{"id":21359,"date":"2014-07-09T03:00:53","date_gmt":"2014-07-09T01:00:53","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=21359"},"modified":"2014-07-09T10:09:27","modified_gmt":"2014-07-09T08:09:27","slug":"bfn-legt-ersten-grunland-report-vor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/bfn-legt-ersten-grunland-report-vor\/","title":{"rendered":"BfN legt ersten Gr\u00fcnland-Report vor"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li><strong>\u00a0Gr\u00fcnland nimmt weiter stark ab \u2013 Artenr\u00fcckgang setzt sich fort<\/strong><\/li>\n<li><strong>Fl\u00e4chendeckende Gr\u00fcnlanderhaltung gefordert<\/strong><\/li>\n<li><strong>Naturschutzleistungen durch Beweidung und Wandersch\u00e4fer besser honorieren<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Berlin\/Bonn, 2. Juli 2014: In den Jahren 2009 bis 2013 hat das Gr\u00fcnland mit hohem Naturwert einen besorgniserregenden fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfigen Verlust erlitten. Es ging bundesweit um 7,4 Prozent (82.000 Hektar) durch Intensivierung der Nutzung oder Umbruch zur\u00fcck.<\/strong><\/p>\n<p>&#8220;Diese drastische Abnahme ist f\u00fcr den Naturschutz kritisch. Sie zeigt, dass die bisherigen Ma\u00dfnahmen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft und insbesondere des artenreichen Gr\u00fcnlands nicht die beabsichtigte Wirkung hatten&#8221;, sagte Prof. Beate Jessel, Pr\u00e4sidentin des Bundesamtes f\u00fcr Naturschutz (BfN) bei der Pr\u00e4sentation des ersten &#8220;Gr\u00fcnland-Reports&#8221;.<\/p>\n<p>Anlass zur Sorge gibt dabei nicht nur der quantitative R\u00fcckgang des Gr\u00fcnlands, sondern auch die qualitative Verschlechterung: Durch Intensivierung der Landwirtschaft nehmen Intensivwiesen und M\u00e4hweiden gegen\u00fcber biologisch vielf\u00e4ltigeren Gr\u00fcnlandfl\u00e4chen immer h\u00f6heren Fl\u00e4chenanteile ein. &#8220;Wenn wir den R\u00fcckgang des Gr\u00fcnlandes und den damit verbundenen Verlust von Pflanzen- und Tierarten aufhalten wollen, dann brauchen wir eine nationale Gr\u00fcnlandstrategie mit einem fl\u00e4chendeckenden Gr\u00fcnlanderhaltungsgebot in Deutschland und ein Umschwenken in der Agrarf\u00f6rderpolitik. Nachdem auf EU-Ebene die Weichen gestellt sind, sind hier jetzt vor allem die Bundesl\u00e4nder bei der laufenden Ausgestaltung ihrer Agrarumweltprogramme gefordert&#8221;, so Beate Jessel.<\/p>\n<p>Nach Ansicht des BfN sollte insbesondere in FFH- und Vogelschutzgebieten sowie in weiteren sensiblen Gebieten (z.B. kohlenstoffreiche und erosionsgef\u00e4hrdete Gebiete) das Gr\u00fcnland unter strengen Schutz gestellt und eine Gr\u00fcnlandumwandlung bundesweit untersagt werden. Vor allem in Flussauen und auf Moorb\u00f6den sollte ein generelles Gr\u00fcnlandumbruchverbot gelten. Bestehende Ackernutzungen in solchen Gebieten sind schrittweise in Dauergr\u00fcnlandnutzung zu \u00fcberf\u00fchren. Ebenso setzt sich das BfN f\u00fcr eine bessere F\u00f6rderung von Wandersch\u00e4fereien ein, um extensive Gr\u00fcnlandtypen wie Wacholderheiden, die von einer Beweidung abh\u00e4ngig sind, zu erhalten.<\/p>\n<p>Denn Gr\u00fcnland hat vielf\u00e4ltige Bedeutung f\u00fcr Erholung und Landschaftsbild, den Erhalt der biologischen Vielfalt und den Naturhaushalt (z.B. Bodenschutz). Vielfach unbekannt sind die positiven Wirkungen des Gr\u00fcnlandes f\u00fcr den Schutz des Klimas. Es wirkt f\u00fcr den Klimaschutz in zweierlei Weise.<\/p>\n<p>Zum einen hat Gr\u00fcnland eine bedeutende R\u00fcckhaltefunktion f\u00fcr Kohlenstoff. So werden in nur zehn Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfl\u00e4che (vorwiegend Gr\u00fcnland) mehr als 35 Prozent der gesamten Kohlenstoffvorr\u00e4te landwirtschaftlicher B\u00f6den in Deutschland gespeichert. Andererseits hat Gr\u00fcnland auch eine CO<sub>2<\/sub>-Senkenfunktion inne. Bei einer Neuanlage von Gr\u00fcnland wird zwar wieder Kohlenstoff im Boden gebunden, jedoch ist die Festsetzungsrate im Boden nur etwa halb so gro\u00df wie die Freisetzungsrate bei Umbruch. &#8220;Die Neuanlage einer gleich gro\u00dfen Fl\u00e4che als Ausgleich f\u00fcr einen Gr\u00fcnlandumbruch stellt aus Klima- wie Naturschutzgesichtspunkten somit keine ausreichende Option dar. Vielmehr m\u00fcssen wir unsere Anstrengungen auf den Erhalt der bestehenden Gr\u00fcnlandstandorte konzentrieren&#8221;, fordert BfN-Pr\u00e4sidentin Jessel.<\/p>\n<p>Dem BfN zufolge m\u00fcssen durch die gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU insbesondere &#8220;dunkelgr\u00fcne&#8221; Agrarumweltma\u00dfnahmen (AUM), die einen echten Mehrwert f\u00fcr die biologische Vielfalt haben, von den Bundesl\u00e4ndern gef\u00f6rdert und besonders honoriert werden. Um dabei hochwertiges Gr\u00fcnland zu erhalten, sollten staatliche Zahlungen auch st\u00e4rker an positive Wirkungen f\u00fcr das Gr\u00fcnland mit hohem Naturwert gekoppelt werden. Die AUM-F\u00f6rderung sollte au\u00dferdem die Erhaltung und Entwicklung von Saumstrukturen beinhalten, die f\u00fcr den Erhalt der biologischen Vielfalt von sehr gro\u00dfer Bedeutung ist.<\/p>\n<p>Weitere Informationen<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.bfn.de\/0405_hintergrundinfo.html\" target=\"_blank\">www.bfn.de\/0405_hintergrundinfo.html<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h3>Hintergrund Gr\u00fcnland<\/h3>\n<p>Zum Gr\u00fcnland geh\u00f6ren ged\u00fcngte und unged\u00fcngte Wiesen und Weiden zur Futtergewinnung, aber auch M\u00e4hwiesen zur Biomasse und Einstreugewinnung, sowie Naturschutzfl\u00e4chen wie Feuchtgr\u00fcnland, Magerrasen und Streuobstwiesen. \u00dcber ein Drittel aller heimischen Farn- und Bl\u00fctenpflanzen haben ihr Hauptvorkommen im Gr\u00fcnland (1.250 von 2.997 bzgl. Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Vegetationseinheit und der Gef\u00e4hrdung bewerteten Arten).<\/p>\n<p>Von den in Deutschland gef\u00e4hrdeten Arten der Farn- und Bl\u00fctenpflanzen haben sogar rund 40% (das entspricht 822 Arten) ihr Hauptvorkommen im Gr\u00fcnland. Die meisten Vogelarten, die auf Wiesen und Weiden br\u00fcten, gehen wegen der hohen Intensit\u00e4t der landwirtschaftlichen Nutzung deutlich im Bestand zur\u00fcck. Bei den vorwiegend in Feuchtwiesen am Boden br\u00fctenden Arten wie Kiebitz und Uferschnepfe setzen sich die Bestandsverluste seit Jahrzehnten fort: die Best\u00e4nde des Kiebitz sind in den letzten 20 Jahren auf ein Viertel geschrumpft bei der Uferschnepfe haben sie sich halbiert.<\/p>\n<p>Mit dem Gr\u00fcnlandr\u00fcckgang verlieren insbesondere auch die auf ein reiches Bl\u00fcten- und Nektarangebot angewiesenen Insekten wie Bienen und Schmetterlinge ihre Nahrungsgrundlage und ihren Lebensraum. In der aktuellen Roten Liste zeigt sich, dass sich der negative Bestandstrend insbesondere der auf Magerrasen und Trockenrasen vorkommenden Tagfalter-Arten und der in M\u00e4hwiesen, Magerrasen und Heiden vorkommenden Bienen, fortgesetzt hat.<\/p>\n<p>Die Ameisenbl\u00e4ulinge der Feuchtwiesen (z.B. Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbl\u00e4uling, Maculinea nausithous) weisen einen starken R\u00fcckgang auf. Anlass zur Sorge gibt dabei nicht nur der quantitative R\u00fcckgang des Gr\u00fcnlands, der sich allein zwischen 1990 und 2009 auf 875.000 ha belief, sondern auch die qualitative Verschlechterung: Durch Intensivierung der Landwirtschaft nehmen Intensivwiesen und M\u00e4hweiden gegen\u00fcber biologisch vielf\u00e4ltigeren Gr\u00fcnlandfl\u00e4chen immer h\u00f6heren Fl\u00e4chenanteile ein. Im k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichten nationalen Bericht zur FFH-Richtlinie, der den Erhaltungszustand der f\u00fcr den Naturschutz wichtigen Lebensr\u00e4ume bewertet, steht bei den Gr\u00fcnlandlebensr\u00e4umen im kontinentalen und atlantischen Bereich bei keinem einzigen die Ampel auf &#8220;Gr\u00fcn&#8221;, was einen guten Erhaltungszustand bedeutet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Gr\u00fcnland nimmt weiter stark ab \u2013 Artenr\u00fcckgang setzt sich fort Fl\u00e4chendeckende Gr\u00fcnlanderhaltung gefordert Naturschutzleistungen durch Beweidung und Wandersch\u00e4fer besser honorieren Berlin\/Bonn, 2. Juli 2014: In den Jahren 2009 bis 2013 hat das Gr\u00fcnland mit hohem Naturwert einen besorgniserregenden fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfigen Verlust erlitten. 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