{"id":21837,"date":"2014-08-05T02:00:46","date_gmt":"2014-08-05T00:00:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.innovations-report.de\/html\/berichte\/geowissenschaften\/blauer-planet-wird-gruener-analyse-des-globalen-pflanzenwachstums-zeigt-einfluss-der-landnutzung.html"},"modified":"2014-08-04T11:51:33","modified_gmt":"2014-08-04T09:51:33","slug":"blauer-planet-wird-gruner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/blauer-planet-wird-gruner\/","title":{"rendered":"Blauer Planet wird gr\u00fcner"},"content":{"rendered":"<p><strong>Frankfurt, am Main, 1. August 2014. Ver\u00e4nderungen der langfristigen Trends der globalen Photosyntheseleistung und damit der Vitalit\u00e4t der Pflanzen werden bislang meist dem Klimawandel zugeschrieben. Eine im Fachjournal \u201eRemote Sensing\u201c erschienene Studie analysierte nun den auf Satellitendaten basierenden Vegetationsindex Normalized Difference Vegetation Index (NDVI) \u2013 mit dem Ergebnis, dass zur Erkl\u00e4rung der Ver\u00e4nderungen k\u00fcnftig auch die menschlichen Einwirkungen herangezogen werden sollten. Denn diese sind global f\u00fcr \u00fcber 20% der Variabilit\u00e4t der NDVI-Trends verantwortlich. Auch in die globalen Klimamodelle sollten Landnutzungseffekte deshalb k\u00fcnftig verst\u00e4rkt eingehen.<\/strong><\/p>\n<p>Der \u00d6kologe Thomas M\u00fcller, der am LOEWE Biodiversit\u00e4t und Klima Forschungszentrum (BiK-F) und der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt forscht und lehrt, nutzt Satellitendaten, um zu untersuchen, wie die Muster des Pflanzenwachstums mit den Wanderungen von Karibus und Gazelle zusammenh\u00e4ngen. Hierbei kam ihm folgende Idee: Wird in den globalen Vegetationsmustern vielleicht auch der menschliche Fu\u00dfabdruck sichtbar?<\/p>\n<p>Gemeinsam mit Wissenschaftlern der NASA, des Umweltforschungszentrums Leipzig und mehrerer amerikanischer Institute untersuchte er, wie sich die Vegetation in den letzten Jahrzehnten weltweit entwickelt hat. Hierzu analysierte das Team die Ver\u00e4nderungen des \u201eNormalized Difference Vegetation Index\u201c (NDVI), eines der global am h\u00e4ufigsten angewandte Vegetationsindexe, von 1981 bis 2010. Der NDVI erlaubt, basierend auf der von Satelliten gemessenen Lichtreflektion von Pflanzen, R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Vegetation der Erdoberfl\u00e4che. Die Intensit\u00e4t der Reflektion h\u00e4ngt dabei vom Chlorophyllgehalt der Pflanzen ab, der wiederum durch die Photosynthesaktivit\u00e4t bedingt ist. Ein Anstieg des Vegetationsindexes wurde deshalb als Zeichen einer Erh\u00f6hung der Photosyntheseaktivit\u00e4t gewertet.<\/p>\n<h3>Intensivierte Landwirtschaft, D\u00fcngung und Bew\u00e4sserung steigern Wachstum<\/h3>\n<p>In der untersuchten Periode zeigten insbesondere besiedelte Gebiete, die intensiv genutzt werden, deutliche Zuw\u00e4chse der Produktivit\u00e4t und ein intensiveres Gr\u00fcn der Pflanzendecke. \u201eDie Eingriffe des Menschen haben das Pflanzenwachstum auf weiten Fl\u00e4chen stark angekurbelt. Beispielsweise hat es in intensiv genutzten l\u00e4ndlichen R\u00e4umen im Vergleich zu W\u00e4ldern um das Doppelte zugenommen\u201c, so Thomas M\u00fcller. Weltweit sind dies gleichzeitig Gebiete mit hoher Siedlungsdichte wie Europa, aber auch Westindien und Nordchina. Ursache dieser Entwicklung ist die intensivierte Landwirtschaft sowie der damit verbundene Einsatz von Bew\u00e4sserung und D\u00fcngung.<\/p>\n<h3>Anteil des menschlichen Einflusses an Indexver\u00e4nderungen \u00fcber 20 %<\/h3>\n<p>M\u00fcller und seine Kollegen f\u00fchrten auch statistische Analysen durch, um den relativen Anteil der verschiedenen Faktoren abzusch\u00e4tzen, die das globale Pflanzenwachstum beeinflussen. Sie zeigten, dass der menschliche Einfluss \u00fcber 20 % der Ver\u00e4nderungen des Vegetationsindexes ausmacht. Im Umland dicht besiedelter Gebiete (ca. 500 Menschen pro Quadratkilometer) stieg der Vegetationsindex um 4,3 Prozent, in der N\u00e4he von D\u00f6rfern sogar um 6 Prozent. In diesen l\u00e4ndlichen Regionen findet die intensivste Landwirtschaft statt. In Gebieten, die nur geringem menschlichen Einfluss unterliegen, wurde so gut wie keine Ver\u00e4nderung verzeichnet.<\/p>\n<p>Der Vegetationsindex schl\u00fcsselt zwar nicht auf, ob das gesteigerte Pflanzenwachstum durch mehr und vitalere Kulturpflanzen oder die nat\u00fcrliche Vegetation bedingt ist. Da letztere in Gebieten mit hoher Siedlungsdichte jedoch tendenziell auf dem R\u00fcckzug ist, ist der Anstieg sicherlich \u00fcberwiegend der Landwirtschaft zuzuschreiben.<\/p>\n<h3>Menschlichen Fu\u00dfabdruck in Klimamodelle integrieren<\/h3>\n<p>Langfristig beobachtbare Ver\u00e4nderungen des Vegetationsindexes wurden bisher oft mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht, z.B. wurde die Begr\u00fcnung der Sahelzone mit dem steigenden Kohlenstoffdioxidgehalt der Atmosph\u00e4re erkl\u00e4rt. Die Studie zeigt, dass der direkte Einfluss des Menschen auf die Vegetation aber noch mehr ber\u00fccksichtigt, Ver\u00e4nderungen der Vegetationsindexe differenzierter betrachtet werden m\u00fcssen. \u201eLandnutzung in stark besiedelten Gebieten sowie anderen Regionen, die stark durch menschliche Eingriffe gepr\u00e4gt sind, tr\u00e4gt mehr zur Ver\u00e4nderung der Photosynthese-Kapazit\u00e4t der Pflanzen bei als bisher angenommen. Dieser direkte menschliche Einfluss sollte daher auch st\u00e4rker in Klimamodelle einflie\u00dfen\u201c, res\u00fcmiert M\u00fcller.<\/p>\n<h3>Kontakt:<\/h3>\n<p>Prof. Dr. Thomas M\u00fcller<br \/>\nLOEWE Biodiversit\u00e4t und Klima Forschungszentrum (BiK-F),<br \/>\nTel. + 49 (0)69 7542 1889<br \/>\nthomas.mueller@senckenberg.de<\/p>\n<p>Dr. Julia Krohmer<br \/>\nLOEWE Biodiversit\u00e4t und Klima Forschungszentrum (BiK-F), Transferstelle<br \/>\nTel. +49 (0)69 7542 1837<br \/>\njulia.krohmer@senckenberg.de<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>\u00dcber LOEWE Biodiversit\u00e4t und Klima Forschungszentrum, Frankfurt am Main<\/h3>\n<p>Mit dem Ziel, anhand eines breit angelegten Methodenspektrums die komplexen Wech-selwirkungen von Biodiversit\u00e4t und Klima zu entschl\u00fcsseln, wird das Biodiversit\u00e4t und Klima Forschungszentrum (BiK\u2010F) seit 2008 im Rahmen der hessischen Landes\u2010Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-\u00f6konomischer Exzellenz (LOEWE) gef\u00f6rdert. Die Senckenberg Gesellschaft f\u00fcr Naturforschung und die Goethe Universit\u00e4t Frankfurt sowie weitere direkt eingebundene Partner kooperieren eng mit regionalen, nationalen und internationalen Akteuren aus Wissenschaft, Ressourcen\u2010 und Umweltmanagement, um Projektionen f\u00fcr die Zukunft zu entwickeln und wissenschaftlich gesicherte Empfehlungen f\u00fcr ein nachhaltiges Handeln zu geben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ver&auml;nderungen der langfristigen Trends der globalen Photosyntheseleistung und damit der Vitalit&auml;t de&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[1064,12258,7721,3827],"class_list":["post-21837","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-goethe-universitaet-frankfurtmain","supplier-helmholtz-zentrum-fuer-umweltforschung-ufz","supplier-loewe-biodiversitat-und-klima-forschungszentrum","supplier-nasa"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21837","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=21837"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/21837\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=21837"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=21837"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=21837"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=21837"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}