{"id":22349,"date":"2014-09-04T03:03:18","date_gmt":"2014-09-04T01:03:18","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=22349"},"modified":"2014-09-03T07:53:51","modified_gmt":"2014-09-03T05:53:51","slug":"mit-grunen-antikorper-fabriken-gegen-krebs-und-ebola","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/mit-grunen-antikorper-fabriken-gegen-krebs-und-ebola\/","title":{"rendered":"Mit gr\u00fcnen Antik\u00f6rper-Fabriken gegen Krebs und Ebola"},"content":{"rendered":"<p>Im Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika wurde ein experimentelles Medikament \u00fcber Nacht ber\u00fchmt: ZMapp. Das Pr\u00e4parat der kalifornischen Firma Mapp Biopharmaceutical ist ein Mix aus drei Antik\u00f6rpern, die gegen das t\u00f6dliche Virus gerichtet sind. Vier von bisher sechs Ebola-Patienten hat der verabreichte Cocktail wom\u00f6glich bereits geholfen. Das Besondere: die Antik\u00f6rper f\u00fcr ZMapp werden in Tabakpflanzen hergestellt. Entwickelt hat das Verfahren f\u00fcr die \u201ePlantibodies\u201c die Firma Icon Genetics GmbH aus Halle an der Saale. Das Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) hat sie vor Jahren im Rahmen der InnoRegio-F\u00f6rderung unterst\u00fctzt. Icon Genetics setzt seine pflanzlichen Antik\u00f6rperfabriken ein, um eine personalisierte Immuntherapie gegen Krebs weiterzuentwickeln.<\/p>\n<p>Mit den Schlagzeilen um ZMapp war Anfang August auch pl\u00f6tzlich das 14-k\u00f6pfige Unternehmen Icon Genetics in den Fokus der \u00f6ffentlichen Aufmerksamkeit geraten (mehr&#8230;). Denn aus Halle stammt eben das molekularbiologische Know-how, mit dem sich Tabakpflanzen in effiziente Fabriken f\u00fcr Antik\u00f6rper und andere therapeutische Proteine (\u201ePlant-made Pharmaceuticals\u201c) verwandeln lassen.<\/p>\n<p>\u201eMapp und insbesondere Kentucky BioProcessing, eine Firma mit riesigen Tabak-Gew\u00e4chsh\u00e4usern in Owensboro, nutzen unsere Plattform schon seit vielen Jahren\u201c, sagt Viktor Klimyuk, der Manager von Icon Genetics. Da die drei Unternehmen eine Kooperation pflegen, stehen sie auch derzeit regelm\u00e4\u00dfig in Kontakt und beraten sich auch \u00fcber den Fortgang des Anti-Ebola-Projekts. Bei Kentucky BioProcessing ist man derzeit dabei, die Produktion anzukurbeln, um Nachschub f\u00fcr den inzwischen ersch\u00f6pften ZMapp-Vorrat liefern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Infizierte Pflanzen kurbeln Antik\u00f6rper-Produktion an<\/h3>\n<p>Pflanzen stellen von Natur aus keine Antik\u00f6rper her. Die gro\u00dfen Eiwei\u00dfmolek\u00fcle \u2013 pr\u00e4zise Lenkwaffen des Immunsystems \u2013 kommen nur bei Menschen und Tieren vor. Pflanzen sind jedoch ausgezeichnete Proteinfabriken und noch dazu preiswert zu kultivieren und pflegeleicht. Mit molekularbiologischen Tricks lassen sich die Gew\u00e4chse so umprogrammieren, dass sie ein bestimmtes Eiwei\u00dfmolek\u00fcl in gro\u00dfer Menge herstellen k\u00f6nnen. Das von den Pflanzenforschern entwickelte Verfahren hei\u00dft magnICON. Es baut auf speziellen Tabakpflanzen der Art <em>Nicotiana benthamiana<\/em> auf. Solche Pflanzen werden in Halle in geschlossenen Gew\u00e4chsh\u00e4usern herangez\u00fcchtet. Zun\u00e4chst wird im Labor der molekulare Bauplan f\u00fcr einen Antik\u00f6rper in sogenannte pflanzenvirale Vektoren gepackt. Mit Hilfe von Agrobakterien werden diese Vektoren dann in die Pflanzen eingeschleust. \u201eEine Woche sp\u00e4ter k\u00f6nnen die massenhaft produzierten Antik\u00f6rper aus den Bl\u00e4ttern und anderen Pflanzenteilen geerntet werden\u201c, sagt Klimyuk. Der Clou: die infizierten Pflanzen produzieren das Protein nur vor\u00fcbergehend, die Gew\u00e4chse werden durch die Prozedur nicht stabil gentechnisch ver\u00e4ndert. Durch die sogenannten viralen Vektoren fangen sich die Tabakpflanzen eher einen \u201eSchnupfen\u201c ein, wenn auch einen produktiven: Aus einem Kilogramm Biomasse lassen sich je nach Ansatz bis zu 2,5 Gramm rekombinantes Protein isolieren, sagt Klimyuk. \u201eDas Verfahren ist schnell, ergiebig und deutlich kosteng\u00fcnstiger als mit tierischen Zellkulturen\u201c, so Klimyuk.<\/p>\n<h3>Unternehmen mit wechselhafter Geschichte<\/h3>\n<p>Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Gr\u00fcnder von Icon Genetics ist der aus der Ukraine stammende Molekularbiologe Yuri Gleba. Das Unternehmen kann bereits auf eine wechselhafte Geschichte zur\u00fcckblicken: 1999 gegr\u00fcndet, hat das BMBF die Firma im Rahmen der Innovationsf\u00f6rderung \u201eInnoRegio-Innoplanta\u201c zwischen 2001 und 2005 mit rund 1,8 Millionen Euro unterst\u00fctzt. 2006 gelang dem Team um Gleba und Klimyuk ein bemerkenswerter Deal: Die Bayer Innovation GmbH kaufte das Unternehmen f\u00fcr einen zweistelligen Millionen-Betrag.<\/p>\n<p>Der Leverkusener Konzern investierte zudem in eine Pilotanlage f\u00fcr die Antik\u00f6rperproduktion in Halle. Die 200 Quadratmeter gro\u00dfe Anlage mit Gew\u00e4chsh\u00e4usern und Laborr\u00e4umen ist so aufgebaut, dass sich Proteine nach den Regeln der guten Herstellungspraxis (GMP) herstellen lassen. \u201eDie zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden in den USA und Deutschland haben unsere Herstellungsmethode f\u00fcr therapeutische Proteine gepr\u00fcft und akzeptiert\u201c, so Klimyuk. 2010 starteten Bayer und Icon Genetics mit den \u201ePlantibodies\u201c eine klinische Phase-I-Studie, um eine personalisierte Krebsimmuntherapie zur Behandlung von Non-Hodgkin-Lymphomen zu testen (mehr&#8230;). Personalisiert bedeutet: F\u00fcr jeden Patienten wird eigens ein Antik\u00f6rper-Molek\u00fcl in einigen Pflanzen produziert.<\/p>\n<h3>Krebsimmuntherapie erwies sich als sicher<\/h3>\n<p>2012 zog sich Bayer im Zuge einer Fokussierung des Portfolios zur\u00fcck. Icon ging zur\u00fcck an den Gr\u00fcnder Yuri Gleba und firmiert nun als Tochter der Nomad Bioscience GmbH in M\u00fcnchen. Die in mehreren US-Kliniken durchgef\u00fchrte klinische Studie wurde aber weiter von Bayer finanziert. Im Januar dieses Jahres wurden erste Ergebnisse vorgestellt. \u201eDie Behandlung erwies sich als sehr sicher und vertr\u00e4glich\u201c, res\u00fcmiert Klimyuk. Jetzt suche man nach strategischen Partnern f\u00fcr weitere Schritte, denke auch \u00fcber neue Anwendungsgebiete nach. Klimyuk gibt sich optimistisch: \u201eWir sind \u00fcberzeugt, dass unser Verfahren seine Nische f\u00fcr die Biopharmazeutika-Herstellung gefunden hat.\u201c Das Hallenser Unternehmen plant derweil, zu expandieren und schaut sich bereits nach m\u00f6glichen Standorten um. Dass die Ebola-Epidemie die Aufmerksamkeit auf das \u201eMolecular Pharming\u201c gelenkt hat, k\u00f6nnte der gr\u00fcnen Protein-Produktionstechnik einen weiteren Schub verleihen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika wurde ein experimentelles Medikament \u00fcber Nacht ber\u00fchmt: ZMapp. Das Pr\u00e4parat der kalifornischen Firma Mapp Biopharmaceutical ist ein Mix aus drei Antik\u00f6rpern, die gegen das t\u00f6dliche Virus gerichtet sind. Vier von bisher sechs Ebola-Patienten hat der verabreichte Cocktail wom\u00f6glich bereits geholfen. 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