{"id":20941,"date":"2014-06-16T02:59:36","date_gmt":"2014-06-16T00:59:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umsicht.fraunhofer.de\/de\/presse-medien\/2014\/140612-mikroplastik.html"},"modified":"2014-06-13T07:59:38","modified_gmt":"2014-06-13T05:59:38","slug":"biowachspartikel-als-alternative-zu-mikroplastik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biowachspartikel-als-alternative-zu-mikroplastik\/","title":{"rendered":"Biowachspartikel als Alternative zu Mikroplastik"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mikroplastik ist im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Abrasionspartikel in der Zahnpasta sind nur ein Beispiel f\u00fcr die unterschiedlichsten Anwendungen von Mikroplastik in der Kosmetikindustrie. Doch das Material steht seit einiger Zeit in der Kritik, da es sich in der Umwelt ansammelt und h\u00e4ufig Schadstoffe aufnimmt, die \u00fcber Umwege auch in den menschlichen K\u00f6rper gelangen k\u00f6nnen. Laut IKW, dem Industrieverband K\u00f6rperpflege- und Waschmittel e. V., m\u00f6chte die Kosmetikindustrie schon in naher Zukunft auf den Einsatz von Mikroplastik verzichten. Fraunhofer UMSICHT stellt mit einem innovativen Verfahren marktf\u00e4hige Alternativen her, die Oberhausener Forscher setzen dabei auf nat\u00fcrliche Materialien.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_20946\" aria-describedby=\"caption-attachment-20946\" style=\"width: 288px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-20946  \" alt=\"Der Weg von prim\u00e4rem und sekund\u00e4rem Mikroplastik in unserer Nahrungskette.\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/umsicht-biowachspartikel-gross.jpg\" width=\"288\" height=\"242\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2014\/06\/umsicht-biowachspartikel-gross.jpg 1000w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2014\/06\/umsicht-biowachspartikel-gross-300x251.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 288px) 100vw, 288px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-20946\" class=\"wp-caption-text\">Der Weg von prim\u00e4rem und sekund\u00e4rem Mikroplastik in unserer Nahrungskette.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Als Mikroplastik werden kleine Plastikteilchen bezeichnet, die zwischen f\u00fcnf Mikrometer und maximal f\u00fcnf Millimeter gro\u00df sind. Sie begegnen uns in unserem t\u00e4glichen Leben in den verschiedensten Kosmetikprodukten \u2013 vom Duschgel \u00fcber Gesichtscreme bis zur Zahnpasta. Dabei werden die Gefahren, die von Mikroplastik ausgehen, seit l\u00e4ngerem diskutiert: \u00dcber das Abwasser gelangt es in die Umwelt, wo sich an den Teilchen Schadstoffe, etwa Insektizide wie beispielsweise Dichlordiphenyltrichlorethan DDT, anlagern. Wird das Mikroplastik von Muscheln, Krebsen und anderen Meeresbewohnern gefressen, werden die Schadstoffe vom Tier aufgenommen, wo sie Entz\u00fcndungen und Krankheiten hervorrufen k\u00f6nnen. Letztlich geraten die Schadstoffe so auch wieder in unsere Nahrungskette. Mikroplastik wurde schon in Honig, Trinkwasser und Bier nachgewiesen.<\/p>\n<h3>Mikroplastik in Kosmetik muss nicht sein<\/h3>\n<p>Mikroplastik gelangt auf zwei Wegen in die Umwelt: Zum einen zerfallen gr\u00f6\u00dfere Plastikgegenst\u00e4nde wie T\u00fcten oder Flaschen durch Sonneneinstrahlung und mechanische Einwirkungen. Das Mikroplastik entsteht also erst mit der Zeit, weswegen es auch als \u00bbsekund\u00e4res Mikroplastik\u00ab bezeichnet wird. Eine andere Quelle sind Produkte, in denen von vornherein Mikroplastik enthalten ist. Hier spricht man von \u00bbprim\u00e4rem Mikroplastik\u00ab. Die f\u00fcr den Peeling-Effekt in Zahnpasta, Duschgels etc. verwendeten Kleinst-Plastikpartikel aus Polyethylen PE oder Polypropylen PP werden \u00fcber das Abwasser in die Meere gesp\u00fclt, da sie in Kl\u00e4ranlagen nur schwer herausgefiltert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_20950\" aria-describedby=\"caption-attachment-20950\" style=\"width: 285px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-20950     \" alt=\"Beispiele f\u00fcr unterschiedliche PGSS-Partikel und Partikel-Systeme.\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/diverse-partikel-gross.jpg\" width=\"285\" height=\"244\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2014\/06\/diverse-partikel-gross.jpg 1500w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2014\/06\/diverse-partikel-gross-300x257.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2014\/06\/diverse-partikel-gross-1024x879.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 285px) 100vw, 285px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-20950\" class=\"wp-caption-text\">Beispiele f\u00fcr unterschiedliche PGSS-Partikel und Partikel-Systeme.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Gegen Mikroplastik, das bei der Zersetzung von gr\u00f6\u00dferen Kunststoffteilen entsteht, kann zum jetzigen Zeitpunkt nur wenig unternommen werden. \u00bbMikroplastik in Kosmetikprodukten muss jedoch nicht sein\u00ab, so der Wissenschaftler Dr. Sebastian P\u00f6rschke, der bei Fraunhofer UMSICHT zum Thema Biowachspulver und dessen Anwendungsm\u00f6glichkeiten forscht, und f\u00fcgt hinzu: \u00bbHier k\u00f6nnten auch alternative Werkstoffe eingesetzt werden. Sand und Nussschalen zum Beispiel oder Salze. Sand und Nussschalen wirken jedoch sehr abrasiv in den Verarbeitungsanlagen und lassen diese schnell verschlei\u00dfen; und Salze sind wasserl\u00f6slich, weshalb sie nicht f\u00fcr alle Produkte geeignet sind.\u00ab<\/p>\n<p>An einer besonders vielversprechenden Alternative auf Basis von Biowachsen wird zurzeit bei Fraunhofer UMSICHT gearbeitet. Bienenwachs, Karnaubawachs oder Candelillawachs sind nachwachsende Rohstoffe und \u2013 im Gegensatz zu Kunststoffen und Biokunststoffen \u2013 in Wasser relativ schnell biologisch abbaubar. Wir nehmen solche Wachse \u00fcbrigens als Bestandteil vieler Lebensmittel, beispielsweise in Form von \u00dcberz\u00fcgen von S\u00fc\u00dfigkeiten, nahezu t\u00e4glich auf.<\/p>\n<h3>Biowachspartikel nach Kundenwunsch<\/h3>\n<p>Fraunhofer UMSICHT kann mit der vorhandenen Verfahrenstechnik sowohl kaltgemahlene Biowachspulver als auch Pulver mit einem Hochdruckverfahren (PGSS, Particles from Gas Saturated Solutions) herstellen. Die kaltgemahlenen Partikel entsprechen in Gr\u00f6\u00dfe und Form dem klassischen Mikroplastik. Es handelt sich um kubisch gebrochene Partikelformen, also kompakte Partikel mit geschlossenen Oberfl\u00e4chen.<\/p>\n<p>Die Untersuchung von unterschiedlichen Kosmetikprodukten hat ergeben, dass das enthaltene Mikroplastik h\u00e4ufig eine Partikelgr\u00f6\u00dfe von etwa 100 bis 500 Mikrometer aufweist. F\u00fcr die Herstellung dieser Partikelgr\u00f6\u00dfe eignet sich auch das Hochdruckverfahren. Das Wachs wird aufgeschmolzen und mit \u00fcberkritischem Kohlenstoffdioxid bei hohen Dr\u00fccken vermischt. Fraunhofer UMSICHT verwendet Kohlenstoffdioxid, das als Abgas bei der D\u00fcngemittelherstellung entsteht. Anstatt direkt in die Atmosph\u00e4re zu gelangen, wird das Abgas auf diese Weise noch einmal sinnvoll genutzt. Die Mischung wird anschlie\u00dfend durch eine D\u00fcse auf Umgebungsdruck entspannt, wobei das Wachspulver entsteht \u2013 bei Fraunhofer UMSICHT bis zu 300 kg Pulver pro Stunde. Im Gegensatz zum bisher g\u00e4ngigen Mahlverfahren k\u00f6nnen so speziell konfektionierte Partikel produziert werden. \u00bbJe nach Kundenwunsch sind Kugeln, por\u00f6se Partikel, Mikroschw\u00e4mmchen oder unterschiedliche Fasern m\u00f6glich, um nur einige Beispiele zu nennen\u00ab, erkl\u00e4rt P\u00f6rschke.<\/p>\n<p>Zurzeit wird in Oberhausen an weiteren Biowachsen wie Beerenwachs, Reiswachs oder auch Sonnenblumenwachs geforscht. Man ist sich einig, mit den pulverisierten Biowachsen zur L\u00f6sung des Mikroplastik-Problems beitragen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_20953\" aria-describedby=\"caption-attachment-20953\" style=\"width: 570px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-20953 \" alt=\"Mikroplastik aus Peeling-Produkten (li.) und gemahlenes Karnaubawachs (re.) haben \u00e4hnliche Eigenschaften.\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/kahlwax-und-probe-gross.jpg\" width=\"570\" height=\"259\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2014\/06\/kahlwax-und-probe-gross.jpg 1979w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2014\/06\/kahlwax-und-probe-gross-300x136.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2014\/06\/kahlwax-und-probe-gross-1024x465.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 570px) 100vw, 570px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-20953\" class=\"wp-caption-text\">Mikroplastik aus Peeling-Produkten (li.) und gemahlenes Karnaubawachs (re.) haben \u00e4hnliche Eigenschaften.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Biowachspartikel, die mit dem Hochdruckverfahren hergestellt werden, sind nicht nur auf ihre abrasive Wirkung beschr\u00e4nkt, sondern k\u00f6nnten mit einer zus\u00e4tzlichen Funktion ausgestattet werden. P\u00f6rschke: \u00bbMikroschw\u00e4mme etwa k\u00f6nnten neben ihrer Peeling-Eigenschaft zus\u00e4tzlich auch als Transportpartikel f\u00fcr fl\u00fcssige Wirkstoffe dienen.\u00ab Denkbar sind auch Partikel, in denen eine Fl\u00fcssigkeit oder ein Feststoff verkapselt sind, die bei Gebrauch gezielt freigesetzt werden.<\/p>\n<p>Die Diskussion um das Thema Mikroplastik und seine vielversprechenden Alternativen bleibt spannend.<\/p>\n<h3>\u00a0Weitere Informationen:<\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0269749113004387\">Mikroplastik in der Tiefsee (engl.)<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S0269749113001140\">K\u00f6rperliche Auswirkungen von Mikroplastik auf marine Organismen (engl.)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mikroplastik ist im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. 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