{"id":18754,"date":"2014-01-09T03:06:32","date_gmt":"2014-01-09T01:06:32","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=18754"},"modified":"2014-01-08T12:43:56","modified_gmt":"2014-01-08T10:43:56","slug":"nachhaltige-rohstoffe-fur-chemieindustrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/nachhaltige-rohstoffe-fur-chemieindustrie\/","title":{"rendered":"Nachhaltige Rohstoffe f\u00fcr Chemieindustrie"},"content":{"rendered":"<p>Chemieunternehmen in Deutschland nutzen j\u00e4hrlich rund drei Millionen Tonnen Rohstoffe aus der Pflanzenwelt: \u00d6le, Zellstoff, St\u00e4rke, Zucker, Naturkautschuk und andere. Aus pflanzlichen Chemikalien lassen sich zum Beispiel Klebstoffe, Waschmittel oder Biokunststoffe herstellen. Der Bedarf an diesen Rohstoffen wird zunehmen, meint J\u00f6rg Rothermel. Er ist im Verband der Chemischen Industrie (VCI)f\u00fcr Energie, Klimaschutz und Rohstoffpolitik zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Die wachsende Nachfrage hat Folgen: Um die begehrten Rohstoffe zu gewinnen, holzen Firmen vielerorts Regenw\u00e4lder ab oder nehmen, von Regierungen geduldet oder unterst\u00fctzt, Menschen ihr Land weg und damit ihre Lebensgrundlage. Ein Beispiel ist Palm\u00f6l &#8211; ein Ausgangsprodukt f\u00fcr Speise\u00f6l, Biosprit, Schmier\u00f6l oder kosmetische Produkte. In vielen L\u00e4ndern S\u00fcdostasiens stehen heute Palm\u00f6lplantagen dort, wo fr\u00fcher Regenw\u00e4lder und Torfmoore waren, klagt Martina Fleckenstein vom World Wide Fund for Nature (WWF). F\u00fcr den Anbau solcher Rohstoffe, fordert sie &#8220;anspruchsvolle \u00f6kologische und soziale Kriterien&#8221;.<\/p>\n<p>Ende 2013 beschlossen Fachleute der Chemieindustrie, der Deutschen Welthungerhilfe und aus Umweltverb\u00e4nden etwas zu tun. Gemeinsam mit der Fachagentur f\u00fcr Nachwachsende Rohstoffe (FNR) , einem vom Bund gef\u00f6rderten Verein, verabschiedeten sie einen Kriterienkatalog. Bei der Bodennutzung, dem Anbau und der Produktion sollten Bio-Rohstoffe danach strenge Bedingungen erf\u00fcllen um als nachhaltig hergestellt zu gelten.<\/p>\n<p>Die Vereinbarung orientiert sich an einem EU-Kriterienkatalog f\u00fcr die Nutzung von Biomasse als Energietr\u00e4ger aus dem Jahr 2009. Die neue Vereinbarung geht aber noch dar\u00fcber hinaus, freut sich die Umweltsch\u00fctzerin Fleckenstein. So gibt es 25 \u00f6kologische Kriterien. So darf etwa kein Regenwald gerodet, kein Moor trocken gelegt und auch keine artenreiche Savanne beackert werden. Zudem soll die Bodenqualit\u00e4t erhalten bleiben und Nitratauswaschungen vermieden werden.<\/p>\n<p>Zu den 19 sozialen Kriterien z\u00e4hlt das Recht der Bewohner des Landes und der Landarbeiter auf sauberes Trinkwasser, feste Unterk\u00fcnfte sowie eine vern\u00fcnftige Bezahlung. Kinderarbeit ist verboten. Das freut auch Rafael Schneider von der Deutschen Welthungerhilfe, denn in den EU-Nachhaltigkeitskriterien f\u00fcr die energetische Nutzung von Biomasse fehle diese Dimension der Nachhaltigkeit v\u00f6llig. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen die Regierungen und Produzenten von Biorohstoffen Ma\u00dfnahmen gegen Bestechung nachweisen und dokumentieren, wie sie die Anbaufl\u00e4che nutzen.<\/p>\n<p>&#8220;Das Festlegen dieser Standards ist der erste Schritt&#8221;, sagt die WWF-Vertreterin Fleckenstein. Jetzt m\u00fcsse gepr\u00fcft werden, ob sie auch praxistauglich sind. FNR-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Andreas Sch\u00fctte erkl\u00e4rt wie das gehen soll: Von 2014 an soll Biomasse, aus denen Schmier- und Kunststoffe hergestellt werden, nach den verabschiedeten Kriterien getestet und zertifiziert werden. Dadurch werden immer mehr Chemiefirmen beim Einkauf von Biomasse auf deren nachhaltige Herstellung achten und das auch von den Lieferanten einfordern, hofft Sch\u00fctte.<\/p>\n<p>&#8220;Am Ende muss das aber jedes Unternehmen f\u00fcr sich entscheiden&#8221;, gibt Rothermel zu bedenken. Der VCI-Mann h\u00e4lt wenig davon, die Kriterien gesetzlich festzuschreiben. &#8220;Das k\u00f6nnte Unternehmen, die Biomasse nutzen wollen, abschrecken,&#8221; warnt er. Nachhaltig hergestellte Biomasse sei relativ teuer, denn Arbeiter m\u00fcssten besser bezahlt werden und Firmen m\u00fcssten bessere Lager f\u00fcr Pestizide errichten.<\/p>\n<p>Norbert Schmitz, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Firma International Sustainability &amp; Carbon Certification (ISCC), einem weltweit agierenden Zertifizierungsunternehmen f\u00fcr Biomasse und Bioenergie aus K\u00f6ln, gibt ein Beispiel: &#8220;Eine Tonne zertifiziertes Palm\u00f6l kostet heute etwa 30 bis 40 Euro mehr als nicht zertifiziertes Palm\u00f6l.&#8221; Bei einem Preis von etwa 600 Euro f\u00fcr eine Tonne Palm\u00f6l ist das ein deutlicher Kostennachteil gegen\u00fcber Wettbewerbern, die nicht-zertifiziertes Palm\u00f6l verwenden.<\/p>\n<p>Farben, Kunststoffe und Arzneien lassen sich aus Pflanzen herstellen. Ganz ohne Erd\u00f6l. Und in gro\u00dfem Ma\u00dfstab. Diese Vision hat der Chemiker und Unternehmer Hermann Fischer. Die Zukunft der Chemie ist gr\u00fcn f\u00fcr ihn.<\/p>\n<p>Der Anteil an Biomasse f\u00fcr die chemische Produktion liegt in Deutschland bei 13 Prozent. Der mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Rohstoff f\u00fcr die Produktion sind fossile Energien. Nach Ansicht von VCI-Mann Rothermelk\u00f6nnte dieser nicht durch Biomasse ersetzt werden ohne die Nahrungsmittelproduktion zu verd\u00e4ngen. Rothermel zieht einen Vergleich: Die gr\u00f6\u00dfte Zuckerrohrm\u00fchle Brasiliens verarbeitet j\u00e4hrlich rund zehn Millionen Tonnen Zuckerrohr, die auf mehr als 1.000 Quadratkilometer wachsen. Daraus lie\u00dfe sich zwar eine gro\u00dfe Menge an Grundstoffen f\u00fcr Chemiefirmen gewinnen, doch wolle man die Chemieindustrie in Deutschland entsprechend mit Biomasse versorgen, so Rothermel, &#8220;m\u00fcssten wir Halbdeutschland mit entsprechenden Nutzpflanzen bebauen und das ist nat\u00fcrlich undenkbar&#8221;.<\/p>\n<p>Es scheint, dass Erd\u00f6l und Erdgas mittelfristig wohl die wichtigsten Rohstoffquellen f\u00fcr die deutsche Chemieindustrie bleiben. Doch immerhin: Die Biomasse, von denen Chemiefirmen mehr und mehr einsetzen, kann zuk\u00fcnftig nachhaltig hergestellt sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chemieunternehmen in Deutschland nutzen j\u00e4hrlich rund drei Millionen Tonnen Rohstoffe aus der Pflanzenwelt: \u00d6le, Zellstoff, St\u00e4rke, Zucker, Naturkautschuk und andere. Aus pflanzlichen Chemikalien lassen sich zum Beispiel Klebstoffe, Waschmittel oder Biokunststoffe herstellen. Der Bedarf an diesen Rohstoffen wird zunehmen, meint J\u00f6rg Rothermel. Er ist im Verband der Chemischen Industrie (VCI)f\u00fcr Energie, Klimaschutz und Rohstoffpolitik zust\u00e4ndig. [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"","nova_meta_subtitle":"","footnotes":""},"categories":[5572],"tags":[],"supplier":[1245,5520,19232,1557,3532,21310,3545,600,455,21885,330],"class_list":["post-18754","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bio-based","supplier-coca-cola-co","supplier-danone-sa","supplier-fachagentur-nachwachsende-rohstoffe-e-v-fnr","supplier-ford-motor-company","supplier-international-sustainability-carbon-certification-iscc","supplier-nestle","supplier-nike","supplier-procter-gamble","supplier-unilever","supplier-vci-verband-der-chemischen-industrie-e-v","supplier-world-wide-fund-for-nature-wwf"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18754","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/users\/59"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=18754"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/18754\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18754"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18754"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18754"},{"taxonomy":"supplier","embeddable":true,"href":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-json\/wp\/v2\/supplier?post=18754"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}