{"id":181690,"date":"2026-09-29T07:26:00","date_gmt":"2026-09-29T05:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=181690"},"modified":"2026-09-23T11:47:45","modified_gmt":"2026-09-23T09:47:45","slug":"geschlossenes-kreislaufkonzept-vom-kaffeesatz-zum-kaffeebecher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/geschlossenes-kreislaufkonzept-vom-kaffeesatz-zum-kaffeebecher\/","title":{"rendered":"Geschlossenes Kreislaufkonzept: Vom Kaffeesatz zum Kaffeebecher"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Aus einer allt\u00e4glichen Beobachtung entstand ein ungew\u00f6hnliches Werkstoffkonzept: W\u00e4hrend ihres Ingenieurstudiums sahen Tynus und Marcus Byrgesen, welche Mengen Kaffeesatz an der Universit\u00e4t anfielen. &#8220;Wir dachten, dass man daraus doch etwas machen k\u00f6nnen muss&#8221;, erinnern sich die Gr\u00fcnder. Weil der Reststoff gut verf\u00fcgbar ist, lag die Idee eines Kaffeebechers aus Kaffee nahe. 2021 gr\u00fcndeten sie das d\u00e4nische Start-up Grounded Cups, doch bis zum marktf\u00e4higen Produkt \u2013 einem heimkompostierbaren Mehrweg-Kaffeebecher \u2013 vergingen rund f\u00fcnf Jahre. Zu sehen war das Produkt w\u00e4hrend der Arburg Technologietage, wo die Becher auf einem Allrounder 500e Trend produziert wurden.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"767\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/09\/Bildschirmfoto-2026-09-23-um-10.53.40-1-1024x767.png\" alt=\"Tynus und Marcus Byrgesen mit Chris Kollmann (r.). \u00a9 Pelemedia\" class=\"wp-image-181707\" style=\"width:675px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/09\/Bildschirmfoto-2026-09-23-um-10.53.40-1-1024x767.png 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/09\/Bildschirmfoto-2026-09-23-um-10.53.40-1-300x225.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/09\/Bildschirmfoto-2026-09-23-um-10.53.40-1-150x112.png 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/09\/Bildschirmfoto-2026-09-23-um-10.53.40-1-768x575.png 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/09\/Bildschirmfoto-2026-09-23-um-10.53.40-1-1536x1151.png 1536w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/09\/Bildschirmfoto-2026-09-23-um-10.53.40-1-360x270.png 360w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/09\/Bildschirmfoto-2026-09-23-um-10.53.40-1.png 1690w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Tynus und Marcus Byrgesen mit Chris Kollmann (r.).\u00a0\u00a9\u00a0Pelemedia<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte H\u00fcrde war die Verarbeitung. Feine, \u00f6lhaltige Kaffeepartikel gelten beim Spritzgie\u00dfen als anspruchsvoll; viele Verarbeiter lehnten Versuche ab. Unterst\u00fctzung fanden die Gr\u00fcnder beim Unternehmen J. Krebs. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Peter Bay ist heute auch Minderheitsgesellschafter von Grounded Cups. Die Firma setzt seit Jahren auf Arburg-Maschinen \u2013 inzwischen laufen f\u00fcnf im 24\/7-Betrieb. Herzst\u00fcck der Produktion ist ein Allrounder 820 S mit 4.000 kN Schlie\u00dfkraft. Und so lernten die Byrgesen-Br\u00fcder, auf einer Arburg-Maschine den Prozess selbst zu fahren und den Werkstoff anzupassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Anfangs wurden Kaffeepulver und Polymergranulat getrennt dosiert. Daf\u00fcr testete das Team verschiedene Schneckenkonzepte; eine Mischschnecke half in dieser fr\u00fchen Phase. Den Durchbruch brachte ein vorgelagertes Compoundieren: Kaffeesatz und Biopolymer kommen nun als homogenes Granulat in die Maschine. Dadurch wurde der Prozess deutlich stabiler \u2013 inzwischen l\u00e4sst sich das Material nach Angaben der Beteiligten mit Standardzylinder und Standardschnecke verarbeiten. In der Serienproduktion kommt mittlerweile zudem Automatisierung zum Einsatz. Chris Kollmann, Applications Manager bei Arburg, fasst die Versuche im Kundencenter Lo\u00dfburg zusammen: &#8220;Wir haben erfolgreich demonstriert, dass das spezielle Material mit unseren Maschinen verarbeitet werden kann.&#8221;<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.polyformnext.de\/gruene-werkstoffe\/bilder\/vom-kaffeesatz-zum-kaffeebecher-1.htm\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.industrial-production.de\/imgproxy\/c:4000:1927:nowe:0:770\/rs:fill:1320:636\/plain\/https:\/\/www.industrial-production.de\/upload_weka\/nwo\/004\/191\/9880174_big_4191398.jpg\" alt=\"Die Produktion ist derzeit auf 6 bis 10 Millionen Becher pro Jahr ausgelegt.\u00a0\" style=\"width:696px;height:auto\" title=\"Geschlossenes Kreislaufkonzept: Vom Kaffeesatz zum Kaffeebecher\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Produktion ist derzeit auf 6 bis 10 Millionen Becher pro Jahr ausgelegt.\u00a0\u00a9\u00a0Pelemedia<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/www.polyformnext.de\/gruene-werkstoffe\/bilder\/vom-kaffeesatz-zum-kaffeebecher-1.htm\"><\/a>Zu 50% aus aufbereitetem Kaffeesatz<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Compound besteht zur H\u00e4lfte aus aufbereitetem Kaffeesatz. Diesen Anteil hat Grounded Cups bewusst hoch gew\u00e4hlt; perspektivisch sollen es mindestens 60% werden. Als Binder dient ein PHA-Biopolymer aus gebrauchten Speise\u00f6len. Zuvor wird der feuchte Reststoff getrocknet und ent\u00f6lt. Wassergehalt, Partikelgr\u00f6\u00dfe und R\u00f6stgrad erschweren diesen Schritt. Das gewonnene Kaffee\u00f6l wird unter anderem f\u00fcr Kosmetik genutzt. Langfristig wollen die Gr\u00fcnder daraus selbst Biopolymer fermentieren \u2013 mit dem Ziel eines Bechers, vollst\u00e4ndig aus Kaffeebestandteilen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Materialentwicklung geh\u00f6rten auch Eigenschaften, die im Labor zun\u00e4chst nebens\u00e4chlich wirkten. Fr\u00fche Becher rochen deutlich nach Kaffee. Das sei zwar ein \u00fcberzeugender Herkunftsnachweis gewesen, beim Trinken aber st\u00f6rend, so Marcus Byrgesen. Deshalb musste Grounded Cups das Aroma gezielt entfernen. Die dunkle Grundfarbe blieb dagegen erhalten, aber dagegen hat man beim Start-up gar nichts, im Gegenteil: Die Farbe stehe f\u00fcr den hohen Kaffeesatzanteil und unterst\u00fctze die Glaubw\u00fcrdigkeit des Produkts. Kr\u00e4ftige andere Farben seien zwar technisch m\u00f6glich, aber passende biologisch abbaubare Farbstoffe seien bislang nur eingeschr\u00e4nkt verf\u00fcgbar.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zirkul\u00e4res B2B-Gesch\u00e4ftsmodell<\/h3>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.polyformnext.de\/gruene-werkstoffe\/bilder\/vom-kaffeesatz-zum-kaffeebecher-1.htm\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.industrial-production.de\/imgproxy\/c:4000:1927:nowe:0:539\/rs:fill:1320:636\/plain\/https:\/\/www.industrial-production.de\/upload_weka\/nwo\/004\/191\/9880175_big_4191408.jpg\" alt=\"Das Compound besteht zur H\u00e4lfte aus aufbereitetem Kaffeesatz; perspektivisch sollen es mindestens 60 % werden\" style=\"width:661px;height:auto\" title=\"Geschlossenes Kreislaufkonzept: Vom Kaffeesatz zum Kaffeebecher\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das Compound besteht zur H\u00e4lfte aus aufbereitetem Kaffeesatz; perspektivisch sollen es mindestens 60 % werden.\u00a0\u00a9\u00a0Pelemedia<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.polyformnext.de\/gruene-werkstoffe\/bilder\/vom-kaffeesatz-zum-kaffeebecher-1.htm\"><\/a>Besonders zeitaufwendig war die Zulassung f\u00fcr den Lebensmittelkontakt. Rund vier Jahre Entwicklungsarbeit flossen nach Angaben der Gr\u00fcnder auch in die Lebensmittelsicherheit. Der fertige Becher ist f\u00fcr die mehrmalige Nutzung vorgesehen. Wenn sich nach mehreren Sp\u00fclg\u00e4ngen Farbe oder Oberfl\u00e4che ver\u00e4ndern, nimmt Grounded Cups ihn zur\u00fcck. F\u00fcr einen erneuten Lebensmittelkontakt wird das Mahlgut nicht eingesetzt; stattdessen entstehen daraus Produkte, die keine entsprechende Zulassung ben\u00f6tigen und am Ende biologisch abgebaut werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem stabilen Compound gelang dann der Schritt vom Versuchsbetrieb zur Serie. &#8220;Mit dem neuen Material war es nahezu Plug-and-play&#8221;, so Marcus Byrgesen. Die Produktion ist auf 6 bis 10 Millionen Becher pro Jahr ausgelegt. Der Engpass liegt heute weniger beim Spritzgie\u00dfen als bei der Aufbereitung gro\u00dfer Mengen Kaffeesatz in gleichbleibender Qualit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Das B2B-Gesch\u00e4ftsmodell ist zirkul\u00e4r: Unternehmen sammeln Kaffeesatz; Grounded Cups holt ihn ab und liefert auf denselben Touren neue Becher. Die B\u00fcndelung bei gro\u00dfen Firmen ist effizienter als die Anfahrt vieler einzelner Caf\u00e9s. Weil feuchter Kaffeesatz besonders im Sommer schnell verdirbt, muss er in der Regel sp\u00e4testens alle zwei Tage abgeholt werden. Kombinierte Liefer- und R\u00fccknahmetouren begrenzen den logistischen Aufwand. Nach der Nutzung werden die Becher zerkleinert und etwa zu Pflanzzubeh\u00f6r oder Golf-Tees verarbeitet. So bleibt der Rohstoff lange im Kreislauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach ersten Kunden in D\u00e4nemark bereitet das Start-up die Expansion nach Schweden, Norwegen und eventuell auch nach Deutschland vor. Und ein neues Projekt steht auch schon in den Startl\u00f6chern: Bierbecher aus den R\u00fcckst\u00e4nden, die beim Bierbrauen anfallen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus einer allt\u00e4glichen Beobachtung entstand ein ungew\u00f6hnliches Werkstoffkonzept: W\u00e4hrend ihres Ingenieurstudiums sahen Tynus und Marcus Byrgesen, welche Mengen Kaffeesatz an der Universit\u00e4t anfielen. &#8220;Wir dachten, dass man daraus doch etwas machen k\u00f6nnen muss&#8221;, erinnern sich die Gr\u00fcnder. 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