{"id":18332,"date":"2013-12-03T10:02:08","date_gmt":"2013-12-03T08:02:08","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=18332"},"modified":"2021-09-09T21:50:36","modified_gmt":"2021-09-09T19:50:36","slug":"biokunststoff-und-plastik-haben-denselben-grundpreis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/biokunststoff-und-plastik-haben-denselben-grundpreis\/","title":{"rendered":"Biokunststoff und Plastik haben denselben Grundpreis"},"content":{"rendered":"<p><em>Herr Verbruggen, Sie leiten NatureWorks, den weltgr\u00f6\u00dften Hersteller von Biokunststoffen. Sie produzieren Rohstoffe aus Pflanzen wie Mais und k\u00fcnftig auch aus Ernteabf\u00e4llen oder aus Kohlendioxid. Firmen wie Danone machen daraus dann zum Beispiel Jogurtbecher. Was treibt Ihre Kunden dazu, Plastik durch erneuerbaren Kunststoff zu ersetzen?<\/em><\/p>\n<p>Meist ist es eine Mischung aus Umweltbewusstsein und wirtschaftlichem Kalk\u00fcl. Einige wenige Firmen haben Kunden, die f\u00fcr ein Produkt aus pflanzlichen Rohstoffen gern mehr zahlen \u2013 etwa in der \u201egr\u00fcnen Mode\u201c. Viele Firmen, etwa Danone, steigen aber zumindest dann auf CO<sub>2<\/sub>-armen Kunststoff um, wenn er genau so teuer ist wie Plastik. Das ist oft strategisch: Wenn \u00d6l und damit Plastik sich weiter verteuert, wollen sie leicht auf pflanzliche Quellen umstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Nicht alle bewerben ihre Produkte aus Biokunststoff also als \u201egr\u00fcn\u201c?<\/em><\/p>\n<p>Nein, das w\u00fcrde die Aufmerksamkeit nur darauf lenken, dass sie auch nicht-so-gr\u00fcnes Plastik verwenden. Stattdessen sind etwa US-Handelsketten wie Walmart oder Target voller Verpackungen aus Biokunststoff, die sich nicht von Plastik unterscheiden. Je nach Preis wird der Anteil erh\u00f6ht oder gesenkt \u2013 und kein Kunde merkt es.<\/p>\n<p><em>Wenn Biokunststoffe so teuer wie Plastik sind, warum setzen sie nicht alle H\u00e4ndler und Hersteller ein?<\/em><\/p>\n<p>Die Preise sind auf Granulatebene gleich. Wegen kleinem Volumen und hohen St\u00fcckkosten ist die Endverpackung noch teurer. Der Preisvorteil h\u00e4ngt auch vom Einsatzgebiet ab. Bei Verpackungen f\u00fcr Fast-Food-Ketten kann es lokal g\u00fcnstiger sein, Biokunststoffe zu kompostieren, weil ansonsten Verpackungs- von organischem M\u00fcll wie Essenresten getrennt werden muss.<\/p>\n<p>Nicht alle Biokunststoffe sind kompostierbar. In Deutschland wurden zum Beispiel Aldi und Rewe von Umweltgruppen attackiert, weil sie behauptet hatten, ihre neuen T\u00fcten seien wie Biom\u00fcll. Dabei m\u00fcssen sie mechanisch kompostiert werden.<\/p>\n<p>Es ist ein Missverst\u00e4ndnis, das aus den Anfangstagen von Bio-Kunststoffen r\u00fchrt. Damals war es neu, dass Kunststoff kompostierbar sein kann. Kompostierbare T\u00fcten zur Sammlung von Bioabfall in der K\u00fcche sind aus hygienischen Gr\u00fcnden gut, denn die Menschen trennen mehr Bioabf\u00e4lle. Ansonsten sollte Plastik wie bisher recycelt werden. Heute werden sie meist mit anderen Stoffen je nach Einsatzfeld des Produktes gemischt \u2013 so dass es oft sinnvoller ist, sie zu recyceln. Es gibt zum Beispiel Computer- und Handygeh\u00e4use mit Biokunststoff-Anteil. Damit sie stabil sind, enthalten sie derzeit noch synthetische Stoffe \u2013 aber Sie wollen Ihr Handy ja ohnehin nicht kompostieren. Es reicht aus, wenn es recycelbar ist. Wichtig ist eine korrekte Kennzeichnung, die den Verbrauchern nichts Falsches verspricht.<\/p>\n<p><em>Hoffen Sie, dass die Politik Plastik verbietet, wo es Alternativen gibt?<\/em><\/p>\n<p>In der Gesetzgebung muss man ma\u00dfvoll vorgehen. China hat Polystyrol verboten, als es f\u00fcr manche Anwendungen noch keine gr\u00fcne Alternative gab. Das erzeugt Ablehnung des Neuen. Besser ging Taiwan vor, das vorschrieb, 15 Prozent aller Einwegkunststoffe m\u00fcssen erneuerbar sein. Das schuf einen Markt f\u00fcr die Hersteller, die so wachsen und innovativ sein konnten, dass sie heute weltweit erfolgreich sind.<\/p>\n<p><em>W\u00e4re es denn m\u00f6glich, alle Plastikprodukte durch Biokunststoffe zu ersetzen? Br\u00e4uchte das nicht so viele Pflanzen, dass dann die Felder zum Anbau von Nahrungsmitteln fehlten?<\/em><\/p>\n<p>Das ist der Unterschied zu Treibstoff. 95 Prozent des Erd\u00f6ls wird zu Treibstoff \u2013 der Rest geht in alles andere, inklusive synthetischer Textilien und Plastik. Das Verh\u00e4ltnis bliebe auch beim Vergleich von Bio-Sprit und Bio-Kunststoff so. Man k\u00f6nnte alles Plastik wie Polystyrol in der EU durch Bio-Kunststoff ersetzen, und br\u00e4uchte nur einen winzigen Teil der Zucker- oder Maisproduktion. Wir halten es darum f\u00fcr einen Fehler, dass die EU sich so auf Bio-Treibstoff konzentriert. Es w\u00e4re unsagbar viel Ethanol n\u00f6tig, um \u00d6l im Benzin zu ersetzen \u2013 bei Kunststoff eben nicht. Die EU hat da eine gro\u00dfe Chance lange untersch\u00e4tzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Herr Verbruggen, Sie leiten NatureWorks, den weltgr\u00f6\u00dften Hersteller von Biokunststoffen. Sie produzieren Rohstoffe aus Pflanzen wie Mais und k\u00fcnftig auch aus Ernteabf\u00e4llen oder aus Kohlendioxid. Firmen wie Danone machen daraus dann zum Beispiel Jogurtbecher. Was treibt Ihre Kunden dazu, Plastik durch erneuerbaren Kunststoff zu ersetzen? Meist ist es eine Mischung aus Umweltbewusstsein und wirtschaftlichem Kalk\u00fcl. 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