{"id":24145,"date":"2015-01-21T03:24:19","date_gmt":"2015-01-21T02:24:19","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=24145"},"modified":"2015-01-20T15:05:08","modified_gmt":"2015-01-20T14:05:08","slug":"nachwachsende-ressourcen-kommen-an-ihre-grenzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nachwachsende-ressourcen-kommen-an-ihre-grenzen\/","title":{"rendered":"Nachwachsende Ressourcen kommen an ihre Grenzen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nachwachsende Rohstoffe galten bisher immer als unbegrenzt nutzbar. Das allerdings erweist sich als Trugschluss. Wie Forscher des Helmholtz-Zentrums f\u00fcr Umweltforschung (UFZ), der Yale University und der Michigan State University jetzt nachgewiesen haben, sind auch diese nur begrenzt nutzbar. Das schreiben sie in einem Beitrag f\u00fcr das Fachmagazin <a href=\"http:\/\/www.ecologyandsociety.org\/vol19\/iss4\/art50\/\" target=\"_blank\">Ecology &amp; Society<\/a>, der f\u00fcr das Wissenschaftsmagazin <a href=\"http:\/\/www.nature.com\/nature\/journal\/v517\/n7534\/full\/517246e.html\" target=\"_blank\">Nature<\/a> zu den Highlights dieser Woche z\u00e4hlt. So h\u00e4tten verschiedene Schl\u00fcsselressourcen ihren Peak bereits \u00fcberschritten.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_24147\" aria-describedby=\"caption-attachment-24147\" style=\"width: 188px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-24147 size-medium\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/64392_Grafik_Peak_Rate_de_275px-188x300.jpg\" alt=\"Druck\" width=\"188\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2015\/01\/64392_Grafik_Peak_Rate_de_275px-188x300.jpg 188w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2015\/01\/64392_Grafik_Peak_Rate_de_275px.jpg 275w\" sizes=\"auto, (max-width: 188px) 100vw, 188px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-24147\" class=\"wp-caption-text\"><a href=\"http:\/\/www.ufz.de\/export\/data\/global\/64391_Grafik_Peak_Rate_de_.jpg\" target=\"_blank\">Zoom<\/a><\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Landschafts\u00f6kologe Prof. Dr. Ralf Seppelt, der Umweltwissenschaftler und Statistiker Dr. Ameur Manceur und der Pflanzen\u00f6kologe Dr. Stefan Klotz vom UFZ analysierten gemeinsam mit dem Nachhaltigkeitsforscher Dr. Jiango Liu von der Universit\u00e4t Wisconsin und dem \u00d6konomen Dr. Eli Fenichel von der Universit\u00e4t Yale die Produktions- und F\u00f6rderraten von 27 global erneuerbaren und nicht erneuerbaren Ressourcen. Erstmals untersuchten sie dabei 20 erneuerbare G\u00fcter wie Mais, Reis, Weizen oder Soja, die laut der Ern\u00e4hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) rund 45 Prozent der weltweiten Kalorienzufuhr ausmachen, sowie wichtige Tiererzeugnisse wie Fisch, Fleisch, Milch oder Eier. Bei 18 dieser nachwachsenden Ressourcen stellten die Forscher fest, dass die j\u00e4hrlichen Zuwachsraten bei der Produktion zum Beispiel von Fleisch oder Milch beziehungsweise beim Fang von Fisch ihre Spitzenwerte schon vor einigen Jahren hatten. Dieser Zeitpunkt, zu dem die Produktionsraten ihren H\u00f6hepunkt erreichten, bevor sie dann wieder zur\u00fcckgingen, definierten die Forscher als sogenanntes \u201ePeak rate year\u201c \u2013 also das Jahr mit der maximalen Steigerungsrate bei Ernte, Produktion oder Fang.<\/p>\n<p>G\u00e4nzlich neu ist der Begriff des Peaks in der Wissenschaft nicht. Bekannt ist der Terminus vor allem aus der Diskussion um Peak Oil. Die Mitte der 1970er Jahre hei\u00df diskutierten Analysen identifizierten einen R\u00fcckgang der F\u00f6rderrate von Roh\u00f6l ab einem bestimmten Jahr, waren aber aufgrund der Datenlage und der verwendeten Modelle unter Wissenschaftlern umstritten. Die UFZ-Forscher setzten f\u00fcr die Suche nach dem Peak-Jahr nun aber keine Modelle ein, wie das die Wissenschaftler zuvor im Fall des Peak Oils taten, sondern sie nutzten standardisierte statistische Methoden, um die Zeitreihen zu analysieren. Dabei fanden sie heraus, dass sich viele der Peak-Jahre der nachwachsenden Rohstoffe zeitlich \u00fcberlappen. Bei 16 von 20 Ressourcen, f\u00fcr die die Forscher einen Peak feststellten, lag dieser zwischen den Jahren 1988 und 2008 \u2013 in der Geschichte der Menschheit ein sehr enges Fenster. \u201eDie wichtigsten G\u00fcter, die der Mensch f\u00fcr die Ern\u00e4hrung braucht und ernten muss, sind limitiert\u201c, bilanziert Ralf Seppelt, Leiters des UFZ-Departments Landschafts\u00f6kologie. Alles werde knapper. Verdeutlichen konnten die Autoren das anhand einiger Beispiele: Bei der Sojabohne liegt weltweit die maximale Zunahmerate der Erntemengen im Jahr 2009, bei Milch im Jahr 2004, bei Eiern im Jahr 1993 und bei der Menge gefangenen Fisches im Jahr 1988. Daten anderer Studien best\u00e4tigen diese Ergebnisse. So stagniert oder sinkt US-Forschern zufolge bei Mais, Weizen, Soja und Reis der Erntebetrag pro Fl\u00e4che auf mehr als einem Viertel der Anbaufelder rund um den Globus.<\/p>\n<p>Warum viele der Maxima synchron in einer \u00e4hnlichen Zeitspanne auftreten, daf\u00fcr hat Seppelt eine Erkl\u00e4rung parat. So sei die weltweite Zunahme der Bev\u00f6lkerung ein wichtiger Treiber. Weil in einigen Regionen der Erde wie etwa Indien und China die Bev\u00f6lkerungszahlen in den vergangenen Jahrzehnten stark zunahmen, erh\u00f6hten sich die Nachfrage nach nachwachsenden Ressourcen und damit der Druck, m\u00f6glichst viele Nahrungsmittel zu produzieren. Verdeutlichen l\u00e4sst sich dieser Befund auch an anderen Maxima, die die Forscher berechneten. Die h\u00f6chste Zuwachsrate bei der Kultivierung von Ackerfl\u00e4chen machten die \u00d6kologen in den 1950er Jahren aus; Ende der 1970er Jahren folgte dann der Peak f\u00fcr k\u00fcnstlich angelegte Bew\u00e4sserungsfl\u00e4chen und anschlie\u00dfend in den 1980er Jahren der Peak f\u00fcr Stickstoff-D\u00fcnger. \u201eDas zeigt, dass die zur Verf\u00fcgung stehenden landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen f\u00fcr den Anbau von Nahrungsmitteln immer intensiver genutzt wurden\u201c, folgert Stefan Klotz, der das Department Bioz\u00f6noseforschung leitet. Doch gro\u00dfe Steigerungsm\u00f6glichkeiten zur Intensivierung des Anbaus sehen die Forscher nicht mehr. \u201eDurch bessere Zuchtmethoden und gentechnisch ver\u00e4nderte Organismen erwarten Experten bei manchen Ressourcen in Zukunft noch eine Ertragssteigerung von ein bis zwei Prozent pro Jahr\u201c, sagt Seppelt. Danach werde es aber eng. \u201eDer Mensch muss akzeptieren, dass auch nachwachsende Rohstoffe global an ihre Ertragsgrenzen kommen und Substitutionsm\u00f6glichkeiten schwinden.\u201c Zwar konnten die UFZ-Forscher zum Beispiel bei den Fischfangmengen aus Aquakulturen keinen Peak feststellen, dennoch lassen sich Fischarten aus Zuchtanlagen nicht durch Arten aus der Fischerei austauschen. \u201eDie Verteilung der Fischarten ist global unterschiedlich, und es gibt kulturelle Verschiedenheiten in der Nutzung von Fisch\u201c, sagt Seppelt.<\/p>\n<p>Aus der Studie lassen sich aus Sicht des UFZ-Forschers wichtige Schlussfolgerungen ziehen. \u201eWir stehen hier vor gewaltigen Herausforderungen, die eine Mehrheit der von uns genutzten Ressourcen betreffen\u201c, sagt er. Der Mensch m\u00fcsse in Zukunft effizienter mit D\u00fcnger und Wasser umgehen, und er m\u00fcsse lernen, weniger wegzuschmei\u00dfen und sich anders zu ern\u00e4hren: Statt Rindfleisch beispielsweise mehr Huhn. Der Mensch sollte sich dabei auch von der Hoffnung verabschieden, dass sich knapper werdende Ressourcen durch andere ersetzen lassen.<\/p>\n<h3>Publikationen<\/h3>\n<p>Seppelt, R., A. M. Manceur, J. Liu, E. P. Fenichel, and S. Klotz. 2014. Synchronized peak-rate years of global resources use. Ecology and Society 19(4): 50.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.5751\/ES-07039-190450\" target=\"_blank\">http:\/\/dx.doi.org\/10.5751\/ES-07039-190450<\/a><br \/>\nDie Studie wurde gef\u00f6rdert von der Helmholtz-Gemeinschaft, der U.S. National Science Foundation und der Michigan AgBioResearch. Die Publikation ist Teil des Global Land Projektes <a href=\"http:\/\/www.globallandproject.org\" target=\"_blank\">www.globallandproject.org<\/a><\/p>\n<p>Research Highlights &#8211; Selections from the scientific literature: Resource use peaks worldwide. Nature 517, 246-247 (15 January 2015) doi:10.1038\/517246e.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.nature.com\/nature\/journal\/v517\/n7534\/full\/517246e.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.nature.com\/nature\/journal\/v517\/n7534\/full\/517246e.html<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Weitere Informationen<\/h3>\n<p>Prof. Dr. Ralf Seppelt<br \/>\nHelmholtz-Zentrum f\u00fcr Umweltforschung (UFZ)<br \/>\nTelefon: 0341-235-1250<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.ufz.de\/index.php?de=13905\" target=\"_blank\">http:\/\/www.ufz.de\/index.php?de=13905<\/a><\/p>\n<p>und<\/p>\n<p>Dr. Stefan Klotz<br \/>\nHelmholtz-Zentrum f\u00fcr Umweltforschung (UFZ)<br \/>\nTelefon: 0345-558-5302<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.ufz.de\/index.php?de=14699\" target=\"_blank\">http:\/\/www.ufz.de\/index.php?de=14699<\/a><\/p>\n<p>oder \u00fcber<\/p>\n<p>Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Umweltforschung<br \/>\nTilo Arnhold, Susanne Hufe (UFZ-Pressestelle)<br \/>\nTelefon: +49-(0)341-235-1635, -1630<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Weitere Informationen<\/h3>\n<p>Wissenschaftliches Begleitvorhaben GLUES (Global Assessment of Land Use Dynamics, Greenhouse Gas Emissions and Ecosystem Services)<br \/>\n<a href=\"http:\/\/modul-a.nachhaltiges-landmanagement.de\/de\/wissenschaftliche-begleitung-glues\/\" target=\"_blank\">http:\/\/modul-a.nachhaltiges-landmanagement.de\/de\/wissenschaftliche-begleitung-glues\/<\/a><br \/>\ndes F\u00f6rderschwerpunkts \u201eNachhaltiges Landmanagement\u201c<br \/>\n<a href=\"http:\/\/nachhaltiges-landmanagement.de\/\" target=\"_blank\">http:\/\/nachhaltiges-landmanagement.de\/<\/a><\/p>\n<h3>\u00dcber das Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Umweltforschung<\/h3>\n<p>Im Helmholtz-Zentrum f\u00fcr Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Ver\u00e4nderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsm\u00f6glichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung nat\u00fcrlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ besch\u00e4ftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg \u00fcber 1.100 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.<\/p>\n<h3>\u00dcber die Helmholtz-Gemeinschaft<\/h3>\n<p>Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beitr\u00e4ge zur L\u00f6sung gro\u00dfer und dr\u00e4ngender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schl\u00fcsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit fast 36.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3,8 Milliarden Euro die gr\u00f6\u00dfte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachwachsende Rohstoffe galten bisher immer als unbegrenzt nutzbar. Das allerdings erweist sich als Trugschluss. 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