{"id":19373,"date":"2014-02-26T02:26:31","date_gmt":"2014-02-26T00:26:31","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=19373"},"modified":"2014-02-25T17:03:30","modified_gmt":"2014-02-25T15:03:30","slug":"der-geplatzte-traum-vom-mikrobensprit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/der-geplatzte-traum-vom-mikrobensprit\/","title":{"rendered":"Der geplatzte Traum vom Mikrobensprit"},"content":{"rendered":"<p>Der Verkauf der US-Firma LS9 ist symptomatisch f\u00fcr das Scheitern von Start-ups, die mit Methoden der Synthetischen Biologie Mikroorganismen zu kosteng\u00fcnstigen Kraftstofffabriken machen wollten. Immer mehr satteln nun auf Spezialchemie um.<\/p>\n<p>Vor neun Jahren startete die kalifornische Firma LS9 mit gro\u00dfen Ambitionen. Sie wollte nichts weniger als den umweltfreundlichen Biosprit der \u00fcbern\u00e4chsten Generation erfinden. Gegr\u00fcndet von herausragenden Wissenschaftlern und bekannten Wagniskapitalgebern, machte sich LS9 daran, Mikroorganismen gentechnisch so zu ver\u00e4ndern, dass sie Kraftstoffe aus Zucker produzieren.<\/p>\n<p>Im Januar ging den Gr\u00fcndern nun endg\u00fcltig der Atem aus: Sie verkauften das Unternehmen f\u00fcr 40 Millionen Dollar an den Biodiesel-Hersteller Renewable Energy Group (REG). Weitere 21,5 Millionen Dollar will REG \u00fcberweisen, sollte sich die Technologie doch noch als profitabel erweisen. Dem stehen Investitionen von 81 Millionen Dollar seit 2005 gegen\u00fcber, mit denen dieses Ziel nicht erreicht werden konnte.<\/p>\n<p>Bereits vor zwei Jahren hatte LS9 mit dem Verkauf seines Mikroben-Biodiesels an Raffinerien beginnen wollen. Doch daraus wurde nichts. Die im US-Bundesstaat Iowa ans\u00e4ssige REG plant nun lediglich, mit dem LS9-Verfahren Spezialchemikalien in kleineren Mengen herzustellen. Von einer Biosprit-Produktion ist vorl\u00e4ufig keine Rede mehr.<\/p>\n<p>LS9 ist eine von mehreren Firmen, die mit Hilfe der Synthetischen Biologie eines der gr\u00f6\u00dften Probleme von Biokraftstoffen l\u00f6sen wollten: den Fl\u00e4chenverbrauch durch den Anbau von \u201eEnergiepflanzen\u201c, von denen hinterher nur kleine Teilen \u2013 die Fr\u00fcchte \u2013 in Sprit umgewandelt werden und die dem Anbau von Nahrungspflanzen Platz wegnehmen. Mit gentechnisch ver\u00e4nderten Mikroben k\u00f6nnten im Prinzip auch die in Stengeln und Bl\u00e4ttern enthaltenen Zuckerverbindungen umgewandelt werden. Mehr noch, je nach Stoffwechselweg in den Einzellern k\u00f6nnten diese eine ganze Reihe unterschiedlicher Kraftstoffe produzieren, die von erd\u00f6lbasierten Originalstoffen chemisch nicht zu unterscheiden w\u00e4ren. Damit k\u00f6nnte die technische Infrastruktur f\u00fcr die Kraftstoffversorgung unver\u00e4ndert weiter betrieben werden.<\/p>\n<p>Im Prinzip klappte das auch, doch ist es keinem der Unternehmen bislang gelungen, die Produktion hochzuskalieren und die Kosten auf ein wettbewerbsf\u00e4higes Niveau zu dr\u00fccken. LS9 betrieb eine Pilotanlagen in Florida, die kleine Mengen Diesel produzieren konnte. Damit konnte die Firma einige Gro\u00dfunternehmen als Partner f\u00fcr Tests gewinnen. Doch dann habe LS9 Probleme gehabt, eine gr\u00f6\u00dfere Anlage zu finanzieren, sagt David Berry, Mitgr\u00fcnder und Investor bei Flagship Ventures.<\/p>\n<p>Auch die Firma Solazyme wollte gro\u00df ins Gesch\u00e4ft kommen und f\u00fcr das US-Milit\u00e4r mit Hilfe von Algen Kraftstoffe aus Zucker produzieren. Inzwischen konzentriert sich Solazyme auf die Herstellung von \u00d6len f\u00fcr Kosmetikprodukte. Nicht viel anders ist die Situation bei Amyris. Es hat ein Vorl\u00e4uferprodukt f\u00fcr Diesel entwickelt, von dem es auch kleine Mengen an Bus-Unternehmen verkauft. Das Hauptgesch\u00e4ft liegt aber auch hier l\u00e4ngst bei Kosmetikzutaten f\u00fcr Feuchtigkeitscremes oder Duftstoffe.<\/p>\n<p>\u201eViel von dem, was diese Firmen 2006, 2007 im Zusammenhang mit Biokraftsstoffen behaupteten, hat sich als viel zu optimistisch herausgestellt\u201c, sagt Gregory Stephanopoulos, Biotechnik- und Chemieingenieur am MIT.<\/p>\n<p>Die wissenschaftlichen Grundlagen seien solide gewesen, doch in den meisten F\u00e4llen waren die Labordemos an Universit\u00e4ten noch nicht reif f\u00fcr eine industrielle Anwendung\u201c, sagt auch James Collins, Biomedizin-Ingenieur an der Boston University.<\/p>\n<p>Als schwierig erwies sich nicht nur das technische Design der Mikroben, Probleme machten auch die hohen Anlagekosten, selbst f\u00fcr Pilotanlagen. Kraftstoffe sind aber ein Produkt mit niedriger Marge, so dass ein Profit nur mit gro\u00dfen Tonnagen m\u00f6glich ist. Richtige Industrieanlagen w\u00fcrden aber Hunderte Millionen Dollar Investitionen erfordern.<\/p>\n<p>Einige Biosprit-Firmen konnten zwar mit einem B\u00f6rsengang das erforderliche Kapital einwerben. Doch die Investoren haben inzwischen das Interesse an Mikroben-Biosprit verloren. \u201eDie wenigsten Investoren sind bereit, f\u00fcr Machbarkeitsnachweise zu zahlen\u201c, sagt David Berry.<\/p>\n<p>Jay Keasling, einer der Gr\u00fcnder von LS9 und CEO des Joint BioEnergy Institute \u2013 das dem US-Energieministerim geh\u00f6rt \u2013, gibt zu, dass die Synthetische-Biologie- Branche langsamer als erhofft vorangekommen sei. Er geht davon aus, dass Biokraftstoffe auf absehbare Zeit das fossile Originale preislich nicht unterbieten k\u00f6nnen. Ein \u00d6l-Preis von 20 Dollar pro Barrel sei unerreichbar, sagt Keasling. \u201eIch hoffe, dass wir bei einem \u00d6lpreis von 100 Dollar pro Barrel mithalten k\u00f6nnen.\u201c Doch selbst um diese Preisklasse zu erreichen, seien weitere Fortschritte in den wissenschaftlichen Grundlagen und in der Anlagentechnik n\u00f6tig.<\/p>\n<p>Theoretisch seien Mikroben-Kraftstoffe sogar besser als Ethanol, das erst mit Zus\u00e4tzen tauglich f\u00fcr den Einsatz in Fahr- und Flugzeugen gemacht werden muss. Aus chemischen Gr\u00fcnden sei die Umwandlung von Zucker in die f\u00fcr Kraftstoffe typischen Kohlenwasserstoffe jedoch niedriger als die in Ethanol, sagt Keasling. \u201eEs ist sehr schwer, die Ertr\u00e4ge so zu steigern, dass sie wirtschaftlich werden.\u201c<\/p>\n<p>Um den Stoffwechsel der Mikroben zu beschleunigen und so die Ertr\u00e4ge zu vergr\u00f6\u00dfern, m\u00fcssten Bioingenieure genetische Eigenarten noch schneller erkennen und in einem Stoffwechseldesign umsetzen k\u00f6nnen, erl\u00e4utert Keasling. Ziel sei: \u201eWir m\u00fcssen in der Biotechnik so gut werden wie in der Mikroelektronik.\u201c Au\u00dferdem k\u00f6nnten auch die Pflanzen, die als Rohstoff dienen, noch verbessert werden und so dazu beitragen, die Kosten zu senken.<\/p>\n<p>Um sich von den Rohstoff-Kosten unabh\u00e4ngig zu machen, startete LS9-Mitgr\u00fcnder Berry einen zweiten Versuch. Sein Start-up Joule Unlimited will Mikroorganismen dazu bringen, aus Sonnenlicht, CO<sub>2<\/sub> und einigen N\u00e4hrstoffen Kraftstoffe zu produzieren.<\/p>\n<p>Andere Neugr\u00fcndungen der letzten Zeit versuchen erst gar nicht mehr, ins Gesch\u00e4ft mit Sprit aus Synthetischer Biologie einzusteigen. Lygos, die erste Ausgr\u00fcndung aus Keaslings Joint BioEnergy Institute setzt gleich von Anfang auf hochwertige Chemikalien f\u00fcr andere Hersteller. Doch selbst hier ist kein Erfolg garantiert, weil die Stoffe eine Qualit\u00e4t haben m\u00fcssen, wie sie die petrochemische Industrie seit Jahrzehnten erreicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Verkauf der US-Firma LS9 ist symptomatisch f\u00fcr das Scheitern von Start-ups, die mit Methoden der Synthetischen Biologie Mikroorganismen zu kosteng\u00fcnstigen Kraftstofffabriken machen wollten. Immer mehr satteln nun auf Spezialchemie um. 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