{"id":24163,"date":"2015-01-23T03:12:08","date_gmt":"2015-01-23T02:12:08","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=24163"},"modified":"2015-01-22T14:05:38","modified_gmt":"2015-01-22T13:05:38","slug":"bio-logisch-oder-was","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bio-logisch-oder-was\/","title":{"rendered":"Bio \u2013 logisch oder was?"},"content":{"rendered":"<p>Wenn es um Spielzeug und Ausstattung f\u00fcr Babys und Kinder geht, greifen Verbraucher gerne zu nachhaltigen und\/oder Bioprodukten. Viele Hersteller sind daher auf der Suche nach Biokunststoffen. Doch der Ersatz erd\u00f6lbasierter Werkstoffe gestaltet sich nicht immer einfach. Und dies liegt nicht immer an den Werkstoffeigenschaften.<\/p>\n<p>&#8220;Die Spielwarenbranche schreit nach Biokunststoffen. F\u00fcr sie ist das Thema Nachhaltigkeit von gro\u00dfer Bedeutung, deshalb geh\u00f6rt sie ganz klar zu den Vorreitern&#8221;, sagt J\u00fcrgen Pfitzer, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Tecnaro GmbH mit Sitz in Ilsfeld bei Heilbronn. Das Unternehmen geh\u00f6rt nach eigenen Aussagen zu den Pionieren im Bereich Biopolymere aus nachwachsenden Rohstoffen und hat mit Haba und Schleich zwei prominente Kunden aus der Spielwarenbranche. Tecnaro kann laut Pfitzer mittlerweile eine gro\u00dfe Bandbreite an biobasierten Standardwerkstoffen als Ersatz f\u00fcr traditionelle Kunststoffe anbieten, die auch nach DIN EN 71, der Norm f\u00fcr Spielzeugsicherheit, zertifiziert sind. Sie alle lassen sich auf Standardspritzgie\u00df-, Extrusions- oder Blasformmaschinen einsetzen. Darauf habe man von Anfang an geachtet.<\/p>\n<p>Sollte sich kein passender Werkstoff in der insgesamt 3.000 Produkte umfassenden Datenbank finden, entwickelt Tecnaro auch gemeinsam mit dem Kunden einen Biokunststoff, der den Anforderungen an das entsprechende Produkt entspricht.<\/p>\n<p>Bio-TPV f\u00fcr Hart-Weich-Verbindungen<\/p>\n<p>Gemeinsam mit dem Spielfigurenhersteller Schleich, Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd, und dem SKZ, W\u00fcrzburg, hat Tecnaro beispielsweise j\u00fcngst im Projekt Bio-TPV eine neue Materialklasse thermoplastischer Vulkanisate (TPV) entwickelt, die zu knapp 90% aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Dies hat nicht nur Vorteile f\u00fcr die Umwelt, sondern auch f\u00fcr die Produktion: Aufgrund des Materials sind sie deutlich polarer, so dass Kunststoffverarbeiter damit nun auch Hart-Weich-Verbunde vollst\u00e4ndig aus Biokunststoff fertigen k\u00f6nnen. Nach Darstellung des SKZ ist die Einstellung der H\u00e4rte beim Bio-TPV gut m\u00f6glich. Es verf\u00fcgt \u00fcber eine angenehme Haptik, l\u00e4sst sich gut bedrucken oder lackieren. Allerdings ist es empfindlich gegen Scherung und Temperatur.<\/p>\n<p>&#8220;Es handelt sich immer um einen komplett neuen Werkstoff mit eigenem Schrumpfverhalten oder anderen Eigenschaften. Traditionelle Kunststoffe lassen sich daher nicht eins zu eins durch Biokunststoffe ersetzen&#8221;, stellt Pfitzer klar. Deshalb kommen die Tecnaro-Werkstoffe auch eher f\u00fcr neue denn f\u00fcr etablierte Produkte zum Einsatz. &#8220;In vielen Bereichen sind Biokunststoffe aber den etablierten sogar \u00fcberlegen, beispielsweise bei diversen ABS-Typen&#8221;, betont Pfitzer.<\/p>\n<h3>Kleine, feine Anwendungen<\/h3>\n<p>Gro\u00dfe ABS-Verarbeiter aus der Spielwarenbranche wie beispielsweise Lego und Playmobil haben diese allerdings (noch) nicht in der Serie im Einsatz. &#8220;Wir bedienen in der Spielwarenbranche in der Tat heute tendenziell eher kleinere Anwendungen mit weniger gro\u00dfen St\u00fcckzahlen&#8221;, r\u00e4umt der Tecnaro-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer ein. &#8220;Dass wir in diese Branche noch nicht die gro\u00dfen Mengen liefern, liegt aber oftmals nicht am Werkstoff und seiner Verarbeitbarkeit, sondern an anderen Gr\u00fcnden wie etwa den Gro\u00dfmengenpreisen. Wenn ein Verarbeiter eine gro\u00dfe Menge Polyamid im Jahr bei einem gro\u00dfen Werkstoffhersteller kauft, vereinbart er mit diesem einen bestimmten Preis. Diese Konditionen kann er aber nicht mehr realisieren, wenn er einen Teil davon durch einen Biowerkstoff von uns ersetzt.&#8221;<\/p>\n<p>Dass Biowerkstoffe generell mehr kosten als ihre erd\u00f6lbasierten Pendants, ist laut Pfitzer &#8220;zu vernachl\u00e4ssigen, wenn man sich den gesamten Lebenszyklus eines Produkts anschaut. Unsere Biokunststoffe sind zwar etwa zehn Prozent teurer, aber wir k\u00f6nnen den Kunden sehr oft eine bessere Verarbeitbarkeit und damit k\u00fcrzere Zykluszeiten garantieren, so dass es sich f\u00fcr ihn wirtschaftlich rechnet&#8221;.<\/p>\n<p>So mancher Verarbeiter schwenke hingegen nicht auf Biokunststoffe um, da er das von ihnen genutzte Polyamid rezykliere und anschlie\u00dfend am Markt verkaufe. &#8220;Bei solchen Argumenten k\u00e4mpfen wir gegen Windm\u00fchlen&#8221;, so Pfitzer.<\/p>\n<p>Allerdings stellt er in Gespr\u00e4chen immer wieder fest, dass &#8220;viele Verarbeiter nicht wissen, dass Biokunststoffe es technisch und preislich mit etablierten Kunststoffen aufnehmen k\u00f6nnen&#8221;. Auch gebe es nach wie vor Vorbehalte hinsichtlich m\u00f6glicher Qualit\u00e4tsschwankungen bei den nachwachsenden Werkstoffen \u2013 etwa durch sehr trockene oder nasse Wetterperioden. &#8220;Dies haben wir alles gut im Griff, Qualit\u00e4tsschwankungen von einer Charge zur n\u00e4chsten gibt es nicht&#8221;, beteuert er.<\/p>\n<p>Auch m\u00fcsse niemand Sorge haben, dass sich ein abbaubarer Kunststoff schneller abbaue als gew\u00fcnscht \u2013 oder dass man bei Biokunststoffen auf brillante Farben verzichten muss. Gerade in der Spielwarenbranche ist dies ein wichtiger Verkaufsfaktor. Pfitzer: &#8220;Wir arbeiten mit Masterbatchherstellern zusammen, die synthetische oder mineralische Farben auf unserer Arboblend-Basis anbieten. Wichtig ist, dass diese gezielt daf\u00fcr hergestellt sind, ansonsten gibt es leicht mal Schlieren. Ein Kunde aus dem B\u00fcroartikelbereich berichtet uns, dass er heute mit diesen Produkten eine bessere Farbbrillanz erzielt als fr\u00fcher.&#8221;<\/p>\n<p>Dass Biokunststoffe \u00fcber neue Eigenschaften verf\u00fcgen und damit auch Herausforderungen f\u00fcr die Verarbeiter bergen, gibt Pfitzer unumwunden zu: &#8220;Doch gibt es solche Herausforderungen mehr oder weniger bei jedem Werkstoffwechsel.&#8221;<\/p>\n<p>Was die Einf\u00fchrung einer neuen Produktserie auf Biokunststoffbasis konkret bedeutet hat, macht das Beispiel Rotho Babydesign, G\u00f6rwihl, deutlich: Das Unternehmen, Kunde von Tecnaro, hat 2012 die weltweit erste Biobadserie f\u00fcr Babys und Kleinkinder auf den Markt gebracht: eine Babybadewanne, ein T\u00f6pfchen und ein WC-Sitz geh\u00f6ren dazu.<\/p>\n<h3>Zu 100% abbaubar<\/h3>\n<p>Der Werkstoff besteht zu 95% aus nat\u00fcrlichen Rohstoffen. Davon sind mehr als 70% Zucker aus nachwachsenden Pflanzen. Weitere 20% setzen sich aus verschiedenen Mineralien zusammen. Der verbleibende Rest ist ein fossilbasierter Werkstoff, der sich wie alle Bestandteile des innovativen Materials zu 100% im Erdreich r\u00fcckstandsfrei abbaut. Silvia Emge, Leiterin Marketing, erkl\u00e4rt: &#8220;Immer mehr Eltern legen Wert auf nachhaltig angelegte Produkte. Wir bieten sie in einem Bereich an, in dem es f\u00fcr Eltern bislang keine Wahl gibt. Durch die weltweit erst Biobabybadeserie d\u00fcrfen Eltern sicher sein, nachhaltige Produkte von hoher Qualit\u00e4t erworben zu haben: Unsere Linie wird in Deutschland produziert, ist ressourcenschonend und biologisch abbaubar und vor allem: Sie ist bezahlbar.&#8221; Die Artikel kosten zwischen 20 und 40 EUR.<\/p>\n<p>Insgesamt hat der Entwicklungsprozess bei Rotho Babydesign fast drei Jahre gedauert. &#8220;Die Entwicklung war sehr aufwendig. Die gro\u00dfe Herausforderung bestand darin, die positiven Werkstoffeigenschaften des Biokunststoffs mit den funktionalen Anforderungen an die Produkte bez\u00fcglich Festigkeit, Lichtunempfindlichkeit, Wasser- und Urinvertr\u00e4glichkeit abzustimmen. Kein Kunde sollte auf die gewohnte Qualit\u00e4t von Rotho Babydesign verzichten&#8221;, betont Emge.<\/p>\n<p>Der Absatz der Biobadepflegelinie habe sich seit der Markteinf\u00fchrung positiv entwickelt. Im Herbst vergangenen Jahres wurde die Linie in einem neuen Look mit einem bunten Aufdruck pr\u00e4sentiert, &#8220;weil bio nicht mehr zwangsl\u00e4ufig nach bio und damit sehr zur\u00fcckhaltend aussehen muss, sondern durchaus attraktiv und sch\u00f6n aussehen darf&#8221;, so Emge.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Tecnaro baut Kapazit\u00e4ten aus<\/strong><\/p>\n<p>Der Name Tecnaro ist die Abk\u00fcrzung f\u00fcr &#8220;Technologie nachwachsender Rohstoffe&#8221;. Das 1998 gegr\u00fcndete Unternehmen besch\u00e4ftigt aktuell 30 Mitarbeiter in Ilsfeld-Auenstein in der N\u00e4he von Heilbronn. Mitte 2015 steht ein Umzug an: Anfang Dezember 2014 erfolgte der Spatenstich f\u00fcr einen neuen Firmensitz in Ilsfeld. 5 Mio. EUR investiert Tecnaro in das neue Geb\u00e4ude mit rund 2.500 m\u00b2 Fl\u00e4che. Davon entfallen auf Produktion und Lager 1.600 m\u00b2, das Labor wird 300 m\u00b2 gro\u00df sein. Derzeit hat Tecnaro eine Jahresproduktion von 10.000 t, das neue Geb\u00e4ude bietet laut Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer J\u00fcrgen Pfitzer Potenzial f\u00fcr bis 50.000 jato. Damit ist nicht zuletzt auch die Massenproduktion f\u00fcr die Spielwarenbranche m\u00f6glich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn es um Spielzeug und Ausstattung f\u00fcr Babys und Kinder geht, greifen Verbraucher gerne zu nachhaltigen und\/oder Bioprodukten. Viele Hersteller sind daher auf der Suche nach Biokunststoffen. 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