{"id":20965,"date":"2014-06-13T08:26:54","date_gmt":"2014-06-13T06:26:54","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=20965"},"modified":"2014-06-15T07:46:30","modified_gmt":"2014-06-15T05:46:30","slug":"ein-neuer-blick-auf-eine-zukunftstechnologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/ein-neuer-blick-auf-eine-zukunftstechnologie\/","title":{"rendered":"Ein neuer Blick auf eine Zukunftstechnologie"},"content":{"rendered":"<p><strong>40 Jahre nachdem DECHEMA-Wissenschaftler weitsichtig die gro\u00dfe Bedeutung der Biotechnologie und Gentechnik vorhersagten, unternehmen junge Forscher jetzt wieder den Versuch, das Potential der modernen Biotechnologie f\u00fcr die L\u00f6sung der dr\u00e4ngendsten globalen Probleme einzusch\u00e4tzen. Ihre Ergebnisse stellen sie in der Studie &#8220;Biotechnologie \u2013 Schl\u00fcssel zur Bio\u00f6konomie&#8221; vor.<\/strong><\/p>\n<p>Vor vierzig Jahren \u2013 die ersten Gentechnik-Experimente lagen wenige Monate zur\u00fcck &#8211; machten sich Wissenschaftler f\u00fcr die DECHEMA &#8211; Gesellschaft f\u00fcr Chemische Technik und Biotechnologie e.V. bereits Gedanken, welches Potential in der zuk\u00fcnftigen Biotechnologie stecken k\u00f6nnte. Die M\u00f6glichkeit, fremde Gene in Zellen transferieren zu k\u00f6nnen, bedeutete einen gewaltigen Schub f\u00fcr die biologische Forschung und die Biotechnologie. In der weltweit ersten Studie zu diesem Thema, die im Auftrag des Bundesforschungsministeriums erstellt wurde, benannten sie die M\u00f6glichkeiten und die wichtigsten Herausforderungen f\u00fcr Forschung und Entwicklung. Ihr klares Pl\u00e4doyer f\u00fcr die F\u00f6rderung dieser Forschung in Deutschland fiel auf fruchtbaren Boden, z.B. beim Aufbau der vier deutschen Genzentren Anfang der 1980er Jahre.<\/p>\n<p>Viel wurde in den letzten vier Jahrzehnten erreicht: Mehr als 200 Biotech-Medikamente haben lebensbedrohende Krankheiten therapierbar gemacht, einige sind sogar heilbar geworden. Auch Pflanzenz\u00fcchtung, Lebensmittel- und industrielle Biotechnologie haben einen beispiellosen Aufschwung erlebt. Sch\u00e4dlingsresistente transgene Nutzpflanzen sind au\u00dferhalb Europas fest etabliert, 2013 addierten sich ihre Anbaufl\u00e4chen weltweit auf 175 Millionen Hektar. In der Lebensmittel- und Chemieindustrie sind gentechnisch ver\u00e4nderte Produktionsorganismen heute unverzichtbar, rekombinante Enzyme dienen zur Herstellung von Lebensmitteln, Feinchemikalien und Alltagsprodukten wie Waschmitteln. Die Biotechnologie ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor geworden, wie schon die Zahlen aus der pharmazeutischen Industrie belegen: 2013 entfielen 71% des Gesamtumsatzes der 10 umsatzst\u00e4rksten Medikamente auf Biotech-Medikamente, 2001 waren es noch 7%. Der Markt f\u00fcr Biotech-Medikamente wuchs seitdem um das 3,5-fache auf heute 163 Mrd. US$.<\/p>\n<p>Trotz dieser beeindruckenden Erfolge sind heute, 40 Jahre sp\u00e4ter, wichtige Aufgaben noch immer ungel\u00f6st, manches Problem hat sich eher noch versch\u00e4rft. Der Kampf gegen viele Krankheiten ist l\u00e4ngst nicht gewonnen \u2013 mit der R\u00fcckkehr gef\u00e4hrlicher Infektionskrankheiten sind sogar R\u00fcckschl\u00e4ge zu verzeichnen. Auch die Versorgung der Menschheit mit Nahrung, Wasser und Rohstoffen unter Bewahrung der nat\u00fcrlichen Ressourcen ist ein zunehmend dr\u00e4ngenderes Problem geworden. Seine L\u00f6sung wird ohne Innovationen und Produkte der Biotechnologie eine Vision bleiben. Die Regierungen in Europa und den USA setzen deshalb auf die Innovationskraft der &#8220;angewandten Biologie&#8221; und haben mit der \u201eBio\u00f6konomie\u201c bereits einen Begriff gepr\u00e4gt, der zugleich Agenda ist.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund nahmen junge Wissenschaftler des DECHEMA-Zukunftsforums Biotechnologie jetzt das Jubil\u00e4um der ersten Studie zum Anlass, den Blick aufs Neue nach vorn zu richten. In ihrer Publikation &#8220;Biotechnologie \u2013 Schl\u00fcssel zur Bio\u00f6konomie&#8221; zeigen sie, welche Chancen sich aus dem gegenw\u00e4rtigen Zusammenwachsen von Biologie und Ingenieurwissenschaften ergeben, um den gro\u00dfen Herausforderungen zu begegnen, wie sie u.a. auch in den Handlungsfeldern der &#8220;Nationalen Forschungsstrategie Bio\u00d6konomie 2030&#8221; der Bundesregierung benannt sind.<\/p>\n<p>Die Autoren stellen fest, dass eine neue Phase der Biotechnologie begonnen hat, die viele Innovationen hervorbringen wird. Neue Technologien erm\u00f6glichen es immer besser, biologische Systeme quantitativ zu erfassen, zu verstehen und zu modellieren. Zugleich reifen Methoden heran, um ganze Genome gezielt zu ver\u00e4ndern, umzubauen und sogar komplett zu synthetisieren. Damit ist das rationale, zweckgerichtete Design von Zellen m\u00f6glich geworden. Es verspricht vision\u00e4re L\u00f6sungen: Biotech-Pflanzen, die auch auf minderwertigen oder trockenen B\u00f6den wertvolle Rohstoffe produzieren, \u201eMikrobielle Chemiefabriken\u201c, die Holz als Nahrungsquelle nutzen, um daraus Chemikalien herzustellen, Algen, die mit der Energie des Sonnenlichts Kohlendioxid und Wasser direkt in Kraftstoffe umwandeln, oder Bakterien, die elektrische Energie dazu nutzen. Diese Designer-Organismen k\u00f6nnten helfen, den Kraftstoffbedarf ressourcenschonend zu decken, ohne wertvolle landwirtschaftliche Fl\u00e4chen zu beanspruchen. N\u00fctzlich werden auch neu konstruierte Mikroorganismen werden, die aus rohstoffarmen Erzen und Recyclinglaugen seltene Metalle gewinnen oder Umweltbelastungen mindern. Das Potential dieser \u201eSynthetischen Biologie\u201c ist kaum absch\u00e4tzbar &#8211; insbesondere in der Medizin, wo es um die M\u00f6glichkeiten von Gentherapie und Stammzellforschung erweitert werden wird.<\/p>\n<p>Alle diese Projekte bedeuten auch f\u00fcr die n\u00e4chsten 40 Jahre gro\u00dfe gemeinsame Anstrengungen, viel Forschungsarbeit und (hoffentlich) viele Erfolge.<\/p>\n<p>Die Studie &#8220;Biotechnologie \u2013 Schl\u00fcssel zur Bio\u00f6konomie&#8221; wird am 11. Juni 2014 in Berlin vorstellt werden und ist auch online verf\u00fcgbar unter <a href=\"http:\/\/biotech.dechema.de\/Publikationen\">http:\/\/biotech.dechema.de\/publikationen<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>40 Jahre nachdem DECHEMA-Wissenschaftler weitsichtig die gro\u00dfe Bedeutung der Biotechnologie und Gentechnik vorhersagten, unternehmen junge Forscher jetzt wieder den Versuch, das Potential der modernen Biotechnologie f\u00fcr die L\u00f6sung der dr\u00e4ngendsten globalen Probleme einzusch\u00e4tzen. Ihre Ergebnisse stellen sie in der Studie &#8220;Biotechnologie \u2013 Schl\u00fcssel zur Bio\u00f6konomie&#8221; vor. 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