{"id":24284,"date":"2015-02-02T03:18:02","date_gmt":"2015-02-02T02:18:02","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=24284"},"modified":"2015-01-30T08:32:39","modified_gmt":"2015-01-30T07:32:39","slug":"jatrosolutions-oel-aus-der-jatropha-pflanze-fuer-biosprit-und-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/jatrosolutions-oel-aus-der-jatropha-pflanze-fuer-biosprit-und-mehr\/","title":{"rendered":"JatroSolutions: \u00d6l aus der Jatropha-Pflanze f\u00fcr Biosprit und mehr"},"content":{"rendered":"<p>Die \u00e4u\u00dferst robuste und gen\u00fcgsame Jatropha-Pflanze w\u00e4chst in den Tropen und Subtropen auf Brachland. Sie produziert dabei \u00f6lhaltige Fr\u00fcchte, die zu den verschiedensten Produkten wie Biokraftstoff, Tierfutter, Kosmetika oder organischem D\u00fcnger verarbeitet werden k\u00f6nnen. Bislang waren die Ertr\u00e4ge der Wildpflanzen jedoch zu gering, um diese wirtschaftlich lohnend nutzen zu k\u00f6nnen. Dies soll sich nun \u00e4ndern. Experten f\u00fcr den Jatropha-Anbau der Beratungsfirma JatroSolutions aus Stuttgart-Hohenheim arbeiten bereits seit 2007 daran, die Jatropha-Pflanze wirtschaftlich lohnend sowie \u00f6kologisch und sozial vertr\u00e4glich anbauen zu k\u00f6nnen. Im vergangenen Jahr konnten die ersten Jatropha-Sorten auf den Markt gebracht werden, die die erforderlichen Kriterien erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Die Firma JatroSolutions Bioenergy Consulting ist eine Ausgr\u00fcndung der Universit\u00e4t Hohenheim. Sie ging im Jahr 2005 aus einem gemeinsamen Forschungsprojekt der Hochschule und dem Energieversorger EnBW unter der Federf\u00fchrung von Prof. Dr. Klaus Becker hervor, der damals das Institut f\u00fcr Tierern\u00e4hrung und Weidewirtschaft in den Tropen und Subtropen leitete. Der mittlerweile emeritierte Professor unterst\u00fctzt die Firma seit seinem R\u00fccktritt vom Posten des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers mit seiner Expertise als freier Berater. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer sind Mitgr\u00fcnder Klaus Tropf und Ralf Scholz von der EnBW. Das einstige Start-up-Unternehmen, das sich als die f\u00fchrende \u201eJatropha-Firma\u201c weltweit bezeichnet, hat heute zwei Tochterunternehmen; Hauptanteilseigner ist seit Januar 2015 die EnBW.<\/p>\n<p>Das erste Tochterunternehmen, die JatroSelect Bioenergy Breeding, besch\u00e4ftigt sich mit der z\u00fcchterischen Optimierung der Pflanzen. Die zweite Tochter JatroGreen Bioenergy Madagascar erprobt auf einer Forschungs- und Entwicklungsfarm auf Madagaskar Anbaumethoden und Verarbeitung von Jatropha. Dar\u00fcber hinaus ist die JatroSolutions Gr\u00fcndungsmitglied des Vereins aireg (Aviation Initative for Renewable Energy in Germany e.V.). Das Unternehmen m\u00f6chte mit seiner Arbeit aber nicht nur zum Klimaschutz und zu einer globalen und nachhaltigen Energieversorgung beitragen, sondern auch die sozial und \u00f6kologisch vertr\u00e4gliche Entwicklung l\u00e4ndlicher Gebiete sichern.<\/p>\n<h3>Jatropha \u2013 \u00d6lpflanze, die auch im W\u00fcstenklima w\u00e4chst<\/h3>\n<p>Die Jatropha-Pflanze (Jatropha curcas L.) \u2013 wegen ihrer abf\u00fchrenden Wirkung auch Purgiernuss genannt \u2013 wird heute weltweit in tropischen und subtropischen Gebieten angebaut. Sie ist an Trockenheit angepasst und kann leicht mehrere Meter hoch und bis zu 50 Jahre alt werden. Als Wolfsmilchgew\u00e4chs produziert die Pflanze toxische Substanzen &#8211; ein nat\u00fcrlicher Fra\u00dfschutz gegen Tiere und andere Sch\u00e4dlinge. Die Samen k\u00f6nnen einen \u00d6lgehalt von bis zu 43 Prozent erreichen. Jatropha\u00f6l hat eine mit Raps\u00f6l vergleichbare Zusammensetzung und gilt damit als hochwertig. Es ist jedoch wegen seiner giftigen Bestandteile nicht f\u00fcr den Verzehr geeignet und wird deshalb zur Herstellung verschiedenster industrieller Produkte verwendet. Aber auch andere Pflanzenteile wie Bl\u00e4tter, Stamm, Wurzel oder Pflanzensaft sind kostbare Rohstoffe.<\/p>\n<p>\u201eJatropha kommt urspr\u00fcnglich aus Mittelamerika und wurde zum Beispiel zur Wundheilung aufgrund der antiseptischen Wirkung traditionell schon seit Langem medizinisch genutzt\u201c, sagt Dr. Brigitte Bohlinger, Agraringenieurin und Senior Consultant bei JatroSolutions. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen durch die Pflanzung von Jatropha auf Brachland n\u00e4hrstoffarme B\u00f6den rekultiviert werden; f\u00fcr den Anbau im Plantagenma\u00dfstab m\u00fcssen wegen der geringen Standortanspr\u00fcche der Pflanze folglich im Gegensatz zu \u00d6lpalmen keine Urw\u00e4lder gerodet werden.<\/p>\n<p>An verschiedenen Verwendungsm\u00f6glichkeiten der Jatrophapflanze wurde bei JatroSolutions und an der Universit\u00e4t Hohenheim in den letzten Jahren intensiv geforscht. Dabei wurde eine beachtliche Wertsch\u00f6pfungskette entwickelt: So k\u00f6nnen Frucht- und Samenschalen zu Heizpellets, oder Jatrophakernmehl, ein Reststoff der \u00d6lpressung, zu Industrieprodukten wie Folien f\u00fcr Verpackungsmaterial verarbeitet werden. Hauptprodukt ist jedoch das goldgelbe Kern\u00f6l, aus dem Biodiesel oder -kerosin, kosmetische Produkte wie Seifen oder auch Pestizide hergestellt werden k\u00f6nnen. Das nach der \u00d6lpressung verbleibende Kernmehl kann als Substrat f\u00fcr Biogasanlagen verwendet, als organischer D\u00fcnger auf die Felder zur\u00fcckgef\u00fchrt oder nach Entgiftung aufgrund der Proteingehalte von bis zu 50 Prozent zu Tierfutter verarbeitet werden. Gr\u00f6\u00dfte \u00f6konomische und \u00f6kologische Bedeutung hat jedoch die Weiterverarbeitung des \u00d6ls zu Biotreibstoffen und damit die Schaffung von Alternativen zu fossilen Ressourcen.<\/p>\n<h3>Erste marktf\u00e4hige Jatropha-Sorte seit 2014<\/h3>\n<p>In China oder Indien wird das Jatropha\u00f6l bereits seit Jahren als Rohstoff f\u00fcr die Biodieselproduktion genutzt. F\u00fcr den Anbau wurden bisher allerdings Samen von Wildpflanzen verwendet, wodurch \u00d6lertrag und -qualit\u00e4t mitunter stark schwanken, was einer wirtschaftlichen Nutzung entgegensteht. Dies war der Grund f\u00fcr die Experten von JatroSolutions, sich intensiv mit dem genetischen Potenzial von Jatropha zu besch\u00e4ftigen. \u201eWir haben erstmals angefangen, die Pflanzen z\u00fcchterisch zu bearbeiten\u201c, so Bohlinger.<\/p>\n<p>Ziel der Forschungsarbeiten war eine Steigerung des \u00d6lertrags bei gleichzeitiger Verbesserung der \u00d6lqualit\u00e4t. Dies ist den Forschern im vergangenen Jahr gelungen: Seit 2014 sind die ersten marktf\u00e4higen Jatropha-Sorten im Portfolio der Firma. \u201eDiese Sorten liefern Ertr\u00e4ge von 3 bis 3,5 Tonnen Samen und somit circa eine Tonne \u00d6l pro Hektar\u201c, erkl\u00e4rt die Hohenheimer Agraringenieurin. \u201eDer Presskuchen wandert in die Biogasanlage oder, wenn er entgiftet wird, kann man ein sehr hochwertiges Proteinfutter daraus gewinnen.\u201c Um die ersten Sorten auf den Markt bringen zu k\u00f6nnen, wurden in umfangreichen, mehrj\u00e4hrigen Z\u00fcchtungsprogrammen 370 Genotypen untersucht und selektiert. Die besten Genotypen wurden dann an 14 Standorten weltweit unter verschiedenen klimatischen Bedingungen getestet.<\/p>\n<h3>Anbauversuche auf Forschungsstationen weltweit<\/h3>\n<p>Zur Erprobung des Jatropha-Anbaus besitzt JatroSolutions durch ihre Tochterfirma JatroGreen bereits seit sieben Jahren eine Z\u00fcchtungsstation und Forschungs- und Entwicklungsfarm auf Madagaskar. Hier werden auf mittlerweile rund 1.000 Hektar verschiedene Anbauverfahren getestet. Konkret geht es um die Optimierung des Auspflanzungsverfahrens, die Synchronisation der Bl\u00fcte, das Testen verschiedener Schnitttechniken, D\u00fcngeversuche und die Verbesserung der Bodenqualit\u00e4t. Weiterhin werden Ernte- und Nachernteprozesse optimiert und \u00f6kologische und sozio-\u00f6konomische Auswirkungen der verschiedenen Anbauverfahren analysiert. Es stehen vor allem die Produktion des Pflanzen\u00f6ls und dessen lokale Nutzung als Ersatz f\u00fcr fossilen Treibstoff im Vordergrund.<\/p>\n<p>Neben der Station auf Madagaskar betreibt das Unternehmen durch die JatroSelect weitere Z\u00fcchtungsstationen in Argentinien, Paraguay, Kamerun und Indien \u2013 allesamt L\u00e4nder mit gro\u00dfem Fl\u00e4chenpotenzial und Bedarf an nachwachsenden Rohstoffen. Klima und B\u00f6den in diesen L\u00e4ndern sind repr\u00e4sentativ f\u00fcr m\u00f6gliche Jatrophafarm-Standorte weltweit. Hier werden die selektierten potenten Genotypen in mehrj\u00e4hrigen Versuchen auf ihre Leistungsf\u00e4higkeit untersucht und weiter z\u00fcchterisch bearbeitet.<\/p>\n<p>Kerngesch\u00e4ft der JatroSolutions ist nach der Ende 2014 abgeschlossenen \u201eForschungsphase\u201c nun ein umfassender technischer und \u00f6konomischer Beratungsservice, der mit Machbarkeitsstudien beginnt und bis hin zu Etablierungs- und Managementkonzepten von Jatropha-Plantagen reicht. Ein weiteres Standbein ist der Vertrieb von hochwertigem Saatgut.<\/p>\n<h3>Kritik richtet sich gegen gro\u00dffl\u00e4chigen Anbau von Wildpflanzen<\/h3>\n<p>Es gibt jedoch auch kritische Stimmen, die anf\u00fchren, dass der kommerzielle Jatropha-Anbau auf degradiertem, trockenem Land gar nicht m\u00f6glich sei und man daher Ackerland brauche, das eigentlich zur Nahrungsmittelerzeugung ben\u00f6tigt wird. \u201eDie Kultivierung von Wildpflanzen auf gro\u00dfer Fl\u00e4che \u2013 das geht schon, bringt aber keinen oder wenig Gewinn. Die Leute sind im Vorfeld beim Anbau von Jatropha viel zu blau\u00e4ugig vorgegangen. H\u00f6chstertr\u00e4ge sind auf degradierten Fl\u00e4chen mit Wildpflanzen nicht zu erwarten\u201c, sagt Jatropha-Expertin Bohlinger. Und sie f\u00fcgt hinzu: \u201eDas ist, als wenn man einen K\u00e4fer mit einem Porsche vergleicht. Die Leistung des Porsche entspr\u00e4che einer Hochertragssorte, die Wildsorte w\u00e4re vielleicht das erste Fahrzeug oder ein alter VW-K\u00e4fer. Mit unserer ersten Sorte befinden wir uns jetzt etwa im \u201eVW-Golf-Status\u201c.<\/p>\n<p>Aktuellstes Projekt des Unternehmens ist der Aufbau einer 1.000 Hektar gro\u00dfen Jatropha-Farm in Afrika mit den hauseigenen Hochleistungssorten und unter Anwendung der auf der Forschungs- und Entwicklungsfarm auf Madagaskar gewonnenen Erkenntnisse zu Demonstrationszwecken f\u00fcr k\u00fcnftige Kunden. Die EnBW f\u00f6rdert dieses Projekt. Aus dem \u00d6l der marktf\u00e4higen Hochleistungssorten will man dann zum Beispiel Biokerosin herstellen, das Fluggesellschaften vertanken, womit sie ihre CO2-Emissionen nennenswert senken k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u00e4u\u00dferst robuste und gen\u00fcgsame Jatropha-Pflanze w\u00e4chst in den Tropen und Subtropen auf Brachland. 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