{"id":22790,"date":"2014-10-07T03:06:44","date_gmt":"2014-10-07T01:06:44","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=22790"},"modified":"2014-10-06T10:09:16","modified_gmt":"2014-10-06T08:09:16","slug":"raps-2-0-muss-der-raps-der-zukunft-leisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/raps-2-0-muss-der-raps-der-zukunft-leisten\/","title":{"rendered":"\u201eRaps 2.0 \u2013 Was muss der Raps der Zukunft leisten?\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Anl\u00e4sslich ihrer Mitgliederversammlung 2014 hat die Union zur F\u00f6rderung von Oel- und Proteinpflanzen e.V. (UFOP) in W\u00fcrzburg ein mit rund 100 Teilnehmern sehr gut besuchtes \u00f6ffentliches Fachforum durchgef\u00fchrt. Experten aus Z\u00fcchtung, Sortenpr\u00fcfwesen, Anbau, Pflanzenschutz, \u00d6lsaatenverarbeitung, Tierern\u00e4hrung und Markt diskutierten entlang der Wertsch\u00f6pfungskette die wichtigste heimische \u00d6lsaat in zahlreichen Facetten einschlie\u00dflich der politischen Rahmenbedingungen f\u00fcr Biokraftstoffe und der k\u00fcnftigen Nachfrage nach Produkten der \u00d6l- und Eiwei\u00dfpflanzen.<\/strong><\/p>\n<p>Bernt Farcke vom Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft erl\u00e4uterte die Position der Bundesregierung in der Biokraftstoffpolitik. Obwohl die Bundesregierung Biokraftstoffen grunds\u00e4tzlich unterst\u00fctzend gegen\u00fcbersteht, fehlen aus Sicht der Biokraftstoffbranche konkrete Vorgaben zur Sicherstellung des bisherigen Marktanteils von Biodiesel und Pflanzen\u00f6lkraftstoffen aus Raps. Eine Strategie, die vorrangig auf Abfall- und Reststoffe als Rohstoffe setzt, wird den Anforderungen und Interessen der deutschen \u00d6lsaatenerzeuger nicht gerecht. Stephan Kleiner vom Bayerischen Staatsministerium f\u00fcr Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie stellte mit \u201eRapsTrak200\u201c ein j\u00fcngst gestartetes Programm zur F\u00f6rderung der klimaschonenden Treibstoffversorgung land- und forstwirtschaftlicher Arbeitsmaschinen in Bayern vor. Damit ist die Erwartungshaltung verbunden, regionale Wertsch\u00f6pfungsketten zu st\u00e4rken sowie die heimische Eiwei\u00dffuttermittelproduktion zu unterst\u00fctzen. Prof. Dr. J\u00fcrgen Krahl, Hochschule Coburg, fasste die Anforderungen an die Forschungsf\u00f6rderung aus Sicht der Kraftfahrzeugforschung zusammen.<\/p>\n<p>In der Diskussion wurde von den Praktikern die fehlende Verl\u00e4sslichkeit bei den politischen Rahmenbedingungen f\u00fcr Biokraftstoffe beklagt: W\u00e4hrend in der Vergangenheit Biokraftstoffe der ersten Generation durchaus als sehr gut geeigneter L\u00f6sungsansatz zur Erreichung der europ\u00e4ischen Klimaschutzziele angesehen wurden, stehen in letzter Zeit vorrangig kritische Sichtweisen und Bedenken im Fokus der Betrachtungen. Dar\u00fcber hinaus zeigte sich deutlich, dass in Deutschland \u2013 im Gegensatz zur Motorenforschung \u2013 eine systematische Kraftstoffforschung fehlt. Um die Marktanteile f\u00fcr Biokraftstoff aus Raps k\u00fcnftig sicherzustellen, adressierte das UFOP-Fachforum sowohl bei der Verl\u00e4sslichkeit des politischen Willens als auch bei der Unterst\u00fctzung der Biokraftstoffforschung erheblichen Handlungsbedarf.<\/p>\n<p>Im Bereich \u201eAnbau und Z\u00fcchtung\u201c f\u00fchrte Prof. Dr. Bernhard C. Sch\u00e4fer von der Fachhochschule S\u00fcdwestfalen in die Diskussion mit den Podiumsteilnehmern Alois Aigner und Prof. Dr. Michael Zellner, Landesanstalt f\u00fcr Landwirtschaft Bayern, Dr. Martin Frauen, Norddeutsche Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG, und Dr. Herbert Siedler, Amt f\u00fcr Landwirtschaft und Ern\u00e4hrung W\u00fcrzburg, ein. Als Herausforderungen f\u00fcr den Rapsanbau konnten die Verbesserung der N-Effizienz sowie eine bessere Kontrolle und Bek\u00e4mpfung von Schadinsekten und Pilzkrankheiten sowie die Anpassung an den Klimawandel identifiziert werden. Die Rapsz\u00fcchtung lieferte einen positiven Ausblick: W\u00e4hrend der Ertrag zur Ernte 2014 mit 44,5 Dezitonnen je Hektar im bundesweiten Mittel einen neuen historischen Rekord darstellt, ist das Ertragspotenzial noch l\u00e4ngst nicht ausgesch\u00f6pft. Aktuell im Zuchtgarten stehende Zuchtlinien lassen ein Ertragsniveau in der Praxis von 6 Tonnen je Hektar und mehr bei gleichzeitig sehr hohen \u00d6lgehalten \u00fcber 45 Prozent erwarten. In der Diskussion berichtete Prof. Dr. Michael Zellner \u00fcber die aktuelle Einsch\u00e4tzung beim Auftreten der Herbstsch\u00e4dlinge in Bayern. Aktuelle Erhebungen belegen zwar ein durch den milden Winter 2013\/14 bedingtes regional hohes Auftreten des Rapserdflohs. Allerdings ist dieser durch Fl\u00e4chenspritzungen mit Pyrethroiden gut kontrollierbar. Mittel- und langfristig bedarf ein erfolgreiches Resistenzmanagement gegen bedeutende Rapssch\u00e4dlinge sowohl unterschiedlicher Bausteine in der Bek\u00e4mpfungsstrategie als auch der Verf\u00fcgbarkeit verschiedener Wirkstoffklassen.<\/p>\n<p>Der dritte Block der Veranstaltung setzte sich mit der Nachfrage nach Produkten der \u00d6l- und Eiwei\u00dfpflanzen auseinander. Wienke von Schenck, AMI Bonn, dokumentierte in ihrem einf\u00fchrenden Vortrag die Entwicklung des heimischen Rapsanbaus vor dem Hintergrund des weltweit steigenden Bedarfs an \u00d6len und Fetten sowie pflanzlichem Protein. So konnte Rapsextraktionsschrot als wichtigstes heimisches Eiwei\u00dffuttermittel im abgelaufenen Wirtschaftsjahr bei der Einsatzmenge in Deutschland erstmals nahezu mit Sojaextraktionsschrot gleichziehen. Prof. Dr. Hubert Spiekers von der Bayerischen Landesanstalt f\u00fcr Landwirtschaft Grub best\u00e4tigte den hohen Futterwert von Rapsfuttermitteln gem\u00e4\u00df zahlreicher F\u00fctterungsversuche. Demnach setze man sowohl bundesweit als auch bei der Eiwei\u00dfinitiative Bayern auf deren verst\u00e4rkten Einsatz bei Rind, Schwein und Gefl\u00fcgel.<\/p>\n<p>Auf ganz neue Wertsch\u00f6pfungsm\u00f6glichkeiten neben dem immer beliebter werdenden Rapsspeise\u00f6l machte Dr. Michael Ra\u00df, Teutoburger \u00d6lm\u00fchle Ibbenb\u00fcren, in der Podiumsdiskussion aufmerksam: Das hochwertige Aminos\u00e4urenmuster des Rapses legt die Herstellung von Proteinisolaten f\u00fcr die menschliche Ern\u00e4hrung nahe. Die Voraussetzung hierf\u00fcr habe die Europ\u00e4ische Beh\u00f6rde f\u00fcr Lebensmittelsicherheit Ende letzten Jahres mit der sogenannten Novel Food-Zulassung geschaffen. Jetzt sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis erste Proteingewinnungsanlagen hierzulande gebaut sowie hochwertige Rapsproteine in den Rezepturen von Sportlernahrung, Getr\u00e4nken und Grundnahrungsmitteln Eingang finden werden.<\/p>\n<p>In der Diskussion wurde die ganze Bandbreite bei der Nutzung von Rapsprotein aufgezeigt. Demnach existieren sowohl f\u00fcr das klassische Rapsextraktionsschrot als auch f\u00fcr standardisierte Rapskuchen oder Spezialprodukte aus gesch\u00e4lter Rapssaat bereits heute breite und vielf\u00e4ltige Einsatzm\u00f6glichkeiten bei allen landwirtschaftlichen Nutztieren. Insbesondere der Trend im Lebensmitteleinzelhandel zur Auslobung von Gentechnikfreiheit f\u00fchrt zu einem Wettbewerbsvorteil von heimisch erzeugtem Raps. Dar\u00fcber hinaus ist auch vor diesem Hintergrund ein hohes Wachstumspotenzial f\u00fcr pflanzliche Proteine in der Humanern\u00e4hrung zu sehen.<\/p>\n<p>Der UFOP-Vorsitzende Wolfgang Vogel fasste in seinem Fazit die intensiven Diskussionen im Fachforum zusammen: \u201eRaps in Deutschland hat in den letzten 25 Jahren wahre \u00dcberflieger-Qualit\u00e4ten gezeigt. Ich bin fest davon \u00fcberzeugt, dass diese Erfolgsgeschichte \u2013 trotz der identifizierten Herausforderungen \u2013 fortgeschrieben werden kann und wird.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich ihrer Mitgliederversammlung 2014 hat die Union zur F\u00f6rderung von Oel- und Proteinpflanzen e.V. (UFOP) in W\u00fcrzburg ein mit rund 100 Teilnehmern sehr gut besuchtes \u00f6ffentliches Fachforum durchgef\u00fchrt. 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