u00f6konomie voranzukommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erkl\u00e4rtes Ziel der beim \u201eGlobal Forum for Food and Agriculture 2015\u201c versammelten Agrarminister aus der ganzen Welt ist es, in der Landwirtschaft biobasierte, nachhaltige Wertsch\u00f6pfungsketten zu bedienen. Dabei soll die steigende Nachfrage nach Nahrung und nachwachsenden Rohstoffen f\u00fcr eine wachsende Weltbev\u00f6lkerung befriedigt werden, ohne die Ern\u00e4hrungssicherheit zu gef\u00e4hrden. 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