{"id":181823,"date":"2026-10-02T07:26:00","date_gmt":"2026-10-02T05:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=181823"},"modified":"2026-09-28T13:34:23","modified_gmt":"2026-09-28T11:34:23","slug":"waschmittel-aus-abgas-trikots-aus-holz-so-will-die-chemie-ohne-erdol-auskommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/waschmittel-aus-abgas-trikots-aus-holz-so-will-die-chemie-ohne-erdol-auskommen\/","title":{"rendered":"Waschmittel aus Abgas, Trikots aus Holz: So will die Chemie ohne Erd\u00f6l auskommen"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Geschichte kann sich wiederholen. Wind- und Solarenergie starteten als teure Alternativen und sind heute zentrale S\u00e4ulen des Energiesystems. Bei den Rohstoffen f\u00fcr Chemie und Kunststoffen k\u00f6nnte eine \u00e4hnliche Entwicklung bevorstehen. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Energie l\u00e4sst sich dekarbonisieren, die organische Chemie nicht. Sie braucht das Element Kohlenstoff. Und dieses holt sie sich noch \u00fcberwiegend aus Erd\u00f6l und Erdgas.&nbsp;<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"512\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/09\/nova_3-scaled-e1790255599644-2048x1024-1-1024x512.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-181838\" style=\"width:662px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/09\/nova_3-scaled-e1790255599644-2048x1024-1-1024x512.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/09\/nova_3-scaled-e1790255599644-2048x1024-1-300x150.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/09\/nova_3-scaled-e1790255599644-2048x1024-1-150x75.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/09\/nova_3-scaled-e1790255599644-2048x1024-1-768x384.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/09\/nova_3-scaled-e1790255599644-2048x1024-1-1536x768.jpg 1536w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/09\/nova_3-scaled-e1790255599644-2048x1024-1-400x200.jpg 400w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/09\/nova_3-scaled-e1790255599644-2048x1024-1.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u00a9 nova-Institut<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Alternativen mit erneuerbarem Kohlenstoff sind aber zunehmend verf\u00fcgbar. Dies zeigte die \u201e<a href=\"https:\/\/renewable-materials.eu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Renewable Materials Conference<\/a>\u201c des&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.nova-institut.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">nova-Instituts<\/a>&nbsp;vom 22. bis 24. September 2026 in Siegburg. Erneuerbarer Kohlenstoff kann aus drei Quellen kommen: Biomasse, CO\u2082 und Recycling.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDabei geht es l\u00e4ngst nicht mehr nur um Klimaschutz\u201c, sagt Lars B\u00f6rger, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des nova-Instituts. \u201eEine breitere Kohlenstoffbasis schafft Optionen und macht die europ\u00e4ische Chemie resilienter gegen\u00fcber geopolitischen und wirtschaftlichen Schocks.\u201c Ein Beispiel: Von Januar bis Mai 2026 stieg der Preis f\u00fcr neu hergestelltes \u201elow-density-Polyethylen (LDPE) aufgrund des Irankriegs und der Schlie\u00dfung der Stra\u00dfe von Hormus um 72%, der f\u00fcr rezykliertes LDPE hingegen nur um 8%.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Inhaltsverzeichnis<\/h3>\n\n\n\n<div style=\"height:16px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/www.ingenieur.de\/fachmedien\/vdi-energie-umwelt\/umwelt\/chemie\/waschmittel-aus-abgas-trikots-aus-holz-so-will-die-chemie-vom-erdol-loskommen\/#drei-quellen-erneuerbaren-kohlenstoffs\">Drei Quellen erneuerbaren Kohlenstoffs<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.ingenieur.de\/fachmedien\/vdi-energie-umwelt\/umwelt\/chemie\/waschmittel-aus-abgas-trikots-aus-holz-so-will-die-chemie-vom-erdol-loskommen\/#1-preis-waschen-%e2%88%92-teilweise-mit-co2\">1. Preis: Waschen \u2212 teilweise mit CO2<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.ingenieur.de\/fachmedien\/vdi-energie-umwelt\/umwelt\/chemie\/waschmittel-aus-abgas-trikots-aus-holz-so-will-die-chemie-vom-erdol-loskommen\/#2-preis-stabile-zellulosefaeden-statt-polyester\">2. Preis: Stabile Zellulosef\u00e4den statt Polyester<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.ingenieur.de\/fachmedien\/vdi-energie-umwelt\/umwelt\/chemie\/waschmittel-aus-abgas-trikots-aus-holz-so-will-die-chemie-vom-erdol-loskommen\/#3-preis-abwaesser-reinigen-mit-zuckerrueben\">3. Preis: Abw\u00e4sser reinigen mit Zuckerr\u00fcben<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.ingenieur.de\/fachmedien\/vdi-energie-umwelt\/umwelt\/chemie\/waschmittel-aus-abgas-trikots-aus-holz-so-will-die-chemie-vom-erdol-loskommen\/#polyurethan-mit-co2-und-ohne-isocyanat\">Polyurethan mit CO2 und ohne Isocyanat<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.ingenieur.de\/fachmedien\/vdi-energie-umwelt\/umwelt\/chemie\/waschmittel-aus-abgas-trikots-aus-holz-so-will-die-chemie-vom-erdol-loskommen\/#biofolien-stabiler-im-wasser\">Biofolien stabiler im Wasser\u00a0<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.ingenieur.de\/fachmedien\/vdi-energie-umwelt\/umwelt\/chemie\/waschmittel-aus-abgas-trikots-aus-holz-so-will-die-chemie-vom-erdol-loskommen\/#schwarzer-kunststoff-recycelbar-dank-lignin\">Schwarzer Kunststoff recycelbar dank Lignin<\/a><\/li>\n\n\n\n<li><a href=\"https:\/\/www.ingenieur.de\/fachmedien\/vdi-energie-umwelt\/umwelt\/chemie\/waschmittel-aus-abgas-trikots-aus-holz-so-will-die-chemie-vom-erdol-loskommen\/#das-transformationsparadox\">Das Transformationsparadox<\/a><\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<div style=\"height:19px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"drei-quellen-erneuerbaren-kohlenstoffs\">Drei Quellen erneuerbaren Kohlenstoffs<\/h3>\n\n\n\n<p>F\u00fcr erneuerbaren Kohlenstoff gibt es drei Rohstoffquellen: Er kann aus der Natur stammen, also biobasiert sein. Wiedergewonnener Kohlenstoff aus Kunststoffabf\u00e4llen z\u00e4hlt ebenso zu den Erneuerbaren. Last but not least l\u00e4sst sich Kohlenstoff aus der Luft oder einfacher aus Industrieabgasen gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wie auf jeder Renewable Materials-Konferenz seit 2021 w\u00e4hlten die Teilnehmenden das beste neue Produkt mit erneuerbarem Kohlenstoff aus. Ein Gremium hatte zuvor sechs Produkte ausgew\u00e4hlt. Die Preise sponsorte der Leverkusener Chemiekonzern Covestro. Der Gewinner kam aus Gro\u00dfbritannien, der zweite Preis ging in die Schweiz und der Dritte nach Finnland.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"1-preis-waschen-%e2%88%92-teilweise-mit-co2\">1. Preis: Waschen \u2212 teilweise mit CO<sub>2<\/sub><\/h3>\n\n\n\n<p>Die britische Firma&nbsp;<a href=\"https:\/\/viridico2.co.uk\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Viridi<\/a>&nbsp;aus Southampton, England, bietet unter dem Namen \u201cVireya\u201c das weltweit erste anionische Tensid, das CO\u2082 enth\u00e4lt, an. Diese Tenside sind in Haushalts- und K\u00f6rperpflegeprodukten allgegenw\u00e4rtig, haben aber einen hohen CO\u2082-Fu\u00dfabdruck.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr noch: Bei Vireya handelt es sich um ein Carbonat-Alkyoxlat-Tensid. Um solche Tenside herzustellen, reagiert CO<sub>2<\/sub>&nbsp;mit reaktiven Epoxiden wie Ethylenoxid oder Propylenoxid. Die wichtigste Neuerung von Viridi bestand darin, CO\u2082 mithilfe eines speziellen Katalysators zu einem zus\u00e4tzlichen Reaktionspartner in diesem Prozess zu machen. Das CO\u2082 dazu stammt idealerweise aus einem Abgasstrom eines Unternehmens. Im Ergebnis bilden sich dabei Polymerketten aus CO<sub>2<\/sub>und den Epoxiden.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/c02.purpledshub.com\/uploads\/sites\/97\/2026\/09\/VireyaTM-by-Viridi-for-SEPAWA-Innovation-Zone.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-80388\" style=\"width:668px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Produkte aus dem in Siegburg, Nordrhein-Westfalen, preisgekr\u00f6nten Kunststoff Vireya, in dem CO<sub>2<\/sub> eingebaut wurde. \u00a9 Viridi<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Mit einem CO\u2082-Anteil von bis zu 33 % weist Vireya einen CO<sub>2<\/sub>-Fu\u00dfabdruck auf, der bis zu 70 % niedriger ist als bei etablierten Produkten. Der eingesetzte Katalysator ist zudem recycelbar und wiederverwendbar. Und dessen Herstellung kann in bestehenden Chemieanlagen problemlos skaliert werden. Vireya-Tenside werden bereits von Herstellern von Tensiden sowie Markeninhabern und Formulierern aus den Bereichen Haushaltspflege, K\u00f6rperpflege und Kosmetik getestet.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"2-preis-stabile-zellulosefaeden-statt-polyester\">2. Preis: Stabile Zellulosef\u00e4den statt Polyester<\/h3>\n\n\n\n<p>Die&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.aeoniq.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">AeoniQ Holding<\/a>&nbsp;aus Schlieren, einem Vorort von Z\u00fcrich, erhielt den zweiten Preis f\u00fcr ein zellulose-basiertes Endlosgarn. Das Unternehmen hat dieses Garn mit dem Namen AeoniQ als Alternative zu Polyester und etablierten zellulosischen Garnen entwickelt. Als Rohstoff dienen erneuerbare Zellulosequellen wie Holzzellstoff, Textilabf\u00e4lle oder bislang ungenutzte landwirtschaftliche Reststoffen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Herstellung wird Zellulose in einem eigens entwickelten Verfahren aufbereitet, modifiziert und zu Filamenten versponnen. Dabei kommen keine toxischen Chemikalien zum Einsatz. Das Unternehmen betreibt die Produktion mit erneuerbarer Energie. Ziel ist es, die nat\u00fcrlichen sinnvollen Eigenschaften der Zellulose zu erhalten und gleichzeitig die Leistungsf\u00e4higkeit synthetischer Fasern zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ende 2026 soll in Caima in Portugal die erste industrielle Produktionsanlage in Betrieb gehen. Dort will die Holding j\u00e4hrlich bis zu 36 t AeoniQ-Garn herstellen. In weiteren Ausbaustufen plant das Unternehmen, die Produktionskapazit\u00e4t deutlich auf 1.750 t zu erh\u00f6hen und das Material weltweit als nachhaltige Alternative zu erd\u00f6lbasierten Filamentgarnen und etablierten zellulosischen Fasern zu produzieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das funktioniert. Ein Beispiel ist die hohe Festigkeit des Garns: Mit einer Festigkeit von rund 30 Zentinewton pro Tex (cN\/tex) wird eine vielf\u00e4ltige Anwendung erm\u00f6glicht. Gleichzeitig ist das Garn biologisch abbaubar; es baut sich am Ende seines Lebenszyklus unter nat\u00fcrlichen Bedingungen innerhalb von zw\u00f6lf Wochen vollst\u00e4ndig ab. AeoniQ eignet sich laut Hersteller f\u00fcr Sportbekleidung wie Trikots, f\u00fcr Mode, Heimtextilien, Autotextilien und technische Textilien.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/c02.purpledshub.com\/uploads\/sites\/97\/2026\/09\/01_exterior_2026_03_05_v3_done.jpg\" alt=\"Caima, Portugal: Dort will die AeoniQ Holding aus der Schweiz ein neues Endlos-Garn aus Zellulose produzieren. Start ist Ende 2026.\" class=\"wp-image-80401\" style=\"width:665px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Caima, Portugal: Dort will die AeoniQ Holding aus der Schweiz ein neues Endlos-Garn aus Zellulose produzieren. Start ist Ende 2026. \u00a9 AeoniQ Holding<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"3-preis-abwaesser-reinigen-mit-zuckerrueben\">3. Preis: Abw\u00e4sser reinigen mit Zuckerr\u00fcben<\/h3>\n\n\n\n<p>Das finnische Unternehmen&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.kemira.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kemira<\/a>&nbsp;mit Hauptsitz in Helsinki hat einen Durchbruch in der Abwasserbehandlung erzielt. Sein Produkt KemAlpha, das aus dem Zweifachzucker Saccharose, gewonnen aus Zuckerr\u00fcben, hergestellt wird, kann organische Flockungsmittel auf Erd\u00f6lbasis ersetzen. Dazu werden diese Zweifachzucker durch Enzyme zu Alpha-Glucanen polymerisiert. Dieses Polysaccharide stellt Kemira in einem gemeinsamen Produktions-Joint-Venture mit dem Unternehmen International Flavors &amp; Fragrances (IFF) her \u2013 in Hanko westlich von Helsinki am finnischen Meerbusen. IFF ist ein in den USA ans\u00e4ssiger Hersteller von Duft- und Aromastoffen mit Sitz in New York.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend modifiziert Kemira dieses Polysachharid, um die Eigenschaften zu erzeugen, die es kommunalen und industriellen Kl\u00e4ranlagen erm\u00f6glichen, Feinpartikel aus dem Abwasser zu entfernen. Kemira bietet KemAlpha in fl\u00fcssiger Form und als Pulver an. Eine Hersteller von Milch-, K\u00e4se und Joghurt-Produkten in Nordeuropa setzt KemAlpha bereits erfolgreich ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch nicht nur die drei Preistr\u00e4ger hatten interessante Produkte dabei.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"polyurethan-mit-co2-und-ohne-isocyanat\">Polyurethan mit CO<sub>2<\/sub>&nbsp;und ohne Isocyanat<\/h3>\n\n\n\n<p>Das erste kommerziell erh\u00e4ltliche Polyurethan, das zum Teil aus CO<sub>2<\/sub>&nbsp;besteht und gleichzeitig ohne Isocyanate hergestellt wurde, stammt aus Taiwan: Die Firma \u201e<a href=\"http:\/\/www.fenc.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Far Eastern New Century<\/a>\u201c mit Sitz in Taipeh stellt dort dieses isocyanatfreie Polyurethan, kurz NIPU, her. Es ist ein Elastomer und hei\u00dft \u201eTopgreen AirTek PU\u201c. Das CO<sub>2<\/sub>&nbsp;gewinnt das Unternehmen aus Abgasen eigener Anlagen und stellt daraus den Polyol-Baustein der Polyurethane her. Und das f\u00fcr Polyurethane wichtige Element chemische Stickstoff f\u00fchrt die Firma nicht \u2212 wie \u00fcblich \u2212 \u00fcber Isocyanate ein, sondern \u00fcber ein Diamin. Das Elastomer \u201eTopgreen AirTek PU\u201c kann eingesetzt werden, um Membranen herzustellen oder elastische Fasern f\u00fcr Schuhmaterialien oder Kunstleder.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"biofolien-stabiler-im-wasser\">Biofolien stabiler im Wasser&nbsp;<\/h3>\n\n\n\n<p>Das \u201e<a href=\"https:\/\/jgfermart.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Institute for Bioengineering of Catalonia<\/a>\u201c (IBEC), mit Sitz in Barcelona, Spanien, hat ein biologisch abbaubares Material f\u00fcr Produkte wie Folien und Beh\u00e4lter entwickelt, die in feuchten Umgebungen zum Einsatz kommen. Das \u201eInstitut f\u00fcr Bioingenieurwesen von Katalonien\u201c nennt es \u201eAquaChitin\u201c. Dieses Material basiert auf dem nat\u00fcrlichen Polymer Chitosan, das als Nebenprodukt bei der Verarbeitung von Krustentieren wie Garnelen und Krebsen gewonnen wird.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/c02.purpledshub.com\/uploads\/sites\/97\/2026\/09\/IBec.png\" alt=\"Diese Folie zeigt, dass sich das Biomaterial aus Barcelona auch f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Anwendungen eignet.\" class=\"wp-image-80387\" style=\"width:689px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Diese Folie zeigt, dass sich das Biomaterial aus Barcelona auch f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Anwendungen eignet. \u00a9 IBEC<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Das Besondere: Wenn Wasser in die Polymermatrix eindringt, wird das Material fester. Der Grund hierf\u00fcr sind Nickelionen, die IBEC dem Material hinzugibt. Zwischen dem benachbarten Chitosan-Polymerketten entsteht ein dynamisches Netzwerk aus schwachen, reversiblen Bindungen, sogenannten Wasserstoffbr\u00fcckenbindungen. Die Nickelionen fungieren quasi als Br\u00fccke: Sie binden koordinativ an die Chitosan-Ketten und an Wassermolek\u00fcle und verkn\u00fcpfen so das Netzwerk.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Angaben des Instituts ist AquaChitin das erste biologische Material, das bei Kontakt mit Wasser an Festigkeit gewinnt. Aus diesem Material lassen sich nach Angaben des IBEC etwa Folien f\u00fcr die Landwirtschaft oder Ausr\u00fcstung f\u00fcr die Fischerei herstellen. Mehr \u00fcber AquaChitin ist\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ingenieur.de\/technik\/fachbereiche\/biotechnik\/plastikproblem-geloest-neues-biomaterial-wird-durch-wasser-stabiler\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a> zu erfahren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"schwarzer-kunststoff-recycelbar-dank-lignin\">Schwarzer Kunststoff recycelbar dank Lignin<\/h3>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.upm.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">UPM&nbsp;<\/a>mit Hauptsitz im finnischen Helsinki hat ein besonderes, schwarzes Pigment im Angebot: das \u201eUPM Circular Renewable Black\u201c. UPM Biochemicals, eine Tochter des finnischen Konzerns, stellt das Pigment in seiner neuen Bioraffinerie in Leuna her.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen\u00fcber Industrieru\u00df, der sonst meist eingesetzt wird, hat es mehrere Vorteile, um etwa Verpackungen schwarz zu f\u00e4rben. Zum einen gewinnt das Unternehmen sein erneuerbares Pigment aus Lignin. Das Lignin wird in mehreren Prozessschritten aufbereitet und veredelt, bis daraus das dunkelbraune, fast schwarze Pigment entsteht. Werden damit Kunststoffverpackungen gef\u00e4rbt, erscheinen diese fast g\u00e4nzlich schwarz.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zum Industrieru\u00df st\u00f6rt dieses Pigment den typischen Recyclingprozess von schwarzem Plastik nicht: Recycler verwenden heute die Nahinfraraotspektroskopie, kurz NIR-Spektroskopie, um Kunststoffsorten unterscheiden zu k\u00f6nnen und in der Sortieranlage voneinander zu trennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kunststoffe mit Industrieru\u00df gef\u00e4rbt lassen sich per NIR-Spektroskopie aber nicht detektieren. Sie k\u00f6nnen auf den Anlagen daher nicht sortiert werden und werden thermisch verwertet oder deponiert. Mit UPM Circular Renewable Black-Pigmenten gef\u00e4rbte Kunststoffe lassen sich jedoch mit dieser spektroskopischen Methode detektieren und k\u00f6nnen demnach recycelt werden.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/c02.purpledshub.com\/uploads\/sites\/97\/2026\/09\/20260923_175440-scaled.jpg\" alt=\"Renewable Black-Pigmente (linkes Glas) f\u00e4rben Kunststoffgranulate fast schwarz\" class=\"wp-image-80386\" style=\"width:633px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Renewable Black-Pigmente (linkes Glas) f\u00e4rben Kunststoffgranulate fast schwarz. Foto: Ralph H. Ahrens<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"das-transformationsparadox\">Das Transformationsparadox<\/h3>\n\n\n\n<p>Technisch ist mit erneuerbarem Kohlenstoff also bereits vieles m\u00f6glich. \u201eDas eigentliche Problem ist die Skalierung\u201c, erkl\u00e4rt B\u00f6rger. Neue Verfahren konkurrierten mit einer fossilen Infrastruktur, die \u00fcber Jahrzehnte optimiert und vielfach abgeschrieben wurde. Gleichzeitig werden auch neue Technologien erst dann wettbewerebsf\u00e4hig, wenn sie in gro\u00dfen Mengen produziert werden. Doch Abnehmer verlangen wettbewerbsf\u00e4hige Preise, bevor sie gro\u00dfe Mengen abnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Genau hier liege das Transformationsparadox, so B\u00f6rger: \u201eDie hohe Effizienz des bestehenden Systems erschwert kurzfristig seinen Umbau, obwohl seine Abh\u00e4ngigkeiten langfristig zum Risiko werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Erste Anpassungen sind sichtbar. Manche Unternehmen investieren in alternative Rohstoffe, andere setzen erneuerbaren Kohlenstoff in bestehenden Anlagen ein. Einige regulatorische Vorgaben wie Recyclingeinsatzquoten sind hier hilfreich.<\/p>\n\n\n\n<p>Was B\u00f6rger vor allem vermisst, ist ein verl\u00e4sslicher Marktet Pull: \u201eDenn die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob erneuerbarer Kohlenstoff technisch funktioniert, sondern wie er schnell genug aus der Nische in industrielle Gr\u00f6\u00dfenordnungen kommt.\u201c<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/c02.purpledshub.com\/uploads\/sites\/97\/2026\/09\/nova_2-scaled.jpg\" alt=\"Die Stimmung auf der Renewable-Materials-Konferenz war gut. Und es gab spannende Diskussionen.\" class=\"wp-image-80389\" style=\"width:699px;height:auto\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Stimmung auf der Renewable-Materials-Konferenz war gut. Und es gab spannende Diskussionen. \u00a9 nova-Institut<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<div style=\"height:11px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschichte kann sich wiederholen. Wind- und Solarenergie starteten als teure Alternativen und sind heute zentrale S\u00e4ulen des Energiesystems. Bei den Rohstoffen f\u00fcr Chemie und Kunststoffen k\u00f6nnte eine \u00e4hnliche Entwicklung bevorstehen. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Energie l\u00e4sst sich dekarbonisieren, die organische Chemie nicht. Sie braucht das Element Kohlenstoff. Und dieses holt sie sich noch [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":59,"featured_media":181838,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_seopress_robots_primary_cat":"none","nova_meta_subtitle":"Die Chemie braucht Kohlenstoff, holt ihn aber noch fast nur aus Erd\u00f6l und Erdgas. In Siegburg zeigten Firmen Alternativen: ein Tensid mit CO\u2082 als Baustein, Garn aus Holz, ein schwarzes Pigment aus Lignin. 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