{"id":20385,"date":"2014-05-13T03:06:17","date_gmt":"2014-05-13T01:06:17","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=20385"},"modified":"2014-05-12T08:04:34","modified_gmt":"2014-05-12T06:04:34","slug":"phytowelt-wertstoffe-aus-pappeln-holen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/phytowelt-wertstoffe-aus-pappeln-holen\/","title":{"rendered":"Phytowelt: Wertstoffe aus Pappeln holen"},"content":{"rendered":"<p>Die Phytowelt GmbH des Lobberichers Dr. Peter Welters will sich im Gewerbepark Venete ansiedeln. Mit F\u00f6rderung auch durch die EU plant er eine Bioraffinerie-Anlage, die auf nat\u00fcrliche Prozesse setzt. Von Ludger Peters<\/p>\n<p>Die Pappel ist in j\u00fcngerer Vergangenheit regional eher als Streitobjekt aufgefallen. Der Baum ist, gerne in Reih&#8217; und Glied gepflanzt, fester Bestandteil der niederrheinischen Landschaft. Verteidigern des Baumes, dem in einigen Flussniederungen die Abholzung droht, geht es vor allem um die emotionale Bindung. Ihr \u00f6kologischer oder \u00f6konomischer Wert wird bisher weniger gering gesch\u00e4tzt. Das k\u00f6nnte sich bald \u00e4ndern. Der Nettetaler Dr. Peter Welters will sich mit seinem Unternehmen Phytowelt im Gewerbepark Venete ansiedeln.<\/p>\n<p>Ausgerechnet dort steht weit und breit keine Pappel. Hier ist heroisch und mit Erfolg um eine einzelne Eiche gek\u00e4mpft worden, die V\u00e4ter des Gebiets haben durchgesetzt, dass die Stra\u00dfen von Laubb\u00e4umen ges\u00e4umt werden. Nur die Anlage eines k\u00fcnstlichen W\u00e4ldchens &#8211; man spricht demn\u00e4chst euphemistisch bestimmt mal vom &#8220;Venete-Hain&#8221; &#8211; will angesichts erheblicher Bodenprobleme nicht gelingen.<\/p>\n<p>Und nun will die Phytowelt erstaunlicherweise hier die Pappel als Wirtschafts- und Veredlungsgut etablieren. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Welters arbeitet seit mehreren Jahren bereits an dem Projekt. In Venete lie\u00dfe es sich umsetzen, sagt er. Nimmt die Phytowelt alle Genehmigungs- und F\u00f6rderh\u00fcrden, k\u00f6nnte sie im kommenden Jahr eine Bioraffinerie errichten. Skeptiker werden gleich aufhorchen. Raffinerie? Bekommt Kaldenkirchen etwa ein zweites Wesseling, wo sich am Rheinufer chemische Raffinerieanlagen aufreihen? Ganz und gar nicht &#8211; eher das Gegenteil.<\/p>\n<p>Welters forscht mit seinem Unternehmen an Alternativen zur klassischen Chemie, ohne Pflanzen gentechnisch zu ver\u00e4ndern. Denn die Natur liefert Rohstoffe, die fossile Energien wie Erd\u00f6l oder Gas ersetzen. Auf der Basis von Pappelplantagen, die eine besonders kurze Umtriebszeit haben, also schnell wachsen, fu\u00dft das Konzept der geplanten Bio-Raffinerie des Unternehmens Phytowelt. Das Stammholz wird energetisch genutzt, die Rinde und \u00c4ste werden als &#8220;Abfallprodukte&#8221; aufgearbeitet. &#8220;Man kann aus ihnen vielseitig verwendbare Wertstoffe herausl\u00f6sen&#8221;, erkl\u00e4rt Welters. Gelingt es, bestimmte hochwertige Verbindungen aus der Biomasse zu isolieren, k\u00f6nnen sie aufwendige und k\u00fcnstliche Herstellungsprozesse ersetzen oder auch Verbindungen schaffen. Ergebnisse dieser Arbeit lie\u00dfen sich umsetzen f\u00fcr medizinische Zwecke (Grundstoffe f\u00fcr die Pharma-Industrie), in der Ledergerbung (anstelle des Schwermetalls Chrom) oder auch zur industriellen Produktion von Klebstoffen.<\/p>\n<p>Das Unternehmen hat daher auf nat\u00fcrlichem Wege Pappeln gez\u00fcchtet. Sie produzieren ein Viertel mehr Biomasse als ihre Elterngeneration. Die Pappelplantage muss nicht im unmittelbaren Umfeld der Bioraffinerie angelegt werden. &#8220;Die B\u00e4ume k\u00f6nnen auf kontaminierten B\u00f6den ebenso gepflanzt werden wie an Stra\u00dfen oder Deponien&#8221;, sagt Welters. Die Pappeln ziehen den Stickstoff aus dem Boden &#8211; ideal auch zum Wachstum in Wasserschutzgebieten. Das Kernelement ist die Fermentation, die sich augenblicklich in einer Pilotphase befindet. Partner ist das Fraunhofer-Institut f\u00fcr Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (Umsicht) in Oberhausen.<\/p>\n<p>F\u00f6rdermittel verspricht sich Phytowelt aus dem noch recht neuen EU-Rahmenprogramm f\u00fcr Forschung und Innovation &#8220;Horizont 2020&#8221;. Es f\u00fchrt alle forschungs- und innovationsrelevanten F\u00f6rderprogramme der Europ\u00e4ischen Kommission zusammen (www.horizont2020.de). Welters ist sicher, dass er mit der Biotechnologie zukunftstr\u00e4chtige Ziele verfolgt, die in das Agrobusiness-Konzept f\u00fcr Venete passen. An der Umstellung der klassischen Produktionsprozesse f\u00fchre kein Weg vorbei, meint er.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Phytowelt GmbH des Lobberichers Dr. Peter Welters will sich im Gewerbepark Venete ansiedeln. Mit F\u00f6rderung auch durch die EU plant er eine Bioraffinerie-Anlage, die auf nat\u00fcrliche Prozesse setzt. Von Ludger Peters Die Pappel ist in j\u00fcngerer Vergangenheit regional eher als Streitobjekt aufgefallen. 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