{"id":20882,"date":"2014-06-11T03:06:49","date_gmt":"2014-06-11T01:06:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.innovations-report.de\/html\/berichte\/studien-analysen\/eu-agrarreform-wird-artenvielfalt-nicht-ausreichend-schuetzen.html"},"modified":"2014-06-10T08:27:17","modified_gmt":"2014-06-10T06:27:17","slug":"eu-agrarreform-wird-artenvielfalt-nicht-ausreichend-schutzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/eu-agrarreform-wird-artenvielfalt-nicht-ausreichend-schutzen\/","title":{"rendered":"EU-Agrarreform wird Artenvielfalt nicht ausreichend sch\u00fctzen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Leipzig. Die neue Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europ\u00e4ischen Union wird den Schutz der biologischen Vielfalt nicht verbessern, sondern sogar weiter verschlechtern. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Studie unter Leitung des Helmholtz-Zentrums f\u00fcr Umweltforschung (UFZ), die in der aktuellen Ausgabe des renommierten Wissenschaftsmagazins SCIENCE erschienen ist. Die Wissenschaftler hatten dazu die \u00c4nderungen in der Gesetzgebung analysiert sowie mit Daten des Statistischen Amtes der Europ\u00e4ischen Union (Eurostat) verglichen, um herauszufinden, was die reformierte Agrarpolitik tats\u00e4chlich bewirken wird.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_20888\" aria-describedby=\"caption-attachment-20888\" style=\"width: 275px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-20888 \" alt=\"59930_1_Homogeneous-arable-land_Germany_Querfurt-Plate_Andre-Kuenzelmann-UFZ_275px\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/59930_1_Homogeneous-arable-land_Germany_Querfurt-Plate_Andre-Kuenzelmann-UFZ_275px.jpg\" width=\"275\" height=\"207\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-20888\" class=\"wp-caption-text\">Die Ausweitung der landwirtschaftlichen Nutzfl\u00e4che und eine st\u00e4rkere Intensivierung pr\u00e4gen die Landwirtschaft in Westeuropa &#8211; wie hier in der Querfurter Platte.<br \/>Foto: Andr\u00e9 K\u00fcnzelmann\/UFZ<\/figcaption><\/figure>\n<p>Koautoren der Studie stammen von den Universit\u00e4ten Hohenheim und Freiburg sowie aus den USA, Gro\u00dfbritannien, der Schweiz, Ungarn, den Niederlanden, Belgien, Israel und Frankreich.<\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Union hat zwar verschiedenste Gesetze und Richtlinien f\u00fcr den Habitat,- Vogel- oder Wasserschutz erlassen, aber keine davon hat so gro\u00dfen Einfluss auf die \u00d6kosysteme wie die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP). Im Dezember 2013 verabschiedete die EU deren Reform, die f\u00fcr die Jahre 2014 bis 2020 gilt. Mit einem Gesamtbudget von rund 360 Milliarden Euro wirkt sich die GAP auf rund die H\u00e4lfte der Landfl\u00e4che der EU aus und damit auf unz\u00e4hlige Arten, die sich im Laufe der Jahrhunderte an diese Kulturlandschaften angepasst haben.<\/p>\n<h3>Negative Trends halten aus Sicht der Artenvielfalt an<\/h3>\n<figure id=\"attachment_20889\" aria-describedby=\"caption-attachment-20889\" style=\"width: 275px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-20889 \" alt=\"59933_2_Heterogeneous-farming-Southern-Transylvania_Tibor-Hartel_275px\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/59933_2_Heterogeneous-farming-Southern-Transylvania_Tibor-Hartel_275px.jpg\" width=\"275\" height=\"206\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-20889\" class=\"wp-caption-text\">Die Landwirtschaft in Siebenb\u00fcrgen (Rum\u00e4nien) ist noch gr\u00f6\u00dftenteils traditionell aber im Wandel begriffen.<br \/>Foto: Tibor Hartel\/Sapientia Hungarian University of Transylvania, Cluj-Napoca, Romania<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Ausweitung der landwirtschaftlichen Nutzfl\u00e4che und eine st\u00e4rkere Intensivierung pr\u00e4gen die Landwirtschaft in Westeuropa und zunehmend auch in den neuen EU-Mitgliedsstaaten. Parallel dazu sind ein erheblicher Verlust \u00f6kologisch wertvoller Agrarlandschaften und ihrer Artenvielfalt, zum Beispiel bei V\u00f6geln, sowie gleichzeitig ein R\u00fcckgang der Besch\u00e4ftigung in der Landwirtschaft zu verzeichnen. Die EU-Biodiversit\u00e4tsstrategie sieht unter anderem vor, die Fl\u00e4chen, die f\u00fcr Biodiversit\u00e4tsschutzma\u00dfnahmen unter der GAP verwendet werden, zu maximieren. Die Reform der GAP, f\u00fcr die rund 40 Prozent des EU-Haushalts eingeplant sind, sollte daher neben der Lebensmittelsicherheit und der F\u00f6rderung l\u00e4ndlicher Gebiete auch den Klima- und Umweltschutz unterst\u00fctzen. \u201eDie aktuelle GAP-Reform hat jedoch das urspr\u00fcngliche Ziel, 10 Prozent der Agrarfl\u00e4che f\u00fcr den Erhalt der Artenvielfalt und von \u00d6kosystemdienstleistungen vorzuhalten, weiter reduziert und viele Ausnahmeregelungen geschaffen, die zu einem weiteren Verlust wertvoller Kulturlandschaften f\u00fchren werden. Dieser Verlust und die zunehmende Intensivierung machen Agrarlandschaften f\u00fcr viele Arten lebensfeindlich\u201c, stellt Prof. Klaus Henle vom UFZ fest.<\/p>\n<h3>Ziel wird voraussichtlich verfehlt<\/h3>\n<figure id=\"attachment_20890\" aria-describedby=\"caption-attachment-20890\" style=\"width: 275px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-20890 \" alt=\"59934_5_Homogeneous-arable-land_Germany_Querfurt-Plate_Andre-Kuenzelmann-UFZ_275px\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/59934_5_Homogeneous-arable-land_Germany_Querfurt-Plate_Andre-Kuenzelmann-UFZ_275px.jpg\" width=\"275\" height=\"207\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-20890\" class=\"wp-caption-text\">Intensiv genutzte landwirtschaftliche Fl\u00e4che &#8211; wie hier in der Querfurter Platte in Sachsen-Anhalt. Foto: Andr\u00e9 K\u00fcnzelmann\/UFZ<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Studie zieht ein ern\u00fcchterndes Fazit: Die neue Reform der GAP hat wenig Chancen, diese Trends aufzuhalten und wird somit das Ziel einer \u201egr\u00fcneren Landwirtschaft\u201c (\u201eGreening\u201c) verfehlen, wie die Autoren anhand europaweiter Statistiken aufzeigen konnten. Ursache daf\u00fcr sind die vielen Ausnahmeregeln: So unterliegen Betriebe mit einer Fl\u00e4che unter 10 Hektar keinen Regelungen zur Diversifizierung von Fruchtfolgen. Damit entf\u00e4llt f\u00fcr rund 80 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe diese Pflicht. \u00c4hnlich abgeschw\u00e4cht sind die GAP-Ziele f\u00fcr den Erhalt von Dauergr\u00fcnland, die eine weitere Reduktion um 5 Prozent der derzeit vorhandenen Gr\u00fcnlandfl\u00e4che zulassen. Die \u00f6kologischen Vorrangfl\u00e4chen m\u00fcssen nur noch f\u00fcr etwa die H\u00e4lfte der vorhandenen Agrarfl\u00e4chen bereitgestellt werden. \u201eDie EU kommuniziert das \u201eGreening\u201c der GAP bereits als gro\u00dfe Errungenschaft. Doch nur wenn alle Mitgliedsstaaten Umsetzungsstrategien entwickeln, die erheblich \u00fcber die verbindlichen Verpflichtungen hinausgehen, kann ein Greening erreicht werden\u201c, sagt Dr. Guy Pe\u2019er vom UFZ, der Leitautor der SCIENCE-Publikation ist.<\/p>\n<h3>Chancen, das Ruder noch herumzurei\u00dfen<\/h3>\n<p>Die Botschaft der Autoren der Studie ist daher: Die von der EU vorgegebenen Mindestziele werden nicht ausreichen, aber die Mitgliedstaaten haben selbst 2014 immer noch ausreichend Spielraum, um engagiert mehr zu tun, als in der Reform gefordert ist. Im Wissenschaftsjournal SCIENCE empfehlen sie daher den EU-Mitgliedsstaaten mehrere Ma\u00dfnahmen. Dazu geh\u00f6ren unter anderem die Unterst\u00fctzung von kleinen, nachhaltig wirtschaftenden Landwirtschaftsbetrieben aus dem Budget der sogenannten zweiten S\u00e4ule der GAP, die zur F\u00f6rderung l\u00e4ndlicher R\u00e4ume und f\u00fcr Agrarumweltma\u00dfnahmen gedacht ist. Au\u00dferdem schlagen die Forscher vor, in den \u00f6kologischen Vorrangfl\u00e4chen nur noch Kulturen und Bewirtschaftungsmethoden zu f\u00f6rdern, die nachweislich positive Effekte auf die Artenvielfalt haben. Ebenfalls wichtig sei es, den Umbruch von Dauergr\u00fcnland zu verhindern.<\/p>\n<p>Die Umsetzung der Reform wird zeigen, ob Deutschland und die anderen Mitgliedsstaaten ihre Flexibilit\u00e4t nutzen, um \u00fcber das von der EU geforderte Minimum hinauszugehen und nationale Pl\u00e4ne aufzustellen, die die Agrar-Lebensr\u00e4ume und -arten besser sch\u00fctzen. Die Wissenschaftler appellieren, die Spielr\u00e4ume zugunsten der Artenvielfalt zu nutzen, und hoffen, dass die zuk\u00fcnftige EU-Agrarpolitik, \u00fcber die ab 2017 verhandelt werden wird, die \u00f6kologischen Vorrangfl\u00e4chen sp\u00fcrbar erh\u00f6ht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die neue Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europ&auml;ischen Union wird den Schutz der biologischen Vielf&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[5585,4194,228,12258,2012,409,282,1311,6250,100],"class_list":["post-20882","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-european-union","supplier-eurostat","supplier-friends-of-the-earth-europe","supplier-helmholtz-zentrum-fuer-umweltforschung-ufz","supplier-science-magazine","supplier-universitaet-freiburg","supplier-universitaet-hohenheim","supplier-university-of-cambridge-uk","supplier-university-of-kent","supplier-universitaet-wageningen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20882","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20882"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20882\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20882"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20882"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20882"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=20882"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}