{"id":19410,"date":"2014-03-04T02:00:45","date_gmt":"2014-03-04T00:00:45","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=19410"},"modified":"2014-02-28T13:05:41","modified_gmt":"2014-02-28T11:05:41","slug":"biokraftstoffe-aus-abfallen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biokraftstoffe-aus-abfallen\/","title":{"rendered":"Biokraftstoffe aus Abf\u00e4llen"},"content":{"rendered":"<p>Auftanken mit Frittenfett ist offenbar eine ernsthafte Alternative zum umstrittenen Biosprit aus Rohstoffen. Laut einer Studie steckt in der Kraftstoffgewinnung aus Abf\u00e4llen ein gewaltiges \u00f6konomisches Potential. Trotzdem plant die EU eine Abkehr.<\/p>\n<p>Manche Kostbarkeiten werden untersch\u00e4tzt. Altes Frittenfett zum Beispiel. Nachdem darin knusprige Pommes gebraten worden sind, steht dem schmierigen Stoff noch eine zweite Karriere bevor &#8211; als wertvoller Rohstoff f\u00fcr die Herstellung von Biosprit. Das gleiche gilt f\u00fcr Gartenlaub, Speisereste, S\u00e4gemehl, abgem\u00e4htes Gras oder vollgekritzeltes Papier.<\/p>\n<p>In dem ganzen M\u00fcll steckt laut einer Studie ein gigantisches Potential: W\u00fcrden s\u00e4mtliche verf\u00fcgbaren Abf\u00e4lle und Reste in der EU zu Kraftstoffen weiterverarbeitet, lie\u00dfe sich zw\u00f6lf Prozent des gesamten Spritbedarfs in Europa decken &#8211; und damit im Vergleich zu fossilen Brennstoffen der Aussto\u00df von Treibhausgasen um mindestens 60 Prozent reduzieren. Derzeit ist der Anteil von aus Abf\u00e4llen generiertem Sprit allerdings noch verschwindend gering.<\/p>\n<p>Die Studie, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, wurde von einem Konsortium aus Umweltorganisationen und Unternehmen erstellt und unterst\u00fctzt, darunter WWF, Transport and Environment ,European Climate Foundation, Petrotec und British Airways.<\/p>\n<p>Die Macher der Untersuchung haben nach eigener Darstellung die gesamte Wertsch\u00f6pfungskette des Biokraftstoffs ber\u00fccksichtigt, also von der Energiegewinnung \u00fcber die Speicherung und den Transport bis zum Energieverbrauch (Well-to-Wheel). Gleichzeitig wurde bei der Berechnung des Potentials auf verschiedene \u00f6kologische Aspekte R\u00fccksicht genommen.<\/p>\n<p>So wird die verf\u00fcgbare Menge an Abf\u00e4llen und Resten in der EU auf rund 900 Millionen Tonnen pro Jahr gesch\u00e4tzt &#8211; davon lie\u00dfen sich jedoch h\u00f6chstens 225 Millionen Tonnen als Rohstoff f\u00fcr Biosprit verwenden. Denn ein Gro\u00dfteil der vorhandenen Masse spielt eine wichtige Rolle f\u00fcr das nat\u00fcrliche Gleichgewicht oder eignet sich besser f\u00fcr eine andere Art des Recyclings.<\/p>\n<p>Blo\u00df kein Desaster wie bei E10<\/p>\n<p>Die konservative Rechenweise ist angebracht, sonst droht das gleiche Schicksal wie beim Biokraftstoff E10, der aus Pflanzen gewonnen wird: Zum einen werden hier beim Anbau oftmals W\u00e4lder gerodet, zum anderen steht die Verwendung als Rohstoff in Konkurrenz zur Nutzung als Lebensmittel. Die schlechte Umweltbilanz und die &#8220;Teller statt Tank&#8221;-Diskussion hatten f\u00fcr das Image von Biokraftstoffen verheerende Auswirkungen.<\/p>\n<p>Letztendlich soll die Betonung der strengen Kriterien dazu dienen, die Botschaft der Studie zu unterstreichen. Und die lautet: Im Biokraftstoff aus M\u00fcll steckt die Zukunft &#8211; nicht nur aus \u00f6kologischer, sondern auch aus \u00f6konomischer Perspektive. Denn w\u00fcrde die Biokraftstoff-Industrie zur Aussch\u00f6pfung des vollen Potentials ausgebaut werden, prognostiziert die Studie bis 2030 mehr als 300.000 neue Jobs in Raffinerien und in der Landwirtschaft sowie Ertr\u00e4ge von 15 Milliarden Euro im Agrarsektor der EU.<\/p>\n<p>Um diese Ziele zu erreichen, muss allerdings noch kr\u00e4ftig investiert werden. Aber genau hier liegt der Knackpunkt: Denn die EU-Kommission ist offenbar nicht gewillt, Anreize f\u00fcr die Produktion von alternativen Kraftstoffen zu schaffen. Bester Beweis daf\u00fcr ist eine Absichtserkl\u00e4rung aus Br\u00fcssel, die widerspr\u00fcchlicher nicht sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Wichtigster F\u00f6rderanreiz soll abgeschafft werden<\/p>\n<p>Bisher f\u00f6rdert die EU die Herstellung von Biosprit durch die sogenannte Kraftstoffqualit\u00e4tsrichtlinie: Demnach m\u00fcssen Anbieter von Kraftstoffen die Klimabilanz ihrer Produkte bis 2020 um mindestens sechs Prozent verbessern. Erreichen k\u00f6nnen sie diese Vorgabe einerseits durch eine Optimierung der eigenen Produktionsabl\u00e4ufe, also zum Beispiel durch geringeren Stromverbrauch oder weniger Emissionen bei der Produktion. Wesentlich einfacher aber k\u00f6nnen sie das Ziel erreichen, indem sie ihrem Kraftstoff Biosprit beimischen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieses F\u00f6rderinstrument wird von den Machern der Studie ausdr\u00fccklich gelobt &#8211; umso schlimmer finden sie es, dass es laut eines Vorschlags der EU-Kommission gestrichen werden soll.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im entsprechenden Text schreibt die Kommission, es sei &#8220;nicht angebracht, nach 2020 weiter Ziele hinsichtlich erneuerbarer Energien oder der Treibhausgas-Intensit\u00e4t von Kraftstoffen zu setzen&#8221;. Und das, obwohl es ein paar Zeilen weiter unten hei\u00dft, die Entwicklung von Biokraftstoffen aus Abf\u00e4llen solle vorangetrieben werden.<\/p>\n<p>Laut Angaben eines Brancheninsiders ist ein au\u00dfereurop\u00e4isches Land die treibende Macht hinter der Aufhebung der Kraftstoffqualit\u00e4tsrichtlinie: &#8220;Mit Hilfe von Gro\u00dfbritannien \u00fcbt Kanada viel Einfluss auf die Kommission aus&#8221;, sagte er SPIEGEL ONLINE. Kanadas Interessen erkl\u00e4rt er so: &#8220;Dort gibt es gigantische Reserven an Teersand, aus dem \u00d6l gewonnen wird. Die Herstellung ist jedoch extrem energieaufwendig und vertr\u00e4gt sich nicht mit den \u00f6kologischen Vorgaben der EU.&#8221; Weil aber Unternehmen aus Gro\u00dfbritannien in die F\u00f6rderung von Teersand investieren, f\u00fchre der Inselstaat eine Gruppe von Gegnern der Kraftstoffqualit\u00e4tsrichtlinie an.<\/p>\n<p>Mit der Studie soll die Richtlinie verteidigt werden. Dabei spielen nicht nur \u00f6kologische Erw\u00e4gungen eine Rolle. Denn auch die Unterst\u00fctzer der Umweltorganisationen &#8211; die beteiligten Unternehmen betreiben entweder selbst Raffinerien oder investieren in die Produktion &#8211; haben ein gro\u00dfes wirtschaftliches Interesse daran, die F\u00f6rderung von Biokraftstoffen aus Abf\u00e4llen aufrecht zu erhalten oder sogar auszubauen.<\/p>\n<p>&#8220;Vorschlag der EU-Kommission abwarten&#8221;<\/p>\n<p>Die Bundesregierung betont unterdessen, wie sehr ihr die F\u00f6rderung von Biokraftstoffen am Herzen liegt &#8211; und verweist auf ein Gesetz, wonach der Gesamtenergiegehalt aller Kraftstoffe zu mindestens 6,25 Prozent aus alternativen Quellen bestehen muss. Kraftstoffe aus Abf\u00e4llen d\u00fcrfen dabei wegen ihrer vorbildlichen Treibhausbilanz doppelt auf die Quote angerechnet werden. Im Klartext: Ein Liter Biodiesel aus Speisefett z\u00e4hlt soviel wie zwei Liter aus Raps\u00f6l.<\/p>\n<p>Sollte die EU jedoch die Kraftstoffqualit\u00e4tsrichtlinie abschaffen, steht auch in Deutschland die F\u00f6rderung in Frage: Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE erkl\u00e4rte das zust\u00e4ndige Bundesumweltministerium vage, man wolle einen Vorschlag der EU-Kommission abwarten und wird &#8220;sich dann eine Meinung bilden&#8221;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auftanken mit Frittenfett ist offenbar eine ernsthafte Alternative zum umstrittenen Biosprit aus Rohstoffen. Laut einer Studie steckt in der Kraftstoffgewinnung aus Abf\u00e4llen ein gewaltiges \u00f6konomisches Potential. Trotzdem plant die EU eine Abkehr. Manche Kostbarkeiten werden untersch\u00e4tzt. Altes Frittenfett zum Beispiel. 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