{"id":23202,"date":"2014-11-05T03:09:19","date_gmt":"2014-11-05T01:09:19","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=23202"},"modified":"2014-11-04T09:22:33","modified_gmt":"2014-11-04T07:22:33","slug":"freitag-statt-taschen-aus-lkw-planen-nun-kleidung-aus-hanf-und-flachs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/freitag-statt-taschen-aus-lkw-planen-nun-kleidung-aus-hanf-und-flachs\/","title":{"rendered":"Gebr\u00fcder Freitag: Statt Taschen aus LKW-Planen nun Kleidung aus Hanf und Flachs"},"content":{"rendered":"<p>Als Hersteller von Recyclingtaschen aus LKW-Plane wagen Sie sich an die Produktion von kompostierbarer Kleidung. Was f\u00fcr Erwartungen haben Sie dabei?<\/p>\n<p>Daniel Freitag*: Wir bieten zun\u00e4chst eine Hose, ein T-Shirt und ein Longsleeve an, jeweils f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen. Ausserdem einen Workdress f\u00fcr Frauen. Es ist also noch keine richtige Kollektion. Am Anfang stand eigentlich, dass wir unsere eigenen Mitarbeiter einkleiden wollten und festgestellt haben, dass es keine Arbeitshosen gab, die unseren Kriterien entsprechen, die also in der N\u00e4he produziert und recyclebar sind. Wir haben also ganz von vorne angefangen und einen Stoff entwickelt. Nicht aus Baumwolle, weil deren Herstellung zu viel Wasser verbraucht, sondern aus Flachs und Hanf. Daraus haben wir zun\u00e4chst die ersten Basics gen\u00e4ht, es sollen aber weitere Teile dazukommen.<\/p>\n<p>Welche Schwierigkeiten bringt die Entwicklung von kompostierbarer Kleidung mit sich?<\/p>\n<p>Die gr\u00f6ssten Probleme haben uns die Details bereitet. Es war schwer genug, zun\u00e4chst eine geeignete Faser und dann einen Produzenten zu finden, der nicht nur ein legeres Sommerhemd, sondern eine stabile Arbeitshose aus Leinen fertigen kann. Aber die wirkliche Herausforderung war die Konsequenz \u2013 das komplette Kleidungsst\u00fcck soll ja biologisch abbaubar sein. Beim ersten Kompostierversuch mit einer Hose lag zum Schluss nur noch der Polyesterfaden da. Darum haben wir ein kompostierbares N\u00e4hgarn gew\u00e4hlt. Dieses wiederum sollte dann ja auch die gleiche Farbe haben wie der Stoff und musste auch stabil genug sein \u2013 das war gar nicht so einfach. Auch auf den Hosenknopf sind wir stolz. Es f\u00fchlt sich komisch an, eine Hose auf den Kompost zu werfen mit einem St\u00fcck Metall daran. Also haben wir einen Knopf entwickelt, den man abschrauben kann. Der \u00fcberlebt die Hose und vielleicht sogar den Tr\u00e4ger&#8230;<\/p>\n<p>Das ist jetzt eher in einem langfristigen Kreislauf gedacht&#8230; Sie betonen ja auch immer wieder, dass sich Freitag-Taschen nicht zum Verkauf nach Saison eignen. Wie lang soll denn der Zyklus einer Freitag-Hose sein?<\/p>\n<p>Wir sind mit unseren Kleidungsst\u00fccken jetzt sicher mehr dem Zeitgeist ausgesetzt als mit einem Accessoire. Es ist ja eigentlich erstaunlich, dass wir seit 20 Jahren allein die Freitag-Taschen im Programm haben, auch wenn wir mittlerweile zwischen 80 Schnittmustern variieren. Es wird spannend, jetzt einen Schritt n\u00e4her am modischen Impuls zu arbeiten. Allerdings sind unsere Styles so basic, dass wir nicht saisonal reagieren m\u00fcssen. Wir setzen auch auf eigene Farben. Es ist also eher der Stil von Freitag, den unsere Kleidungsst\u00fccke verk\u00f6rpern und weniger der aktuellen Trend aus Paris.<\/p>\n<p>Mit den Freitag-Taschen haben Sie vor 21 Jahren ein ganz neues Produkt am Markt etabliert. Jetzt ist es umkehrt: Die Hersteller von Outdoor-Kleidung geraten langsam an ihre Grenzen, der Trend zu Bio-Kleidung boomt seit Jahren. Haben Sie eine Chance gegen die grossen Anbieter?<\/p>\n<p>Nein. Und vielleicht Ja. (lacht) F\u00fcr ein grosses Unternehmen ist es schwierig, sich auf \u00f6kologisch produzierte Kleidung umzustellen. Zum einen, weil die Herstellungskette komplex ist, das geht nicht von einem Tag auf den anderen. Und wenn ich einen Teil meiner Kollektion nachhaltig produzieren lasse, riskiere ich, den \u00fcbrigen Teil als problematisch zu deklarieren. Darum sehe ich schon eine Chance f\u00fcr eine Marke, die von Beginn an nachhaltig produziert hat. Klar, wir starten als kleiner Player. Wir sagen nicht: Jetzt macht Freitag Mode. Wir haben diese Entwicklung gewagt, weil wir eine Hose f\u00fcr uns wollten. Der Worst-Case in unserem Szenario ist, dass wir genug Rollen Stoff haben, um f\u00fcr unsere Mitarbeiter auf Jahre Hosen zu n\u00e4hen. Wir haben also nicht viel zu verlieren. Wenn wir ein Kundenbed\u00fcrfnis ansprechen, sehe ich aber durchaus Entwicklungsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Das klingt jetzt sehr entspannt. Nachdem es 20 Jahre lang nur aufw\u00e4rts ging, musste Freitag in diesem Jahr aber auch erstmals sechs Mitarbeiter entlassen. Wie hoch ist der Druck, ein neues Standbein aufzubauen?<\/p>\n<p>Das stimmt, aber die Fallh\u00f6he war bei uns auch hoch. Diese Entwicklung wurde bei uns wohl mit grosser Aufmerksamkeit wahrgenommen, weil wir vorher \u00fcber Jahre zweistellig gewachsen sind und jetzt erstmals in einer Phase der Konsolidierung stecken. Wir waren in gewisser Hinsicht verw\u00f6hnt, weil wir die typischen Zyklen von Auf- und Abschwung meist durch Expansion abfedern konnten. Seither sind wir aber wieder mit einem guten einstelligen Wachstum unterwegs.<\/p>\n<p>Aber ist es Zeit f\u00fcr eine Neuorientierung?<\/p>\n<p>Es geht nicht darum, schnell viele neue Hosen zu verkaufen, weil die Taschen nicht mehr drehen. Das ist nicht der Fall. Aber klar, wenn die neuen Produkte auch wieder neue Aufmerksamkeit auf die Taschen lenken, ist das gut. Wir haben durch die Wahl der LKW-Plane f\u00fcr unsere Taschen seit 20 Jahren die Limitierung im Material gesp\u00fcrt. Dieses bietet ein grosses Spielfeld, das l\u00e4ngst nicht ausgesch\u00f6pft ist. Wir haben noch Ideen f\u00fcr Taschen, die wir unbedingt machen wollen. Aber jetzt f\u00fcr einmal selber die M\u00f6glichkeit zu haben, genauer zu bestimmen, welches Material wir haben wollen \u2013 in welcher Qualit\u00e4t, in welchen Farben \u2013 das ist sch\u00f6n. Wir gewinnen damit an Selbstbestimmtheit und es bietet sich die M\u00f6glichkeit, die Marke Freitag mit etwas Neuem zu assoziieren. Ausserdem: Die von uns entwickelten Fasern haben meiner Meinung nach auch Berechtigung im Accessoire-Bereich. Wir haben jetzt testweise schon mal wieder einen Rucksack gen\u00e4ht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>*Daniel Freitag hat gemeinsam mit seinem Bruder Markus 1993 das gleichnamige Taschenlabel gegr\u00fcndet. Die Recyclingtaschen erlangten Kultstatus, das Unternehmen unterh\u00e4lt eigene Stores in der Schweiz, Deutschland, \u00d6sterreich und Japan.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Hersteller von Recyclingtaschen aus LKW-Plane wagen Sie sich an die Produktion von kompostierbarer Kleidung. Was f\u00fcr Erwartungen haben Sie dabei? Daniel Freitag*: Wir bieten zun\u00e4chst eine Hose, ein T-Shirt und ein Longsleeve an, jeweils f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen. Ausserdem einen Workdress f\u00fcr Frauen. Es ist also noch keine richtige Kollektion. 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