{"id":22409,"date":"2014-09-10T03:06:48","date_gmt":"2014-09-10T01:06:48","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=22409"},"modified":"2014-09-10T09:27:47","modified_gmt":"2014-09-10T07:27:47","slug":"provence-lavendelfelder-gefahr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/provence-lavendelfelder-gefahr\/","title":{"rendered":"Provence: Lavendelfelder in Gefahr"},"content":{"rendered":"<p>Mitten in der romantischen Landschaft der Provence prangen Protestschilder. Zwischen den zarten lilafarbenen Bl\u00fcten des Lavendels knallt es einem pl\u00f6tzlich rot und mit Ausrufezeichen entgegen: &#8220;Lavendel ist kein chemisches Produkt!&#8221; oder &#8220;Nein zur REACH-Regelung!&#8221;. Die Bauern und Lavendelproduzenten in der Provence proben den Aufstand. Sie f\u00fcrchten um ihre Existenz. Und den B\u00f6sewicht haben sie in Br\u00fcssel ausgemacht: Die EU-Kommission.<\/p>\n<p>Rund 1.500 Anbaubetriebe stellen im S\u00fcdosten Frankreichs Lavendel\u00f6l her. Blaues Gold, nennen sie es dort. Das Kilo bringt mehr als hundert Euro. Millionen von Touristen kommen jedes Jahr in diese ganz besondere Region. F\u00fcr viele von ihnen sind Provence und Lavendel Synonyme.<\/p>\n<p>Seit Jahrhunderten kultivieren Landwirte die Pflanze dort. Viele Menschen schw\u00f6ren auf ihre schlaff\u00f6rdernde Wirkung, ihr \u00d6l soll Keime und Pilze abt\u00f6ten und der Geruch Motten vertreiben.<\/p>\n<p>Der echte Lavendel w\u00e4chst erst in \u00fcber 600 Metern H\u00f6he. Sein \u00d6l ist besonders teuer und wird vor allem in der Medizin und der Parfumherstellung eingesetzt. In den tieferen Ebenen w\u00e4chst die Mischform Lavendin &#8211; sie bedeckt inzwischen rund drei Viertel der Anbaufl\u00e4che. Ihre Essenzen gehen in die Waschmittelproduktion, in Seifen und Lufterfrischer, die getrockneten Bl\u00fcten finden sich in Dufts\u00e4ckchen.<\/p>\n<h3>&#8220;Lavendel\u00f6l hat Zehntausende Leben gerettet&#8221;<\/h3>\n<p>Doch damit &#8211; so f\u00fcrchten die Hersteller &#8211; k\u00f6nnte es bald vorbei sein. Ab 2018 m\u00fcssen sie sich einer neuen EU-Regel beugen. Die REACH-Direktive geht davon aus, dass im Lavendel\u00f6l Stoffe enthalten sind, die als gesundheitsgef\u00e4hrdende Chemikalie anzusehen sind und vor denen gewarnt werden muss. \u00d6l-Destillerien m\u00fcssen demnach k\u00fcnftig wie Chemiewerke kontrolliert werden. Die Hersteller f\u00fcrchten steigende Kosten und dass Warnhinweise auf ihren Produkten die Verbraucher abschrecken k\u00f6nnten. Zudem k\u00f6nnten zumindest Parfumhersteller ganz auf andere Produkte ausweichen.<\/p>\n<p>Der Verband der Hersteller, APAL, findet die neuen Regeln zu hart. &#8220;Lavendel wird seit Tausenden Jahren verwendet,&#8221; sagt Ehrenpr\u00e4sident Francis Vidal. &#8220;Wir haben noch nie von einem ernsthaften Problem geh\u00f6rt. Im Gegenteil: Lavendel\u00f6l hat Zehntausende Leben gerettet.&#8221;<\/p>\n<p>Die Bauern k\u00e4mpften jetzt um ihr \u00dcberleben, res\u00fcmiert Vidal und prophezeit eine d\u00fcstere Zukunft: &#8220;Die Konsequenzen w\u00e4ren, dass die Plantagen in k\u00fcrzester Zeit ruiniert sind und der Lavendel aus der Region Provence verschwindet.&#8221; Seine Sorgen formulierte er auch in einem Brief an Pr\u00e4sident Fran\u00e7ois Hollande und andere Politiker. Sein Verband hat eine Onlinepetition ins Leben gerufen, die am Sonntag bereits mehr als 16.000 Menschen unterschrieben hatten.<\/p>\n<p>Auch die Europ\u00e4ische Kommission hat erkannt, dass es schwierig ist, ein Produkt als chemisch einzuordnen, dessen Inhaltsstoffe von der Menge der Sonnenstrahlen und dem Erdboden abh\u00e4ngen, in dem es w\u00e4chst. \u00c4hnliche Produkte, wie etwa Wein, w\u00fcrden zwar auch nicht unter die Chemikalien-Direktive fallen &#8211; daf\u00fcr aber durch die Lebensmittel\u00fcberwachung streng kontrolliert. Nach einem Treffen mit Lavendelproduzenten soll es nun in diesem Herbst wom\u00f6glich angepasste Vorschl\u00e4ge geben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitten in der romantischen Landschaft der Provence prangen Protestschilder. 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