{"id":19727,"date":"2014-03-27T03:12:03","date_gmt":"2014-03-27T01:12:03","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=19727"},"modified":"2021-09-09T21:50:12","modified_gmt":"2021-09-09T19:50:12","slug":"power-gas-kein-allheilmittel-fur-den-klimaschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/power-gas-kein-allheilmittel-fur-den-klimaschutz\/","title":{"rendered":"Power-to-Gas: Kein Allheilmittel f\u00fcr den Klimaschutz"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die vieldiskutierte Power-to-Gas-Technologie ist aus Sicht des \u00d6ko-Instituts nicht dazu geeignet, gr\u00f6\u00dfere Mengen CO<sub>2<\/sub> dauerhaft aus der Atmosph\u00e4re zu entziehen. Zudem ist die Technik mit gro\u00dfen energetischen Umwandlungsverlusten verbunden, die eine gro\u00dfangelegte Nutzung ineffizient und teuer machen. Diese Ergebnisse einer aktuellen Studie stellt das \u00d6ko-Institut heute vor.<\/strong><\/p>\n<h3>Kein Klimaschutz durch Power-to-Gas<\/h3>\n<p>Bei Power-to-Gas wird Strom durch Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt und in einem zweiten Schritt mittels Methanisierung mit CO<sub>2<\/sub> verbunden und als synthetisches Methan gespeichert. Dieses Methan stellt einen chemischen Energietr\u00e4ger dar und kann schlie\u00dflich wie Erdgas zur Erzeugung von W\u00e4rmeenergie oder zum Antrieb von Fahrzeugen genutzt sowie bei Bedarf wieder in elektrische Energie umgewandelt werden. Wird das Methan in diesen Prozessen verbrannt, entsteht die gleiche Menge an CO<sub>2<\/sub>-Emissionen, die zuvor gebunden wurde.<\/p>\n<p>\u201eDer Eindruck, mit \u201ePower-to-Gas\u201c k\u00f6nnten klimasch\u00e4dliche Treibhausgas-emissionen aus Industrieprozessen oder gar Kohlekraftwerken gebunden werden, ist nicht korrekt\u201c, erkl\u00e4rt Lukas Emele, Wissenschaftler am \u00d6ko-Institut mit Schwerpunkt Energie und Klimaschutz. \u201eVielmehr gelangen die Emissionen sp\u00e4ter und auf Umwegen in die Atmosph\u00e4re. Es muss vielmehr darum gehen, gerade die energie- und emissionsintensiven Prozesse in der Industrie effizienter zu gestalten und damit nachhaltig weniger Emissionen zu verursachen.\u201c<\/p>\n<h3>70 Prozent Wirkungsgradverluste machen Power-to-Gas teuer<\/h3>\n<p>In den chemischen Prozessen der Wasserstoffelektrolyse und Methanisierung gehen zudem gro\u00dfe Mengen der eingesetzten Energie verloren. Wird das mittels Power-to-Gas erzeugte Methan beispielsweise dazu genutzt, wieder Strom zu erzeugen, stehen nur noch etwa 30 Prozent der urspr\u00fcnglich eingesetzten Energie zur Verf\u00fcgung. Wird das Methan als Kraftstoff genutzt, geht in der Umwandlung immerhin noch knapp die H\u00e4lfte der Energie verloren.<\/p>\n<p>\u201eBesonders widersinnig ist es, auf der einen Seite aus Strom einen chemischen Energietr\u00e4ger zu erzeugen, w\u00e4hrend auf der anderen Seite noch umfangreich Kohle und Erdgas, die ebenfalls chemische Energietr\u00e4ger sind, zur Stromerzeugung genutzt werden\u201c, so Emele. \u201eEine Methanisierung ist aus Klimaschutzsicht erst dann sinnvoll, wenn wir einen sehr hohen Anteil an erneuerbaren Energien in unserem Stromsystem haben.<\/p>\n<p>Deshalb ist es laut der Studie des \u00d6ko-Instituts deutlich effizienter, zun\u00e4chst synthetischen Wasserstoff in der chemischen Industrie zu nutzen (Power-to-Chemicals), bevor synthetisches Methan als Kraftstoff im Verkehr eingef\u00fchrt wird.<\/p>\n<h3>Alternativen kurz- und mittelfristig den Vorrang geben<\/h3>\n<p>Das \u00d6ko-Institut hat zudem in verschiedenen Analysen, zuletzt in der Verteilnetzstudie Rheinland-Pfalz, gezeigt, dass der Ausbau der Stromnetze derzeit trotz der n\u00f6tigen Investitionen noch kosteng\u00fcnstiger ist, als neue Speicher zu bauen. Ein Ausbau der Speicher in Deutschland wird erst bei sehr hohen Anteilen an erneuerbarem Strom n\u00f6tig.<\/p>\n<p>In Zeiten niedriger Strompreise k\u00f6nnte Strom auch direkt zur W\u00e4rmeproduktion eingesetzt werden. Auch sollten Biomassekraftwerke und Biogasanlagen nur noch Strom in Spitzenlastzeiten produzieren. Eine schnelle gro\u00dffl\u00e4chige Einf\u00fchrung der Power-to-Gas-Technologie und insbesondere die finanzielle F\u00f6rderung (z. B. durch eine Befreiung von den Netznutzungsentgelten oder durch die Befreiung von der EEG-Umlage) f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre ist daher aus Sicht der Wissenschaftler des \u00d6ko-Instituts weder zielf\u00fchrend noch notwendig.<\/p>\n<p>\u201eAuch bei der erneuerbaren Stromerzeugung wird auf einen Mix aus Wind, Sonne und anderen Technologien gesetzt. Deshalb sollte sich auch die Entwicklung von Speichern nicht auf eine Technologie konzentrieren\u201c, f\u00fchrt Emele weiter aus. Das \u00d6ko-Institut empfiehlt deshalb, auch andere Speicheroptionen wie beispielsweise Batterie- und Druckluftspeicherkraftwerke weiterzuentwickeln.<\/p>\n<p>Studie \u201e<a href=\"http:\/\/www.oeko.de\/oekodoc\/2005\/2014-021-de.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pr\u00fcfung der klimapolitischen Konsistenz und der Kosten von Methanisierungsstrategien<\/a>\u201c des \u00d6ko-Instituts<\/p>\n<p><strong>Kontakt<\/strong><br \/>\nLukas Emele<br \/>\nWissenschaftlicher Mitarbeiter im Institutsbereich<br \/>\nEnergie &amp; Klimaschutz<br \/>\n\u00d6ko-Institut e.V., B\u00fcro Berlin<br \/>\nTelefon: +49 30 405085-364<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailto:l.emele@oeko.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">l.emele@oeko.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die vieldiskutierte Power-to-Gas-Technologie ist aus Sicht des \u00d6ko-Instituts nicht dazu geeignet, gr\u00f6\u00dfere Mengen CO2 dauerhaft aus der Atmosph\u00e4re zu entziehen. 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