{"id":24130,"date":"2015-01-20T03:12:30","date_gmt":"2015-01-20T02:12:30","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=24130"},"modified":"2015-01-19T14:51:56","modified_gmt":"2015-01-19T13:51:56","slug":"biologisch-abbaubare-bioschmierstoffe-was-steckt-dahinter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biologisch-abbaubare-bioschmierstoffe-was-steckt-dahinter\/","title":{"rendered":"Biologisch abbaubare Bioschmierstoffe &#8211; was steckt dahinter?"},"content":{"rendered":"<p>Genau wie erd\u00f6lbasierte Schmierstoffe k\u00f6nnen auch biobasierte Schmierstoffe &#8211; also auf nachwachsenden Rohstoffen basierende Schmierstoffe &#8211; nahezu \u00fcberall eingesetzt werden. Eigenschaften wie schnelle biologische Abbaubarkeit in Verbindung mit einer ausgezeichneten Schmierf\u00e4higkeit machen diese interessant &#8211; auch im Vergleich zu ihren erd\u00f6lbasierten Konkurrenzprodukten.<\/p>\n<p>Durch den Einsatz von Bioschmierstoffen kann eine Gef\u00e4hrdung der Umwelt durch Leckage oder unvermeidbaren Verlust ma\u00dfgeblich reduziert werden. Gerade in klassischen Anwendungsgebieten wie der Forst- oder Landwirtschaft wird dieses Gef\u00e4hrdungspotenzial gesehen und darauf reagiert. Unter den verschiedenen Bioschmierstoffen gibt es zwei Arten, die in Bezug auf Umweltbelastung und Abbaubarkeit von besonderer Bedeutung sind. Bei der ersten wird der Schmierstoff direkt aus Pflanzen\u00f6len gewonnen &#8211; auch \u201eHydraulic Oil Environmental Triglyceride\u201c (HETGs) genannt. Bei der zweiten Art wird die chemische Esterstruktur der nat\u00fcrlichen \u00d6le aus einzelnen Molek\u00fclen synthetisiert &#8211; auch als \u201eHydraulic Oil Environmental Ester\u201c (HEESs) bezeichnet.<\/p>\n<p>Bioschmierstoffe und ihre chemische Zusammensetzung<\/p>\n<p>Auf Pflanzen\u00f6l basierende Schmierstoffe (HETGs) werden zum Beispiel aus Raps- oder Sonnenblumenpflanzen gewonnen und bestehen vorwiegend aus \u00d6lmolek\u00fclen &#8211; auch Triglyceride genannt. Chemisch gesehen sind Triglyceride Fetts\u00e4uren, die mit einem mehrwertigen Alkohol, zum Beispiel Glycerol, verestert sind. Die Art der Fetts\u00e4ure variiert jedoch in nat\u00fcrlichen Triglyceriden &#8211; so k\u00f6nnen in den nat\u00fcrlichen \u00d6lmolek\u00fclen verschiedene Fetts\u00e4uren wie zum Beispiel \u00d6ls\u00e4ure, Linolens\u00e4ure oder Palmitins\u00e4ure in einem Triglycerid verestert sein. Fetts\u00e4uren unterscheiden sich in L\u00e4nge und S\u00e4ttigungsgrad. Die Linolens\u00e4ure ist zum Beispiel mehrfach unges\u00e4ttigt.<\/p>\n<p>In unserer Ern\u00e4hrung legen wir Wert auf einen hohen Anteil mehrfach unges\u00e4ttigter Fetts\u00e4uren. Diese kommen auch in HETGs vor, wirken sich aber hier nachteilig auf die Qualit\u00e4t des Schmierstoffes aus, da diese \u00d6lmolek\u00fcle bei h\u00f6heren Temperaturen schneller oxidieren &#8211; also altern, was sich durch einen ranzigen Geruch bemerkbar macht. Aber auch hier sind hitzeresistentere nat\u00fcrliche \u00d6le bekannt, die nur wenig unges\u00e4ttigte Fetts\u00e4uren aufweisen, wie zum Beispiel Palm\u00f6l. Trotzdem werden HETGs allgemein dort angewendet, wo keine hohen mechanischen oder Temperaturbelastungen auftreten.<\/p>\n<p>Gerade f\u00fcr die in der Land- und Forstwirtschaft h\u00e4ufig eingesetzten Zweitaktmotoren von Kettens\u00e4gen und anderen tragbaren Ger\u00e4ten wie Rasentrimmern oder Laubsaugern werden aufbereitete Pflanzen\u00f6le wie Rizinus- oder Sonnenblumen\u00f6l angeboten, da diese einen besonderen Verschlei\u00dfschutz und eine sehr gute Schmierf\u00e4higkeit gew\u00e4hrleisten. So leitet sich auch der Name des \u00d6lkonzerns Castrol von \u201eCastor oil\u201c ab, was nichts weiter bedeutet als Rizinus\u00f6l &#8211; ein in den 50er-Jahren h\u00e4ufig verwendeter Rohstoff f\u00fcr Motoren\u00f6le.<\/p>\n<p>Biobasierte Syntheseester-Produkte bei hohen Belastungsanspr\u00fcchen<\/p>\n<p>Zur Bestimmung des Anteils nachwachsender Rohstoffe im Schmierstoff wird der Anteil des Kohlenstoffs aus nachwachsenden Rohstoffen bestimmt. Wenn Kohlenstoff in Pflanzen gebunden wird, sind hier auch winzige Mengen des radioaktiven Kohlenstoff-Isotops 14C darunter. Werden die Pflanzen nun unter der Erde zu \u00d6l oder Kohle zersetzt, zerf\u00e4llt das 14C ebenfalls mit der Zeit zu stabilem 12C, da es eine Halbwertszeit von nur 4.500 Jahren hat. Da gef\u00f6rdertes \u00d6l in der Regel um die 4 Mio. Jahre alt ist, ist hier kein 14C mehr zu finden. So kann man durch das Verh\u00e4ltnis dieses Isotops (frisch gebundener Kohlenstoff in Pflanzen) zu seinem Zerfallsprodukt 12C auf die Zusammensetzung des vorliegenden \u00d6ls schlie\u00dfen.\u00a0(\u00a9 Sanja Fessl)<br \/>\nSynthetische Bioschmierstoffe (HEESs) werden k\u00fcnstlich aus Fetts\u00e4uren und mehrwertigem Alkohol durch Veresterung synthetisiert. Die daf\u00fcr verwendeten Fetts\u00e4uren k\u00f6nnen sowohl aus \u00d6lpflanzen (biobasierte Syntheseester) als auch aus Mineral\u00f6l (petrobasierte Syntheseester) stammen. Hierbei kann zum Beispiel auch nur eine Fetts\u00e4ureart eingesetzt werden &#8211; also mit bestimmter L\u00e4nge und gleichem S\u00e4ttigungsgrad, um die chemischen Eigenschaften des \u00d6ls den Anforderungen entsprechend einzustellen.<\/p>\n<p>Allgemein sind esterbasierte \u00d6le &#8211; unabh\u00e4ngig ob petro- oder biobasiert &#8211; biologisch schnell abbaubar und nur gering wassergef\u00e4hrdend. Die\u00a0 synthetischen Esterprodukte sind zus\u00e4tzlich so gut wie unempfindlich gegen\u00fcber Oxidation und \u00fcberzeugen durch eine optimierte Schmierf\u00e4higkeit und halten so erh\u00f6hten Betriebsbelastungen stand. Au\u00dferdem \u00fcbertreffen sie h\u00e4ufig die technischen Mindestanforderungen in vielen Bereichen wie Alterungsbest\u00e4ndigkeit, Schaumverhalten oder Viskosit\u00e4t.<\/p>\n<p>Bei Motor\u00f6len oder Getriebe\u00f6len f\u00fcr Windr\u00e4der treten zum Beispiel sehr hohe Belastungen auf. Sie m\u00fcssen zu jeder Jahreszeit &#8211; also bei einem breiten Temperaturspektrum &#8211; eine hohe Schmierf\u00e4higkeit gew\u00e4hrleisten. Aber das leisten biobasierte Syntheseprodukte durchaus.<\/p>\n<p>Bioschmierstoffe in der Umwelt<\/p>\n<p>Schmierstoffe, die unvermeidlich in die Umwelt eingetragen werden, sollten schnell biologisch abbaubar sein, um so ihr Gef\u00e4hrdungspotenzial zu minimieren. Das betrifft beispielsweise Verlustschmierstoffe wie S\u00e4geketten\u00f6le. Daher werden im Bereich der S\u00e4geketten\u00f6le zurzeit deutschlandweit mehr pflanzen\u00f6lbasierte Produkte abgesetzt als miner\u00f6lbasierte, da diese durch eine schnelle biologische Abbaubarkeit \u00fcberzeugen.<br \/>\nUnter biologischer Abbaubarkeit versteht man die Spaltung und Oxidation der in \u00d6len enthaltenen Triglyceride durch Mikroorganismen zu Kohlendioxid und Wasser. Eine schnelle biologische Abbaubarkeit vom Bioschmierstoffen korreliert unter anderem mit einer hohen Anzahl an Esterverbindungen, die mikrobiologisch gespalten werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Interessanterweise hielten Bioschmierstoffe schon vor l\u00e4ngerer Zeit als Schal\u00f6le Einzug in die Bauindustrie. Diese werden dort als Trennmittel eingesetzt, wenn Beton in eine mit Schal\u00f6l \u00fcberzogene Form gegossen wird. Nach Erh\u00e4rten des Betons kann die Form wieder gel\u00f6st werden. Hierbei gelangt ein gro\u00dfer Teil des eingesetzten \u00d6ls in die Umwelt. Biobasierte Produkte liegen dabei durch ihre schnelle biologische Abbaubarkeit klar im Vorteil.<\/p>\n<p>Generell zeichnen sich biobasierte Produkte durch eine gute Schmierf\u00e4higkeit aus, wodurch sie in geringeren Mengen verbraucht werden und seltener nachgeschmiert werden m\u00fcssen. Deshalb bieten sich Bioschmierstoffe f\u00fcr den Bausektor in vielerlei Hinsicht an und halten zum Beispiel im Bereich der Schal\u00f6le schon einen Marktanteil von acht Prozent, mit steigender Tendenz.<\/p>\n<p>Biobasierte synthetische Schmierstoffe k\u00f6nnen auf jede technische Anwendung zugeschnitten werden. Sie sind zwar derzeit um den Faktor drei bis f\u00fcnf teurer als petrobasierte, aber dennoch oft rentabel, da sie aufgrund einer h\u00f6heren Leistungsf\u00e4higkeit niedriger dosiert werden k\u00f6nnen. Gerade biobasierte synthetische Schmierstoffe k\u00f6nnen bez\u00fcglich der technischen Anspr\u00fcche an den Schmierstoff auf praktisch jede Anwendung zugeschnitten werden. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Bioschmierstoffe auch schon heute f\u00fcr ein breites Einsatzspektrum produziert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Genau wie erd\u00f6lbasierte Schmierstoffe k\u00f6nnen auch biobasierte Schmierstoffe &#8211; also auf nachwachsenden Rohstoffen basierende Schmierstoffe &#8211; nahezu \u00fcberall eingesetzt werden. Eigenschaften wie schnelle biologische Abbaubarkeit in Verbindung mit einer ausgezeichneten Schmierf\u00e4higkeit machen diese interessant &#8211; auch im Vergleich zu ihren erd\u00f6lbasierten Konkurrenzprodukten. 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