{"id":23515,"date":"2014-11-28T03:15:50","date_gmt":"2014-11-28T01:15:50","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=23515"},"modified":"2014-11-27T12:53:26","modified_gmt":"2014-11-27T10:53:26","slug":"biomassenutzung-zu-wenig-land-sicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biomassenutzung-zu-wenig-land-sicht\/","title":{"rendered":"Biomassenutzung: Zu wenig Land in Sicht!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nicht \u00fcberall wo Klimaschutz drauf steht, ist auch Klimaschutz drin. Einige Ma\u00dfnahmen, die zwar den Kohlendioxid-Aussto\u00df verringern, sind nur auf den ersten Blick klimaschonend und nachhaltig. Bei genauerer Betrachtung haben sie keine oder sogar eine gegenteilige Wirkung. <\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-23516 alignright\" alt=\"1416319362_bild__2014\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/1416319362_bild__2014.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" \/>Letzteres gilt insbesondere f\u00fcr die Nutzung von Bioenergie, wie Forscher des Max-Planck-Instituts f\u00fcr Biogeochemie in Jena und der CSIRO im australischen Canberra festgestellt haben. Die Wissenschaftler analysierten hierf\u00fcr die Ma\u00dfnahmen, die gro\u00dfe Landfl\u00e4chen erfordern, wie zum Beispiel den Anbau von Bioenergie-Pflanzen. Die Wissenschaftler stie\u00dfen dabei auf einen zentralen Konflikt: Land ist nicht unbegrenzt verf\u00fcgbar, und k\u00fcnftig werden nicht nur f\u00fcr den Klimaschutz, sondern auch f\u00fcr die Ern\u00e4hrung und eine bio-basierte Wirtschaft erhebliche zus\u00e4tzliche Fl\u00e4chen ben\u00f6tigt. Die einzige L\u00f6sung sehen die Forscher daher in einer schonenden Landbewirtschaftung.<\/p>\n<p>Um den Klimawandel zu bek\u00e4mpfen, diskutieren Wissenschaftler und Politiker vielf\u00e4ltige Ma\u00dfnahmen. Der Schutz der tropischen Regenw\u00e4lder w\u00e4re f\u00fcr den Schutz der Erdatmosph\u00e4re besonders wichtig. Gleichzeitig m\u00fcssten aber auch die Emissionen von Lachgas und Methan aus der Landwirtschaft reduziert und \u00fcbernutzte Fl\u00e4chen aufgeforstet werden. K\u00fcnftig weniger fossile Brennstoffe zu verfeuern und Energie stattdessen direkt aus Sonne und Wind zu gewinnen, ist naheliegend.<\/p>\n<p>Doch an der Frage, welche Vorgehensweisen nachhaltig und klimaschonend sind und welche nicht, scheiden sich die Geister. Prof. Ernst-Detlef Schulze, emeritierter Direktor am Max-Planck-Institut f\u00fcr Biogeochemie, und Dr. Josep Canadell, Wissenschaftler der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO), analysierten verschiedene Optionen, welche pflanzliche Biomasse nutzen, um den Klimawandel abzuschw\u00e4chen. Sie betrachteten dabei die Gesamtbilanz aller klimawirksamen Gase, neben Kohlendioxid also auch Lachgas und Methan. Letztere setzt der Mensch zwar in deutlich geringeren Mengen frei als Kohlendioxid, ihre klimasch\u00e4dliche Wirkung ist aber 256-mal (Lachgas), beziehungsweise 28-mal (Methan) gr\u00f6\u00dfer als die von Kohlendioxid.<\/p>\n<h3>Bioenergie sch\u00fctzt das Klima nur in Ausnahmef\u00e4llen<\/h3>\n<p>Unter diesem Gesichtspunkt halten die Autoren der Studie vor allem die Bioenergie f\u00fcr kritisch. Dabei wird aus pflanzlicher Biomasse Energie gewonnen; das Heizen mit Holz, aber auch die Herstellung von fl\u00fcssigen Biokraftstoffen f\u00e4llt unter diese Kategorie. Diese Energiegewinnung gilt als nachhaltig und Kohlendioxid-neutral, da bei der Verbrennung von Biomasse nur so viel Kohlendioxid frei wird, wie die Vegetation zuvor aufgenommen hat. Doch diese Bilanz ist unvollst\u00e4ndig.<\/p>\n<p>So setzen die Stickstoffd\u00fcnger, die beim Anbau von Zuckerrohr, Raps und anderen biologischen Energietr\u00e4gern in zu gro\u00dfen Mengen verwendet werden, viel Lachgas frei. Au\u00dferdem m\u00fcssen den Anbaufl\u00e4chen meist andere \u00d6kosysteme wie etwa W\u00e4lder weichen, die bereits viel Kohlendioxid speichern. Es dauert Jahrzehnte bis dieser Schaden durch Einsparungen fossiler Brennstoffe ausgeglichen wird. F\u00fcr problematisch halten Schulze und Canadell die Bioenergie auch wegen ihrer geringen Effizienz: \u201eDie Photosynthese nutzt nur 0,6 Prozent der Sonnenenergie, um Biomasse aufzubauen\u201c, erkl\u00e4rt Schulze. \u201eIm Vergleich dazu erreicht eine Solarzelle eine Energieausbeute von 30 Prozent. Die gleiche Energiemenge lie\u00dfe sich mithilfe der Fotovoltaik also auf einem Bruchteil der Fl\u00e4che gewinnen.\u201c<\/p>\n<h3>Die Bedeutung des Landmanagements wird zunehmen<\/h3>\n<p>Eine Gemeinsamkeit verbindet die Bioenergie mit fast allen anderen biologischen Ma\u00dfnahmen zur Senkung des Kohlendioxid-Gehalts in der Atmosph\u00e4re. Sie alle ben\u00f6tigen mehr Land und Pflanzen, die oft gleichzeitig als Nahrungsmittel, als Baumaterial oder in einer bio-basierten Wirtschaft ben\u00f6-tigt werden.<\/p>\n<p>Canadell erkl\u00e4rt: \u201eDer Landbedarf, der n\u00f6tig w\u00e4re, um all die Anspr\u00fcche wie Ern\u00e4hrung, Holzproduktion, Energiebedarf und eine Abschw\u00e4chung des Klimawandels zu erf\u00fcllen, ist drei bis sieben Mal so hoch wie das tats\u00e4chlich verf\u00fcgbare Land auf dieser Erde. Um diesen Land- und Biomassebedarf nur teilweise zu erf\u00fcllen, m\u00fcsste die Menschheit in abgelegene, weniger fruchtbare und kaum zug\u00e4ngliche Gegenden ziehen\u201c.<\/p>\n<p>Damit sich diese Anforderungen unter einen Hut bringen lassen, sehen die Autoren f\u00fcr die Zukunft eine zunehmende Bedeutung des Landmanagements. \u201eNur ein nachhaltiges, integriertes Landma-nagement ohne Lachgas- und Methanemissionen kann beide Ziele erreichen: eine Abschw\u00e4chung des Klimawandels und eine Erf\u00fcllung der menschlichen Bed\u00fcrfnisse\u201c, sagt Schulze.<\/p>\n<p>Ein erfolgreiches Landmanagement halten er und Canadell vor allem in den Tropen f\u00fcr n\u00f6tig. Hier, wie in vielen anderen Regionen der Erde, werden die M\u00f6glichkeiten der Ertragssteigerung nicht ausgesch\u00f6pft und stattdessen weitere Waldfl\u00e4chen gerodet. Wichtig f\u00fcr die nachhaltige Intensivierung der Biomasseproduktion ist vor allem ein kontrollierter Einsatz von D\u00fcngemitteln, um einen \u00dcberschuss an Stickstoff und die damit verbundenen Emissionen von Lachgas und anderen Stickstoffoxiden zu vermeiden. Denn deren Emissionen aus der Landwirtschaft und der Viehzucht machen derzeit den klimasch\u00fctzenden Effekt der weltweiten Vegetation zunichte, die der Atmosph\u00e4re j\u00e4hrlich gro\u00dfe Mengen Kohlendioxid entzieht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Kontakte<\/h3>\n<p>Prof. Dr. Ernst-Detlef Schulze<br \/>\nMPI f\u00fcr Biogeochemie, Jena<br \/>\nTel.: +49 3641 576100<br \/>\nEmail: <a href=\"mailto:dschulze@bgc-jena.mpg.de\" target=\"_blank\">dschulze@bgc-jena.mpg.de<\/a><\/p>\n<p>Dr. Josep (Pep) Canadell<br \/>\nCSIRO Oceans and Atmosphere Flagship, Canberra, Australia<br \/>\nTel.: + 61 408 020 952<br \/>\nEmail: <a href=\"mailto:pep.canadell@csiro.au\" target=\"_blank\">pep.canadell@csiro.au<\/a><\/p>\n<h3>Originalpublikation:<\/h3>\n<p>Josep G Canadell, E. Detlef Schulze (2014). Global potential of biospheric carbon management for climate mitigation. Nature Communications, 5:5282. DOI: 10.1038\/ncomms6282<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht \u00fcberall wo Klimaschutz drauf steht, ist auch Klimaschutz drin. Einige Ma\u00dfnahmen, die zwar den Kohlendioxid-Aussto\u00df verringern, sind nur auf den ersten Blick klimaschonend und nachhaltig. Bei genauerer Betrachtung haben sie keine oder sogar eine gegenteilige Wirkung. 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