{"id":24380,"date":"2015-02-10T03:03:01","date_gmt":"2015-02-10T02:03:01","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=24380"},"modified":"2015-02-09T16:33:35","modified_gmt":"2015-02-09T15:33:35","slug":"der-grosse-streit-um-neue-muelltueten-fuer-die-biotonne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/der-grosse-streit-um-neue-muelltueten-fuer-die-biotonne\/","title":{"rendered":"Der gro\u00dfe Streit um neue M\u00fcllt\u00fcten f\u00fcr die Biotonne"},"content":{"rendered":"<p>Seit Jahresbeginn ist die getrennte Sammlung von Bioabf\u00e4llen B\u00fcrgerpflicht, so will es das Kreislaufwirtschaftsgesetz. Bislang landeten durchschnittlich rund 70 Kilogramm organische Abf\u00e4lle pro Einwohner und Jahr im Hausm\u00fcll.<\/p>\n<p>Biom\u00fcll ist viel zu wertvoll, um ihn mit dem Restm\u00fcll zu verbrennen. So kann biologisch entstandener Abfall etwa zur Energieerzeugung in Biogasanlagen genutzt werden.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem k\u00f6nnen die Bioabf\u00e4lle als D\u00fcnger und zur Bodenverbesserung in der Landwirtschaft eingesetzt werden und so k\u00fcnstlich hergestellte D\u00fcnger und Torf ersetzen. Deshalb sollen die B\u00fcrger organische Abf\u00e4lle sammeln, sorgf\u00e4ltig getrennt, versteht sich, denn grobe Verunreinigungen oder Fehlw\u00fcrfe erschweren die Nutzung und m\u00fcssen m\u00fchsam von Hand ausgelesen werden.<\/p>\n<h3>Verordnung listet auf, was in die Biotonne geh\u00f6rt<\/h3>\n<p>Was in die neue Biotonne geh\u00f6rt, listet die Bioabfallverordnung auf. Dazu geh\u00f6ren beispielsweise Baumzweige, Blumen, Grasschnitt, Eierschalen, Reste von Brot, Fisch, Gem\u00fcse, K\u00e4se, Salat, Joghurt und Quark, Kartoffelschalen, Kaffee-Filtert\u00fcten mit Satz, Nuss- und Obstschalen, gekochte Speisereste, Verpackungen aus gekennzeichneten biologisch abbaubaren Kunststoffen, Federn, Haare, Holzwolle und S\u00e4gesp\u00e4ne von unbehandeltem Holz.<\/p>\n<p>Noch nicht \u00fcberall kommt der Biom\u00fcll in die Tonne. Laut Bundesumweltministerium haben 340 der etwa 400 Stadt- und Landkreise eine Biotonne eingef\u00fchrt, aber mehrere Millionen B\u00fcrger haben noch keine Tonne, um getrennt gesammelte Bioabf\u00e4lle zu entsorgen.<\/p>\n<p>Nach geltendem Recht sind St\u00e4dte und Gemeinden zwar verpflichtet, eine getrennte Sammlung von Bioabf\u00e4llen anzubieten. Dass dies aber mithilfe der Biotonne zu geschehen hat, schreibt das Gesetz nicht vor. Manche Kommunen, welche die Einf\u00fchrung einer eigenen Tonne ablehnen, verweisen auf bestehende Gr\u00fcngutsammelstellen, zu denen die B\u00fcrger organischen Abfall bringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wieder andere bef\u00fcrchten hygienische Probleme. Insbesondere in der hei\u00dfen Jahreszeit k\u00f6nnen Biotonnen einen &#8220;anr\u00fcchigen&#8221; Anblick bieten. Vor allem wenn sie nicht richtig gepflegt werden und dann zu einer stinkenden Brutst\u00e4tte f\u00fcr Ungeziefer werden.<\/p>\n<p>Deshalb raten Experten, die Biotonne w\u00f6chentlich leeren zu lassen. Im Sommer sollte sie zudem einen schattigen Platz bekommen, und man sollte darauf achten, dass der Deckel immer geschlossen ist. Damit es in der Tonne nicht suppt, diese unten mit Zeitungspapier auslegen, das saugt \u00fcbel riechende Fl\u00fcssigkeiten auf und verhindert, dass Abf\u00e4lle ankleben.<\/p>\n<p>Nach der Leerung sollte die Tonne mit Wasser ausgesp\u00fclt und zum Trocknen auf den Kopf gestellt werden. Gegen Fliegen- und Madenbefall kann ein Moskitonetz helfen, das mit Gummi \u00fcber die \u00d6ffnung der Tonne gespannt wird.<\/p>\n<h3>Hersteller hoffen auf lukratives Gesch\u00e4ft<\/h3>\n<p>Mit neuartigen Biokunststoff-M\u00fcllt\u00fcten will die Industrie die Vorbehalte buchst\u00e4blich zerstreuen und das Sammeln erleichtern. Die T\u00fcten bestehen beispielsweise aus biologisch abbaubaren Polyestern, gemischt mit Maisst\u00e4rke, Zellulose und Polymilchs\u00e4ure. Sie sollen sich rasch und umweltschonend zersetzen. Das jedenfalls versprechen die Hersteller den Verbrauchern und hoffen auf ein lukratives Gesch\u00e4ft.<\/p>\n<p>Um den Absatz der Beutel anzukurbeln, wurde eigens ein Lobbyverband gegr\u00fcndet. &#8220;Das Marktpotenzial von Bioabfallbeuteln w\u00fcrden wir grob gesch\u00e4tzt auf ungef\u00e4hr 150 Millionen Beutel pro Jahr in Deutschland beziffern&#8221;, sagt Katharina Hinse vom Verbund kompostierbare Produkte.<\/p>\n<p>Doch es gibt Streit \u00fcber die Frage, wie weitgehend die Beutel kompostierbar sind, um in der praktischen Verwertung als vollst\u00e4ndig &#8220;biologisch abbaubar&#8221; zu gelten. Zwar legt die EU-Norm EN 13432 fest, wie weit die Beutel sich zersetzen m\u00fcssen. Kritiker halten die Vorgabe jedoch f\u00fcr einen Papiertiger.<\/p>\n<p>&#8220;Bioabbaubarkeit bedeutet, dass sich ein Material nach einer festgeschriebenen Zeit unter definierten Temperatur-, Sauerstoff und Feuchtebedingungen in der Anwesenheit von Mikroorganismen oder Pilzen zu mehr als 90 Prozent zu Wasser, Kohlendioxid und Biomasse abgebaut haben muss.<\/p>\n<p>Dabei werden sogenannte biologisch abbaubare Kunststoffe nicht zwangsl\u00e4ufig aus nachwachsenden pflanzlichen oder tierischen Rohstoffen hergestellt; es gibt auch Kunststoffe aus fossilen, nicht nachwachsenden Ressourcen, die biologisch abbaubar sind.<\/p>\n<p>Die biologische Abbaubarkeit ist somit nicht an die Rohstoffbasis gebunden, sondern h\u00e4ngt allein von der chemischen Struktur des Werkstoffs und seinem Verm\u00f6gen ab, sich durch biologische Aktivit\u00e4t in nat\u00fcrlich vorkommende Stoffwechselendprodukte umzuwandeln&#8221;, stellt das Umweltbundesamt fest.<\/p>\n<h3>Biokunststoffe nur noch in begrenztem Ma\u00dfe zul\u00e4ssig<\/h3>\n<p>Die Umweltschutzorganisation BUND sieht den Einsatz von Bioplastik ebenfalls kritisch. &#8220;Seine Herstellung ist sehr energieintensiv und mit hohen Treibhausgasemissionen verbunden. Im Vergleich zu konventionellen Kunststoffen l\u00e4sst sich damit keine bessere \u00d6kobilanz nachweisen. Der Anbau von Pflanzen f\u00fcr Bioplastik steht au\u00dferdem in Konkurrenz zum Anbau von Nahrungsmitteln. Hinzu kommen D\u00fcngemittel, die die Gew\u00e4sser belasten.&#8221;<\/p>\n<p>\u00c4hnlich argumentiert die Deutsche Umwelthilfe: &#8220;Seit Inkrafttreten der D\u00fcngemittelverordnung im Dezember 2008 sind Biokunststoffe nicht mehr als Ausgangsstoff f\u00fcr die Produktion von D\u00fcngemitteln vorgesehen, sondern nur noch als unvermeidbare Bestandteile in begrenztem Ma\u00dfe zul\u00e4ssig. Die Kompostierung sogenannter Biokunststoffe ist nach Aussage von Betreibern von Kompostierungsanlagen ausschlie\u00dflich eine Entsorgungsleistung.&#8221;<\/p>\n<p>Dagegen erhob die Industrie postwendend Einspruch bei der Politik. Ende 2011 wurde die Bioabfallverordnung ge\u00e4ndert. Danach d\u00fcrfen Kunststofft\u00fcten, die \u00fcberwiegend aus biobasierten Materialien bestehen und die Vorgaben der europ\u00e4ischen Norm EN 13432 f\u00fcr kompostierbare Kunststoffe erf\u00fcllen, nun doch als Beutel f\u00fcr die Bioabfallsammlung eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Hinter der un\u00fcbersichtlichen Gemengelage stecken handfeste Interessen. In einer aktuellen Marktanalyse erwartet die Unternehmungsberatung IHS Chemical, dass die weltweite Nachfrage nach bioabbaubaren Kunststoffen von 269.000 Tonnen im Jahr 2012 auf rund 525.000 Tonnen im Jahr 2017 steigt.<\/p>\n<h3>Traumhafte Absatzzuw\u00e4chse prognostiziert<\/h3>\n<p>F\u00fcr Deutschland und Europa prognostizieren die Marktbeobachter traumhafte Absatzzuw\u00e4chse von 15 bis 20 Prozent pro Jahr, angetrieben vor allem von der Nachfrage umweltbewusster Verbraucher. Die gl\u00e4nzenden Aussichten lassen die Unternehmen in neue Techniken und immer gr\u00f6\u00dfere Anlagen investieren.<\/p>\n<p>So hat etwa der Chemiehersteller BASF an seinem Standort Ludwigshafen die Produktionsmenge f\u00fcr den biologisch abbaubaren Kunststoff Ecoflex von 14.000 Jahrestonnen auf 74.000 Jahrestonnen hochgefahren. Der Kunststoff, so stellt der Hersteller fest, &#8220;weist die Eigenschaften des klassischen Polyethylen auf&#8221; und ist &#8220;unter industriellen Kompostierbedingungen gem\u00e4\u00df DIN EN 13432 vollst\u00e4ndig biologisch abbaubar&#8221;.<\/p>\n<p>Das Unternehmen produziert auch einen weiterentwickelten bioabbaubaren Kunststoff, der bis zu 75 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugt wird. Aus den Materialien werden Tragetaschen, Biom\u00fcllbeutel, Folien zum Abdecken von Pflanzen sowie Lebensmittelverpackungen hergestellt.<\/p>\n<p>Um die Konsumenten vom Nutzen der Biobeutel zu \u00fcberzeugen, hat das Unternehmen im Herbst 2011 zusammen mit der Berliner Stadtreinigung (BSR) ein ungew\u00f6hnliches Projekt gestartet. Jeder der \u00fcber 21.000 Haushalte in den Berliner Stadtteilen Prenzlauer Berg und Hellersdorf erhielt ein Test-Set mit zehn Biobeuteln.<\/p>\n<p>In einer anschlie\u00dfend durchgef\u00fchrten Umfrage konnten die B\u00fcrger ihre Erfahrungen damit einbringen. Rund 80 Prozent der befragten B\u00fcrger waren mit den T\u00fcten zur Bioabfallsammlung zufrieden, stellen BASF und BSR fest.<\/p>\n<p>Die Zahl der Fehlw\u00fcrfe, also der konventionellen, nicht abbaubaren T\u00fcten in der Biotonne, sei w\u00e4hrend des Testeinsatzes der Biobeutel deutlich zur\u00fcckgegangen: In Prenzlauer Berg sank die Fehlwurfquote demnach um 37 Prozent, in Hellersdorf um bis zu 67 Prozent.<\/p>\n<p>Auf positive Erfahrungen k\u00f6nnen auch viele der Kommunen zur\u00fcckblicken, welche die Biotonne vor dem gesetzlich verpflichtenden Termin eingef\u00fchrt haben. Der gesammelte Biom\u00fcll sei von sehr guter Qualit\u00e4t, hei\u00dft es bei den st\u00e4dtischen Abfallbetrieben in Wesel.<\/p>\n<h3>Forscher wollen Biokunststoffe umweltfreundlicher machen<\/h3>\n<p>In der Region Augsburg war der Sammeleifer der B\u00fcrger so gro\u00df, dass die Biotonne rasch \u00fcbergewichtig wurde. Und auch im Taunusst\u00e4dtchen Usingen, das die getrennte Bioabfallsammlung im Rahmen eines Pilotprojektes im Vorjahr erprobt hat, kam die Biotonne gut bei den B\u00fcrgern an.<\/p>\n<p>Biokunststoffe umweltfreundlicher und f\u00fcr den Praxiseinsatz fit zu machen, dieses Ziel hat sich ein europ\u00e4isches Forschungsprojekt unter Mitarbeit des Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Silikatforschung (ISC) zum Ziel gesetzt.<\/p>\n<p>&#8220;In Verpackungen wird Bioplastik bisher kaum eingesetzt, denn es sch\u00fctzt die Ware nicht ausreichend vor Ger\u00fcchen, Sauerstoff und Wasserdampf&#8221;, sagt Sabine Amberg-Schwab, Leiterin des Fachbereichs Funktionelle Barriereschichten am ISC.<\/p>\n<p>Bei der L\u00f6sung f\u00fcr das Problem half den Forschern ein Blick in die Natur. &#8220;Wir verwenden in unterschiedlichen Rezepturen Naturstoffe, die biologisch abbaubar sind und von sich aus eine gute Barrierewirkung entfalten&#8221;, erkl\u00e4rt die Forscherin.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr wurden pflanzliche und tierische Naturstoffe wie Cellulose und Chitosan chemisch so modifiziert, dass sie sich leicht verarbeiten lassen. Gebunden werden die Biopolymere durch ein Ger\u00fcst aus Siliziumdioxid, das wiederum selbst \u00fcber gute Barriereeigenschaften verf\u00fcgt.<\/p>\n<p>Das Ger\u00fcst zerf\u00e4llt im nat\u00fcrlichen Abbauprozess nicht wie die anderen verwendeten Naturstoffe. Von ihm bleiben beim Abbau nur kleine Reste in Form von Sand \u00fcbrig. Tests mit dem als Bioormocer bezeichneten Beschichtungsmaterial ergaben, dass Folien daraus in einem angemessenen Zeitraum von mehreren Wochen verrotten.<\/p>\n<p>Als N\u00e4chstes wollen die Forscher Techniken f\u00fcr die industrielle Herstellung entwickeln. Bevor das neue Material eingesetzt werden kann, muss es in umfangreichen Verpackungstests seine Alltagstauglichkeit beweisen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Jahresbeginn ist die getrennte Sammlung von Bioabf\u00e4llen B\u00fcrgerpflicht, so will es das Kreislaufwirtschaftsgesetz. 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