{"id":22761,"date":"2014-10-06T02:30:02","date_gmt":"2014-10-06T00:30:02","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=22761"},"modified":"2014-10-03T10:52:54","modified_gmt":"2014-10-03T08:52:54","slug":"globaler-burn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/globaler-burn\/","title":{"rendered":"Globaler Burn-Out"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Menschheit treibt ihren eigenen Planeten in einen gef\u00e4hrlichen Burn-Out. Der Grund: Zusammengenommen verbrauchen wir jedes Jahr 50 Prozent mehr Ressourcen, als die Erde innerhalb dieses Zeitraums regenerieren und damit nachhaltig zur Verf\u00fcgung stellen kann. Das ist das zentrale Ergebnis des \u201eLiving Planet Reports 2014\u201c, den die Naturschutzorganisation WWF am Dienstag in Berlin vorgelegt hat. Laut dem globalen Zustandsbericht nehmen die Schulden der Menschheit gegen\u00fcber der Natur zu, die \u00f6kologischen Reserven hingegen ab. So zeigt der Living Planet Index f\u00fcr die vergangenen vier Jahrzehnte einen R\u00fcckgang der biologischen Vielfalt um 52 Prozent. Im Durchschnitt hat sich die Anzahl der untersuchten S\u00e4ugetiere, V\u00f6gel, Reptilien, Amphibien und Fische damit halbiert.\u00a0<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_22763\" aria-describedby=\"caption-attachment-22763\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-22763\" alt=\"350-Lpr-Pm-c-iStock-Getty-Images\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/350-Lpr-Pm-c-iStock-Getty-Images-300x300.jpg\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2014\/10\/350-Lpr-Pm-c-iStock-Getty-Images-300x300.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2014\/10\/350-Lpr-Pm-c-iStock-Getty-Images-150x150.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2014\/10\/350-Lpr-Pm-c-iStock-Getty-Images.jpg 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-22763\" class=\"wp-caption-text\">&#8220;Globaler Burn-Out&#8221; \u00a9 iStock \/ Getty Images<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eWir entziehen uns und unseren Kindern die Lebensgrundlagen in schwindelerregender Geschwindigkeit\u201c, warnte Eberhard Brandes, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Vorstand des WWF Deutschland. \u201eMacht die Menschheit weiter wie bisher, sind bis 2030 zwei komplette Planeten n\u00f6tig, um den Bedarf an Nahrung, Wasser und Energie zu decken.\u201c Die Folgen des Raubbaus seien bereits heute sp\u00fcrbar: Hungersn\u00f6te, Artensterben oder extreme Wetterkatastrophen n\u00e4hmen immer dramatischere Ausma\u00dfe an. Insgesamt seien drei der zehn \u00f6kologischen Belastungsgrenzen, in deren Rahmen eine Stabilit\u00e4t der Erde und ihrer Lebensr\u00e4ume definiert wird, \u00fcberschritten: beim Biodiversit\u00e4tsverlust, dem Klimawandel und dem Stickstoffkreislauf.<\/p>\n<p>In Bezug auf die Bundesrepublik sind die Ergebnisse des Reports eindeutig: Der \u00f6kologische Fu\u00dfabdruck stagniert seit inzwischen zehn Jahren auf deutlich zu hohem Niveau \u2013 und das bei steigendem Wohlstand. Jeder Deutsche verbraucht demnach pro Jahr mehr als doppelt so viele Ressourcen, wie ihm im globalen Mittel zustehen w\u00fcrden. \u201eWir sind weit davon entfernt, Vorbild zu sein. Es muss uns endlich gelingen, den deutschen Fu\u00dfabdruck auf ein nachhaltiges Ma\u00df zu senken\u201c, forderte der WWF-Vorstand. \u201eNur eine Verringerung des Fu\u00dfabdrucks kann auch f\u00fcr die nachfolgenden Generationen ein hohes Wohlstandsniveau garantieren. Daher k\u00f6nnen und m\u00fcssen wir uns diese Anstrengungen als eine f\u00fchrende Industrienation leisten.\u201c Dies sei, so Brandes, eine der gro\u00dfen Herausforderungen unserer Zeit.<\/p>\n<p>Deutschland m\u00fcsse, so die WWF-Forderung, insbesondere Landwirtschaft und Verkehr nachhaltiger ausrichten, ausgewiesene Schutzgebiete wirksamer sch\u00fctzen und die nationale Biodiversit\u00e4tsstrategie schneller umsetzen. Von herausragender Bedeutung sei die konsequente Umsetzung der Energiewende. \u201eMan beobachtet in der Welt sehr genau, wie wir hierzulande als eine f\u00fchrende Industrie- und Exportnation die Energiewende umsetzen. Wenn wir diese Herausforderung erfolgreich stemmen, hat das weltweite Signalwirkung\u201c, bekr\u00e4ftigte Brandes.<\/p>\n<h3>Hintergrund<\/h3>\n<p>Der\u00a0<b>Living Planet Report 2014<\/b>\u00a0misst die Ver\u00e4nderungen der weltweiten Biodiversit\u00e4t und des menschlichen Konsums. Die Studie wird alle zwei Jahre vom WWF gemeinsam mit der Zoologischen Gesellschaft London (ZSL) und dem Global Footprint Network (GFN) erstellt.<\/p>\n<p>Der\u00a0<b>\u00d6kologische Fu\u00dfabdruck<\/b>\u00a0der Menschheit hat sich seit 1966 verdoppelt. Seit mehr als 40 Jahren nutzen die Menschen mehr nat\u00fcrliche Ressourcen, als die Erde erneuern kann. Der Fu\u00dfabdruck gibt die Beanspruchung der \u00d6kosysteme durch den Menschen an und misst die biologisch produktive Landfl\u00e4che (Biokapazit\u00e4t), die zur Bereitstellung unserer Ressourcen erforderlich ist. Dazu geh\u00f6ren Ackerland, Weideland, bebaute Fl\u00e4chen, Fischgr\u00fcnde und W\u00e4lder. Auch der CO<sub>2<\/sub>-Fu\u00dfabdruck ist darin enthalten.<\/p>\n<p>Um die biologische Vielfalt war es noch nie so schlecht bestellt wie heute: Der\u00a0<b>Living Planet Index<\/b>\u00a0zeigt einen R\u00fcckgang um 52 Prozent f\u00fcr den Zeitraum von 1970 bis 2010. Im Durchschnitt hat sich die Anzahl der weltweit untersuchten Populationen damit halbiert. In den gem\u00e4\u00dfigten Klimazonen verringerten sich 6.569 Populationen der 1.606 erfassten Arten im Durchschnitt um 36 Prozent. F\u00fcr die tropische Klimazone wird durchschnittlich ein 56-prozentigen R\u00fcckgang bei 3.811 Populationen von 1.638 Arten festgestellt.<\/p>\n<p>Aufgrund des globalen Raubbaus \u00fcberschreiten wir inzwischen drei der zehn\u00a0<b>\u00d6kologischen Belastungsgrenzen<\/b>. Diese beschreiben eine Reihe biophysikalischer Prozesse, die die Stabilit\u00e4t der Erde garantieren. F\u00fcr jeden dieser Prozesse werden Grenzwerte festgelegt, die nicht \u00fcberschritten werden sollten, um gr\u00f6\u00dfere Risiken oder Sch\u00e4den zu vermeiden. Doch genau das ist inzwischen beim Biodiversit\u00e4tsverlust, dem Stickstoffkreislauf und dem Klimawandel der Fall.<\/p>\n<p>Die Verantwortung f\u00fcr den Raubbau tr\u00e4gt vor allem der enorme Fu\u00dfabdruck wohlhabender Staaten. H\u00e4tte die Weltbev\u00f6lkerung den \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck der US-Amerikaner br\u00e4uchte man vier Planeten, \u00a0f\u00fcr den hochgerechneten deutschen Verbrauch w\u00e4ren 2,6 Planeten n\u00f6tig. S\u00fcdafrika und Argentinien ben\u00f6tigen noch rund 1,5 Erden, w\u00e4hrend Indonesien, Indien, Peru oder Armenien mit weniger Ressourcen auskommen, als ihnen zustehen w\u00fcrden. Doch auch in den Schwellenl\u00e4ndern zeigt der Trend nach oben. Der Fu\u00dfabdruck dieser Nationen hat sich seit 1961 pro Kopf um 65% vergr\u00f6\u00dfert.<\/p>\n<h3>Und Deutschland?<\/h3>\n<p>In Deutschland stagniert der \u00f6kologische Fu\u00dfabdruck bei steigendem Wohlstand seit inzwischen zehn Jahren auf deutlich zu hohem Niveau. Wir sind also weit davon entfernt, Vorbild zu sein. Es muss endlich gelingen, den deutschen Fu\u00dfabdruck auf ein nachhaltiges Ma\u00df zu senken, denn nur so kann auch f\u00fcr die nachfolgenden Generationen ein hohes Wohlstandsniveau garantiert werden. Daher k\u00f6nnen und m\u00fcssen wir uns diese Anstrengungen als eine f\u00fchrende Industrienation leisten.<\/p>\n<p>Deutschland muss insbesondere die Landwirtschaft und den Verkehrssektor nachhaltiger ausrichten, Schutzgebiete wirksamer sch\u00fctzen und die Nationale Biodiversit\u00e4tsstrategie schneller angehen. Von entscheidender Bedeutung ist zudem die konsequente Umsetzung der Energiewende. Wenn wir diese Herausforderung erfolgreich stemmen, h\u00e4tte das weltweite Signalwirkung.<\/p>\n<h3>Was k\u00f6nnen wir tun \u2013 und was tun wir?<\/h3>\n<p>Politik, Wirtschaft, Verbraucher: alle k\u00f6nnen nachhaltiger mit unsere Erde umgehen. Es gibt praktische L\u00f6sungen f\u00fcr \u00f6kologische Probleme, ein besseres Leben ist m\u00f6glich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen<\/strong><\/p>\n<h3>Der Living Planet Report zum Download<\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wwf.de\/fileadmin\/fm-wwf\/Publikationen-PDF\/WWF-LPR2014-EN-LowRes.pdf\" target=\"_blank\">Living Planet Report 2014<\/a> (Living Planet Report 2014, English Low Resolution, PDF, 34 MB)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wwf.de\/fileadmin\/fm-wwf\/Publikationen-PDF\/WWF_LPR2014_Kurzfassung.pdf\" target=\"_blank\">Living Planet Report<\/a> (Living Planet Report 2014, deutsche Kurzfassung, PDF, 4.5 MB)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wwf.de\/fileadmin\/fm-wwf\/Publikationen-PDF\/WWF-Infografik-Living-Planet-Report-Fussabdruck.pdf\" target=\"_blank\">Infografik: Unser \u00f6kologischer Fu\u00dfabdruck <\/a>( PDF, 1.2 MB)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Menschheit treibt ihren eigenen Planeten in einen gef\u00e4hrlichen Burn-Out. Der Grund: Zusammengenommen verbrauchen wir jedes Jahr 50 Prozent mehr Ressourcen, als die Erde innerhalb dieses Zeitraums regenerieren und damit nachhaltig zur Verf\u00fcgung stellen kann. Das ist das zentrale Ergebnis des \u201eLiving Planet Reports 2014\u201c, den die Naturschutzorganisation WWF am Dienstag in Berlin vorgelegt hat. 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