{"id":19387,"date":"2014-02-27T02:20:27","date_gmt":"2014-02-27T00:20:27","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=19387"},"modified":"2014-02-26T18:25:54","modified_gmt":"2014-02-26T16:25:54","slug":"internationale-konferenz-bereitet-aktionsplane-fur-saubere-meere-vor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/internationale-konferenz-bereitet-aktionsplane-fur-saubere-meere-vor\/","title":{"rendered":"Internationale Konferenz bereitet Aktionspl\u00e4ne f\u00fcr saubere Meere vor"},"content":{"rendered":"<p>Der Abfall in den Weltmeeren bel\u00e4uft sich mittlerweile auf \u00fcber einhundert Millionen Tonnen. Allein auf dem Grund der Nordsee sind es gesch\u00e4tzte 600.000 Kubikmeter. In erster Linie handelt es sich dabei um Kunststoffreste. Viele Meerestierarten k\u00f6nnen diese verschlucken oder sich darin verheddern. Das f\u00fchrt zu Verletzungen bis hin zum Tode. Deutschland und die Europ\u00e4ische Kommission wollen die Abfalleintr\u00e4ge in die Meere bis 2020 drastisch reduzieren. Um diesem Ziel n\u00e4her zu kommen, findet vom 10.-12. April die Internationalen Marine-Litter-Conference in Berlin statt. Sie dient dazu, geeignete Strategien zur Abfallvermeidung in den europ\u00e4ischen Meeresregionen zu definieren sowie deren Umsetzung vorzubereiten. Dabei soll es in erster Linie um Ma\u00dfnahmen gehen, die die Abfallquellen, zum Versiegen bringen.<\/p>\n<p>Jochen Flasbarth, ehemaliger Pr\u00e4sident des Umweltbundesamtes und inzwischen Staatssekret\u00e4r im Bundesumweltministerium: \u201eF\u00fcr unsere Weltmeere ist der M\u00fcll eines unserer gr\u00f6\u00dften Umweltprobleme. Von sauberen Meeren sind wir heute weit entfernt. Wir haben jetzt die Chance, die richtigen Ma\u00dfnahmen zu definieren und dann schnell umsetzen. Diesen Prozess in Gang zu bringen, ist das wichtigste Ziel der Internationalen Meeresm\u00fcllkonferenz in Berlin.\u201c Grunds\u00e4tzlich bedarf es einer deutlichen Verst\u00e4rkung der Vorsorge. Ma\u00dfnahmen m\u00fcssen prim\u00e4r an den Eintragsquellen greifen. Zus\u00e4tzlich sind staatliche Vorgaben und Regelungen ebenso erforderlich, wie die Mitwirkung aller Akteure von der Fischerei \u00fcber die Tourismuswirtschaft bis zu den Kommunen. Reinigungsma\u00dfnahmen, wie das in Deutschland von Fischern praktizierte \u201eFishing for Litter\u201c k\u00f6nnen zus\u00e4tzlich helfen.<\/p>\n<p>Bei den sch\u00e4tzungsweise 100 und 142 Millionen Tonnen an Abf\u00e4llen handelt es sich vor allem um Verpackungsmaterialien sowie um Abf\u00e4lle aus Fischerei und Schifffahrt. Etwa Dreiviertel davon bestehen aus Kunststoffen. J\u00e4hrlich kommen derzeit bis zu 10 Millionen Tonnen hinzu. Etwa 70 Prozent der Abf\u00e4lle sinken zu Boden, der Rest wird entweder an Str\u00e4nde gesp\u00fclt, treibt an der Wasseroberfl\u00e4che oder in tieferen Meeresschichten. Da viele Meerestiere die Abf\u00e4lle, z.B. Plastikteile, mit Nahrung verwechseln, nehmen sie diese auf. Eine Untersuchung toter Eissturmv\u00f6gel an der deutschen Nordseek\u00fcste beweist dies. 95 Prozent der V\u00f6gel hatten im Durchschnitt 30 Kunststoff-Teile im K\u00f6rper. Ein weiteres Problem stellt die zunehmende Verbreitung von kleinen und kleinsten Plastikteilchen, so genannter Mikroplastik, dar. Im nordwestlichen Mittelmeer z\u00e4hlt man mittlerweile auf zwei Planktontierchen ein Mikroplastikteil.<\/p>\n<p>Die EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) sieht die \u00dcberwachung von Abf\u00e4llen an Str\u00e4nden, im Meer und in Meereslebewesen vor. Au\u00dferdem sieht sie wirkungsvolle Ma\u00dfnahmeprogramme vor, um weitere Eintr\u00e4ge von Abfall zu verhindern und diesen vorzubeugen. Im Auftrag des Bundesumweltministeriums (BMU), in Kooperation mit der Europ\u00e4ischen Kommission und unter enger Beteiligung der Regionalen Meeresschutz\u00fcbereinkommen richtet das UBA darum die \u201cInternational Conference on Prevention and Management of Marine Litter in European Seas\u201c vom 10.4.-12.4.2013 in Berlin aus. Wissenschaftler, Vertreter von Wirtschaft Verb\u00e4nden und Politik tauschen sich dabei \u00fcber geeignete Ma\u00dfnahmen und Ideen zur M\u00fcllreduktion aus. Die Ergebnisse der Konferenz sollen in die Regionalen Aktionspl\u00e4ne der europ\u00e4ischen Meeresregionen \u2013 Nordostatlantik, Ostsee, Mittelmeer und Schwarzes Meer \u2013 einflie\u00dfen. Jochen Flasbarth: \u201eWir wissen jetzt schon genug, um unverz\u00fcglich vorsorglich zu handeln. Wir werden auf der Konferenz eine Vielzahl guter Beispiele aus der Praxis pr\u00e4sentieren, die wir unmittelbar umsetzen k\u00f6nnen. Ausstehende Wissensl\u00fccken m\u00fcssen selbstverst\u00e4ndlich in engem Schulterschluss mit der Forschung geschlossen werden, dazu gibt es bereits zahlreiche nationale, europ\u00e4ische und internationale Forschungsprojekte; weitere werden sicherlich folgen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gel\u00f6st werden muss das Problem sowohl see- als auch landseitig. Ein Stichwort dabei ist das Abfallmanagement auf Schiffen und in den H\u00e4fen. Schon heute lassen sich Abf\u00e4lle an Bord technisch so aufbereiten, dass verschiedene Materialien zerkleinert und f\u00fcrs Recyceln in den H\u00e4fen gesammelt werden k\u00f6nnen. Der Restm\u00fcll sowie Speisereste k\u00f6nnen an Bord effizient thermisch verwertet werden. Ein weiterer Ansatzpunkt sind die Hafengeb\u00fchren. Das in der Ostsee erfolgreich praktizierte \u201eNo-special-fee-system\u201c, bei dem Hafen automatisch die Entsorgungsgeb\u00fchren umfassen, sollte auf andere Meeresregionen wie die Nordsee \u00fcbertragen werden. Zudem geht es darum Schifffahrtsbesatzungen, wie z.B. bei der \u201eFishing-for-Litter\u201c-Initiative, f\u00fcr das Abfallthema zu sensibilisieren. Diese Initiative wird vom BMU gef\u00f6rdert und vom UBA fachlich betreut. Dabei sammeln Fischer in Nord- und Ostsee den M\u00fcll ein, den sie beim Fischfang aus dem Meer \u201ebergen\u201c. Anschlie\u00dfend entsorgen sie ihn umweltgerecht in den H\u00e4fen. Verhindert werden sollte au\u00dferdem der weitere Eintrag von Mikroplastik. Viele Kosmetik- und K\u00f6rperpflegeprodukte wie Duschpeelings, Zahncremes enthalten Kunststoffk\u00fcgelchen f\u00fcr eine bessere Reinigungswirkung. Nach einmaligem Gebrauch k\u00f6nnen sie \u00fcber das Abwasser in die Meere gelangen, da sie in Kl\u00e4ranlagen \u00fcblicherweise nicht herausgefiltert werden. Zur L\u00f6sung dieses Problems sind auch die Hersteller gefragt, die breite Verwendung von Mikroplastik zu \u00fcberdenken. Die Einf\u00fchrung einer generellen Bezahlpflicht f\u00fcr alle Plastikt\u00fcten im Handel w\u00e4re ein weiterer Ansatzpunkt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf der Konferenz werden zahlreiche weitere gelungene Gegenma\u00dfnahmen vorgestellt. Diese k\u00f6nnen auf der Konferenzwebsite in einer Datenbank und in dem Diskussionspapier der Konferenz eingesehen werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Abfall in den Weltmeeren bel\u00e4uft sich mittlerweile auf \u00fcber einhundert Millionen Tonnen. Allein auf dem Grund der Nordsee sind es gesch\u00e4tzte 600.000 Kubikmeter. In erster Linie handelt es sich dabei um Kunststoffreste. Viele Meerestierarten k\u00f6nnen diese verschlucken oder sich darin verheddern. Das f\u00fchrt zu Verletzungen bis hin zum Tode. 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