{"id":22306,"date":"2014-09-02T02:54:43","date_gmt":"2014-09-02T00:54:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.chemie.de\/news\/149603\/eiweiss-nanofasern-als-bausteine-fuer-innovative-materialien.html?WT.mc_id=ca0065"},"modified":"2014-09-01T11:07:20","modified_gmt":"2014-09-01T09:07:20","slug":"eiweis-nanofasern-als-bausteine-fur-innovative-materialien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/eiweis-nanofasern-als-bausteine-fur-innovative-materialien\/","title":{"rendered":"Eiwei\u00df-Nanofasern als Bausteine f\u00fcr innovative Materialien"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein kleiner Schnitt, schon blutet es. Meist ist das nicht tragisch, weil eine kleine Blutung rasch von selbst heilt. Hauptverantwortlich f\u00fcr die schnelle Blutstillung kleinerer Blessuren ist der Naturstoff Fibrinogen, ein Eiwei\u00dfmolek\u00fcl, das milliardenfach im menschlichen Blut enthalten ist. Kommt ein Fibrinogenmolek\u00fcl mit Wundr\u00e4ndern in Ber\u00fchrung, ver\u00e4ndert es sich und beginnt, sich mit anderen Fibrinogenmolek\u00fclen zu vernetzen. Dieses Netzwerk schlie\u00dft die Wunde und zieht die Wundr\u00e4nder zusammen \u2013 der bekannte rote Schorf entsteht auf der Wunde und sie kann heilen. \u201eDie Vernetzung des Fibrinogens bei Verletzungen des K\u00f6rpers ist ein sehr komplexer Prozess, bei dem viele weitere Blutgerinnungs-Faktoren anwesend sein m\u00fcssen\u201c, erl\u00e4utert Prof. Dr. Klaus D. Jandt, Lehrstuhlinhaber f\u00fcr Materialwissenschaft am Otto-Schott-Institut f\u00fcr Materialforschung (OSIM) der Friedrich-Schiller-Universit\u00e4t Jena, diesen Prozess.<\/strong><\/p>\n<h3>Fasern bilden sich ohne die komplexen Faktoren des K\u00f6rpers<\/h3>\n<p>Dass sich aus dem nat\u00fcrlichen Eiwei\u00dfmolek\u00fcl Fibrinogen auch neue Nano-Materialien auf Naturstoffbasis herstellen lassen, haben die Forscher um Prof. Jandt bereits gezeigt. \u201eDazu haben wir das Fibrinogen zun\u00e4chst in Wasser gel\u00f6st und dann diese L\u00f6sung einer schwachen S\u00e4ure oder einer verd\u00fcnnten Alkoholl\u00f6sung ausgesetzt\u201c, sagt Prof. Jandt. Das Ergebnis dieser Behandlung sind feine, lange Nanofasern aus Fibrinogen, deren Durchmesser nur wenige Zehntausendstel eines menschlichen Haares betr\u00e4gt. \u201eDurch unsere Methode bilden sich diese Eiwei\u00df-Fasern ohne die vielen komplexen Faktoren, die normalerweise im K\u00f6rper anwesend sind und bei Verletzungen f\u00fcr die Vernetzung des Fibrinogens verantwortlich sind\u201c, beschreibt der Jenaer Materialwissenschaftler den Vorteil.<\/p>\n<p>Wie sich diese Eiwei\u00df-Nanofasern genau bilden, ist allerdings noch immer ein R\u00e4tsel. Um die Entstehungsmechanismen der Nanofasern zu verstehen, f\u00f6rdert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Arbeiten von Jandts Gruppe. Sie stellt daf\u00fcr in den kommenden zwei Jahren rd. 160.000 Euro f\u00fcr das neue Projekt \u201eNeue funktionelle Materialien basierend auf selbstassemblierten Protein-Nanofasern: Erzeugung und Verst\u00e4ndnis von Nanofasern\u201c zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<h3>Neue Fasern aus verschiedenen Proteinen<\/h3>\n<p>\u201eWir wollen zun\u00e4chst verstehen, wie die Eiwei\u00df-Nanofasern entstehen und welche Struktur und Eigenschaften sie haben\u201c, nennt Christian Helbing ein Forschungsziel. \u201eDanach k\u00f6nnen wir gr\u00f6\u00dfere, komplexere Strukturen und Systeme aus den Nanofasern erzeugen\u201c, erg\u00e4nzt der Doktorand. Dieses Prinzip wird in der Nanotechnologie als Bottom-up-Ansatz (d. h. von klein zu gro\u00df) bezeichnet. Dar\u00fcber hinaus wollen die Jenaer Materialwissenschaftler neue Nanofasern erzeugen, die aus verschiedenen Proteinkombinationen bestehen.<\/p>\n<p>Nanofasern haben viele potenzielle Anwendungen in Materialwissenschaft, Medizintechnik, Sensorik und Optik. So sollen Netzwerke aus den neuen Nanofasern in Zukunft als ein neues Material zur Regeneration von Knochen und Knorpel genutzt werden. Neue biophotonische Nanohybride aus den Nanofasern und Quantenpunkten, die sich als Sonden f\u00fcr die Mikroskopie in den Lebenswissenschaften eignen, hatte die Gruppe um Prof. Jandt bereits vor drei Jahren vorgestellt. \u201eDurch die Protein-Nanofasern ist das Tor f\u00fcr eine ganz neue Generation von funktionellen Materialien f\u00fcr die Medizintechnik oder die Optik aufgesto\u00dfen, die auf nat\u00fcrlichen Stoffen und Bauprinzipien basieren\u201c, ist sich Klaus Jandt sicher und erg\u00e4nzt: \u201eDiese biomimetischen Prinzipien werden die Werkstoffe der Zukunft entscheidend bestimmen\u201c.<\/p>\n<h3>Kontakt:<\/h3>\n<p>Prof. Dr. Klaus D. Jandt<br \/>\nOtto-Schott-Institut f\u00fcr Materialforschung der Friedrich-Schiller-Universit\u00e4t Jena<br \/>\nL\u00f6bdergraben 32<br \/>\n07743 Jena<br \/>\nTel.: 03641 \/ 947730<br \/>\nE-Mail: k.jandt[at]uni-jena.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein kleiner Schnitt, schon blutet es. 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