{"id":23802,"date":"2014-12-17T02:36:15","date_gmt":"2014-12-17T01:36:15","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=23802"},"modified":"2014-12-15T12:38:36","modified_gmt":"2014-12-15T11:38:36","slug":"klaranlagen-versus-mikroplastik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/klaranlagen-versus-mikroplastik\/","title":{"rendered":"Kl\u00e4ranlagen versus Mikroplastik"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mikroplastik. Die kleinen Kunststoffpartikel stehen in der Kritik, da sie sich, offensichtlich weitestgehend ungehindert, durch den Wasserkreislauf bewegen und so in die Nahrungskette und langfristig auch in den menschlichen Organismus gelangen k\u00f6nnen \u2013 mit noch unbekannten Folgen. J\u00fcngste Schlagzeilen in den Medien titulierten Kl\u00e4ranlagen als \u00fcberfordert\u00b2 hinsichtlich deren Eignung, Mikroplastik aus dem Abwasser herauszufiltern und so am Eintrag in nachfolgende Gew\u00e4sser zu hindern. Die Frage, die sich stellt: Wie \u00fcberfordert sind die Kl\u00e4ranlagen mit Mikroplastik tats\u00e4chlich? Hier fehlen gesicherte Erkenntnisse. Am 18. November 2014 wurde bei Fraunhofer UMSICHT zum Thema \u00bbMikroplastik und Kl\u00e4ranlagen\u00ab \u00fcber den Status quo sowie zuk\u00fcnftige Aufgaben diskutiert.<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Ziel, die Aktivit\u00e4ten rund um das Thema Mikroplastik weiter voranzutreiben, organisierte Fraunhofer UMSICHT zusammen mit dem Cluster Umwelttechnologien.NRW am 18. November 2014 einen eint\u00e4gigen Thementisch mit dem Titel \u00bbMikroplastik und Kl\u00e4ranlagen\u00ab. Rund 25 Experten, \u00fcberwiegend aus der Abwasserbranche, nahmen an der Veranstaltung teil.<\/p>\n<h3>Bedarf an Forschung<\/h3>\n<p>Ralf Bertling von Fraunhofer UMSICHT er\u00f6ffnete den Thementisch mit einem \u00dcbersichtsvortrag zu Mikroplastik sowie der Vorstellung aktueller Aktivit\u00e4ten des Instituts in diesem Bereich. Bertling stellte in seinem Vortrag den FuE-Ansatz von Fraunhofer UMSICHT heraus. Dieser Ansatz grenzt sich insofern von bisherigen Denkweisen ab, da er das gesamte Mikroplastik-System als eine Prozesskette mit der Kl\u00e4ranlage als zentralem Bestandteil betrachtet.<\/p>\n<p>Seit M\u00e4rz 2014 gibt es bei Fraunhofer UMSICHT mit der \u00bbAG Mikroplastik\u00ab eine interdisziplin\u00e4r zusammengesetzte Gruppe von Forschern, in der sich verschiedene Kompetenzen geb\u00fcndelt dem Thema Mikroplastik widmen. \u00bbEs gibt Handlungsbedarf\u00ab, hei\u00dft es unisono in der AG.<\/p>\n<p>Maren He\u00df vom Landesamt f\u00fcr Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) begr\u00fc\u00dft diese Aktivit\u00e4ten. Zum einen seien bisher nur wenige Studien zu Mikroplastik ver\u00f6ffentlicht worden, die zudem meist in Zusammenhang mit Salzwasser und nicht mit S\u00fc\u00dfwasser stehen. Es fehlten beispielsweise detaillierte Informationen zu Ursprung und konkreter Verbreitung, Anzahl, Qualit\u00e4t und Auswirkungen auf die Umwelt. Zum anderen gebe es bisher keine allgemein g\u00fcltige und wissenschaftlich belastbare Vorgehensweise zur Bestimmung und Bewertung der Mikroplastikproblematik. \u00bbHier herrscht eindeutig Forschungsbedarf. F\u00fcr die Zur\u00fcckhaltung der Forschung sind sicherlich auch fehlende finanzielle Mittel verantwortlich\u00ab, f\u00fcgt Ralf Bertling hinzu.<\/p>\n<h3>Bereits etablierte Methoden nutzen<\/h3>\n<p>Carmen Nickel, Institut f\u00fcr Energie- und Umwelttechnik e.V. (IUTA) in Duisburg, ist Expertin f\u00fcr Nanotechnologie. Hier gibt es bereits entsprechende Analysemethoden. Nickel stellt die Eigenschaften von Nanomaterial und Mikroplastik gegen\u00fcber und m\u00f6chte bereits etablierte Methoden und Erkenntnisse vom einen in den anderen Bereich \u00fcberf\u00fchren: \u00bbWas k\u00f6nnen wir aus unseren bisherigen Erfahrungen mit Nanomaterialien f\u00fcr das Thema Mikroplastik lernen?\u00ab Etwa, dass eine Absch\u00e4tzung \u00fcber die reine Masse des Mikroplastiks im Abwasser nicht unbedingt aussagekr\u00e4ftig sein muss. Die Oberfl\u00e4che der gleichen Masse an Partikeln vergr\u00f6\u00dfert sich um ein Vielfaches, je kleiner die Partikel sind. Und umso gr\u00f6\u00dfer die Oberfl\u00e4che ist, desto mehr Schadstoffe k\u00f6nnen sich prinzipiell an ihr anlagern.<\/p>\n<p>Burkhard Hagspiel von der Stadtentw\u00e4sserung und Umweltanalytik N\u00fcrnberg (SUN) hingegen h\u00e4lt die Aufregung um das Thema Mikroplastik in Kl\u00e4ranlagen f\u00fcr \u00fcbertrieben. Hagspiel begr\u00fcndet dies mit den geringen Mengen Mikroplastik, die in behandeltem Abwasser bisher nachgewiesen wurden. Dennoch fordert auch Hagspiel: \u00bbEs bedarf umfangreicher Forschung.\u00ab<\/p>\n<p>Unter den Teilnehmern des Thementischs waren auch Forscher aus Belgien und Frankreich. Kris De Gussem vom belgischen Kl\u00e4ranlagenbetreiber AQUAFIN referierte zu durchgef\u00fchrten Mikroplastik-Untersuchungen in einer Kl\u00e4ranlage. Au\u00dfer am Zulauf und Ablauf wurden auch innerhalb der Kl\u00e4ranlage, hinter Sandfang, Vorkl\u00e4r- und Belebungsbecken, unterschiedliche Mikroplastik-Konzentrationen ermittelt. Hieraus resultierte eine erste Mikroplastik-Bilanz f\u00fcr eine Kl\u00e4ranlage. Auch De Gussem regte eine Vereinheitlichung der Analysemethoden sowie weitere Untersuchungen in Kl\u00e4ranlagen an.<\/p>\n<p>J\u00fcrgen Bertling, Abteilungsleiter Werkstoffsysteme bei Fraunhofer UMSICHT, stellt in seinem Vortrag heraus, dass vor allem die Entstehung von Mikroplastik durch Verwitterung von Kunststoffen bislang noch viel zu wenig untersucht ist. Nichtsdestotrotz sieht er vor allem aufgrund der Langlebigkeit von Polymeren (10 000 Jahre und mehr) eine drastische Reduktion des Mikroplastikeintrags als zwingend erforderlich \u2013 nicht zuletzt aus einem \u00e4sthetisch verstandenen Umweltschutz. Bertling zeigte dar\u00fcber hinaus, dass die Bestimmung der Mikroplastikmenge in hohem Ma\u00dfe von einer korrekten Ermittlung der Partikelgr\u00f6\u00dfenverteilung abh\u00e4ngig ist. Andernfalls kann die Gef\u00e4hrdung schnell um zwei bis drei Zehnerpotenzen unter- oder \u00fcbersch\u00e4tzt werden.<\/p>\n<h3>Initiative Mikroplastik<\/h3>\n<p>Die Veranstaltung wurde von den Teilnehmern als sehr guter Einstieg in weitere zielgerichtete Aktivit\u00e4ten bewertet. Als ein wichtiges Ziel wurde die Vereinheitlichung der Untersuchungsmethoden formuliert. Au\u00dferdem wurde ein Bedarf an weiteren, verl\u00e4sslichen Daten zu Quantit\u00e4t und Qualit\u00e4t von Mikroplastik in Kl\u00e4ranlagen formuliert. Gemeinsames Fazit ist, dass diese Ziele nur mit weiteren Studien, sprich weiteren Untersuchungen von Mikroplastik in Kl\u00e4ranlagen, zu erreichen sind. Dabei sind vor allem auch verfahrens-, polymer- und partikeltechnische Aspekte st\u00e4rker als bisher einzubeziehen, um ein umfassendes Bild und L\u00f6sungsans\u00e4tze abzuleiten. Die Fraunhofer-UMSICHT-Teilnehmer schlugen die Gr\u00fcndung einer \u00bbInitiative Mikroplastik\u00ab vor, welche sich der Kl\u00e4rung der Fragestellungen rund um Mikroplastik widmet. Der Vorschlag stie\u00df auf ein positives Echo, sodass weitere Aktivit\u00e4ten zu erwarten sind.<\/p>\n<p><sup>2<\/sup>Mikroplastik \u00fcberfordert Kl\u00e4ranlagen, SPIEGEL ONLINE Wissenschaft, 10\/2014<\/p>\n<h3>Cluster Umwelttechnologien.NRW<\/h3>\n<p>In regionalen und \u00fcberregionalen Netzwerken (Clustern) kooperieren unterschiedliche Akteure entlang der Wertsch\u00f6pfungskette, um Synergien zu nutzen und dadurch die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der einzelnen Partner zu st\u00e4rken und Wachstumspotenziale zu erh\u00f6hen. F\u00fcr die Umsetzung der NRW-Clusterpolitik im Bereich Umwelttechnologie ist das Ministerium f\u00fcr Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW verantwortlich. Das Clustermanagement Umwelttechnologien.NRW setzt sich interdisziplin\u00e4r aus Wissenschaftlern und Umweltingenieuren unter der F\u00fchrung der Grontmij GmbH zusammen. Eines der Hauptziele ist es, die Innovationsf\u00e4higkeit in NRW weiter auszubauen und eine gemeinsame Identit\u00e4t der Umwelttechnikbranche zu schaffen. Der Cluster Umwelttechnologien.NRW bietet eine landesweite Plattform f\u00fcr die \u00fcber 3 500 Unternehmen der Umweltwirtschaft in NRW. Das Clustermanagement hat am 19. Mai 2009 seine Arbeit aufgenommen.<\/p>\n<h3>AG Mikroplastik<\/h3>\n<p>Die AG Mikroplastik, gegr\u00fcndet im M\u00e4rz 2014, ist Teil des Formats \u00bbWerkstattgespr\u00e4ch\u00ab, das von der Ideenfabrik \u00bbZuk\u00fcnftige Produkte\u00ab bei Fraunhofer UMSICHT initiiert wurde. Zehn Teilnehmer aus unterschiedlichen Forschungsbereichen widmen sich u. a. den thematischen Schwerpunkten Mikroplastik in der Umwelt und in Wasserkreisl\u00e4ufen, Entfernung und Substitution von Mikroplastik, Zersetzungskinetik von Kunststoffen, biotische Zersetzungsprozesse, Toxizit\u00e4t und Schadstoffanreicherung sowie Mikroplastik und Kl\u00e4ranlagen. \u00bbIn der AG k\u00f6nnen wir viele Kompetenzen zusammenf\u00fchren \u2013 von der Werkstoffentwicklung f\u00fcr biologisch abbaubare Mikropartikel \u00fcber experimentelle Untersuchungen zu Bewegungsmustern von Partikeln in Gew\u00e4ssern und ihrer Abtrennbarkeit aus Abwasserstr\u00f6men bis hin zur Frage, wie aus Kunststoffverpackungen oder Plastikt\u00fcten kleine Mikropartikel entstehen \u00ab, erkl\u00e4rt J\u00fcrgen Bertling, Initiator der AG.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mikroplastik. 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