{"id":21977,"date":"2014-08-13T03:03:53","date_gmt":"2014-08-13T01:03:53","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=21977"},"modified":"2014-08-12T11:23:41","modified_gmt":"2014-08-12T09:23:41","slug":"mikroben-als-umweltsanierer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/mikroben-als-umweltsanierer\/","title":{"rendered":"Mikroben als Umweltsanierer"},"content":{"rendered":"<p><strong>Tetrachlorethen ist eine farblose, leicht fl\u00fcchtige und nicht brennbare Fl\u00fcssigkeit. Dank ihres gro\u00dfen Fettl\u00f6severm\u00f6gens findet sie vor allem in der Textilreinigung sowie der Optik- und Metallindustrie zur Entfettung von Oberfl\u00e4chen Anwendung. Mehr als 100.000 Tonnen fallen Jahr f\u00fcr Jahr weltweit an. Und das ist ein Problem: Denn Tetrachlorethen ist nicht nur krebserregend und ein Umweltgift. Es ist in Anwesenheit von Sauerstoff nicht biologisch abbaubar und reichert sich stattdessen im Boden und Grundwasser an. \u201eVon dort ist der Weg nicht weit in die menschliche Nahrungskette\u201c, sagt Dr. Torsten Schubert von der Friedrich-Schiller-Universit\u00e4t Jena. Daher sei es dringend notwendig, Methoden zu entwickeln, chlorierte Schadstoffe zu entgiften, so der Mikrobiologe weiter.<\/strong><\/p>\n<p>Beim Abbau chlorierter Kohlenwasserstoffe in der Umwelt k\u00f6nnten Mikroorganismen eine wichtige Rolle spielen. \u201eEs gibt Bakterien, die in Abwesenheit von Sauerstoff Substanzen, wie Tetrachlorethen, entgiften k\u00f6nnen\u201c, wei\u00df Dr. Schubert. Allerdings werden solche Mikroben bislang nur selten f\u00fcr die Sanierung genutzt. \u201eSie lassen sich nur schwer aus der Natur isolieren und im Labor kultivieren.\u201c Au\u00dferdem besitzen diese Bakterien h\u00e4ufig mehrere dechlorierende Enzyme, die sogenannten reduktiven Dehalogenasen, mit ganz unterschiedlichen Substratspektren, was die Charakterisierung dieser biologischen Katalysatoren erschwert.<\/p>\n<p>Doch Anita Mac Nelly aus dem Team um Dr. Schubert ist es jetzt gelungen, Bakterien heranzuz\u00fcchten, die entsprechende Dehalogenasen in Reinform produzieren k\u00f6nnen. Wie die Forscher in der Fachzeitschrift \u201eApplied und Environmental Microbiology\u201c schreiben, haben sie das urspr\u00fcnglich nicht-dechlorierende Bakterium <em>Shimwellia blattae<\/em> dazu gebracht, nicht nur ein funktionst\u00fcchtiges Tetrachlorethen-abbauendes Enzym sondern auch eine spezifische Dehalogenase zum Abbau anderer halogenierter Verbindungen zu produzieren (DOI: 10.1128\/AEM.00881-14).<\/p>\n<p>\u201eZiel der vorliegenden Arbeit war es, zun\u00e4chst eine einfache und universelle Produktionsplattform zu schaffen, um die Schadstoff-abbauenden Enzyme unabh\u00e4ngig von ihrem Ursprungsorganismus einer Charakterisierung zug\u00e4nglich zu machen\u201c, erl\u00e4utert Dr. Schubert. Dazu haben die Jenaer Forscher ein Dehalogenase-Gen, das die Bauanleitung f\u00fcr das gew\u00fcnschte Enzym enth\u00e4lt, aus dem Mikroorganismus Desulfitobacterium hafniense in das leicht zu kultivierende Bakterium Shimwellia blattae \u00fcbertragen. Shimwellia blattae ist ein aus dem Darm der K\u00fcchenschabe isolierter und vergleichsweise anspruchsloser Mikroorganismus, der sich f\u00fcr die Produktion der dechlorierenden Enzyme bestens eignet, da er das hierf\u00fcr essentielle Kobalt-haltige Vitamin B12 in ausreichenden Mengen produzieren kann.<\/p>\n<p>In weiterf\u00fchrenden Arbeiten wollen die Mikrobiologen nun die so erhaltenen Enzyme hinsichtlich ihres Aufbaus und ihrer Funktion umfassend charakterisieren. \u201eDie Kenntnis des Katalysemechanismus ist eine wesentliche Voraussetzung daf\u00fcr, dass wir diese Enzyme in absehbarer Zeit f\u00fcr die Sanierung von kontaminierten Grundw\u00e4ssern oder B\u00f6den nutzen k\u00f6nnen\u201c, macht Dr. Schubert deutlich. An diesem langfristigen Ziel arbeiten die Mikrobiologen der Uni Jena u. a. im Rahmen der k\u00fcrzlich um eine zweite F\u00f6rderperiode verl\u00e4ngerten DFG-Forschergruppe \u201eAnaerobic Biological Dehalogenation\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Original-Publikation:<\/strong><\/p>\n<p>Mac Nelly A et al. Functional heterologous production of reductive dehalogenases from Desulfitobacterium hafniense strains, Applied and Environmental Microbiology 2014, DOI: 10.1128\/AEM.00881-14<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen<\/strong> zur Forschergruppe unter<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.uni-jena.de\/en\/FOR1530.html\" target=\"_blank\">http:\/\/www.uni-jena.de\/en\/FOR1530.html<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kontakt<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Torsten Schubert<br \/>\nInstitut f\u00fcr Mikrobiologie der Friedrich-Schiller-Universit\u00e4t Jena<br \/>\nPhilosophenweg 12<br \/>\n07743 Jena<br \/>\nTel.: 03641 \/ 949349<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:torsten.schubert@uni-jena.de\" target=\"_blank\">torsten.schubert@uni-jena.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tetrachlorethen ist eine farblose, leicht fl\u00fcchtige und nicht brennbare Fl\u00fcssigkeit. 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