{"id":22565,"date":"2014-09-22T03:06:13","date_gmt":"2014-09-22T01:06:13","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=22565"},"modified":"2014-09-19T15:34:53","modified_gmt":"2014-09-19T13:34:53","slug":"studie-viele-ziele-der-energiewende-deutschland-bis-2020-kaum-noch-erreichbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/studie-viele-ziele-der-energiewende-deutschland-bis-2020-kaum-noch-erreichbar\/","title":{"rendered":"Studie: Viele Ziele der Energiewende in Deutschland bis 2020 kaum noch erreichbar"},"content":{"rendered":"<p><strong>Trotz des massiven Ausbaus der erneuerbaren Energien ist das Erreichen zentraler Ziele der Energiewende in Deutschland bis 2020 nicht mehr realistisch. Dazu z\u00e4hlen die Reduzierung der CO<sub>2<\/sub>-\u00c4quivalent (CO<sub>2<\/sub>e)-Emissionen um 40% im Vergleich zu 1990 ebenso wie die Ziele, den Prim\u00e4renergie- und Stromverbrauch zu senken und mehr Windanlagen vor den K\u00fcsten auszubauen. Dies ergibt sich aus den aktuellen Daten des <a href=\"http:\/\/www.mckinsey.de\/energiewendeindex\" target=\"_blank\">Energiewende-Index<\/a> (EWI) von McKinsey &amp; Company.<\/strong><\/p>\n<p>Anhand von 15 Indikatoren analysiert die Unternehmensberatung mit dem EWI seit zwei Jahren alle sechs Monate objektiv und faktenbasiert den Status der Energiewende in Deutschland. \u201eAmbitionierte Ziele sind notwendig, damit die Energiewende gelingt. Sie m\u00fcssen aber regelm\u00e4\u00dfiger \u00fcberpr\u00fcft und angepasst werden\u201c, sagt McKinsey-Direktor Thomas Vahlenkamp, der den Index entwickelt hat.<\/p>\n<p>Nur bei f\u00fcnf der 15 untersuchten Indikatoren wird derzeit ein Erreichen der Ziele als \u201erealistisch\u201c eingestuft:<\/p>\n<ul>\n<li>Ausbau der Solar-Photovoltaik<\/li>\n<li>Eingrenzung des j\u00e4hrlichen Stromausfalls (in Minuten)<\/li>\n<li>Gesicherte Reservemarge (gemessen als Anteil der verf\u00fcgbaren steuerbaren Kapazit\u00e4t, die \u00fcber die Spitzennachfrage hinausgeht)<\/li>\n<li>Ausbau der Transportnetze<\/li>\n<li>Erhalt und Ausbau von Arbeitspl\u00e4tzen sowohl in erneuerbaren Energien als auch in stromintensiven Industrien.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Mehrheit der Etappenziele verfehlt<\/h3>\n<p>Der Energiewende-Index zeigt zugleich: Die anderen neun von McKinsey untersuchten quantifizierten Ziele der Energiewende liegen nicht im Zielkorridor:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Kohlendioxid-Reduzierung.<\/strong> Um das 40%-Ziel der Bundesregierung noch zu erreichen, m\u00fcssten die CO<sub>2<\/sub>e-Emissionen bis 2020 j\u00e4hrlich um 3,5% sinken. Seit 2000 gingen sie jedoch in Deutschland j\u00e4hrlich im Schnitt nur um ca. 0,7% zur\u00fcck, trotz des erheblichen Ausbaus der erneuerbaren Energien. Der j\u00e4hrliche R\u00fcckgang von CO<sub>2<\/sub>e-Emissionen m\u00fcsste sich also um den Faktor f\u00fcnf erh\u00f6hen.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong>Prim\u00e4renergieverbrauch.<\/strong> Auch beim Gesamtverbrauch von Kohle, \u00d6l, Gas etc. ist die Entwicklung weit entfernt vom urspr\u00fcnglich angestrebten Ziel der Bundesregierung. Grund daf\u00fcr ist Vahlenkamp zufolge die unzureichende Realisierung von bestehenden Energieeffizienzpotenzialen. Legt man ein Wirtschaftswachstum von 1,6% p.a. bis 2020 zu Grunde, m\u00fcsste sich die Energieproduktivit\u00e4t in Deutschland von derzeit durchschnittlich 1,4% auf 4,3% j\u00e4hrlich verbessern, um das 2020er Ziel der Bundesregierung zu erreichen.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong>Stromverbrauch.<\/strong> 2013 ist der Stromverbrauch zwar gesunken, liegt aber mit 600 TWh deutlich \u00fcber dem notwendigen Etappenziel von 589 TWh. Somit ist fraglich, ob das f\u00fcr 2020 gesetzte Ziel, den Stromverbrauch in Bezug auf das Referenzjahr 2008 um insgesamt 10% zu senken, erreicht werden kann.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong>Wind Offshore<\/strong> \u2013 Ausbau und Anbindung der Windparks. Der Ausbau geht zwar voran, aber immer noch zu langsam. Auch gemessen an den neuen, angepassten Zielen (aktuell 6,5 GW bis 2020) liegt der Zubau deutlich unter den urspr\u00fcnglich formulierten Zielen, stellt Vahlenkamp fest. Bei elf (von derzeit 20 geplanten) Windparks ist der Ausbau verz\u00f6gert und nicht im Plan.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong>EEG-Umlage<\/strong>. Trotz der diesj\u00e4hrigen Reform wird sich die Kostenbelastung durch die Energiewende f\u00fcr Industrie und Verbraucher in den n\u00e4chsten Jahren nicht deutlich verringern. Obwohl das EEG-Konto zwischen Januar und Juli 2014 von ca. -0,2 Mrd. EUR auf ca. 1,1 Mrd. EUR angestiegen ist, erwarten die \u00dcbertragungsnetzbetreiber einen weiteren Anstieg der EEG-Umlage. Haupttreiber hierf\u00fcr seien weiterhin tiefe B\u00f6rsenstrompreise und der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien. Die Prognose reiche je nach Szenario von 5,9 bis 6,9 Ct\/kWh, sagt Vahlenkamp.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong>Haushalts- und Industriestrompreise.<\/strong> Die hohe EEG-Umlage tr\u00e4gt ma\u00dfgeblich dazu bei, dass die durchschnittlichen Haushalts- und Industriestrompreise in Deutschland 46% bzw. 18% \u00fcber dem EU-Durchschnitt liegen, Tendenz steigend. Dadurch sind auch diese beiden Indikatoren weit von ihren Zielvorgaben entfernt.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><strong>Kosten der Netzeingriffe<\/strong>. Netzeingriffe haben stark zugenommen, da z.B. Strom aus fluktuierenden erneuerbaren Energien (Solar und Wind) bevorzugt eingespeist wird. Entsprechend sind die Kosten f\u00fcr Netzeingriffe je MWh Strom aus fluktuierenden erneuerbaren Energien gestiegen und betrugen zuletzt rund 2 EUR\/MWh oder absolut 165 Mio. EUR \u2013 eine Steigerung von mehr als 100% gegen\u00fcber 2008.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Anpassung von Zielen und Ma\u00dfnahmen erforderlich<\/h3>\n<p>Die aktuellen EWI-Ergebnisse sollten nach Ansicht von McKinsey-Berater Vahlenkamp Ansto\u00df f\u00fcr die Politik sein, zum einen nach wie vor ambitionierte, aber deutlich realistischere Ziele vorzugeben und zum anderen regelm\u00e4\u00dfig die Soll-Ist-Abweichungen zu analysieren \u2013 \u00e4hnlich wie in einem unternehmerischen Planungsprozess. Dadurch k\u00f6nnten Fehlsteuerungen vermieden werden. Erforderlich seien ein kontinuierliches Monitoring des Umsetzungserfolgs und eine zeitnahe entsprechende Anpassung politischer Ziele und Ma\u00dfnahmen. In der Vergangenheit seien diese oftmals erst sehr sp\u00e4t angepasst worden, wie etwa im Fall der EEG-Verg\u00fctungss\u00e4tze f\u00fcr Solar-PV-Anlagen in Deutschland. Auch das WindOffshore-Ausbauziel sei erst angepasst worden, als seine Unerreichbarkeit bereits offensichtlich gewesen sei. Eine \u00e4hnliche Entwicklung zeichne sich derzeit beim Energieeffizienzziel ab, stellt Vahlenkamp fest.<\/p>\n<h3>Hintergrund und Methodik<\/h3>\n<p>Der Energiewende-Index von McKinsey bietet alle sechs Monate einen \u00dcberblick \u00fcber den Status der Energiewende in Deutschland. Feedback und R\u00fcckmeldung dazu sind ausdr\u00fccklich erw\u00fcnscht und werden bei der Aktualisierung des Index ber\u00fccksichtigt, sofern es um \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Fakten geht. Auf der Website von McKinsey besteht die M\u00f6glichkeit, den Autoren zum Thema Energiewende Feedback zu geben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trotz des massiven Ausbaus der erneuerbaren Energien ist das Erreichen zentraler Ziele der Energiewende in Deutschland bis 2020 nicht mehr realistisch. 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