{"id":22247,"date":"2014-09-01T03:10:07","date_gmt":"2014-09-01T01:10:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.biotechnologie.de\/BIO\/Navigation\/DE\/root,did=174794.html"},"modified":"2014-08-28T11:14:34","modified_gmt":"2014-08-28T09:14:34","slug":"buhne-frei-fur-originelle-biookonomie-produktideen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/buhne-frei-fur-originelle-biookonomie-produktideen\/","title":{"rendered":"B\u00fchne frei f\u00fcr originelle Bio\u00f6konomie-Produktideen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mit dem Ideenwettbewerb &#8220;Neue Produkte f\u00fcr die Bio\u00f6konomie&#8221; sucht das Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) nach originellen Ideen f\u00fcr eine biobasierte Zukunft. Der Preis: Die Ausarbeitung der Idee und Studien zur Realisierbarkeit des Produkts werden vom Ministerium gef\u00f6rdert. Aus mehr als 200 Bewerbungen haben es nun 32 Projekte in die zweite Phase geschafft. Darunter: Technische Pflanzengewebe oder Mikromesskugeln f\u00fcr Reaktoren. Bei einem Auftakttreffen zur Sondierungsphase haben sich nun die zur F\u00f6rderung ausgew\u00e4hlten Teilnehmer in Berlin getroffen. H\u00f6hepunkt war ein Science Slam am 21. August im Frannz Club im Bezirk Prenzlauer Berg. Hier pr\u00e4sentierten einige Teilnehmer ihre Projekte ganz in Slam-Manier spritzig und mit Witz. Am Folgetag erwartete die Erfinder ein Workshop-Programm.<\/strong><\/p>\n<h3>Sondieren, Machbarkeit pr\u00fcfen, machen<\/h3>\n<p>Mit einem ganz neuen F\u00f6rderformat will das BMBF kreative K\u00f6pfe dabei begleiten, ihre Visionen f\u00fcr nachhaltige Produkte in die Realit\u00e4t umzusetzen. Den Ideenwettbewerb \u201eNeue Produkte f\u00fcr die Bio\u00f6konomie\u201c hat das Ministerium im Rahmen der \u201eNationalen Forschungsstrategie Bio\u00f6konomie 2030\u201c ins Rollen gebracht &#8211; im Ergebnis des \u201e<a href=\"http:\/\/www.biotechnologie2020plus.de\/\">Strategieprozess Biotechnologie 2020+&#8221; (mehr&#8230;).<\/a>\u00a0Eine erste Ausschreibung wurde im vergangenen Jahr gestartet. Bewerber konnten bis Dezember 2013 Ideenskizzen f\u00fcr innovative Produktideen einreichen. Kurz und knapp m\u00fcssen sie sein. Eine weitere Ma\u00dfgabe: Augenmerk sollte nicht nur auf Wirtschaftlichkeit, sondern vielmehr auf dem gesellschaftlichem Nutzen liegen.<\/p>\n<p>Von mehr als 200 Produktideen hat die Jury inzwischen 32 Projekte ausgew\u00e4hlt, die nun in einer neunmonatigen Sondierungsphase vertieft ausgearbeitet werden sollen. Ideentr\u00e4ger aus wissenschaftlichen Einrichtungen bekommen in dieser Phase bis zu 50.000 Euro, Unternehmen aus der Privatwirtschaft k\u00f6nnen davon maximal die H\u00e4lfte als F\u00f6rderungerhalten. Der n\u00e4chste Schritt f\u00fcr die erfolgreichsten Konzepte:\u00a0Auf die Sondierungsphase folgt eine\u00a0Machbarkeitsphase, in der Studien zur technischen Realisierbarkeit der Idee durchgef\u00fchrt werden. Dabei sind die Wissenschaftler und T\u00fcftler nicht alleine: Fehlt die n\u00f6tige Markterfahrung k\u00f6nnen Wirtschaftsexperten in die Arbeitsplanung eingebunden werden. F\u00fcr diese Phase stellt das BMBF bis zu 250.000 Euro F\u00f6rdermittel zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<h3>Science Slam im Herzen Berlins<\/h3>\n<p>F\u00fcr die aktuell ausgew\u00e4hlten Projekte l\u00e4utete ein Science Slam\u00a0den Auftakt der Sondierungsphase ein. Im Frannz Club in der Berliner Kulturbrauerei wurden 7 der 32 zur F\u00f6rderung ausgew\u00e4hlten Projekte pr\u00e4sentiert. In Science-Slam-Tradition wurde der Gewinner durch Publikumsabstimmung gek\u00fcrt. Koch Johann alias Forstwirt Norbert Wagemann vom Steinbeis-Forschungszentrum in T\u00fcbingen \u00fcberzeugte beispielsweise mit seiner \u201eFreestyle-Performance\u201c. Ohne Hilfsmittel und nur in Kochkluft traf er den kulinarischen Nerv der Zuschauer in B\u00fcttenreden-Manier. Seine ungew\u00f6hnliche Idee: Rar werdende Speisefische wie Felchen und den von invasiven Arten bedrohte Europ\u00e4ische Edelkrebs zusammen in einem geschlossenen System zu z\u00fcchten. Klingt einfacher als es ist \u2013 Parameter wie Lebenszyklen, Aktivit\u00e4t, Nahrungsspektrum und viele weitere Eigenschaften beider WG-Bewohner m\u00fcssen genauestens aufeinander abgestimmt werden.<\/p>\n<h3>Mikrofluidreaktoren \u2013\u00a0die technischen Pflanzengewebe<\/h3>\n<p>Ebenfalls auf Zusammenarbeit, allerdings auf molekularer Ebene, fokussiert das Vorhaben des Pflanzenphysiologen Peter Nick vom Karlsruher Institut f\u00fcr Technologiey (KIT). Zu Beginn hielt er ein verschrumpeltes W\u00fcrmchen in die H\u00f6he. Der Wert: 500 Euro. Die Chinesische Raupe wurde durch einen extrem seltenen Pilz dahingerafft, der einen besonderen Wirkstoff produziert. Dieser verhindert das Absto\u00dfen eines fremden Organs nach einer Herztransplantation. Der Nadelbaum\u00a0<em>Cephalotaxus hainanensis<\/em>\u00a0wiederum produziert ein Alkaloid mit krebsheilender Wirkung. Das Problem: Die Pflanze ist akut vom Aussterben bedroht.<\/p>\n<p>\u201eGenau diese Sch\u00e4tze wollen wir nutzbar machen\u201c, sagte Nick. Hierzu entwickelt er mit seinem Team den Mikrofluid-Reaktor. \u201eEs reicht nicht aus, einfach Zellen der Pflanze in der Kulturschale zu z\u00fcchten. Pflanzenzellen sind Teamplayer\u201c, so der Molekularbiologe. Die Wirkstoffproduktion funktioniert nur im Zellverbund mit verschiedensten Zelltypen im Blatt. Die Erfindung besteht im Prinzip aus einem Tr\u00e4germedium mit einzelnen Kammern. Darin befinden sich verschiedene Zelltypen, welchen zuvor die Zellw\u00e4nde als nat\u00fcrliche Barriere entfernt wurden. Interagieren k\u00f6nnen die Kammern durch Mikrofluidik, also mittels Fl\u00fcssigkeitsstr\u00f6mungen mikroskopischer Gr\u00f6\u00dfenordnung. Diesen k\u00fcnstlichen Zellverbund nennt Nick \u201etechnisches Pflanzengewebe\u201c. Enthalten diese Zellen nun die richtigen Gene von Cephalotaxus, soll \u2013 so die Idee \u2013 der krebsheilende Wirkstoff als Produkt der Zell-Teamarbeit geerntet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Viele Ideen sollen die Produktion verbessern<\/h3>\n<p>Auch die \u00fcbrigen auf dem Science-Slam pr\u00e4sentierten Ideen waren vielseitig und besch\u00e4ftigten sich damit, Produktionsverfahren nachhaltiger zu machen. Biochemiker Josef Sperl von der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen etwa will die Rohstoffproduktion f\u00fcr die Chemieindustrie nachhaltiger gestalten.\u00a0 Indem Sperl in einem speziellen Reaktionssystem die Bildung von organischen Aminen auf nur drei enzymatische Produktionskaskaden herunterbricht, soll die Herstellung des Chemie-Rohstoffs schnell und biobasiert ablaufen k\u00f6nnen. Der Bioverfahrenstechniker Felix Lenk von der TU Dresden\u00a0wiederum will Messk\u00fcgelchen entwickeln, die beispielsweise in Algenbioreaktoren alle Reaktionsparameter erfassen. Der Vorteil gegen\u00fcber herk\u00f6mmlichen, in die Reaktoren hineinragenden Messst\u00e4ben: Die sogenannten Sensospheres sind nur f\u00fcnf Millimeter gro\u00df und schwimmen frei im Medium. Dadurch k\u00f6nne der mittlere Wert viel genauer gemessen werden. Sie senden den Messwert via Bluetooth an einen Empf\u00e4nger. Musikalischer Abschluss der Veranstaltung: Pflanzen\u00f6kologe Michael Lakatos von der Universit\u00e4t Kaiserslautern hat das Publikum als Rhythmus-Orchester in seine Pr\u00e4sentation eingebunden. In einem neuen Bioreaktorkonzept will er bestimmte Zuckerketten als Biomaterial mit Hilfe von Cyanobakterien herstellen. Das besondere dabei: Erstmals verwendet Lakatos hierf\u00fcr landlebende Bakterienst\u00e4mme, die zahlreiche Vorteile gegen\u00fcber aquatischen Mikroben mit sich bringen. So sind sie beispielsweise stressresistenter, anspruchsloser und kommen mit weniger Licht aus.<\/p>\n<h3>Niedrige Eintrittsschwelle f\u00fcr originelle Ideen<\/h3>\n<p>Bei der Auswahl der Projekte lag der Fokus nicht in erster Linie auf Wirtschaftlichkeit oder dem Nutzen f\u00fcr Forschung und Entwicklung. \u201eDie Frage war: Bringt es den Leuten wirklich was\u201c, sagt Projektleiterin Ulrike Pogoda de la Vega vom Projekttr\u00e4ger J\u00fclich, der den Ideenwettbewerb im Auftrag des Bundesministeriums betreut und organisiert. Eine unkomplizierte F\u00f6rderm\u00f6glichkeit mit einer niedrigen Eintrittsschwelle f\u00fcr originelle und neuartige Ideen solle geboten werden, so Pogoda de la Vega. Auch Produktvisionen, die in anderen\u00a0<a href=\"http:\/\/www.biooekonomie.de\/BIOOEKO\/Navigation\/DE\/innovationsakademie\">kreativen Initiativen des BMBF entstanden sind, wie etwa im Rahmen der Innovationsakademie Biotechnologe, k\u00f6nnen sich hier bewerben und so weiterentwickelt werden\u00a0(mehr&#8230;).\u00a0\u00a0<\/a>Ob und wie die 32 Visionen nun in der Realit\u00e4t ankommen, wird sich in den kommenden Monaten der Machbarkeitsphase zeigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Krebsarzneien aus k&uuml;nstlichen Pflanzengeweben und Tier-WGs f&uuml;r die nachhaltige Zucht&nbsp;&#8211;&nbsp;diese&nbsp;Ideen &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[1199,187,535,1563,7888,408,1322,263],"class_list":["post-22247","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-biotechnologiede","supplier-bundesministerium-fuer-bildung-und-forschung-bmbf","supplier-forschungszentrum-juelich","supplier-karlsruher-institut-fuer-technologie-kit","supplier-steinbeis-forschungszentrum","supplier-technische-universitaet-tu-dresden","supplier-technische-universitaet-kaiserslautern","supplier-technische-universitaet-muenchen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22247","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22247"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22247\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22247"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22247"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22247"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=22247"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}