{"id":21546,"date":"2014-07-22T03:03:47","date_gmt":"2014-07-22T01:03:47","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=21546"},"modified":"2014-07-21T17:16:20","modified_gmt":"2014-07-21T15:16:20","slug":"welthunger-auf-bestehenden-ackerflachen-stillen-schaden-fur-fauna-und-flora-verringern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/welthunger-auf-bestehenden-ackerflachen-stillen-schaden-fur-fauna-und-flora-verringern\/","title":{"rendered":"\u201eWelthunger auf bestehenden Ackerfl\u00e4chen stillen, Sch\u00e4den f\u00fcr Fauna und Flora verringern\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Osnabr\u00fcck. Die B\u00fcrger der Europ\u00e4ischen Union sind in Sorge: Rund drei Viertel haben Angst, dass in Zukunft Nahrungsmittel fehlen, um den Bedarf der Weltbev\u00f6lkerung zu decken. Um die 2050 rund 9,1 Milliarden Erdenb\u00fcrger ausreichend zu versorgen, muss sich die Nahrungsmittelproduktion auf der Erde nahezu verdoppeln, sagen die Vereinten Nationen. \u201eWir m\u00fcssen diesen Zusatzbedarf auf den heute existierenden Ackerfl\u00e4chen befriedigen und gleichzeitig sch\u00e4digende Wirkungen auf Wasser, Boden, Luft, Arten und Biotope auf ein dauerhaft tragf\u00e4higes Ma\u00df verringern. Diese Herkules-Aufgabe bew\u00e4ltigt nur eine nachhaltige Landwirtschaft, die bisher nur in Konturen erkennbar und m\u00f6glichst schnell zu entwickeln ist. Wir m\u00fcssen auf bestehender Fl\u00e4che effizienter wirtschaften, Ertr\u00e4ge steigern und gleichzeitig hohe Nachhaltigkeitsstandards einhalten. Eine L\u00f6sung ohne die Zuhilfenahme des nat\u00fcrlichen biologischen und technischen Fortschritts ist nicht vorstellbar\u201c, sagt Dr. Heinrich Bottermann, Generalsekret\u00e4r der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).<\/strong><\/p>\n<h3>DBU will dazu beitragen, Status quo der nachhaltigen Landwirtschaft zu \u00e4ndern<\/h3>\n<p>Die Stiftung, die nach ihrer gerade im s\u00e4chsischen Ostritz beendeten Internationalen Sommerakademie mit vielen hochrangigen Experten aus Wissenschaft, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zum Thema nachhaltige Landwirtschaft zu diesem Ergebnis kommt, sieht das Problem und sp\u00fcrt den Wunsch, zu einer \u00c4nderung des Status quo beizutragen: \u201eDie gegenw\u00e4rtige Landwirtschaft, die wie andere Teile der Gesellschaft auch nur den technischen Fortschritt nutzt und entsprechende Effizienzsteigerungen aufzuweisen hat, wird daf\u00fcr in Teilen der \u00d6ffentlichkeit als industrialisierte Landwirtschaft stark kritisiert\u201c, so Bottermann. Und: \u201eEine klare Trennung zwischen sachlich gerechtfertigten Kritikpunkten und emotional motivierten Meinungen scheint derzeit kaum m\u00f6glich.\u201c<\/p>\n<h3>&#8220;Umfassendes Bewertungssystem der Nachhaltigkeit entwickeln und zur Anwendung bringen&#8221;<\/h3>\n<p>Doch damit will sich die DBU nicht zufrieden geben. F\u00fcr die Zukunft mit einem allseits anerkannten Leitbild einer Nachhaltigen Entwicklung sei es von gro\u00dfer Bedeutung, die Nachhaltigkeitsdefizite der Landwirtschaft klar zu benennen, sachlich fundierte Ziele zu definieren und praktikable L\u00f6sungsans\u00e4tze f\u00fcr eine nachhaltige Landwirtschaft zu erarbeiten. Die DBU hat f\u00fcr Deutschland und die EU konkrete Handlungsfelder identifiziert, auch f\u00fcr die eigene F\u00f6rderarbeit. Um die Zukunftsaufgaben zu meistern, sei es erforderlich, zun\u00e4chst ein \u201eumfassendes Bewertungssystem der Nachhaltigkeit zu entwickeln und zur breiten Anwendung zu bringen, faktenbasiert, transparent und in aggregierter Form auch f\u00fcr Verbraucher verst\u00e4ndlich und nutzbar. Das gelte insbesondere f\u00fcr Kriterien der artgerechten Haltung von Tieren.\u201c<\/p>\n<h3>Gesellschaftlicher Diskussionsprozess erforderlich<\/h3>\n<p>Die heute \u00fcblichen Produktionsverfahren m\u00fcssten einer Nachhaltigkeitsbewertung unterzogen und je nach Notwendigkeit Schritt f\u00fcr Schritt weiterentwickelt werden unter verantwortlicher Nutzung des technischen Fortschritts. Der Festlegung der Nachhaltigkeitsziele sei ein breit angelegter gesellschaftlicher Diskussionsprozess voranzustellen.<\/p>\n<h3>Handlungsfelder f\u00fcr Deutschland und die EU<\/h3>\n<p>Die DBU sieht f\u00fcr Deutschland und die EU folgende konkrete Handlungsfelder, von denen einige auch Handlungsfelder der DBU-F\u00f6rderung sind bzw. werden sollen:<\/p>\n<p>Landnutzungswandel: Ein weiterer Landnutzungswandel ist weitestgehend zu beschr\u00e4nken. Das gilt global, indem m\u00f6glichst kein Naturland in Agrarland umgewandelt wird. Auf nationaler Ebene ist der Fl\u00e4chenumfang von Gr\u00fcnland und Ackerland stabil zu halten; bei notwendiger Umwandlung in Siedlungsfl\u00e4chen ist der Saldo durch Rekultivierung vollst\u00e4ndig auszugleichen. Dazu bedarf es auch \u00fcberregionaler Ans\u00e4tze des Fl\u00e4chenmanagements.<\/p>\n<p>Artenr\u00fcckgang in Agrarlandschaften: Vor allem das Vereinheitlichen des Bewirtschaftens von Fl\u00e4chen in Zeit und Raum zum Optimieren der Ertr\u00e4ge reduziert die Lebensraumvielfalt von Agrarlandschaften und damit auch die Artenvielfalt. Es sind gemeinsam mit den Bewirtschaftern lokale L\u00f6sungen zu erarbeiten, die in Summe zu einem Stabilisieren der Populationen typischer Arten der Agrarlandschaften f\u00fchren. Ein erster Ansatzpunkt w\u00e4re das lokale Optimieren der in Zukunft verpflichtend vorgegebenen Greening-Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>Tierhaltung: F\u00fcr die wichtigsten Haltungsformen f\u00fcr Nutztiere sind Nachhaltigkeitsbewertungsverfahren zu entwickeln. Vor allem sind tiergerechte und gleichzeitig emissionsarme St\u00e4lle zu entwickeln (St\u00e4lle der Zukunft).<\/p>\n<p>Verminderung der Verluste reaktiver Stickstoffverbindungen: Die in der Tierhaltung anfallenden organischen D\u00fcnger sind eine wesentliche Quelle f\u00fcr Stickstoffemissionen, die weitreichende \u00f6kologische Wirkungen (Eutrophierung, Versauerung, Minderung der Biodiversit\u00e4t) nach sich ziehen. Diese Verluste sind nach heutiger Erkenntnis nur durch ein zeitnahes Aufbereiten der Exkremente und anschlie\u00dfendes bedarfsgerechtes Verwenden der N\u00e4hrstoffe zu vermeiden.<\/p>\n<p>N\u00e4hrstoffkreisl\u00e4ufe: Ohne das konsequente R\u00fcckf\u00fchren der in den Nahrungsmitteln enthaltenen N\u00e4hrstoffe, d.h. deren R\u00fcckf\u00fchren aus urbanen R\u00e4umen, k\u00f6nnen Landwirtschaft und Ern\u00e4hrung nicht nachhaltig sein. Hier bedarf es umfassender Verfahrens\u00e4nderungen beim Aufarbeiten von organischen Abw\u00e4ssern und Abf\u00e4llen aller Art. Das R\u00fcckf\u00fchren darf sich nicht auf das Phosphat beschr\u00e4nken, sondern sollte letztlich alle Pflanzenn\u00e4hrstoffe einschlie\u00dflich Stickstoff umfassen. Voraussetzung f\u00fcr die N\u00e4hrstoffr\u00fcckf\u00fchrung ist das Eliminieren der Schadstoffe.<\/p>\n<p>Gr\u00fcnlandnutzung: Die Gr\u00fcnlandnutzung ist je nach Zielsetzung st\u00e4rker zu differenzieren in Dauergr\u00fcnland zum Bereitstellen hochwertiger Futtermittel und in Extensivgr\u00fcnland mit vorrangiger Naturschutzzielsetzung. Beide Ziele sind auf einer Fl\u00e4che nicht gleichzeitig erreichbar, wohl aber in r\u00e4umlichem und betrieblichem Verzahnen. Entsprechende Pilotvorhaben sind zu entwickeln.<\/p>\n<p>Verbraucherinformation: Der Verbraucher von Nahrungsmitteln kann sich nur dann in Richtung Nachhaltigkeit orientieren, wenn er fundierte Angaben dazu direkt auf der Verpackung oder \u00fcber einen Zugang im Internet vorfindet. Dementsprechend sind einfache Konzepte f\u00fcr das Darstellen wichtiger Indikatoren der Nachhaltigkeit zu entwickeln und zu erproben.<\/p>\n<h3>Nahrungsmittelvesorgung und -qualit\u00e4t weltweit \u00fcber Generationen hinweg sichern<\/h3>\n<p>Landwirtschaft sei dann nachhaltig, wenn im globalen Ma\u00dfstab und \u00fcber Generationen hinweg betrachtet die Nahrungsmittelversorgung und -qualit\u00e4t aller Menschen gesichert sei und die Produktivit\u00e4t der B\u00f6den und die Artenvielfalt dauerhaft erhalten w\u00fcrden. Bottermann: \u201eDazu geh\u00f6rt auch, dass Umweltbelastungen auf ein unvermeidbares Ma\u00df im Rahmen der nat\u00fcrlichen Regenerationsm\u00f6glichkeit reduziert sind, Tiere artgerecht gehalten werden, die \u00f6konomische Existenzf\u00e4higkeit landwirtschaftlicher Betriebe sichergestellt ist und die in der Landwirtschaft t\u00e4tigen Menschen gerechte und zufriedenstellende Lebensbedingungen im Kontext ihrer Gesellschaft vorfinden.\u201c Aus ethischer Sicht unstrittig sei die Rangfolge der Nutzungen: \u201eNahrungsmittel haben Vorrang vor Futtermitteln, diese vor der stofflichen und schlie\u00dflich der energetischen Nutzung von Biomasse.\u201c<\/p>\n<h3>Ungel\u00f6ste Nachhaltigkeitsprobleme auch beim \u00d6kolandbau<\/h3>\n<p>Fast \u00fcberall auf der Welt sei die Landwirtschaft noch mehr oder weniger weit von diesem Leitbild entfernt. Die abnehmenden N\u00e4hrstoffgehalte vieler B\u00f6den in Afrika, die Versalzung und \u00fcberm\u00e4\u00dfige Nutzung fossiler Wasserreserven in D\u00fcrre-Gebieten und die Stickstoff\u00fcbersch\u00fcsse in Ostasien seien Beispiele daf\u00fcr. In Mitteleuropa, einer im globalen Ma\u00dfstab g\u00fcnstigen Region f\u00fcr Landwirtschaft, seien der Artenr\u00fcckgang in der Agrarlandschaft und die Stickstoff\u00fcbersch\u00fcsse beim konventionellen Bewirtschaften als wichtigste Nachhaltigkeitsdefizite zu nennen. Aber auch der \u00d6kolandbau, der bei diesen Kriterien die Anforderungen der Nachhaltigkeit sehr gut erf\u00fcllt, habe bisher ungel\u00f6ste Nachhaltigkeitsprobleme in Form systembedingter R\u00fcckg\u00e4nge der Phosphor- und Kaliumgehalte der B\u00f6den und der ungen\u00fcgenden Fl\u00e4cheneffizienz, die bei st\u00e4rkerem Ausdehnen zu Lasten bisher nicht genutzter Naturlandschaften gehe.<\/p>\n<h3>&#8220;Deutschland kann mit Innovationspotenzial zur Entwicklung nachhaltiger Landwirtschaft beitragen&#8221;<\/h3>\n<p>Mit Blick in die Zukunft stehe die globale Landwirtschaft vor einer gro\u00dfen Herausforderung. Bottermann: \u201eEiner global stark steigenden Nachfrage nach Nahrungsmitteln mit hohen Anspr\u00fcchen an Qualit\u00e4t und g\u00fcnstigen Preisen und gleichzeitig steigendem Bedarf nach Futtermitteln sowie nach Rohstoffen zur industriellen und energetischen Nutzung stehen weltweit nur begrenzte Fl\u00e4chenressourcen gegen\u00fcber. Aus Nachhaltigkeitsgr\u00fcnden kommt ein Landnutzungswandel, d.h. das Umwandeln von Fl\u00e4chen mit nat\u00fcrlichen \u00d6kosystemen wie Regenw\u00e4lder, Savannen und Moore, aufgrund des damit einhergehenden Freisetzens von Treibhausgasen und der negativen Wirkungen auf die Biodiversit\u00e4t nicht in Frage. Deutschland kann mit seinem besonders hohen Innovationspotenzial einen Beitrag zur Entwicklung einer nachhaltigen Landwirtschaft leisten.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Osnabr\u00fcck. Die B\u00fcrger der Europ\u00e4ischen Union sind in Sorge: Rund drei Viertel haben Angst, dass in Zukunft Nahrungsmittel fehlen, um den Bedarf der Weltbev\u00f6lkerung zu decken. 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