{"id":22176,"date":"2014-08-28T04:10:52","date_gmt":"2014-08-28T02:10:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.innovations-report.de\/html\/berichte\/biowissenschaften-chemie\/rapsgenom-entschluesselt.html"},"modified":"2014-08-27T19:26:15","modified_gmt":"2014-08-27T17:26:15","slug":"rapsgenom-entschlusselt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/rapsgenom-entschlusselt\/","title":{"rendered":"Rapsgenom entschl\u00fcsselt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Raps, Europas wichtigste \u00d6lpflanze, hat ein Geheimnis weniger: Ein internationales Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, darunter aus Deutschland Dr. Birgit Samans und Prof. Dr. Rod Snowdon von der Professur f\u00fcr Pflanzenz\u00fcchtung der Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen (JLU), hat das komplexe Genom des\u00a0Rapses (<span style=\"color: #000000;\"><em>Brassica napus<\/em><\/span>) entschl\u00fcsselt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gewannen dabei wichtige neue Erkenntnisse \u00fcber die Entstehung von Kulturpflanzen nach Artkreuzungen. Die Ergebnisse wurden nun in der renommierten Zeitschrift \u201eScience\u201c ver\u00f6ffentlicht.<\/strong><\/p>\n<p>Der Raps ist eine der j\u00fcngsten Pflanzenarten und zeichnet sich unter den Kulturpflanzen durch seine einzigartige Entstehungsgeschichte aus. Erst vor wenigen tausend Jahren entstanden die ersten Rapspflanzen aus einer zuf\u00e4lligen Artkreuzung zwischen Kohl- und \u00d6lr\u00fcbsenformen. Samen aus Artkreuzungen werden nur sehr selten fruchtbar, und zwar erst nach zuf\u00e4lliger, vollst\u00e4ndiger Verdopplung beider Chromosomens\u00e4tze der Elternteile. Da alle heutigen Bl\u00fchpflanzen auf \u00e4hnliche Weise entstanden sind, in den allermeisten F\u00e4llen vor Millionen von Jahren, gibt die Genomsequenz von Raps einen einzigartigen Einblick in die evolution\u00e4ren Prozesse der Artentstehung. Treffen zwei verwandte, aber unterschiedliche Genome in einem Zellkern zum ersten Mal aufeinander, findet allm\u00e4hlich der Verlust von \u00fcberfl\u00fcssigen doppelten Genkopien statt \u2013 eine neue Art entsteht. Wie dieser Evolutionsprozess beginnt, ist bislang noch unklar.<\/p>\n<p>Ungew\u00f6hnlicherweise behielt der Raps bislang fast alle Genkopien seiner beiden Elternspezies und bringt es so auf rund 101.000 Gene. Damit besitzt er mehr Gene als alle Organismen, deren Genome bereits sequenziert wurden \u2013 der Mensch beispielsweise hat weniger als 30.000 Gene. Da beim Raps viele Genfunktionen aufgrund der Genomdopplung mehrmals vorhanden und somit \u00fcberfl\u00fcssig sind, besteht hier ein gro\u00dfes Potential zur \u00c4nderung und Anpassung durch vorteilhafte Mutationen. So l\u00f6sen zum Beispiel ungenaue Chromosomenpaarungen, die beim Raps durch die Genomdopplung h\u00e4ufig vorkommen, Mutationen aus \u2013 und beschleunigen so die Evolution. Viele f\u00fcr die heutige Nutzung des Rapses wichtige Eigenschaften wurden unmittelbar nach der Artentstehung durch den Austausch von Chromosomenst\u00fccken gebildet.<\/p>\n<p>So konnte sich eine Pflanze, die mit extrem geringer genetischer Vielfalt entstanden ist, in k\u00fcrzester Zeit an diverse geographische und agrar\u00f6kologische Extreme anpassen und sich dort behaupten. Heute ist der Anbau unterschiedlicher Rapsformen als \u00d6l-, Futter- und Gem\u00fcsekulturen \u00fcber ganz Europa sowie in Nordamerika, Asien und Australien weit verbreitet. Aus Raps wird eines der wichtigsten Pflanzen\u00f6le f\u00fcr die menschliche Ern\u00e4hrung sowie f\u00fcr die Erzeugung von Biodiesel gewonnen. Der nach der \u00d6lgewinnung zur\u00fcckbleibende Pressr\u00fcckstand liefert zudem ein wertvolles, proteinreiches Tierfutter, das hierzulande als wichtigste heimische Alternative zu importiertem Sojaschrot gilt. Die Kenntnisse aus der Genomsequenzierung haben vor allem f\u00fcr die Z\u00fcchtung neuer \u00d6lrapssorten mit besserer Umweltvertr\u00e4glichkeit und erh\u00f6htem Ertrag eine gro\u00dfe Bedeutung.<\/p>\n<p>Die Sequenzierung des Rapsgenoms wurde durch Dr. Boulos Chalhoub vom franz\u00f6sischen nationalen Agrarforschungsinstitut INRA koordiniert. Auf deutscher Seite wurden die Arbeiten zusammen mit kommerziellen Rapsz\u00fcchtern im Rahmen des Forschungskonsortiums \u201ePreBreedYield\u201c durchgef\u00fchrt, ein Vorhaben der F\u00f6rderaktivit\u00e4t \u201ePflanzenbiotechnologie der Zukunft\u201c des Bundesministeriums f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF).<\/p>\n<p><strong>Ver\u00f6ffentlichung<\/strong><\/p>\n<p>Chalhoub et al. (2014): Early allopolyploid evolution in the post-neolithic Brassica napus oilseed genome. Science, Ausgabe vom 22. August 2014.<br \/>\nDOI: 10.1126\/science.1253435<\/p>\n<p><strong>Kontakt<\/strong><\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"mailto:rod.snowdon@agrar.uni-giessen.de\" target=\"_self\">Prof. Dr. Rod Snowdon<\/a><br \/>\nProfessur f\u00fcr Pflanzenz\u00fcchtung<br \/>\nInterdisziplin\u00e4res Forschungszentrum f\u00fcr Biosystems und Umweltsicherung (IFZ)<br \/>\nHeinrich-Buff-Ring 26-32<br \/>\n35392 Gie\u00dfen<br \/>\nTelefon: 0641 99-37420<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einzigartiger Einblick in die evolution&auml;ren Prozesse der Artentstehung &ndash; Forschergruppe der Universi&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[187,4336,982],"class_list":["post-22176","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-bundesministerium-fuer-bildung-und-forschung-bmbf","supplier-french-national-institute-for-agricultural-research-inra","supplier-universitaet-giessen-justus-liebig-universitaet-jlu"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22176","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22176"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22176\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22176"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22176"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22176"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=22176"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}