{"id":22525,"date":"2014-09-19T02:00:29","date_gmt":"2014-09-19T00:00:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.innovations-report.de\/html\/berichte\/studien-analysen\/global-change-baeume-wachsen-immer-schneller.html"},"modified":"2014-09-18T10:12:24","modified_gmt":"2014-09-18T08:12:24","slug":"global-change-baume-wachsen-immer-schneller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/global-change-baume-wachsen-immer-schneller\/","title":{"rendered":"Global Change: B\u00e4ume wachsen immer schneller"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_22535\" aria-describedby=\"caption-attachment-22535\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-22535 \" alt=\"Cynthia Sch\u00e4fer und Eric Thurm, Doktoranden am Lehrstuhl f\u00fcr Wachstumskunde, nehmen eine Jahresring-Probe von einem Baum auf einer Versuchsfl\u00e4che. (Foto: L. Steinacker \/ TUM)\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/8a05d8d14d.jpg\" width=\"260\" height=\"195\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-22535\" class=\"wp-caption-text\">Cynthia Sch\u00e4fer und Eric Thurm, Doktoranden am Lehrstuhl f\u00fcr Wachstumskunde, nehmen eine Jahresring-Probe von einem Baum auf einer Versuchsfl\u00e4che. (Foto: L. Steinacker \/ TUM)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Die B\u00e4ume wachsen zwar nicht in den Himmel, aber seit den 1960er-Jahren deutlich schneller. Dem Wald sieht man diese Ver\u00e4nderung nicht an: Die typischen Entwicklungsphasen von B\u00e4umen und ganzen Best\u00e4nden haben sich kaum ver\u00e4ndert, laufen aber beschleunigt ab &#8211; um bis zu 70 Prozent. Dies zeigt eine Studie von Wissenschaftlern der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen (TUM). Sie basiert auf Langzeit-Daten von Versuchsfl\u00e4chen, die seit 1870 kontinuierlich beobachtet werden. Die Arbeit ist k\u00fcrzlich in <em>Nature Communications<\/em> erschienen.<\/strong><\/p>\n<p>Vor drei Jahrzehnten war das &#8220;Waldsterben&#8221; in aller Munde: Das \u00dcberleben gro\u00dffl\u00e4chiger Wald\u00f6kosysteme schien auf dem Spiel zu stehen. Aktuelle Untersuchungen weisen allerdings eher auf ein beschleunigtes Wachstum als auf einen Kollaps der W\u00e4lder hin. Ob, wie und warum Waldbest\u00e4nde innerhalb des letzten Jahrhunderts ihr Wachstum ver\u00e4nderten, wird nach wie vor kontrovers diskutiert.<\/p>\n<p>Die jetzt ver\u00f6ffentlichte Studie tr\u00e4gt entscheidend zur Kl\u00e4rung der offenen Fragen bei. Die Untersuchung basiert auf Daten von Versuchsfl\u00e4chen, die seit 1870 systematisch beobachtet werden. Sie z\u00e4hlen damit zu den \u00e4ltesten waldwissenschaftlichen Anlagen weltweit. Zudem repr\u00e4sentieren die Waldfl\u00e4chen typische Klima- und Vegetationszonen in Mitteleuropa. &#8220;Unsere Erkenntnisse basieren damit auf einem einzigartigen Datenbestand&#8221;, sagt Prof. Hans Pretzsch vom TUM-Lehrstuhl f\u00fcr Wachstumskunde, der die Studie leitete.<\/p>\n<h3>Wachstum im Zeitraffer<\/h3>\n<p>F\u00fcr Fichte und Buche, jeweils die wichtigste Nadel- und Laubbaumart in Mitteleuropa, ermittelten die TUM-Wissenschaftler ein deutlich beschleunigtes Wachstum. Buchen entwickelten sich um 77 Prozent schneller als noch 1960, Fichten um immerhin 32 Prozent. Bei Betrachtung ganzer Best\u00e4nde wuchsen die Buchen um 30 Prozent, die Fichten um 10 Prozent schneller. &#8220;Der Wert auf Bestandsebene liegt niedriger als das Wachstum einzelner B\u00e4ume, da &#8211; vereinfacht gesagt &#8211; gr\u00f6\u00dfere B\u00e4ume mehr Platz brauchen, das hei\u00dft, die Gesamtzahl sinkt&#8221;, erkl\u00e4rt Pretzsch.<\/p>\n<p>Die Wissenschaftler f\u00fchren das rapide Wachstum der B\u00e4ume auf das w\u00e4rmere Klima und die l\u00e4ngere Vegetationszeit zur\u00fcck. Weitere Wachstumsmotoren sind Kohlenstoffdioxid (CO<sub>2<\/sub>) und Stickstoff, deren Konzentration seit 100 Jahren stetig ansteigt. &#8220;Interessanterweise haben wir beobachtet, dass der saure Regen das Wachstum unserer Versuchsfl\u00e4chen nur vor\u00fcbergehend beeintr\u00e4chtigt hat, der Eintrag von Schadstoffen wurde ja auch seit den 1970er-Jahren deutlich reduziert&#8221;, sagt Pretzsch. &#8220;Allerdings liegen nur wenige unserer Versuchsfl\u00e4chen in den Kammlagen der Mittelgebirge &#8211; wo die gr\u00f6\u00dften Sch\u00e4den zu verzeichnen waren.&#8221;<\/p>\n<h3>Ver\u00e4nderung fordert Anpassung<\/h3>\n<p>Die B\u00e4ume wachsen und altern zwar schneller, doch das Erscheinungsbild des Waldes \u00e4ndert sich deswegen nicht. Aber dieselben Baum- und Bestandsgr\u00f6\u00dfen werden wesentlich fr\u00fcher erreicht als in der Vergangenheit. Davon k\u00f6nnte die Forstwirtschaft profitieren: Die Zieldurchmesser und der bestm\u00f6gliche Zeitpunkt der Bestandsernte werden fr\u00fcher erreicht. Zudem l\u00e4sst sich mehr Holz ernten, ohne das Prinzip der Nachhaltigkeit zu verletzen.<\/p>\n<p>Allerdings ist die ver\u00e4nderte Zeitskala bislang nicht in die klassischen Ertragsmodelle der Forstwirtschaft eingeflossen, die das Wachstum nur in Abh\u00e4ngigkeit vom Alter betrachten. So besteht die Gefahr, dass der erh\u00f6hte Zuwachs gar nicht ausgesch\u00f6pft wird. Daneben ist das schnellere Wachstum und die fr\u00fchere Alterung von B\u00e4umen f\u00fcr das gesamte Wald\u00f6kosystem von Bedeutung, wie Pretzsch erl\u00e4utert: &#8220;Das bekommen besonders die Pflanzen- und Tierarten zu sp\u00fcren, deren Habitate von speziellen Waldentwicklungsphasen und -strukturen abh\u00e4ngen. H\u00f6here Mobilit\u00e4t kann f\u00fcr sie zu einer Lebensnotwendigkeit werden.&#8221;<\/p>\n<h3>Langzeitbeobachtung liefert einzigartigen Datenbestand<\/h3>\n<p>Die Studie basiert auf insgesamt 600.000 Einzelmessungen an B\u00e4umen seit 1870. \u00dcber einen so langen Zeitraum l\u00e4sst sich am Wachstum der B\u00e4ume ablesen, wie sie auf die sich wandelnden Umweltbedingungen reagiert haben. Pretzsch: &#8220;Obwohl die Versuchsfl\u00e4chen hinsichtlich Klima und Bodenbeschaffenheit variieren, l\u00e4sst sich \u00fcberall ein Trend zum schnelleren Wachstum erkennen.&#8221;<\/p>\n<p>Doch nicht nur die Versuchsfl\u00e4chen und der lange Beobachtungszeitraum machen die Daten so interessant. &#8220;Wir betrachten die B\u00e4ume nicht isoliert, sondern immer in der Wechselwirkung mit ihren Nachbarn. So k\u00f6nnen wir verstehen, wie sich die Dynamik einzelner B\u00e4ume auf den ganzen Bestand auswirkt. Die Wachstumstrends auf Bestandsebene sind entscheidend f\u00fcr die Forstwirtschaft, wenn wir \u00fcber Produktivit\u00e4t, CO<sub>2<\/sub>-Speicherung und Klimarisiken sprechen&#8221;, so Pretzsch abschlie\u00dfend.<\/p>\n<h3>Publikation:<\/h3>\n<p>Forest stand growth dynamics in Central Europe have accelerated since 1870,<br \/>\nPretzsch, H., Biber, P., Sch\u00fctze, G., Uhl, E., R\u00f6tzer, Th., (2014)<br \/>\nNat. Commun. 5:4967, DOI:<a href=\"http:\/\/www.nature.com\/ncomms\/2014\/140912\/ncomms5967\/full\/ncomms5967.html\">10.1038\/ncomms5967<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die B&auml;ume wachsen zwar nicht in den Himmel, aber seit den 1960er-Jahren deutlich schneller. 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