{"id":19446,"date":"2014-03-05T03:15:07","date_gmt":"2014-03-05T01:15:07","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=19446"},"modified":"2014-03-04T17:52:19","modified_gmt":"2014-03-04T15:52:19","slug":"wie-bio-ist-die-okotute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wie-bio-ist-die-okotute\/","title":{"rendered":"Wie bio ist die \u00d6kot\u00fcte?"},"content":{"rendered":"<p>BERLIN dpa | Die EU-Norm EN 13432 wird das Leben von Millionen Verbrauchern in Deutschland erleichtern. Meinen zumindest die Hersteller von neuartigen Biokunststoff-M\u00fcllt\u00fcten. Da ab Anfang 2015 Biom\u00fcll bundesweit getrennt gesammelt werden muss, versprechen diese \u00d6kobeutel ein lukratives Millionengesch\u00e4ft. Die EU-Norm legt fest, wie weit \u00d6kom\u00fcllt\u00fcten sich zersetzen und kompostierbar sein m\u00fcssen. Die Beutel sollen helfen bei einer unkomplizierten Entsorgung von Apfel- und M\u00f6hrenschalen, Essensresten oder vergammelten Tomaten.<\/p>\n<p>Und sie verhindern Geruch oder Schimmelbildung, hei\u00dft es. Aber sie entwickeln sich zum Streitpunkt zwischen Unternehmen wie BASF und der Entsorgungsbranche. Bisher wird das Marktvolumen f\u00fcr kompostierbare Biobeutel in Deutschland auf unter 10.000 Tonnen im Jahr gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Das Kreislaufwirtschaftsgesetz sieht vor, dass Bioabf\u00e4lle \u201esp\u00e4testens ab dem 1. Januar 2015 getrennt zu sammeln\u201c sind. Laut Bundesumweltministerium haben von den rund 400 Stadt- und Landkreisen etwa 60 Kreise noch keine Biotonne eingef\u00fchrt. Zudem landeten bisher 70 Kilo an Gem\u00fcse-, Obst- und Essensresten pro Einwohner und Jahr noch im Hausm\u00fcll, sch\u00e4tzt Michael Kern vom Witzenhausen-Institut f\u00fcr Abfall, Umwelt und Energie. Das seien vier bis f\u00fcnf Millionen Tonnen. Er sch\u00e4tzt, dass in der Realit\u00e4t bisher ohnehin nur rund \u201edie H\u00e4lfte aller Einwohner der Bundesrepublik an eine Biotonne angeschlossen sind.\u201c Da schlummert also ein gewaltiges Potenzial.<\/p>\n<p>Jens Hamprecht von BASF als einem der gr\u00f6\u00dften Biot\u00fcten-Produzenten spricht vom neuen \u201ebiourbanen Kunststoff\u201c. Der Nutzen des Produkts sei zum Beispiel, dass zwei Kilo Speiseabfall, die sonst im Restm\u00fcll landen, gesammelt und wiederverwertet werden k\u00f6nnen. Sozusagen eine positive Lenkung des Verbraucherverhaltens \u2013 zur st\u00e4rkeren Verwertung dieser Abf\u00e4lle in Biogasanlagen oder f\u00fcr den Gartenbau. Haupts\u00e4chlich werden die Biotonneninhalte zu D\u00fcnger verarbeitet.<\/p>\n<h3>20 Prozent mehr Bioabf\u00e4lle<\/h3>\n<p>Und: So landen keine Plastikbeutel mehr in der Tonne, die m\u00fchsam rausgesucht werden m\u00fcssen. BASF hat in Ludwigshafen eine Anlage mit einer Jahreskapazit\u00e4t von 74.000 Tonnen kompostierbaren Kunststoffen. In Berlin wurden bei einem Modellversuch an 21.000 Haushalte solche Beutel verteilt, schon seien 20 Prozent mehr Bioabf\u00e4lle eingesammelt worden, so Hamprecht.<\/p>\n<p>In Prenzlauer Berg soll der Plastikt\u00fctenanteil in der Biotonne dank der \u00d6kobeutel von 19 auf sieben Prozent gesunken sein. Wie es sich geh\u00f6rt, gibt es nun auch einen Lobbyverband f\u00fcr die Biot\u00fcte. Man setze sich daf\u00fcr ein, \u201edass die Bioabfallsammlung in Deutschland fl\u00e4chendeckend umgesetzt und durch kompostierbare Bioabfallbeutel erleichtert wird\u201c, so der Vorsitzende Jens Boggel.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Herstellung wird biologisch abbaubarer Polyester verwandt, gemischt mit Maisst\u00e4rke, Zellulose und Polymilchs\u00e4ure. Die EU-Norm fordert eine Zersetzung von 90 Prozent der T\u00fcte in Bestandteile, die kleiner als zwei Millimeter sind, binnen zw\u00f6lf Wochen. \u201eDas hat nur logistische Vorteile\u201c, betont hingegen Helge Wendenburg, Leiter der Abteilung Abfallwirtschaft im Bundesumweltministerium mit Blick auf den Mieter in der Gro\u00dfstadt, der f\u00fcnf Stockwerke den M\u00fcll runter zur Tonne tragen muss. Aber zur Wiederverwertung von Bioabf\u00e4llen etwa als D\u00fcnger w\u00fcrden die Biokunststoffe keinen positiven Beitrag leisten.<\/p>\n<h3>Kein einwandfreier Kompost<\/h3>\n<p>Besonders kritisch sieht zum Beispiel Aloys Oechtering, Vorsitzender der Bundesg\u00fctegemeinschaft Kompost, die Biokunststofft\u00fcten. Er arbeitet f\u00fcr das Entsorgungsunternehmen Remondis und sagt zu der angeblichen guten Kompostierbarkeit und \u00f6kologisch einwandfreien Zersetzung: \u201eDas ist die Theorie.\u201c Oft finde sich noch ein Rest im Kompost, man habe aber eine Produktverantwortung f\u00fcr einwandfreien D\u00fcnger. \u201eWenn es nicht abgebaut wird, m\u00fcssen wir es raussuchen. Der Entsorgungsweg Biotonne ist f\u00fcr diese Stoffe nicht der richtige Weg\u201c, erl\u00e4uterte er j\u00fcngst beim Forum Technikjournalismus (FTJ) in Berlin.<\/p>\n<p>In Deutschland ist Bio zum Synonym f\u00fcr gut geworden \u2013 doch es gibt Zweifel, ob Biokunststoffe wirklich die Umwelt sch\u00fctzen. Rewe nahm 2012 angeblich biologisch abbaubare T\u00fcten aus dem Sortiment. Die Umwelthilfe kritisierte, die \u00fcberteuerten T\u00fcten seien mit g\u00e4ngigen Verfahren nicht kompostierbar. Zudem wird vor neuen Mais-Ein\u00f6den wegen des St\u00e4rkebedarfs gewarnt.<\/p>\n<p>Wendenburg betont mit Blick auf Biokunststoffm\u00fcllbeutel, dass sich die Stoffe ohnehin nur bei einer bestimmten W\u00e4rmeentwicklung in Kompostieranlagen und einer l\u00e4ngeren Verweildauer zersetzen. \u201eWenn Sie die T\u00fcte in den Wald oder ins Meer schmei\u00dfen, passiert gar nichts\u201c, sagt er. \u201eDas verrottet nicht.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BERLIN dpa | Die EU-Norm EN 13432 wird das Leben von Millionen Verbrauchern in Deutschland erleichtern. Meinen zumindest die Hersteller von neuartigen Biokunststoff-M\u00fcllt\u00fcten. Da ab Anfang 2015 Biom\u00fcll bundesweit getrennt gesammelt werden muss, versprechen diese \u00d6kobeutel ein lukratives Millionengesch\u00e4ft. Die EU-Norm legt fest, wie weit \u00d6kom\u00fcllt\u00fcten sich zersetzen und kompostierbar sein m\u00fcssen. 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