{"id":21541,"date":"2014-07-22T04:10:01","date_gmt":"2014-07-22T02:10:01","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=21541"},"modified":"2014-07-22T10:18:33","modified_gmt":"2014-07-22T08:18:33","slug":"mikroplastik-der-umwelt-kongress-zeigt-losungen-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/mikroplastik-der-umwelt-kongress-zeigt-losungen-auf\/","title":{"rendered":"Mikroplastik in der Umwelt: Kongress zeigt L\u00f6sungen auf!"},"content":{"rendered":"<p><b>Am 1. Juli 2014 trafen sich im Maternushaus K\u00f6ln erstmals \u00fcber 100 Vertreter aus Industrie, Wissenschaft, Politik und Verb\u00e4nden, um sich dem Thema Mikroplastik in der Umwelt zu widmen. Das nova-Institut hatte dazu eingeladen, Quellen und Folgen von Mikroplastik zu diskutieren und L\u00f6sungen f\u00fcr die Problematik aufzuzeigen. Die Pr\u00e4sentationen sind ab sofort unter folgendem Link verf\u00fcgbar:\u00a0<\/b><a href=\"http:\/\/bio-based.eu\/proceedings\/\" target=\"_blank\">http:\/\/bio-based.eu\/proceedings\/<\/a><\/p>\n<p>Mikroplastik \u2013 das sind mikroskopisch kleine Partikel aus Kunststoff, die in kosmetischen Produkten, K\u00f6rperpflegemitteln und anderen Anwendungen zum Einsatz kommen. Sie werden jedoch auch als Fasern beim Waschen von synthetischen Textilien freigesetzt oder entstehen durch die Fragmentierung gro\u00dfformatiger Abf\u00e4lle wie Plastikt\u00fcten. \u201eEs kann Jahrhunderte dauern, bis sich Kunststoffabf\u00e4lle in der Umwelt durch physikalische, chemische und biologische Prozesse zerkleinern\u201c, macht Stefanie Werner vom Umweltbundesamt schon im Er\u00f6ffnungsvortrag klar. Es bestehe gro\u00dfer Handlungsbedarf, denn die Folgen f\u00fcr \u00d6kosysteme und Lebewesen sind derzeit nur unzureichend bekannt.<\/p>\n<p>Internationale Wissenschaftler trugen deshalb zur Aufkl\u00e4rung bei und stellten aktuelle Ergebnisse ihrer Forschungsprojekte vor. Die mengenm\u00e4\u00dfige Erfassung und Bewertung von Mikroplastik in der Umwelt stelle Wissenschaftler vor eine gro\u00dfe Herausforderung, wei\u00df Dr. J\u00f6rg Klasmeier von der Universit\u00e4t Osnabr\u00fcck zu berichten. Anhand von Marktanalysen ermittelte Roland Essel vom nova-Institut, dass allein in Deutschland etwa 500 Tonnen Mikropartikel in kosmetischen Produkten eingesetzt werden. Unklar bleibt bisher die Frage, wie viele Mikropartikel aus anderen Anwendungen in die Umwelt gelangen.<\/p>\n<p>Fest steht, dass Mikropartikel aus Kunststoff in die Nahrungskette gelangen und bereits in Bier und Honig aufzufinden sind. Lisbeth Van Cauwenberghe von der Universit\u00e4t Gent verwies darauf, dass in einer Portion Miesmuscheln etwa 90 Mikropartikel enthalten sind. Belgier, die Top-Konsumenten von Meeresfr\u00fcchten in Europa, nehmen demzufolge bis zu 11.000 Mikropartikel pro Kopf und Jahr zu sich. M\u00f6gliche indirekte Wirkungen k\u00f6nnen zudem durch den Co-Transport von Schadstoffen durch Mikropartikel hervorgerufen werden.<\/p>\n<h3>\u00a0Sind Biopolymere eine L\u00f6sung?<\/h3>\n<p>Hersteller kosmetischer Produkte k\u00f6nnen auf langlebige Mikropartikel aus konventionellen Kunststoffen verzichten oder diese durch andere Materialien ersetzen. Neben nat\u00fcrlichen Abrasiva aus Aprikosenkernen, Mineralien oder Bienen-, Karnauba- und Reiswachsen, die Sebastian P\u00f6rschke von Fraunhofer UMSICHT erforscht, k\u00f6nnen bio-basierte und biologisch abbaubare Polymere eine neue Option sein. Eine wichtige Motivation f\u00fcr die Umstellung von petrochemischen zu bio-basierten Kunststoffen k\u00f6nnte f\u00fcr die Industrie dadurch gegeben sein, dass die vorhandene Prozesstechnik und das Produktdesign bei \u00e4hnlichen Produkteigenschaften nur geringf\u00fcgig ge\u00e4ndert werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Casein, das aus tierischen Proteinen hergestellt wird, bietet laut Leonie V\u00f6lsgen von QMilch als Biopolymer viele Eigenschaften, die f\u00fcr den Einsatz in der Kosmetikindustrie sprechen. Mikropartikel aus Cellulose, wie sie Christina Sachs von J. Rettenmaier &amp; S\u00f6hne vorstellte, sind ebenfalls schon jetzt am Markt verf\u00fcgbar. Barbara Walter-Kimmerle von der Firma Metabolix betonte, dass Polyhydroxyalkanoate (PHA) als nat\u00fcrliche Thermoplaste, die von Bakterien und anderen Lebewesen als Energiespeicher verwendet werden, unter praktisch allen Umweltbedingungen schnell abbauen. PHAs sind sogar als Bindemittel f\u00fcr Tierfutter zugelassen und zeigen positive Effekte auf die Tiergesundheit.<\/p>\n<p>Bruno de Wilde (OWS Gent, Belgien) machte deutlich, dass sich der biologische Abbau von Biopolymeren bereits bei der blo\u00dfen Fragmentierung petrochemischer Kunststoffe unterscheidet. Biologisch abbaubare, bio-basierte Kunststoffe k\u00f6nnen von Bakterien und Pilzen durch Assimilation und Mineralisierung in CO<sub>2<\/sub> (aerobisch Abbau), CH<sub>4<\/sub> (anaerobisch Abbau) und Biomasse umgewandelt werden. Konventionelle Kunststoffe werden dagegen nur in immer kleinere Fragmente zersetzt und nicht biologisch abgebaut.<\/p>\n<p>Das \u00fcberzeugte selbst Kritiker, die biologisch abbaubaren bio-basierten Kunststoffen zun\u00e4chst kritisch gegen\u00fcber standen, da diese den Verbraucher dazu verleiten k\u00f6nnten, mehr Kunststoffprodukte in der Umwelt zu entsorgen. Der Kongress zeigte aber, dass es etliche Anwendungsbereiche f\u00fcr Kunststoffe gibt, bei denen eine sachgerechte Entsorgung und Recycling kaum m\u00f6glich sind \u2013 und daher biologisch abbaubare, bio-basierte Kunststoffe in solchen F\u00e4llen eine durchaus interessante L\u00f6sung darstellen.<\/p>\n<h3><b>\u00a0<\/b>Welche zuk\u00fcnftigen Entwicklungen sind zu erwarten?<\/h3>\n<p>Einig waren sich die Referenten und Teilnehmer des Kongresses dar\u00fcber, dass Mikroplastik in kosmetischen Anwendungen und K\u00f6rperpflege ein \u00fcberfl\u00fcssiges Umweltproblem darstellt, da zahlreiche Alternativen f\u00fcr herk\u00f6mmliche Kunststoffpartikel aus Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) vorhanden sind. Daher \u00fcberrascht es nicht, dass Dr. Michael Meyberg (Beiersdorf AG) als Sprecher f\u00fcr den Industrieverband K\u00f6rperpflege und Waschmittel (IKW) einen dramatischen R\u00fcckgang von Mikroplastik in Kosmetikprodukten in den kommenden drei Jahren vorhersagt. Nadja Ziebarth vom Bund f\u00fcr Umwelt und Naturschutz (BUND) \u00fcberzeugt das nicht. Sie fordert weiterhin ein Verbot f\u00fcr den Einsatz von Mikroplastik in Kosmetik- und K\u00f6rperpflegeprodukten, das gegen\u00fcber den freiwilligen Selbstverpflichtungen f\u00fcr alle Unternehmen bindend ist und dar\u00fcber hinaus die Entwicklung von innovativen Materialien und Prozessen ausl\u00f6sen kann.<\/p>\n<p>Doch Mikroplastik aus Kosmetik- und K\u00f6rperpflegeprodukten ist nicht die einzige Quelle des Problems. Weitere bedeutende Quellen sind Chemiefasern, die beim Waschvorgang aus Textilien freigesetzt werden, der Reifenabrieb im Stra\u00dfenverkehr und die Fragmentierung von gro\u00dfformatigen Plastikabf\u00e4llen in der Umwelt. Es gen\u00fcgt daher nicht, sich auf L\u00f6sungen in der Kosmetikindustrie zu beschr\u00e4nken. Michael Carus, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des nova-Instituts (H\u00fcrth), fasste den Kongresstag mit seiner abschlie\u00dfenden, lebhaften Podiumsdiskussion zusammen: \u201eWir alle haben heute viel \u00fcber die Problematik und m\u00f6gliche L\u00f6sungen gelernt. Um dem Problem Herr zu werden, brauchen wir bei Verbraucher, Industrie und Politik eine bessere Wahrnehmung, mehr Information, mehr Verantwortung in der gesamten Prozesskette, optimierte Recyclingkonzepte und bei kritischen Anwendungen auch Verbote petrochemischer Kunststoffe, um Innovationen R\u00fcckenwind zu geben und den Einsatz von biologisch abbaubaren und bio-basierten Kunststoffen und anderen Naturmaterialien voran zu bringen\u201c.<\/p>\n<p><b>Alle Vortr\u00e4ge des Kongresses sind f\u00fcr Teilnehmer frei verf\u00fcgbar und f\u00fcr alle anderen Interessierten f\u00fcr 100 \u20ac erh\u00e4ltlich. Hier geht es zu den Pr\u00e4sentationen: <a href=\"http:\/\/bio-based.eu\/proceedings\/\" target=\"_blank\">http:\/\/bio-based.eu\/proceedings\/<\/a><\/b><\/p>\n<p><b>Kontakt:\u00a0<\/b>Linda Engel +49 (0)2233 4814 58, E-Mail: <a href=\"mailto:linda.engel@nova-institut.de\" target=\"_blank\">linda.engel@nova-institut.de<\/a><\/p>\n<p>Die Konferenz \u201eMikroplastik in der Umwelt &#8211; Quellen, Folgen und L\u00f6sungen\u201c ist eine Veranstaltung der nova-Institut GmbH. S\u00e4mtliche freigegebenen Pr\u00e4sentationen der Konferenz stehen ab sofort zur Verf\u00fcgung \u2013 kostenfrei f\u00fcr Teilnehmer und f\u00fcr 100 \u20ac f\u00fcr alle Interessierten, die nicht dabei sein konnten. Weitere Informationen finden Sie unter <a href=\"http:\/\/www.bio-based.eu\/mikroplastik\">www.bio-based.eu\/mikroplastik<\/a>.<\/p>\n<p><b>Verantwortlicher im Sinne des Presserechts (V.i.S.d.P.):<\/b><br \/>\nDipl.-Phys. Michael Carus (Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer)<\/p>\n<p>nova-Institut GmbH, Chemiepark Knapsack, Industriestra\u00dfe 300, 50354 H\u00fcrth<\/p>\n<p>Internet: <a href=\"http:\/\/www.nova-institut.de\">www.nova-institut.de<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.bio-based.eu\">www.bio-based.eu<\/a><\/p>\n<p>Email: <a href=\"mailto:contact@nova-institut.de\">contact@nova-institut.de<\/a><\/p>\n<p>Tel: +49 (0) 22 33-48 14 40<\/p>\n<p>Das nova-Institut wurde 1994 als privates und unabh\u00e4ngiges Institut gegr\u00fcndet und ist im Bereich der Forschung und Beratung t\u00e4tig. Der Fokus liegt auf der bio-basierten und der CO<sub>2<\/sub>-basierten \u00d6konomie in den Bereichen Rohstoffversorgung, technisch-\u00f6konomische Evaluierung, Marktforschung, \u00d6kobilanzen (LCA), \u00d6ffentlichkeitsarbeit, B2B\u2013Kommunikation und politischen Rahmenbedingungen. Mit einem Team von mehr als 20 Mitarbeitern erzielt das nova-Institut einen j\u00e4hrlichen Umsatz von \u00fcber 2 Mio. \u20ac.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/14-07-21_PM_Mikroplastik_in_der_Umwelt_nova.pdf\">14-07-21_PM_Mikroplastik_in_der_Umwelt_nova<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 1. Juli 2014 trafen sich im Maternushaus K\u00f6ln erstmals \u00fcber 100 Vertreter aus Industrie, Wissenschaft, Politik und Verb\u00e4nden, um sich dem Thema Mikroplastik in der Umwelt zu widmen. Das nova-Institut hatte dazu eingeladen, Quellen und Folgen von Mikroplastik zu diskutieren und L\u00f6sungen f\u00fcr die Problematik aufzuzeigen. 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