{"id":23186,"date":"2014-11-04T03:00:01","date_gmt":"2014-11-04T01:00:01","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=23186"},"modified":"2014-11-03T09:57:38","modified_gmt":"2014-11-03T07:57:38","slug":"deutschlands-erstes-hanfmobil-kommt-aus-osnabruck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/deutschlands-erstes-hanfmobil-kommt-aus-osnabruck\/","title":{"rendered":"Deutschlands erstes Hanfmobil kommt aus Osnabr\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>Der Automobil-Pionier Henry Ford hatte vor fast 100 Jahren den Traum vom Auto, das auf dem Acker w\u00e4chst. Der Osnabr\u00fccker Ingenieur Nicolas Meyer kommt diesem Traum mit seinem in Deutschland einmaligen Hanfmobil schon nahe. Der Prototyp ist zwar noch aus Stahl, doch wenn sein Fahrzeug 2016 serienreif ist, sollen die Strukturbauteile aus Hanf bestehen. Marihuana-Fans werden allerdings entt\u00e4uscht sein, denn der rauschbewirkende THC-Gehalt liegt bei diesem Nutzhanf bei weniger als 0,2 Prozent.<\/p>\n<p>Meyer nennt seinen Zweisitzer auf vier Reifen selbst allerdings nicht Hanfauto, sondern lieber \u201eHanfmobil\u201c, weil das elektrisch betriebene Fahrzeug mit Pedalen ausgestattet ist und mit einem Gewicht von nur 120 Kilo zu leicht f\u00fcr ein Auto sei. Durch die eigene Muskelkraft soll das Gef\u00e4hrt in Erg\u00e4nzung zum Elektroantrieb, der 45 km\/h bringt, bis zu 55 Stundenkilometer schaffen. Daher sieht der Osnabr\u00fccker Ingenieur in dem Hanfmobil das Potenzial, das Zweitauto zu ersetzen. Der Vorteil an seinem Hybrid-E-Mobil ist, dass daf\u00fcr nicht einmal der Auto-F\u00fchrerschein der Klasse 3 ben\u00f6tigt wird, sondern ein Moped-F\u00fchrerschein der Klasse S ausreicht. Zudem kann man mit dem innovativen Fahrzeug, das einem Liegerad mit Karosserie \u00e4hnelt , auch ganz auf den Elektroantrieb verzichten und nur mit eigener Muskelkraft fahren.<\/p>\n<h3>G\u00fcnstiger als benzinbetriebenes Auto<\/h3>\n<p>Die Reichweite mit dem Akku betr\u00e4gt 25 bis 50 Kilometer &#8211; je nachdem, ob der Elektromotor mit der eigenen Muskelkraft unterst\u00fctzt wird. \u201eDer Strom und die Nebenkosten f\u00fcr 100 Kilometer Stadtverkehr kosten unter zwei Euro und damit ein Sechstel des Preises, den ein benzinbetriebenes Auto im Stadtverkehr inklusive Versicherung und Steuer verbraucht\u201c, wirbt Meyer f\u00fcr seine Innovation. Sein Hybridfahrzeug sei durch den Kofferraum mit einer Maximallast von 50 Kilo und Stauraum f\u00fcr zwei Kisten Bier oder Wasser sogar f\u00fcr Einkaufsfahrten in der Stadt geeignet.<\/p>\n<p>Die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin der Wirtschaftsf\u00f6rderung Osnabr\u00fcck, Sonja Ende, gestattete Meyer im Sommer, das Hanf f\u00fcr sein Mobil auf dem bis dato brachliegenden Acker vor dem Innovationscentrum Osnabr\u00fcck (ICO) anzubauen. Vor einer Woche erntete Meyer die Hanfpflanzen. Die Hanffasern werden zu einem ultraleichten und sehr strapazierf\u00e4higen Bauteil, indem sie mit Harz verklebt und im Ofen gebacken werden. Auch bei der Verwendung des Harzsystems versucht er m\u00f6glichst \u00f6kologisches Material einzusetzen und testet dazu eine Basis aus Soja\u00f6l statt des normalerweise verwendeten Roh\u00f6ls. Auch beim Fahrersitz hat der T\u00fcftler bereits auf Hanffasern und eine Materialkombination eines soja\u00f6l-basiertem Harzsystems und Hanffasern gesetzt.<\/p>\n<h3>Hanfbike aus Grundlage<\/h3>\n<p>K\u00fcrzlich kritisierte der Agrarwissenschaftler Hans-Bernhard von Buttlar, dass Bauteile aus nat\u00fcrlichen Verbundwerkstoffen noch zu teuer sind, um sie auf dem Massenmarkt anzubieten. Dazu sagt Meyer:<\/p>\n<p>\u201eAus dem Grund bieten wir neben der L\u00f6sung aus hanffaserverst\u00e4rktem Kunststoff auch die g\u00fcnstigere L\u00f6sung aus mit Glasfasern verst\u00e4rktem Kunststoff und hoffen \u00fcber eine gesteigerte Hanffasernachfrage in Zukunft g\u00fcnstigere Preise angeboten zu bekommen.\u201c Deshalb sollen die ersten Fahrzeuge 2016 aus diesen beiden Materialvarianten angeboten werden. \u00dcber den Preis k\u00f6nne jeder Kunde die Entscheidung \u00fcber den \u201e\u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck\u201c in der Produktion des Mobils selbst entscheiden. Dass Meyer in der Lage ist, tragende Strukturbauteile aus Hanf zu fertigen, hat er bereits mit seinem Hanfbike unter Beweis gestellt. Im August 2009 bew\u00e4ltigte er mit dem weniger als zwei Kilo schweren Hanfbike sogar einen Triathlon unter Wettkampfbedingungen. Dieses Fahrrad war auch eine wichtige Grundlage zur Entwicklung des Hanfmobils.<\/p>\n<p>Diese Entwicklungsarbeit hat aber auch seinen Preis. \u201eWir sch\u00e4tzen, dass wir bis zum Serienstart in das Projekt insgesamt rund 700.000 bis 800.000 Euro investieren m\u00fcssen\u201c, prognostiziert Meyer. Bis Mitte 2015 wird Onyx nach eigenen Angaben aber noch mit rund 125.000 Euro von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterst\u00fctzt. Diese F\u00f6rderung begann vor zwei Jahren und und aktuell l\u00e4uft die zweite F\u00f6rderphase. Die Entwicklung des Hanfmobils habe bislang aber bereits mehr als 250.000 Euro gekostet.<\/p>\n<p>Die Investition lohnt sich, denn nach eigenen Recherchen ist es das erste Hanfmobil der Welt. Es gibt in Kanada zwar bereits ein Hanfauto namens Kestrel , doch der Unterschied ist, \u201edass dem Kestrel ein Rahmen aus Metall zugrunde liegt und lediglich die Verkleidungsteile aus hanffaserverst\u00e4rktem Kunststoff sind. Damit wiegt es 850 Kilo, ben\u00f6tigt einen gro\u00dfen Elektro-Antrieb und einen gro\u00dfen Akku, was es teuer und ineffizient macht\u201c, wie Meyer erl\u00e4utert. \u201eUnserem Hanfmobil hingegen liegen erstmalig auch die tragenden Teile aus hanffaserverst\u00e4rktem Kunststoff zugrunde.\u201c Er betont: \u201eUnser nur 120 Kilo schweres Hanfmobil ist im Vergleich dazu leicht, \u00f6kologisch und kosteng\u00fcnstig.\u201c<\/p>\n<h3>Serienfertigung geplant<\/h3>\n<p>Aus dem rund 1000 Quadratmeter gro\u00dfen Hanffeld vor dem ICO sollen die Strukturbauteile f\u00fcr die ersten Hanfmobile entstehen. Pro Karosseriestruktur plant Meyer etwa 20 Kilo Hanffaser einzusetzen. Dem ersten Prototyp aus Stahl soll im n\u00e4chsten Entwicklungsschritt 2015 ein realistischer Prototyp aus Hanf folgen. In der Klasse f\u00fcr leichte Kraftfahrzeuge mit vier R\u00e4dern L6E will Meyer bis Ende 2015 die Kfz-Zulassung vom T\u00dcV bekommen. Im n\u00e4chsten Schritt will er eine Kleinserie mit 200 Fahrzeugen pro Jahr bauen, um Investoren zu \u00fcberzeugen, auf das Projekt aufzuspringen. Sein gro\u00dfes Ziel ist, bis 2020 eine Serienfertigung von mehr als 10000 Einheiten pro Jahr zu erreichen. \u201eDer Preis von zun\u00e4chst 8900 Euro w\u00fcrde dann auf unter 6500 Euro fallen und die Nachfrage weiter steigen lassen. Das w\u00fcrde dann ein echter Erfolg f\u00fcr die urbane Mobilit\u00e4t der Zukunft werden\u201c, prognostiziert der 38-J\u00e4hrige. Eine Fertigung in dieser Dimension k\u00f6nnte sein Ingenieurb\u00fcro Onyx composites aber nicht leisten und m\u00fcsste dann \u00fcber einen Partner oder Investor aus der Industrie laufen. Meyer will sich mit seinem B\u00fcro dann um die Weiterentwicklung und Fertigung von Sondermodellen k\u00fcmmern und nachhaltige Ideen entwickeln.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Entwicklung eines vier Kilowatt starken und wie in einem Aktenkoffer tragbaren \u201eAkku to go\u201c f\u00fcr das Hanfmobil hat Meyer Michael Schnakenberg engagiert, dessen Unternehmen f\u00fcr Energiespeichersysteme Commeo ebenfalls im ICO arbeitet. Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Unternehmens f\u00fcr elektronische Dienstleistungen iotec, Daniel Mentrup, ist f\u00fcr die Entwicklung der Elektronik-Komponenten des Hanfmobils zust\u00e4ndig. So k\u00fcmmert er sich etwa um die Motorsteuerung, Beleuchtung und Bedienung. Auch eine Verbindung mit dem Smartphone ist angedacht. Als Hanfverantwortlicher ist zudem der Agrarwissenschaftler Axel Thoma freiberuflich bei Onyx besch\u00e4ftigt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Automobil-Pionier Henry Ford hatte vor fast 100 Jahren den Traum vom Auto, das auf dem Acker w\u00e4chst. Der Osnabr\u00fccker Ingenieur Nicolas Meyer kommt diesem Traum mit seinem in Deutschland einmaligen Hanfmobil schon nahe. Der Prototyp ist zwar noch aus Stahl, doch wenn sein Fahrzeug 2016 serienreif ist, sollen die Strukturbauteile aus Hanf bestehen. 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