{"id":22208,"date":"2014-08-26T03:18:18","date_gmt":"2014-08-26T01:18:18","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=22208"},"modified":"2014-08-25T15:24:28","modified_gmt":"2014-08-25T13:24:28","slug":"noch-zu-teuer-bio-kunststoff-wartet-auf-durchbruch-markt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/noch-zu-teuer-bio-kunststoff-wartet-auf-durchbruch-markt\/","title":{"rendered":"Noch zu teuer: Bio-Kunststoff wartet auf Durchbruch am Markt"},"content":{"rendered":"<p>Ob Motorabdeckungen, Plastikflaschen, Folien oder Handyschalen: Bio-Kunststoffe stecken mittlerweile in vielen Produkten. Bekannteste Sorten des \u201egr\u00fcnen Plastiks\u201d sind aus Maisst\u00e4rke gewonnene Bio-Polylactid-Kunststoffe, kurz PLA genannt, die etwa in Joghurt-Bechern zum Einsatz kommen. Auch Bio-Polyethylen aus Zuckerrohr, Bio-Polyamid aus Rizinus\u00f6l oder Bio-Polyurethane aus Zucker gibt es. Biomasse statt Erd\u00f6l \u2013 die technischen M\u00f6glichkeiten der Chemiker sind fast unbegrenzt.<\/p>\n<p>Das Preisgef\u00e4lle zu herk\u00f6mmlichem Plastik ist allerdings noch beachtlich. BASF -Forschungschef Andreas Kreimeyer sieht hier auch die Verbraucher am Zug. \u201eWenn es hei\u00dft, wir m\u00f6chten die billigste Kaffeemaschine haben, dann haben wir ein Problem\u201d, sagt der BASF-Vorstand. Es liege auch am Konsumenten, dass solche Produkte sich noch st\u00e4rker am Markt durchsetzen. \u201cGenerell hei\u00dft das, dass biobasierte Kunststoffe zurzeit noch mengenm\u00e4\u00dfig unter den Mengen der klassischen Kunststoffe liegen.\u201d<\/p>\n<p>Nach Einsch\u00e4tzung von Volker Fitzner, Chemieexperte von Pricewaterhouse Coopers (PwC), reicht das gr\u00fcne Label allein nicht aus, um Kunden in Massen anzulocken. \u201eDie Bereitschaft, f\u00fcr \u201abioplastics\u2018 mehr zu bezahlen, ist aus Kundensicht grunds\u00e4tzlich relativ niedrig, sofern keine Performance-Verbesserung damit einhergeht\u201d, sch\u00e4tzt Fitzner. F\u00fcr den Experten ist das einer der Gr\u00fcnde, weshalb die Nachfrage nicht deutlich st\u00e4rker anzieht: \u201eBioplastics bieten \u2013 derzeit z\u201c, erl\u00e4utert der PwC-Experte. Ob Hitzebest\u00e4ndigkeit oder Elastizit\u00e4t, es gibt kaum eine gew\u00fcnschte Eigenschaft, die nicht auch mit herk\u00f6mmlichem Plastik erzielt werden kann.<\/p>\n<p>Auch wenn biobasiertes Plastik nicht immer biologisch abbaubar ist, der gr\u00fcne Anstrich, der dem Label \u201eBio\u201d anhaftet, wird jedenfalls gerne genommen. Die Argumentation der Industrie: solche Kunststoffe sind dennoch umweltfreundlicher als die Pendants aus fossilem \u00d6l. Daimler etwa gibt an, bei der Herstellung einer Motorabdeckung aus Bio-Polyamid fielen knapp vier Kilogramm Kohlendioxid-Emissionen an (mehr hier). Bei demselben Teil aus konventionellen Polyamid seien es \u00fcber zehn Kilogramm. Auch Bedenken, der Anbau von Pflanzen f\u00fcr Kunststoffe k\u00f6nnte Agrarfl\u00e4chen f\u00fcr die Landwirtschaft verdr\u00e4ngen und damit die Ern\u00e4hrung teurer machen, l\u00e4sst die Wirtschaft nicht gelten. So wachse der Rizinus-Baum nur auf kargen, f\u00fcr die Landwirtschaft eigentlich nicht geeigneten B\u00f6den, erkl\u00e4ren die Produzenten von Bio-Polyamid. Und vielfach w\u00fcrden Pflanzenreste verarbeitet, die keine andere Verwendung finden w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Umweltsch\u00fctzer warnen jedoch davor, Biokunststoffe unhinterfragt als besonders umweltfreundlich darzustellen. \u201eEin st\u00e4rkebasiertes oder zellulosebasiertes Material in eine Chemikalie umzuwandeln, ist so trivial nicht\u201d, sagt etwa Rolf Buschmann vom Bund f\u00fcr Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Auch hier m\u00fcssten wie bei der \u00d6lverarbeitung chemische Prozesse angewandt werden, deren Auswirkungen zu bedenken seien. Zudem m\u00fcsse die Entwicklung in den Erzeugerl\u00e4ndern beobachtet werden: \u201eAuch ein biobasiertes Produkt kann gro\u00dfe Umweltsch\u00e4den hervorrufen, indem wir zum Beispiel Regenwald zerst\u00f6ren, um Anbaufl\u00e4chen zu haben.\u201d Entscheidend sei letztlich, wie der Ressourcenverbrauch reduziert werden k\u00f6nne. Wenn nur der Erd\u00f6lverbrauch durch den Verbrauch von Land und Wasser ersetzt werde, sei dies kein Gewinn.<\/p>\n<p>F\u00fcr Daimler waren bei der Suche nach dem geeigneten Material f\u00fcr die Motorabdeckung neben \u00f6kologischen Aspekten die Eigenschaften des Stoffes entscheidend: Zwar h\u00e4tte es preiswertere Alternativen gegeben, r\u00e4umt Hubert Bieder, der Leiter Materialsysteme im Interieur der Daimler Benz AG, ein. \u201eDiese Nachteile k\u00f6nnen aber durch Vorteile wie etwa eine gr\u00f6\u00dfere Hitzebest\u00e4ndigkeit oder ein geringeres Gewicht kompensiert werden.\u201d Man habe sich Kunststoffe verschiedener Hersteller angesehen und sich dann f\u00fcr Bio-Polyamid des niederl\u00e4ndischen Chemiekonzerns DSM entschieden. \u201eBio-Polyamid ist der erste Kunststoff, der auch von Zulieferern in vern\u00fcnftigen Mengen verf\u00fcgbar ist\u201d, erl\u00e4utert Bieder.<\/p>\n<p>Auch DSM-Entwicklungschef Marcel Wubbolts betont, das Etikett \u201eBio\u201d sei nicht das ausschlaggebende Verkaufskriterium: \u201eDass die biobasiert sind, ist nicht das erste Argument im Markt. Im Markt z\u00e4hlt die Performance, etwa in punkto Hitzebest\u00e4ndigkeit und Langlebigkeit.\u201d In der Polymer-Industrie m\u00fcsse man erst einmal beweisen, dass die neuen Polymere gleichgut oder besser als die konventionellen, erd\u00f6lbasierten seien. \u201eDas dauert halt eine Weile, bis das in den Markt eindringt.\u201d Am Erfolg zweifelt Wubbolts aber nicht: \u201eWir erwarten ein Wachstum zwischen zehn und zwanzig Prozent pro Jahr.\u201d<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ob Motorabdeckungen, Plastikflaschen, Folien oder Handyschalen: Bio-Kunststoffe stecken mittlerweile in vielen Produkten. Bekannteste Sorten des \u201egr\u00fcnen Plastiks\u201d sind aus Maisst\u00e4rke gewonnene Bio-Polylactid-Kunststoffe, kurz PLA genannt, die etwa in Joghurt-Bechern zum Einsatz kommen. Auch Bio-Polyethylen aus Zuckerrohr, Bio-Polyamid aus Rizinus\u00f6l oder Bio-Polyurethane aus Zucker gibt es. Biomasse statt Erd\u00f6l \u2013 die technischen M\u00f6glichkeiten der Chemiker sind [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[75,1950,152,12205,7866],"class_list":["post-22208","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-basf-se","supplier-bund-fuer-umwelt-und-naturschutz-bund-landesverband-mecklenburg-vorpommern-ev","supplier-daimler-ag","supplier-dsm","supplier-pricewaterhouse-coopers"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22208","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22208"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22208\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22208"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22208"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22208"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=22208"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}