{"id":22897,"date":"2014-10-14T03:06:15","date_gmt":"2014-10-14T01:06:15","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=22897"},"modified":"2014-10-13T10:05:20","modified_gmt":"2014-10-13T08:05:20","slug":"muhle-trifft-biotechnologie-werden-aus-nebenerzeugnissen-der-mullerei-wertvolle-produkte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/muhle-trifft-biotechnologie-werden-aus-nebenerzeugnissen-der-mullerei-wertvolle-produkte\/","title":{"rendered":"M\u00fchle trifft Biotechnologie \u2013 so werden aus Nebenerzeugnissen der M\u00fcllerei wertvolle Produkte"},"content":{"rendered":"<h3><strong>Mitglieder des Netzwerks Industrielle Biotechnologie Bayern als auch fast die gesamte Gesch\u00e4ftsstelle der IBB Netzwerk GmbH besuchten Mitte August die W\u00fcrmm\u00fchle von Ludwig Kraus in Dachau. Nicht, um die Frage zu kl\u00e4ren, wo das Mehl f\u00fcr das Brot herkommt, sondern um zu erfahren, was mit den Resten des Mahlvorgangs passiert. Mit seiner M\u00fchle ist Ludwig Kraus als Vorstandsvorsitzender im Bayerischen M\u00fcllerbund e.V. nicht nur Vorreiter in Sachen Umweltschutz, sondern auch daran interessiert, die anfallenden M\u00fchlennebenprodukte in wertvolle neue Erzeugnisse zu \u00fcberf\u00fchren. Dabei scheut er nicht, \u00fcber den Tellerrand der M\u00fchlenwirtschaft zu blicken und sich Unterst\u00fctzung durch die Industrielle Biotechnologie zu holen \u2013 ein M\u00fcller auf Abwegen? \u2013 Keineswegs: er verbindet Tradition und Moderne in Bayern.<\/strong><\/h3>\n<h3>Getreidem\u00fchlen aktiv in Forschung und Entwicklung<\/h3>\n<p>Auf den ersten Blick mag sich keine direkte Verbindung zwischen einer Getreidem\u00fchle und der Industriellen Biotechnologie herstellen. Doch dass diese ungew\u00f6hnliche Partnerschaft funktioniert, hat bereits ein in diesem Jahr mit vielversprechenden Resultaten beendetes Projekt zur Verwertung von M\u00fchlennebenprodukten bewiesen. In dem Vorhaben mit dem Titel \u201eGewinnung von Biobutanol als Energietr\u00e4ger und Plattformchemikalie aus M\u00fchlennebenprodukten\u201c1 waren neben dem Bayerischen M\u00fcllerbund e.V. die Partner FRITZMEIER Umwelttechnik GmbH &amp; Co. KG \/ Abt. inocre und der Lehrstuhl f\u00fcr Mikrobiologie an der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen beteiligt. Ihre Forschungsergebnisse, sowie das beim Besuch der W\u00fcrmm\u00fchle erworbene Wissen \u2013 sowohl \u00fcber die Mahlvorg\u00e4nge als auch \u00fcber die gesamten anfallenden M\u00fchlennebenprodukte \u2013 spornen die beteiligten Projektpartner nun zu einem gr\u00f6\u00dfer angelegten Folgeprojekt an, um aus den Nebenprodukten biobasierte Chemikalien und Kraftstoffe herzustellen.<\/p>\n<h3>Wo kommt die Biotechnologie ins Spiel?<\/h3>\n<figure id=\"attachment_22898\" aria-describedby=\"caption-attachment-22898\" style=\"width: 205px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-22898 \" alt=\"Kleie_klein_7ccafe611b\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Kleie_klein_7ccafe611b.jpg\" width=\"205\" height=\"138\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-22898\" class=\"wp-caption-text\">Bei der Vermahlung des Getreides f\u00e4llt als Nebenprodukt u. a. Kleie an. Sie eignet sich zwar grunds\u00e4tzlich als Tierfutter, die anfallenden Mengen k\u00f6nnen jedoch nicht komplett verf\u00fcttert werden. Bild: IBB Netzwerk GmbH\/kh<\/figcaption><\/figure>\n<p>In Bayern vermahlen rund 150 M\u00fchlen j\u00e4hrlich circa 1,3 Millionen Tonnen Weizen und Roggen. Beim Mahlen fallen Nebenprodukte an, beispielsweise Kleie, Grie\u00dfkleie, Nach- bzw. Futtermehle, Kleinkorn, Bruchkorn und Ausputz, die als Nahrungsmittel ungeeignet sind. Diese Nebenprodukte machen aber immerhin etwa 20 Prozent der vermahlenen Getreidemenge aus. Die traditionellen Absatzm\u00e4rkte von M\u00fchlennebenprodukten, z. B. als Tierfutter, verlieren jedoch zunehmend an Bedeutung. In Deutschland, aber aufgrund der hohen M\u00fchlendichte besonders in Bayern, sinken die Preise f\u00fcr Nebenprodukte aus der M\u00fchlenwirtschaft. Deshalb sollten die zur Verf\u00fcgung stehenden Reststoffe einer alternativen, gewinnbringenden und nachhaltigen Verwendung zugef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Dies gelingt mit Hilfe der Industriellen Biotechnologie! Denn M\u00fchlennebenprodukte enthalten noch viele \u2013 f\u00fcr Mikroorganismen \u2013 wertvolle und verwertbare Inhaltsstoffe, wie beispielsweise zuckerhaltige Polymere (St\u00e4rke, Pektin, Glukan oder Xylan), Proteine und Zellulose. Ausgew\u00e4hlte Bakterienst\u00e4mme k\u00f6nnen sich diese Inhaltsstoffe nutzbar machen und zu Butanol, aber auch zu Aceton und Ethanol umsetzen. Vor allem das mikrobiologisch erzeugte Butanol eignet sich als Biokraftstoff sowie als Plattformchemikalie. Die biotechnologische Verarbeitung von M\u00fchlennebenprodukten k\u00f6nnte also k\u00fcnftig f\u00fcr die M\u00fchlenbetreiber wie Ludwig Kraus eine echte Alternative sein.<\/p>\n<p><strong>Hintergrund:<\/strong><\/p>\n<h3>Butanol aus Mikroorganismen<\/h3>\n<p>Bereits im Jahr 1916 wurde Butanol mithilfe von Bakterien nach dem sogenannten A.B.E.-Verfahren produziert, welches jedoch im Laufe des Erd\u00f6l-Siegeszugs durch chemische Verfahren ersetzt wurde. Nun, da der Preis f\u00fcr Erd\u00f6l stark gestiegen ist und petrobasierte Produkte in der Regel einen schlechteren CO<sub>2<\/sub>-Fu\u00dfabdruck haben als deren biobasierte Pendants, wird die biotechnologische Herstellung von Butanol wieder relevant. Vor allem in Kombination mit Kuppelerzeugnissen, wie z. B. M\u00fchlennebenprodukten, die als Nahrung f\u00fcr die Mikroorganismen dienen, ergeben sich die gr\u00f6\u00dften Vorteile f\u00fcr Umwelt, Wirtschaft und M\u00fchlenbetreiber.<\/p>\n<h3>Industrielle Biotechnologie<\/h3>\n<p>Industrielle Biotechnologie steckt bereits in vielen Alltagsgegenst\u00e4nden. Biokunststoffe, Biokraftstoffe, Vitamine und Aromen, Kosmetika und Waschmittel, bei all diesen Produkten werden biotechnologische Verfahren eingesetzt. Diese sind dabei gleichzeitig umweltschonend und wirtschaftlich.<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3>\u00dcber den Bayerische M\u00fcllerbund e.V.<\/h3>\n<p>Der Bayerische M\u00fcllerbund e.V., Landesverband der Bayerischen M\u00fchlen, wurde am 1. August 1910 in Landshut-Ellerm\u00fchle als \u201eVereinigung bayerischer mittlerer und kleinerer Handels- und Kundschaftsm\u00fchlenbesitzer\u201c gegr\u00fcndet. Innerhalb weniger Monate entwickelte er sich zum mitgliederst\u00e4rksten Berufsverband der M\u00fcller in Deutschland. Der Bayerische M\u00fcllerbund besitzt die Rechtsform des eingetragenen Vereins mit Gemeinn\u00fctzigkeitscharakter. Sein Fachgebiet umfasst die mittelst\u00e4ndische M\u00fcllerei, einschlie\u00dflich Back- und Futterschrotm\u00fcllerei, die Mischfutterherstellung sowie Sonderformen der M\u00fchlenwirtschaft. Der Bayerische M\u00fcllerbund hat die Aufgabe, die Interessen der mittelst\u00e4ndischen M\u00fchlenwirtschaft wahrzunehmen. Er vertritt die wirtschaftlichen und sozialen Interessen seiner Mitglieder. Zu diesem Zweck kann er insbesondere Einrichtungen zur Erh\u00f6hung der Leistungsf\u00e4higkeit der Betriebe, vor allem in technischer und betriebswirtschaftlicher Hinsicht, schaffen und unterst\u00fctzen. Mehr erfahren Sie unter www.muellerbund.de.<\/p>\n<h3>\u00dcber FRITZMEIER Umwelttechnik<\/h3>\n<p>FRITZMEIER Umwelttechnik GmbH &amp; Co. KG ist ein inhabergef\u00fchrtes Familienunternehmen und Spezialist f\u00fcr hoch entwickelte Sensorsysteme und Biotechnologie f\u00fcr den Einsatz in Landwirtschaft, Industrie und Umwelttechnik. Die Abteilung inocre\u00ae der Fritzmeier GmbH und Co. KG entwickelt, patentiert und fertigt mikrobiologische Produkte und Verfahren f\u00fcr eine wirtschaftliche Anwendung in den Gesch\u00e4ftsbereichen Geruchsfilter, Abbau von Enteisungsmitteln an Flugh\u00e4fen, biotechnologische Wertstoffgewinnung und Biogas.<\/p>\n<h3>\u00dcber die Technische Universit\u00e4t M\u00fcnchen<\/h3>\n<p>Der Lehrstuhl f\u00fcr Mikrobiologie der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen (Prof. Dr. W. Liebl, Arbeitsgruppe Dr. W. H. Schwarz) hat viele Jahre Erfahrung mit der Arbeit von L\u00f6sungsmittel-(Aceton, Butanol, Ethanol u.a.)-bildenden Bakterien. Schwerpunkte sind insbesondere die Biologie der anaeroben Clostridien, die Verwertung von pflanzlichen Polysacchariden wie St\u00e4rke, Zellulose und Hemizellulose durch diese Bakterien, und die Isolierung neuer Bakterienst\u00e4mme, die aus nat\u00fcrlicher Umgebung herausgereinigt und angezogen werden. Die Fermentation von pflanzlichen Rohstoffen zu n\u00fctzlichen Chemikalien stand dabei im Mittelpunkt des Interesses der Arbeitsgruppe von Dr. Schwarz und Dr. Zverlov. Hierbei wird die Produktion von Butanol als wertvollem Produkt mit vielfachen Anwendungsm\u00f6glichkeiten sowohl als Biokraftstoff als auch als Basischemikalie intensiv untersucht. Die Ergebnisse werden in Kooperationsprojekten mit anderen akademischen Institutionen und mit der anwendenden Industrie verwertet. Mehr unter www.mibio.wzw.tum.de.<\/p>\n<h3>\u00dcber die IBB Netzwerk GmbH<\/h3>\n<p>Die Industrielle Biotechnologie Bayern Netzwerk GmbH (IBB Netzwerk GmbH) ist eine Netzwerk- und Dienstleistungsorganisation auf dem Gebiet der Industriellen Biotechnologie. Ziel ist es, die Umsetzung wertvoller wissenschaftlicher Erkenntnisse auf diesem Gebiet in innovative, marktf\u00e4hige Produkte und Verfahren zu katalysieren. Sie betreibt das Management und die Koordination des IBB-Netzwerks mit 100 Mitgliedern aus Gro\u00dfindustrie, mittelst\u00e4ndischen Unternehmen und Akademie. Die IBB Netzwerk GmbH wurde im Juni 2008 gegr\u00fcndet als Ergebnis einer stabilen und starken &#8220;public-private\u201c-Partnerschaft. Dieser geh\u00f6ren von \u00f6ffentlicher Seite Bundes- und Landesministerien sowie von industrieller Seite sowohl global operierende Chemiekonzerne als auch mittelst\u00e4ndische Unternehmen an. Sitz des Unternehmens ist Martinsried bei M\u00fcnchen.<\/p>\n<h3>\u00dcber die W\u00fcrmm\u00fchle<\/h3>\n<p>Der heutige Standort der W\u00fcrmm\u00fchle in Dachau blickt auf eine ehrw\u00fcrdige Tradition und lange Geschichte zur\u00fcck. Eine Urkunde des Bischofs von Freising belegt, dass dort bereits im 10. Jahrhundert Getreide vermahlen wurde. Seit dem 14. Jahrhundert befindet sich die M\u00fchle im Besitz der Herz\u00f6ge von Bayern. In den folgenden Jahrhunderten wechselte die M\u00fchle mehrmals ihren Besitzer, bis sie schlie\u00dflich im Jahre 1927 von der Familie Kraus erworben wurde. Mit hohem finanziellen Aufwand entwickelte die Familie Kraus die W\u00fcrmm\u00fchle zu einem vollautomatischen Betrieb; bis zu 84 Tonnen Roggen und Weizen pro Tag kann die M\u00fchle heutzutage verarbeiten. Besonderen Wert legt Ludwig Kraus auf den Umweltschutz. Seit dem Jahr 1997 wird chemie- und gasfrei produziert. Viele weitere Verbesserungen folgten und f\u00fchrten dazu, dass die Umweltfreundlichkeit der W\u00fcrmm\u00fchle im Jahre 1999 mit einem \u00d6ko-Audit zertifiziert werden konnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><sup>1<\/sup> <\/strong>M\u00fchlennebenprodukte sind ein fester Bestandteil des Mahlprozesses. Mit einer sehr hohen Dichte an M\u00fchlen fallen in Bayern \u00fcberdurchschnittlich gro\u00dfe Menge an Nebenprodukten an, die im L\u00e4ndervergleich aufgrund des gro\u00dfen Angebotes unter Wert verkauft werden m\u00fcssen. Im Projekt \u201eGewinnung von Biobutanol als Energietr\u00e4ger und Plattformchemikalie aus M\u00fchlennebenprodukten\u201c wurde untersucht, ob M\u00fchlennebenprodukte als Ausgangssubstrate zur Erzeugung von Biobutanol wirtschaftlich verwendet werden k\u00f6nnen. Potentiell geeignete Bakterienst\u00e4mme wurden ausgew\u00e4hlt und die Substratvorbehandlung sowie die Produktionsbedingungen im Laborma\u00dfstab optimiert. Modellfermentationen erlaubten eine Absch\u00e4tzung der Produktivit\u00e4t. Ziel der durchgef\u00fchrten Versuche war neben der grunds\u00e4tzlichen Machbarkeitsuntersuchung zus\u00e4tzlich auch eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung. Das Projekt wurde vom Bayerischen Staatsministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung, Landwirtschaft und Forsten gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Link zur Pressemitteilung vom 24. M\u00e4rz 2014: <a href=\"http:\/\/www.ibbnetzwerk-gmbh.com\/de\/service\/pressebereich\/pm-24032014-muehlennebenprodukte\" target=\"_blank\">www.ibbnetzwerk-gmbh.com\/de\/service\/pressebereich\/pm-24032014-muehlennebenprodukte<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitglieder des Netzwerks Industrielle Biotechnologie Bayern als auch fast die gesamte Gesch\u00e4ftsstelle der IBB Netzwerk GmbH besuchten Mitte August die W\u00fcrmm\u00fchle von Ludwig Kraus in Dachau. 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