{"id":19915,"date":"2014-04-09T03:00:25","date_gmt":"2014-04-09T01:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=19915"},"modified":"2014-04-07T16:13:33","modified_gmt":"2014-04-07T14:13:33","slug":"die-heilende-kraft-der-rhododendren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/die-heilende-kraft-der-rhododendren\/","title":{"rendered":"Jacobs University &#8211; Die heilende Kraft der Rhododendren"},"content":{"rendered":"<p><strong>Rhododendren z\u00e4hlen zu den beliebtesten Pflanzen in einheimischen G\u00e4rten. Bald bl\u00fchen sie wieder. Forscher der Jacobs University in Bremen sind \u00fcberzeugt \u2013 in der Pflanze stecken die Wirkstoffe f\u00fcr ein neues Antibiotikum.<\/strong><\/p>\n<p>Hunde sind an der Leine zu f\u00fchren, die Tierliebhaber nehmen das gerne in Kauf. Denn was sie im Rhododendronpark in Bremen gerade im Fr\u00fchjahr zu sehen und zu riechen bekommen ist von seltener Sch\u00f6nheit. Nahezu 600 Wildarten und \u00fcber 3.000 Z\u00fcchtungen der Pflanze, deren Name &#8220;Rosenbaum&#8221; bedeutet, verwandeln die Landschaft in ein wogendes, pr\u00e4chtiges Farbenmeer.<\/p>\n<p>Nicht nur f\u00fcr Spazierg\u00e4nger ist der Rhododendronpark eine Attraktion. Auch Wissenschaftler der Jacobs University in Bremen zieht die weltweit zweitgr\u00f6\u00dfte Ansammlung genetischer Vielfalt von Rhododendren an. Seit rund zweieinhalb Jahren erforscht ein Team um den Mikrobiologen Matthias Ullrich, ob in den Pflanzen Wirkstoffe f\u00fcr neue Arzneimittel, etwa f\u00fcr Antibiotika oder f\u00fcr die Krebsbehandlung, enthalten sind. Die Zwischenbilanz klingt mehr als ermutigend: &#8220;Wir sind mindestens einer neuartigen Substanz auf der Spur, die einmal als Antibiotikum eingesetzt werde k\u00f6nnte&#8221;, sagt Professor Ullrich.<\/p>\n<p>Schon r\u00f6mische Quellen berichten von der berauschenden Wirkung des Honigs der Pflanze, die urspr\u00fcnglich aus dem Himalaja stammt. Extrakte aus ihren Bl\u00e4ttern und Wurzeln wurden bereits in der traditionellen Medizin in Indien, der T\u00fcrkei oder Indonesien zur Behandlung von Infektionen, zur Senkung von Fieber oder zur Linderung von Unwohlsein eingesetzt. Eine intensive, wissenschaftliche Analyse ihrer Inhaltsstoffe und deren Wirkung gab es jedoch bisher nicht.<\/p>\n<p>Professor Ullrich ist Teil eines f\u00e4cher\u00fcbergreifenden Teams, das gleichzeitig an Proben der Rhododendren arbeitet. Der Genetiker Dirk Albach analysiert die Erbsubstanz und ermittelt, um welche Art es sich genau handelt. Der Naturstoffchemiker Nikolai Kuhnert identifiziert die in den Pflanzen enthaltenen Substanzen. Die Zellbiologin Klaudia Brix untersucht ihre toxischen Eigenschaften und Ullrich selbst testet, wie die Inhaltsstoffe auf Bakterien reagieren.<\/p>\n<p>&#8220;Dass vier Wissenschaftler verschiedener Disziplinen an einem Thema arbeiten, hat Pilotcharakter&#8221;, betont Ullrich \u2013 und f\u00fchrt dies auf die Gegebenheiten der Jacobs University zur\u00fcck. &#8220;Die Verzahnung macht die Universit\u00e4t aus. Wir sind klein, wir unterst\u00fctzen uns, wir arbeiten am Zentrum f\u00fcr Molekulare Lebenswissenschaften unter einem Dach.&#8221;<\/p>\n<p>F\u00fcr seine Untersuchungen ben\u00f6tigt das Quartett lediglich wenige Bl\u00e4tter der Pflanze. Diese werden mit einem M\u00f6rser und mit fl\u00fcssigem Stickstoff zerstampft. Ein gr\u00fcnliches Pulver entsteht, das mithilfe von Methanol konzentriert und weiter untersucht wird. Rund 600 verschiedene Substanzen haben die Forscher so extrahiert, von denen 120 genauer analysiert wurden.<\/p>\n<p>&#8220;Mehrere haben eine klare antibakterielle Wirkung&#8221;, sagt Ullrich. Die Substanzen werden dabei auch auf ihre Unsch\u00e4dlichkeit f\u00fcr menschliche Zellen getestet. Die Hoffnung, es m\u00f6ge ein Wirkstoff dabei sein, der die Zellteilung hemmt und somit als Krebsmittel dienen k\u00f6nnte, hat sich bislang jedoch noch nicht erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Im Zentrum der Forschung steht ohnehin die Suche nach einem neuen pflanzlichen Antibiotikum. Der Bedarf f\u00fcr derartige Medikamente ist enorm. Immer mehr Keime entwickeln Resistenzen gegen die alten Mittel, insbesondere in Krankenh\u00e4usern. &#8220;Das ist ein Riesenproblem&#8221;, sagt Ullrich.<\/p>\n<p>Bis zur klinischen Erprobung neuer Medikamente auf Basis der Rhododendren wird es noch einige Zeit dauern. Im Dezember l\u00e4uft das Forschungsprojekt aus, der Mikrobiologe will eine weitere Forschungsperiode beantragen. &#8220;Wir wissen, was die neuen Substanzen k\u00f6nnen. Aber wir verstehen ihre Wirkungsweise noch nicht.&#8221; Drei bis f\u00fcnf Jahre, sch\u00e4tzt er, k\u00f6nnte sie in Anspruch nehmen. Der Rhododendronpark in Bremen muss dabei keinen Kahlschlag f\u00fcrchten. Wenn Ullrich und sein Team erfolgreich sein sollten, wird der neue Wirkstoff k\u00fcnstlich hergestellt \u2013 im Labor.<\/p>\n<p><strong>Kontakt<br \/>\n<\/strong>Prof. Dr. Matthias Ullrich<br \/>\nProfessor f\u00fcr Mikrobiologie<br \/>\nTel.: +49 421 200-3245<br \/>\ne-Mail: <a href=\"mailto:m.ullrich@jacobs-university.de\" target=\"_blank\">m.ullrich@jacobs-university.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rhododendren z\u00e4hlen zu den beliebtesten Pflanzen in einheimischen G\u00e4rten. Bald bl\u00fchen sie wieder. 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