{"id":23934,"date":"2015-01-09T02:33:52","date_gmt":"2015-01-09T01:33:52","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=23934"},"modified":"2015-01-08T15:37:36","modified_gmt":"2015-01-08T14:37:36","slug":"lavendel-frankreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/lavendel-frankreich\/","title":{"rendered":"Lavendel in Frankreich"},"content":{"rendered":"<p>PARIS taz | Seit Jahrhunderten wird in der Provence Lavendel angebaut. Eine neue EU-Bestimmung gef\u00e4hrdet den traditionellen Wirtschaftszweig. Viel w\u00e4chst nicht in 600 bis 800 Metern H\u00f6he auf den trockenen H\u00e4ngen um den Mont Ventoux in der Provence. Doch in den Sommermonaten Juli und August entfaltet sich, so weit das Auge reicht, eine violettfarbene und duftende Pracht. Allein f\u00fcr diese Augenweide nehmen die Touristen gern die beschwerlich kurvenreiche Fahrt von Vaison-la-Romaine in Kauf. Keiner von ihnen verl\u00e4sst nach einem Zwischenhalt das Bergdorf Sault ohne ein paar Dufts\u00e4ckchen f\u00fcr den W\u00e4scheschrank oder anderen Lavendel-Mitbringseln.<\/p>\n<p>Die Vorstellung, dass diese Felder demn\u00e4chst verwildern oder in Weidelandschaft verwandelt werden k\u00f6nnte, schockiert viele Besucher. Auf einigen Feldern mit den langen niedrigen Reihen der buschf\u00f6rmigen Lavendelpflanzen stehen bereits Schilder mit der Aufschrift: \u201eLavendel in Gefahr!\u201c<\/p>\n<p>Ungl\u00e4ubig sch\u00fctteln die Besucher den Kopf, wenn man ihnen erkl\u00e4rt, dass eine neue Bestimmung der EU-Chemikalienverordnung (Reach) das wirtschaftliche Ende eines Jahrhunderte alten Lavendelanbaus und vor allem der traditionellen Herstellung von Lavendel\u00f6l zur Folge haben kann. Betroffen w\u00e4ren auch die Souvenirl\u00e4den und Restaurants, die vom Lavendeltourismus leben.<\/p>\n<p>Reach verlangt n\u00e4mlich von den Produzenten eine exakte Angabe der Zusammensetzung ihrer \u00e4therischen \u00d6le des Lavendels, die seit der Antike nicht nur als Parf\u00fcm, sondern auch als Heilmittel und zum Schutz vor Insekten eingesetzt werden. Das hei\u00dft, der mit traditionellen handwerklichen Methoden destillierte nat\u00fcrliche Lavendel wird mit industriell hergestellten synthetischen Molek\u00fclen gleichgestellt. Begr\u00fcndet wird dies mit dem Hinweis, dass Lavendel\u00f6l, ungeachtet seiner Herkunft, Allergene enthalten k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Deshalb soll nun bis auf winzige Spuren von 0,01 Prozent der Gesamtmenge genau analysiert und deklariert werden, was auf die Haut kommt. Laut Alain Aubanel vom Berufsverband der Verarbeitung von Heil- und Kosmetikpflanzen k\u00f6nnten die erforderlichen Analysen ungeachtet der Gr\u00f6\u00dfe der Unternehmen oder Familienbetriebe pro Produkt 100.000 bis 300.000 Euro kosten.<\/p>\n<p>Ahnungslose Eierk\u00f6pfe<\/p>\n<p>\u201eWir sind doch keine Chemiker!\u201c, protestieren die Lavendelproduzenten der Provence, die sich mit einer Petition gegen eine Verordnung wehren, die f\u00fcr sie weder sinnvoll noch realistisch sei. \u201eDie Eierk\u00f6pfe in Br\u00fcssel machen keinen Unterschied zwischen einem nat\u00fcrlichen, destillierten \u00e4therischen \u00d6l und einem Industrieprodukt\u201c, emp\u00f6rt sich Paul Chauvet vom Produzentenverband Apal.<\/p>\n<p>Noch mehr emp\u00f6rt ihn die Vorstellung, die s\u00fcdfranz\u00f6sischen Lavendelbauern w\u00fcrden die Gesundheit der Menschen gef\u00e4hrden. \u201eWir sind keine Giftmischer\u201c, schimpft Chauvet. Er habe nie geh\u00f6rt, dass wegen Lavendel jemand gestorben sei. Er w\u00fcrde \u00fcber diese Idee auch lachen, wenn nicht eine ernsthafte Gefahr f\u00fcr den gesamten Sektor, inklusive der Parf\u00fcmherstellung in Grasse, bestehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Nicht zu erf\u00fcllen sei diese Reach-Forderung, weil das Lavendel\u00f6l nicht nur sehr verschiedene Bestimmungszwecke haben k\u00f6nne: f\u00fcr Parf\u00fcm, als Lebensmittelaroma und f\u00fcr Kosmetik- oder Reinigungsprodukte. Auch mache die wechselnde Vielfalt eines Naturprodukts eine konstante Zusammensetzung unm\u00f6glich. \u201eEine Pflanze wie Lavendel ver\u00e4ndert sich mit dem Boden, dem Wetter, der Sonnen- und Wassermenge\u201c, argumentieren die Lavendelproduzenten, die von den Parf\u00fcmherstellern unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n<p>Denn diese m\u00fcssen bef\u00fcrchten, dass auch sie von Reach mit gleichen Begr\u00fcndungen zur Herausgabe ihrer strengstens geh\u00fcteten Rezepte gezwungen werden. Bisher steht auf der Verpackung des weltber\u00fchmten Chanel No. 5 keine Zusammensetzung mit Prozent- und Promilleanteilen.<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzung der franz\u00f6sischen Gr\u00fcnen<\/p>\n<p>Solidarisch mit den Lavendelproduzenten und der Destillerien sind auch die franz\u00f6sischen Gr\u00fcnen. Zwar meint die EU-Abgeordnete Mich\u00e8le Rivasi, es sei zwar \u201edas Mindeste, dass die Konsumenten \u00fcber allf\u00e4llige Risiken informiert werden\u201c. Die Schutzbestimmungen m\u00fcssten aber verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sein. Darum h\u00e4tten die EU-Gr\u00fcnen in der \u201eLavendelschlacht\u201c wenigstens einen Etappensieg erreicht, dass die Deklarationspflicht erst ab Mengen von mehr als einer Tonne in Kraft trete.<\/p>\n<p>Damit will sich Apal-Vorsitzenden Francis Vidal nicht abfinden. \u201eDie Reach-Normen wollen Jahrtausende alte \u00e4therische \u00d6le auf die gleiche Stufe mit Produkten stellen, die erst seit wenigen Jahren existieren. Unser Lavendel\u00f6l muss in Anwendung des R\u00f6mer Vertrags von 1957 als landwirtschaftliches Produkt betrachtet und respektiert werden.\u201c<\/p>\n<p>Zudem seien die Reach-Regeln nicht die einzige Gefahr f\u00fcr die Lavendelproduzenten der Provence. Diese seien auch durch \u00e4hnlich riechende und aussehende, aber klar minderwertige Produkte, vor allem aus Spanien oder Bulgarien, bedroht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PARIS taz | Seit Jahrhunderten wird in der Provence Lavendel angebaut. Eine neue EU-Bestimmung gef\u00e4hrdet den traditionellen Wirtschaftszweig. Viel w\u00e4chst nicht in 600 bis 800 Metern H\u00f6he auf den trockenen H\u00e4ngen um den Mont Ventoux in der Provence. 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