{"id":19081,"date":"2014-01-30T03:03:35","date_gmt":"2014-01-30T01:03:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.innovations-report.de\/html\/berichte\/materialwissenschaften\/spinnenseide_brustimplantate_neue_beschichtung_senkt_225410.html"},"modified":"2014-01-29T17:06:57","modified_gmt":"2014-01-29T15:06:57","slug":"spinnenseide-fur-brustimplantate-neue-beschichtung-senkt-das-risiko-medizinischer-komplikationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/spinnenseide-fur-brustimplantate-neue-beschichtung-senkt-das-risiko-medizinischer-komplikationen\/","title":{"rendered":"Spinnenseide f\u00fcr Brustimplantate: Neue Beschichtung senkt das Risiko medizinischer Komplikationen"},"content":{"rendered":"<p>Brustimplantate aus Silikon kommen seit vielen Jahren in der Chirurgie zum Einsatz. Doch obwohl Silikon f\u00fcr derartige medizinische Anwendungen hervorragend geeignet ist, kommt es in der Folge nicht selten zu Komplikationen.<\/p>\n<p>Einer Forschergruppe um Prof. Dr. Thomas Scheibel an der Universit\u00e4t Bayreuth ist es jetzt gelungen, die Brustimplantate mit einer d\u00fcnnen Haut aus biotechnologisch hergestellten Spinnenseidenproteinen zu \u00fcberziehen.<\/p>\n<p>Dadurch k\u00f6nnen, wie die erfolgreich abgeschlossenen vorklinischen Tests zeigen, schmerzhafte Folgewirkungen erheblich verringert oder ganz vermieden werden. Im Fachjournal \u201eAdvanced Functional Materials\u201c stellen die Wissenschaftler ihre Ergebnisse vor.<\/p>\n<figure id=\"attachment_19088\" aria-describedby=\"caption-attachment-19088\" style=\"width: 376px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-19088  \" alt=\"Seidenschicht\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Seidenschicht.jpg\" width=\"376\" height=\"283\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2014\/01\/Seidenschicht.jpg 697w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2014\/01\/Seidenschicht-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 376px) 100vw, 376px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-19088\" class=\"wp-caption-text\">Die rasterkraftmikroskopische Aufnahme zeigt links die Beschichtung aus Spinnenseidenproteinen. Diese ist hier nur 900 Nanometer dick. 1 Nanometer ist der millionste Teil eines Millimeters, 1 Mikrometer der tausendste Teil eines Millimeters. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist im Durchschnitt rund<br \/>70.000 Nanometer dick. (Bild: Lehrstuhl Biomaterialien, Universit\u00e4t Bayreuth)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Implantate, deren Au\u00dfenh\u00fclle aus Silikon besteht, dienen in vielen F\u00e4llen der plastischen Wiederherstellung einer Brust, die aufgrund einer Krebserkrankung amputiert wurde. Zudem sind sie unentbehrlich f\u00fcr Brustoperationen, die ohne vorherige Erkrankungen allein aus \u00e4sthetischen Gr\u00fcnden vorgenommen werden.<\/p>\n<p>Wenn nun das Silikon mit einer Haut aus Spinnenseidenproteinen \u00fcberzogen wird, die nicht dicker als 1 bis 5 Tausendstel Millimeter ist, werden die Funktion und die chirurgische Handhabbarkeit des Implantats dadurch in keiner Weise beeintr\u00e4chtigt. Zugleich toleriert das k\u00f6rpereigene Gewebe die Oberfl\u00e4che des Implantats viel besser als eine nicht beschichtete Silikonoberfl\u00e4che, so dass sich das Risiko medizinischer Komplikationen erheblich verringert.<\/p>\n<p>Zu diesen Komplikationen, die nicht selten in den ersten Monaten nach dem Einsatz unbeschichteter Silikonbrustimplantate auftreten, geh\u00f6rt insbesondere eine schmerzhafte Kapselfibrose. Dabei bildet sich um das Implantat eine Kapsel aus k\u00f6rpereigenem Narbengewebe, die h\u00e4ufig verh\u00e4rtet und sich zusammenzieht. Oftmals muss sie operativ entfernt werden.<\/p>\n<p>Bei diesem Eingriff muss das Implantat ausgewechselt werden. In den vorklinischen Tests mit den beschichteten Implantaten stellte sich heraus, dass die Seidenproteine die Neubildung von k\u00f6rpereigenem Binde- und Narbengewebe signifikant verringern. Die Kapsel, die um das Implantat herum entsteht, ist daher weniger stark und neigt auch weniger zu Verh\u00e4rtungen. Dar\u00fcber hinaus kommt es infolge der Seidenbeschichtung in erheblich weniger F\u00e4llen zu Entz\u00fcndungsreaktionen oder zu Absto\u00dfungsreaktionen des Immunsystems.<\/p>\n<figure id=\"attachment_19087\" aria-describedby=\"caption-attachment-19087\" style=\"width: 569px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-19087  \" alt=\"Grafik-Brustimplantat-Spinnenseide\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Grafik-Brustimplantat-Spinnenseide.jpg\" width=\"569\" height=\"289\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2014\/01\/Grafik-Brustimplantat-Spinnenseide.jpg 1003w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2014\/01\/Grafik-Brustimplantat-Spinnenseide-300x152.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 569px) 100vw, 569px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-19087\" class=\"wp-caption-text\">Die rasterkraftmikroskopische Aufnahme zeigt links die Beschichtung aus Spinnenseidenproteinen. Diese ist hier nur 900 Nanometer dick. 1 Nanometer ist der millionste Teil eines Millimeters, 1 Mikrometer der tausendste Teil eines Millimeters. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist im Durchschnitt rund 70.000 Nanometer dick. (Bild: Lehrstuhl Biomaterialien, Universit\u00e4t Bayreuth)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Grundlagen f\u00fcr die Herstellung der Spinnenseidenproteine sowie die Beschichtungstechnologie wurden unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Scheibel am Lehrstuhl f\u00fcr Biomaterialien der Universit\u00e4t Bayreuth entwickelt. Den Rahmen f\u00fcr diese Forschungsarbeiten bildeten ein Projekt des DFG-Sonderforschungsbereichs 840 \u201eVon partikul\u00e4ren Nanosystemen zur Mesotechnologie\u201c an der Universit\u00e4t Bayreuth sowie ein vom Universit\u00e4tsklinikum W\u00fcrzburg gef\u00f6rdertes Vorhaben.<\/p>\n<p>Bei den Spinnenseidenproteinen, welche die Vertr\u00e4glichkeit der Brustimplantate erheblich verbessern, handelt es sich um eADF4(C16)-Molek\u00fcle, die von der Biotech-Firma AMSilk GmbH in Martinsried mittlerweile im Industriema\u00dfstab produziert werden. AMSilk hat auch die Implantate beschichtet und dabei die hierf\u00fcr in Bayreuth entwickelte Technologie umgesetzt. Bei ihren vorklinischen Studien haben die Bayreuther Biomaterialforscher eng mit Medizinern am Universit\u00e4tsklinikum Leipzig sowie wiederum mit Wissenschaftlern der AMSilk GmbH zusammengearbeitet.<\/p>\n<p>\u201eSpinnenseide mit ihren au\u00dfergew\u00f6hnlichen mechanischen Eigenschaften fasziniert Forscher seit vielen Jahrzehnten\u201c, erkl\u00e4rt Prof. Scheibel. \u201eBereits in der Antike wurden positive wundheilungsf\u00f6rdernde Effekte beschrieben. Mit unserer neuen Studie ist es gelungen, das Potenzial biotechnologisch hergestellter Spinnenseidenproteine beispielhaft an einer Beschichtung f\u00fcr Silikonbrustimplantate zu zeigen. Die Ergebnisse ermutigen uns, weitere medizintechnische Anwendungen zu verfolgen.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_19086\" aria-describedby=\"caption-attachment-19086\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-19086 \" alt=\"Prof-Dr-Thomas-Scheibel-thumb\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Prof-Dr-Thomas-Scheibel-thumb.jpg\" width=\"300\" height=\"215\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-19086\" class=\"wp-caption-text\">Prof. Dr. Thomas Scheibel leitet seit 2007 den<br \/>Lehrstuhl Biomaterialien an der Universit\u00e4t Bayreuth.<\/figcaption><\/figure>\n<p><em><strong>Zur Person<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Prof. Dr. Thomas Scheibel leitet seit 2007 den Lehrstuhl Biomaterialien an der ingenieurwissenschaftlichen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Bayreuth. Er geh\u00f6rt dem Editorial Board verschiedener Zeitschriften an und ist Sprecher des Fachausschusses \u201eBioinspirierte Materialien und Bionik\u201c der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Materialkunde (DGM). Prof. Scheibel wurde u.a. mit dem Karl-Heinz-Beckurts-Preis (2008) und der Heinz Maier-Leibnitz-Medaille (2007) ausgezeichnet; 2007 war er Sieger im bundesweiten Ideenwettbewerb &#8220;Bionik \u2013 Innovation aus der Natur&#8221; des Bundesministeriums f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF). 2013 erhielt er den DECHEMA-Preis der Max-Buchner-Stiftung.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Ver\u00f6ffentlichung:<\/strong><\/em><br \/>\n<em>Philip H. Zeplin, Nathalie C. Maksimovikj, Martin C. Jordan, Joachim Nickel, Gregor Lang, Axel H. Leimer, Lin R\u00f6mer, Thomas Scheibel, &#8216;Spider Silk Coatings as a Bioshield to Reduce Periprosthetic Fibrous Capsule Formation&#8217;, In: Advanced Functional Materials; Article first published online: 13 Jan 2014<\/em><\/p>\n<p>DOI: 10.1002\/adfm.201302813<\/p>\n<p>Die Publikation ist frei verf\u00fcgbar (open access).<\/p>\n<p>Abstract: <a href=\"http:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1002\/adfm.201302813\/abstract \" target=\"_blank\">http:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1002\/adfm.201302813\/abstract<br \/>\n<\/a><\/p>\n<p><strong>Kontakt<br \/>\n<\/strong>Prof. Dr. Thomas Scheibel<br \/>\nUniversit\u00e4t Bayreuth<br \/>\nLehrstuhl f\u00fcr Biomaterialien<br \/>\nFakult\u00e4t f\u00fcr Ingenieurwissenschaften<br \/>\nD-95440 Bayreuth<br \/>\nTel.: +49 (0)921 \/ 55-7361<br \/>\nE-Mail: <a href=\"mailo:thomas.scheibel@uni-bayreuth.de\" target=\"_blank\">thomas.scheibel@uni-bayreuth.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[Materialwissenschaften] Einer Forschergruppe um Prof. Dr. Thomas Scheibel an der Universit&auml;t Bayreu&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[934,655,3077],"class_list":["post-19081","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-amsilk-gmbh","supplier-universitaet-bayreuth","supplier-universitaetsklinikum-leipzig"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19081","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=19081"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/19081\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19081"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19081"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19081"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=19081"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}