{"id":21172,"date":"2014-06-27T03:18:11","date_gmt":"2014-06-27T01:18:11","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=21172"},"modified":"2014-06-26T19:24:02","modified_gmt":"2014-06-26T17:24:02","slug":"industrie-setzt-auf-bioenergie-der-zweiten-generation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/industrie-setzt-auf-bioenergie-der-zweiten-generation\/","title":{"rendered":"Industrie setzt auf Bioenergie der zweiten Generation"},"content":{"rendered":"<p>24.06.2014 &#8211; Vom Hoffnungstr\u00e4ger der Bio\u00f6konomie zum Stiefkind \u2013 fast k\u00f6nnte man der Bioenergie ein tragisches Schicksal unterstellen. Doch w\u00e4hrend die deutsche und europ\u00e4ische Politik versucht, Bioethanol, Biodiesel und Biogas Einhalt zu gebieten, sind weltweit gro\u00dfe Hoffnungen mit der energetischen Nutzung von Biomasse verbunden. Die europ\u00e4ische Industrie engagiert sich dem politischen Gegenwind zum Trotz. Dies zeigte die 22. European Biomass Conference am 23. Juni, zu der rund 900 Experten nach Hamburg kamen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Paolo Frankl ist es keine Frage: Die Bioenergie spielt bei der Rettung des Weltklimas eine entscheidende Rolle. \u201eWenn wir den weltweiten Temperaturanstieg auf zwei Grad begrenzen wollen, ben\u00f6tigen wir einen biobasierten Anteil von 20% bei der weltweiten Nutzung von Biotreibstoffen\u201c, so der Vertreter der Internationalen Energieagentur IEA. In Europa ist man sich da nicht so sicher. Gerade wurden die Beimischungsquoten in der EU gesenkt. Besonders die Produzenten von Biodiesel sind in der Krise. Der Grund: Zweifel an der Nachhaltigkeit, m\u00f6gliche indirekte Landnutzungseffekte, die zu Umweltsch\u00e4den anderswo f\u00fchren sowie Sorgen bez\u00fcglich der Biodiversit\u00e4t.<\/p>\n<h3>Hohe Qualit\u00e4t der Biomasse-Nutzung in Europa<\/h3>\n<p>Und dennoch: \u201eDie Qualit\u00e4t der Biomasse-Nutzung hat in Europa ein sehr hohes Niveau erreicht\u201c, sagte Bernd Krautkremer vom Fraunhofer Institut f\u00fcr Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) in Bad Hersfeld anl\u00e4sslich der Er\u00f6ffnung der &#8220;22. European Biomass Conference&#8221; am 23. Juni in Hamburg. Er konnte sich dabei der Zustimmung der 900 internationalen Teilnehmer sicher sein. \u201eDie Konzepte sind mittlerweile so reif, dass sich auch die Industrie engagiert\u201c, so Krautkremer weiter. Nicht von allen h\u00e4tte man das gedacht, wie dem Traditionsunternehmen Viessmann GmbH aus Allendorf in Nordhessen beispielsweise. Das 1917 gegr\u00fcndete Familienunternehmen mit 11.000 Mitarbeitern und 2 Mrd. Euro Umsatz engagiert sich in der Bioenergie. Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Thomas Krause zeigte in Hamburg auf, wie die energetische Biomassenutzung sein Unternehmen ver\u00e4ndert hat: &#8220;Wir verkaufen heute keine Produkte mehr, sondern Systeme.&#8221; Daf\u00fcr ber\u00e4t und betreut Viessmann unter anderem Bioenergied\u00f6rfer \u2013 regionale Zusammenschl\u00fcsse von Haushalten, die ihren Strom- und W\u00e4rmebedarf vor allem mit Biomasse decken. Rund 100 Bioenergied\u00f6rfer gibt es bereits in Deutschland, 14 befinden sich in der Entwicklung. Viele bedienen sich der Viessmannschen Technologie. Und die Firma ist nicht die Einzige. Deutsche Unternehmen gelten als Technologief\u00fchrer.<\/p>\n<h3>Im Fokus: bessere Speicherf\u00e4higkeit<\/h3>\n<p>Auch der schwedische Energieversorger Vattenfall setzt auf Bioenergie \u2013 allerdings mit Augenma\u00df. &#8220;Ein weiterer Ausbau der Biostromerzeugung ist nicht wahrscheinlich, es geht jetzt um andere Dinge\u201c, so Jan Grundmann, Leiter von Vattenfall Europe New Energy. Derzeit seien Kapazit\u00e4ten mit einer Leistung von rund 1,5 Terawatt in Deutschland installiert. Die Bundesregierung deckelt den Ausbau. Daher gehe es jetzt darum, die St\u00e4rken der Biomasse zu nutzen: vor allem ihre Speicherf\u00e4higkeit. Damit k\u00f6nnen Leistungsschwankungen ausgeglichen werden, die durch die schwankende Wind- und Sonnenenergie entstehen. Daher werden derzeit bestehende Biostrom-Anlagen so verbessert, dass sie flexibel und m\u00f6glichst schnell angefahren k\u00f6nnen, wenn Wind und Sonne schw\u00e4cheln. &#8220;Die Anlagen m\u00fcssen innerhalb k\u00fcrzester Zeit anspringen&#8221;, so Grundmann. Dabei gehe es um Sekunden.<\/p>\n<h3>Anlagen der zweiten Generation im Vormarsch<\/h3>\n<p>Auch au\u00dferhalb Deutschlands wird an der energetischen Nutzung von Biomasse gearbeitet. Im norditalienischen Crescentino wurde im vergangenen Jahr eine Demonstrationsanlage zur Herstellung von Bioethanol mit einer Jahreskapazit\u00e4t von 50.000 Tonnen in Betrieb genommen. Das ist das F\u00fcnfzigfache der Produktionsleistung der Bioethanol-Pilotanlage im bayrischen Straubing, die Clariant betreibt. Die Gesamtinvestition betr\u00e4gt 150 Mio. Euro, rund 5 Mio. Euro hat die EU beigesteuert. Dazu haben sich eine Reihe europ\u00e4ischer Unternehmen zusammengeschlossen. Darunter zwei italienische Unternehmen: BioChemtex als Ingenieurdienstleister und Betarenewables als Technologielieferant . Hinzu kommt die d\u00e4nische Novozymes als Bereitsteller der Enzymtechnik. &#8220;Unsere St\u00e4rke ist die schnelle Hydrolyse und Fermentation der Biomasse&#8221;, betonte Dario Giordano von BioChemtex auf der Konferenz in Hamburg. Verarbeitet wird in der Anlage der zweiten Generation vor allem Weizen-, aber auch Reisstroh aus der lokalen italienischen Produktion, Miscanthus-Gras oder Bagasse. Bei einer Energieeffizienz von etwa 85% sei es gelungen, zu Marktpreisen zu produzieren, so Giordano. Ziel sei es nun, weniger der relativ teuren Enzyme \u2013 sie machen etwa 15% der Prozesskosten aus \u2013 einzusetzen beziehungsweise diese effizienter zur\u00fcckzugewinnen. Schon jetzt ist die Anlage f\u00fcr Giordano &#8220;eine einmalige Chance f\u00fcr Europa&#8221;. Die Technologie sei nun reif zur Auslizenzierung. Gerade hat die italienische Regierung bekundet, drei weitere Anlagen zu bauen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>24.06.2014 &#8211; Vom Hoffnungstr\u00e4ger der Bio\u00f6konomie zum Stiefkind \u2013 fast k\u00f6nnte man der Bioenergie ein tragisches Schicksal unterstellen. Doch w\u00e4hrend die deutsche und europ\u00e4ische Politik versucht, Bioethanol, Biodiesel und Biogas Einhalt zu gebieten, sind weltweit gro\u00dfe Hoffnungen mit der energetischen Nutzung von Biomasse verbunden. Die europ\u00e4ische Industrie engagiert sich dem politischen Gegenwind zum Trotz. 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