{"id":18102,"date":"2013-11-21T03:21:25","date_gmt":"2013-11-21T01:21:25","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=18102"},"modified":"2021-09-09T21:50:37","modified_gmt":"2021-09-09T19:50:37","slug":"co2-nutzung-als-kraftstoff-und-chemierohstoff-steht-den-startlochern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/co2-nutzung-als-kraftstoff-und-chemierohstoff-steht-den-startlochern\/","title":{"rendered":"CO<sub>2<\/sub>-Nutzung als Kraftstoff und Chemierohstoff steht in den Startl\u00f6chern"},"content":{"rendered":"<p><strong>Anfang Oktober 2013 trafen sich die 140 f\u00fchrenden K\u00f6pfe der CCU-Technologien (Carbon, Capture &amp; Utilisation) f\u00fcr drei Tage in Essen zur gr\u00f6\u00dften Konferenz in Europa zum Thema: \u201eCO<sub>2<\/sub> as chemical feedstock \u2013 a challenge for sustainable chemistry\u201c. Nun stehen Ende November s\u00e4mtliche 35 Pr\u00e4sentationen zum Download bereit und bieten einen kompletten \u00dcberblick \u00fcber diese spannenden neuen Technologien.<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend Kohlendioxid (CO<sub>2<\/sub>) in der Regel nur als Klimakiller gilt, den man im besten Fall vermeiden oder unterirdisch speichern sollte (\u201eCarbon Capture &amp; Sequestration), machen sich immer mehr Wissenschaftler und Ingenieure Gedanken dar\u00fcber, wie man es als nahezu unendlich verf\u00fcgbaren Kohlenstofftr\u00e4ger als Kraftstoff oder Chemierohstoff nutzen bzw. recyceln kann. Um das tr\u00e4ge Molek\u00fcl CO<sub>2<\/sub> wieder nutzbar zu machen, muss man es zun\u00e4chst mit Energie wieder aufbrechen, die Chemiker sprechen hier von \u201eReduktion\u201c. Nutzt man hierzu Erneuerbare Energien, entstehen eine Vielzahl interessanter und umweltfreundlicher M\u00f6glichkeiten zur Speicherung von Energie, zur Produktion von Methan und fl\u00fcssigen Kraftstoffen oder auch zur Produktion von Chemikalien und Kunststoffen. Was geradezu wie ein M\u00e4rchen klingt, ist schon weit gediehen. Zahlreiche Demonstrations- und erste kommerzielle Anlagen laufen bereits, die meisten davon in Deutschland.<\/p>\n<p>Im Zentrum stehen dabei unterschiedliche Technologien, CO<sub>2<\/sub> als Kohlenstofftr\u00e4ger stofflich und energetisch nutzbar zu machen. Zum einen sind dies Technologien der \u201ek\u00fcnstlichen Photosynthese\u201c wie Elektrolyse und katalytische Wasserspaltung, die Pflanzen nachahmen, die aus Kohlendioxid, Wasser und Sonnenlicht Biomasse in Form von Zucker, St\u00e4rke, \u00d6len und Zellulose herstellen. Diesen Prozess m\u00f6chten Wissenschaftler und Ingenieure auf k\u00fcnstlichem Wege effizienter und unabh\u00e4ngig von Biomasse betreiben. Aber auch biotechnologische Verfahren stehen zur Verf\u00fcgung, um CO<sub>2<\/sub> z.B. mit Hilfe spezieller Bakterien zu reduzieren und nutzbar zu machen. Und schlie\u00dflich kann das CO<sub>2<\/sub> in Polymeren und Chemikalien sogar direkt integriert werden, ohne es vorher spalten zu m\u00fcssen.<\/p>\n<h3>Elektrolyse<\/h3>\n<p>\u00dcber Elektrolyse wird Wasser mit Hilfe von Strom in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt und der energiereiche Wasserstoff reagiert mit CO<sub>2<\/sub> zu Methan, Methanol oder DME \u2013 oder anderen chemischen Grundbausteinen. Wird hierbei Sonnen- oder Windstrom genutzt, kann man ein solches System als \u201ek\u00fcnstliche Photosynthese\u201c verstehen.<\/p>\n<p>Vorteil dieses Weges ist seine schnelle Umsetzbarkeit. Moderne PEM-Elektrolyseverfahren (umgekehrte Brennstoffzellen) arbeiten heute bereits mit einem Wirkungsgrad von 75% und k\u00f6nnen daher insbesondere \u00fcbersch\u00fcssigen Solar- und Windstrom mit vertretbaren Verlusten z.B. in Methan umwandeln und dieses im Erdgasnetz speichern. So wird Sonnen- und Windstrom speicherbar. Der Gesamtwirkungsgrad Solar -&gt; Methan betr\u00e4gt heute schon bis zu 10% und kann daher bereits den Wirkungsgrad von Pflanzen (ca. 0,5% bis zum Biogas oder Biokraftstoff) deutlich \u00fcbertreffen.<\/p>\n<p>Schon jetzt laufen in Deutschland etwa 20 solcher Power-to-Gas-Demonstrationsanlagen. Problematisch ist \u00f6konomisch, dass man f\u00fcr den Gesamtprozess sauberes Wasser und vor allem reines CO<sub>2<\/sub> ben\u00f6tigt, welches aufw\u00e4ndig aufgereinigt werden muss und am Markt zwischen 70 und 100 \u20ac\/t kostet.<\/p>\n<p>In Island wird von dem Unternehmen Carbon Recycling mit Hilfe von geothermischer Energie auf diesem Wege Methanol hergestellt und dem Kraftstoff beigemischt.<\/p>\n<p>Dr. Norbert Schmitz von der Meo Carbon Solutions GmbH aus K\u00f6ln stellte die erste ISCC-Nachhaltigkeitszertifizierung des CO<sub>2<\/sub>-basierten Methanols vor, die sich streng an die Vorgaben der \u201eRenewable Energy Directive (RED)\u201c h\u00e4lt und bislang so nur f\u00fcr Biokraftstoffe angewandt wird. Betrachtet man das CO<sub>2<\/sub> als Abfall ohne Umweltlast, so ergibt sich f\u00fcr das CO<sub>2<\/sub>-basierte Methanol aus dieser ersten Anlage weltweit bereits eine CO<sub>2<\/sub>-Reduzierung von 90% gegen\u00fcber fossilen Kraftstoffen. Kein Biokraftstoff, auch nicht aus der zweiten oder dritten Generation, kann solche Werte aufweisen.<\/p>\n<p>Wenn man in Br\u00fcssel CO<sub>2<\/sub>-basiertes Methanol oder andere Kraftstoffe wie CO<sub>2<\/sub>-basiertes DME zur Erf\u00fcllung der RED-Quote f\u00fcr erneuerbare Kraftstoffe anrechnen w\u00fcrde, eventuell sogar mit einer Vierfach-Z\u00e4hlung, so k\u00f6nnte das ganz erhebliche Investitionsanreize bedeuten.<\/p>\n<h3>Das k\u00fcnstliche Blatt \u2013 katalytische Wasserspaltung plus CO<sub>2<\/sub>-Reduktion<\/h3>\n<p>Eine weitere Technologie, die auf der Konferenz umfassend diskutiert wurde, und die einige Puristen einzig und allein als k\u00fcnstliche Photosynthese gelten lassen, ist die katalytische Wasserspaltung mit folgender CO<sub>2<\/sub>-Reduktion. Im Unterschied zur Elektrolyse wird hier das Sonnenlicht nicht zur Stromproduktion genutzt, sondern die einzelnen Photonen k\u00f6nnen \u00fcber einen Katalysator direkt das Wasser spalten und ein zweiter Katalysator den entstandenen Wasserstoff mit CO<sub>2<\/sub> zu Methan, Methanol oder auch Ameisens\u00e4ure reduzieren. Mit dieser Technologie sind k\u00fcnstliche Bl\u00e4tter denkbar, die sowohl in gro\u00dfen als auch in kleinen dezentralen Anlagen direkt aus Sonnenlicht, Wasser und CO<sub>2<\/sub> chemische Bausteine herstellen. Panasonic hat ein erstes System dieser Art bereits im Jahr 2012 vorgestellt. Gerade bei der Katalysatorentwicklung wurden auf der Konferenz viele neue Entwicklungen pr\u00e4sentiert. Aktuell erreichen solche Systeme nur Wirkungsgrade von weniger als 1% &#8211; potenziell wird ihnen aber langfristig der beste Wirkungsgrad zugetraut. Prof. Dr. Ernst Sudh\u00f6lter, Delft University of Technology (Die Niederlande), zeigte ein Katalysatorsystem zur Wasserstoffspaltung, welches im Labor einen Gesamtwirkungsgrad von bereits knapp 5% aufwies \u2013 was etwa dem 10fachen von Kulturpflanzen entspr\u00e4che.<\/p>\n<p>Probleme dieser Technologie ergeben sich aus der Wahl der geeigneten Katalysatormaterialien, die z.B. keine seltenen Metalle enthalten sollten, lange ihren Dienst tun und recycelbar sein m\u00fcssen. Hier gibt es noch viel zu tun.<\/p>\n<p>Ein weiteres Problem ist das CO<sub>2<\/sub>, das allgemein nur in reiner Form verwendet werden kann, ohne den Katalysator zu sch\u00e4digen.<\/p>\n<p>Prof. Dr. Michael North, University of Newcastle (Gro\u00dfbritannien), \u00fcberraschte das Publikum mit einem neuen, Aluminium-basierten Katalysatorkonzept, dass auch mit nicht aufgereinigtem CO<sub>2<\/sub> arbeiten kann, so wie es direkt aus dem fossilen Kraftwerk kommt.<\/p>\n<h3>Biotechnologie<\/h3>\n<p>Schlie\u00dflich gibt es noch hoffnungstr\u00e4chtige biotechnologische Verfahren, bei denen vor allem Bakterien, Archaeen und Algen entweder aus Wasser Wasserstoff produzieren oder direkt das CO<sub>2<\/sub> reduzieren k\u00f6nnen, um daraus unterschiedlichste chemische Bausteine f\u00fcr Kraftstoffe oder auch Kunststoffe zu gewinnen. Die Bakterien ben\u00f6tigen hierf\u00fcr Energie, die sie entweder vom Sonnenlicht bekommen, \u00fcber W\u00e4rme oder auch direkt \u00fcber elektrischen Strom. Prof. Dr. Ludo Diehls, vom Flemish Institute for Technological Research (Belgien), stellte Bakterien vor, die einzelne Elektronen nutzen, um CO<sub>2<\/sub> zu reduzieren und damit aufzuspalten und nutzbar zu machen.<\/p>\n<p>Der gro\u00dfe Vorteil der biotechnologischen Verfahren ist, dass sie kein aufgereinigtes CO<sub>2<\/sub> brauchen, sondern das Kohlendioxid so nutzen k\u00f6nnen, wie es aus dem Kraftwerk oder der Industrieanlage kommt. Das erh\u00f6ht die Wirtschaftlichkeit des Gesamtprozesses ganz erheblich, auch wenn der Gesamtwirkungsgrad vermutlich unten dem der Elektrolyse oder der Katalysatoren bleiben wird.<\/p>\n<p>Vorreiter auf dem Gebiet der CO<sub>2<\/sub>-Direktnutzung ist das neuseel\u00e4ndische Unternehmen LanzaTech, auf dem Kongress vertreten durch Grainne Smith, das Fermentationssysteme zur Produktion von Ethanol, Butanol und anderen Produkten auf der Basis von ungereinigten Abgasen aus der Stahlindustrie in China und den USA aufgebaut hat. Dr. Arne Seifert, Krajete GmbH (\u00d6sterreich), stellte ein spannendes Konzept vor, Kohlendioxid bei ungew\u00f6hnlich niedrigen Temperaturen mit Archaeen zu methanisieren, wodurch sehr schnell reagierende Systeme zur optimalen Nutzung von CO<sub>2<\/sub> in Biogasanlagen entstehen.<\/p>\n<p>Die BASF arbeitet an der biotechnologischen Produktion von Acrylaten, die vor allem als Funktionspolymere und speziell Superabsorber etwa in Windeln eine wichtige Rolle spielen, wie Dr. N\u00faria Huguet vorstellte. Mit diesen Anwendungen kommen wir in den Bereich der Chemie und der Polymere.<\/p>\n<h3>Chemie und Kunststoffe<\/h3>\n<p>Wie schon bei der Nutzung von Biomasse steht bislang auch bei der CO<sub>2<\/sub>-Nutzung die energetische Nutzung in Form von gasf\u00f6rmigen und fl\u00fcssigen Treibstoffen im Vordergrund \u2013 auch deshalb, weil hier auf bestehende F\u00f6rdersysteme der Erneuerbaren Energien und Kraftstoffe zur\u00fcckgegriffen werden kann. Demgegen\u00fcber findet die stoffliche Nutzung weniger g\u00fcnstige Rahmenbedingungen vor \u2013 obwohl sie spezielle Prozesse zu bieten hat, welche die Nutzung von CO<sub>2<\/sub> ganz besonders interessant machen: F\u00fcr die Verwendung in chemischen Bausteinen muss das Kohlendioxid nicht unbedingt reduziert werden, sondern es kann auch direkt in chemische Strukturen integriert werden, teilweise sogar in exothermen Prozessen. Prof. Matthias Beller vom Leibnitz-Institut f\u00fcr Katalyse in Rostock stellte auf der Konferenz viele neue Wege vor, die in den letzten Jahren entwickelt wurden, um CO<sub>2<\/sub> direkt zu integrieren.<\/p>\n<p>Ein solcher Prozess befindet sich schon in der Umsetzung: Dr. Christoph G\u00fcrtler, Bayer MaterialScience (BMS), Leverkusen, stellte den Projektstand seiner \u201edream production\u201c vor. Ab dem Jahr 2015 soll eine kommerzielle Anlage in Nordrhein-Westfalen entstehen, die mehrere 1.000 Tonnen Schaumstoff aus CO<sub>2<\/sub>-basiertem Polyol produzieren soll. Erstmalig wurde eine \u00d6kobilanz der \u201edream production\u201c vorgestellt, die von der RWTH Aachen zusammen mit BMS durchgef\u00fchrt wurde. Nicklas von der Assen, RWTH Aachen, konnte auf der Konferenz zeigen, dass die CO<sub>2<\/sub>-basierte Polyolproduktion in der \u00d6kobilanz besser abschneidet als die Produktion auf der Basis fossiler Rohstoffe. Dabei wurde das CO<sub>2<\/sub>-emittierende Kraftwerk inkl. seiner Stromproduktion komplett in die Bilanz mit einbezogen.<\/p>\n<p>Dr. Xiaoqing Zang, CSIRO (Australien), arbeitet an seinem Institut mit Verbundwerkstoffen aus dem CO<sub>2<\/sub>-basierten Polypropylencarbonat (PPC), das bereits in den USA, China und S\u00fcdkorea produziert wird. Zang zeigte verschiedene Verbundwerkstoffe aus Holz- und Naturfasern in Verbindung mit PPC im Vergleich zu PLA und petrochemischen Polymeren. PPC ist f\u00fcr Wood-Plastic-Composites gut geeignet: Es zeigt eine gute Bindung an Cellulose und erh\u00f6ht die Schlagz\u00e4higkeit. Interessant sind auch Mischungen des biologisch abbaubaren PPCs (30-40%) mit Biopolymeren f\u00fcr z.B. Einkaufst\u00fcten. Zang erwartet, dass bei Massenproduktion der Preis auf 1 $\/kg fallen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Prof. Dr. Klaas Hellingwerf von der University of Amsterdam pr\u00e4sentierte auf der Konferenz genetisch ma\u00dfgeschneiderte Bakterien, Algen und Enzyme, die aus CO<sub>2<\/sub> direkt Milchs\u00e4ure f\u00fcr die PLA-Produktion herstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<h3>Woher das Kohlendioxid nehmen?<\/h3>\n<p>Auch wenn CO<sub>2<\/sub> weltweit ausreichend vorhanden ist, welche Quelle ist aktuell am attraktivsten? Gegenw\u00e4rtig bieten sich vor allem die Kohlendioxidemissionen fossiler Kraftwerke und Industriebetriebe wie bsp. der Stahlindustrie, aber auch Bioethanolanlagen, an. Hier fallen gro\u00dfe Mengen CO<sub>2<\/sub> an, die aufgereinigt werden m\u00fcssen, um den Katalysator oder die Elektrolyseeinheit nicht zu zerst\u00f6ren. Der Weg, CO<sub>2<\/sub> direkt aus der Atmosph\u00e4re (\u201eDirect Air Capture\u201c) zu nehmen, w\u00e4re der K\u00f6nigsweg, da man hier nicht auf gro\u00dfe zentrale fossile Anlagen zur\u00fcckgreifen m\u00fcsste, sondern \u00fcberall auf der Erde auf den Rohstoff CO<sub>2<\/sub> zugreifen k\u00f6nnte \u2013 z.B. dort, wo preiswerte Erneuerbare Energien zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>Dies ist jedoch weitestgehend noch Zukunftsmusik, wenn auch Christoph Gebald von dem Schweizer Unternehmen Climeworks AG auf der Konferenz ein neues Verfahren vorstellte, um CO<sub>2<\/sub> mit Hilfe von Cellulosefasern direkt aus der Luft abzuscheiden und dies sowohl im kleinen wie im gro\u00dfen Ma\u00dfstab umzusetzen. N\u00e4chstes Jahr soll die erste Demonstrationsanlage mit 1.000 t\/Jahr in Betrieb gehen und aufgereinigtes CO<sub>2<\/sub> f\u00fcr 800 \u20ac\/t bereit stellen. 2016 soll eine erste kommerzielle Anlage fl\u00fcssiges CO<sub>2<\/sub> f\u00fcr 200 bis 300 \u20ac\/t produzieren und bis 2018 soll dann eine kommerzielle Produktion f\u00fcr Treibstoffe und Chemie entstehen.<\/p>\n<p>Um den Wettbewerb um die beste Technologie zur Nutzung atmosph\u00e4rischen CO<sub>2<\/sub> anzuheizen, wurde von Virgin Arlines (Gro\u00dfbritannien) die \u201eVirgin Earth Challenge\u201c ausgerufen und mit 25 Millionen \u20ac dotiert. David Addison diskutierte auf der Konferenz, welche zentrale Bedeutung Virgin diesem Thema beimisst und stellte den Wettbewerb, in dem die Climeworks AG zu den Finalisten geh\u00f6rt, im Detail vor.<\/p>\n<h3>Die L\u00f6sung aller Klima- und Rohstoffprobleme oder nur ein kleiner Beitrag?<\/h3>\n<p>Welche Bedeutung f\u00fcr den Klimaschutz und die Rohstoffsicherung k\u00f6nnen Technologien zur CO<sub>2<\/sub>-Nutzung erlangen? Diese Frage war eine der am meisten debattierten Fragen auf der Konferenz, die ausgiebig Raum f\u00fcr Diskussionen lie\u00df.<\/p>\n<p>Simon Bennet von der International Energie Agentur (IEA) machte beeindruckend klar, dass selbst bei sehr starkem Ausbau der Erneuerbaren Energien die Notwendigkeit f\u00fcr Carbon, Capture &amp; Sequestration (CCS) bliebe, wolle man die Klimaschutzziele erreichen. Das Potenzial f\u00fcr Carbon, Capture &amp; Utilisation (CCU) sch\u00e4tzte er demgegen\u00fcber zun\u00e4chst als recht gering ein \u2013 vor allem weil die Quellen f\u00fcr CO<sub>2<\/sub>-Str\u00f6me von Kraftwerken und Industrie begrenzt seien. Dies aber gilt f\u00fcr CCS wie f\u00fcr CCU. F\u00fcr viele neu war die Feststellung, dass man zunehmend auch nicht-aufgereinigtes CO<sub>2<\/sub> nutzen kann (s.o.), was das Potenzial unmittelbar vergr\u00f6\u00dfert.<\/p>\n<p>Im Laufe der Tage setzte sich die Erkenntnis durch, dass die Potenziale f\u00fcr CCS und CCU grunds\u00e4tzlich gleich seien und das Potenzial vor allem davon abh\u00e4nge, ob man das CO<sub>2<\/sub> direkt aus der Atmosph\u00e4re nutzen kann \u2013 dann st\u00fcnde ein nahezu unbegrenztes Potenzial zur Verf\u00fcgung, das nur durch die Menge an Erneuerbaren Energien begrenzt ist. Michael Carus, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der nova-Institut GmbH brachte ein anschauliches Beispiel f\u00fcr die M\u00f6glichkeiten von CCU: Wenn die chemische Industrie in Europa ihren gesamten Kohlenstoffbedarf \u00fcber CO<sub>2<\/sub> statt \u00fcber fossile Energietr\u00e4ger wie Erd\u00f6l, Gas oder Kohle decken w\u00fcrde, w\u00fcrde sie 5,5% des insgesamt in Europa emittierten CO<sub>2<\/sub> in Europa nutzen bzw. recyceln \u2013 obwohl sie nur f\u00fcr knapp 2% der CO<sub>2<\/sub>-Emissionen in Europa verantwortlich ist. Auch Prof. Gabriele Centi von der Universit\u00e4t von Messina sowie Prof. Sang-Eon Park von der Singha-University in Seoul zeigten die auch mengenm\u00e4\u00dfigen gro\u00dfen Potenziale der Nutzung von CO<sub>2<\/sub> als Rohstoff f\u00fcr die chemische Industrie eindrucksvoll anhand eines weiten Spektrums unterschiedlicher Produkte.<\/p>\n<h3>Politische Rahmenbedingungen, Anreize zur Nutzung von CO<sub>2<\/sub>?<\/h3>\n<p>Wie schnell sich die Nutzung von CO<sub>2<\/sub> etablieren wird, h\u00e4ngt vor allem von den politischen Rahmenbedingungen ab: Welche F\u00f6rdermittel werden zur Weiterentwicklung zur Verf\u00fcgung gestellt und welche Anreize zur kommerziellen Implementation gegeben.<\/p>\n<p>Dr. Lothar Mennicken stellte das umfassende Forschungsprogramm des Bundesministeriums f\u00fcr Bildung und Forschung (BMBF) (German Federal Ministy of Education and Research) vor, in dem 33 Projekte mit 166 Partnern mit insgesamt 150 Millionen \u20ac unterst\u00fctzt wurden. Dabei kamen 100 Millionen \u20ac vom Ministerium, weitere 50 Millionen \u20ac wurden von den industriellen Partnern eingebracht. Bevor weitere Forschungsprogramme aufgelegt werden, m\u00fcssen Anfang 2014 die Ergebnisse der Projekte ausgewertet und bewertet werden.<\/p>\n<p>Auf europ\u00e4ischer Ebene wurde bisher fast ausschlie\u00dflich CCS gef\u00f6rdert, wenige Projekte finden sich im Rahmen von bio-basierten Programmen wieder. Dies solle 2016 mit SPIRE (Sustainable Process Industry through Resource and Energy Efficiency) anders werden, hier soll CCU explizit mit aufgenommen werden.<\/p>\n<p>Michael Carus, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des nova-Instituts, zeigte die M\u00f6glichkeiten auf, die bestehenden Programme im Bereich der bio-basierten \u00d6konomie und Erneuerbare Energien zu nutzen, bis spezifische Forschungsprogramme f\u00fcr CCU aufgelegt sind. Dies geht allerdings nur, wenn auf der einen Seite \u201egr\u00fcnes CO<sub>2<\/sub>\u201c aus Biomasseverbrennung genutzt wird und die CCU-Produkte damit quasi \u201ebio-basiert\u201c werden, und auf der anderen Seite als Energiequelle ausschlie\u00dflich Erneuerbare Energien Verwendung finden. Letzteres ist auch f\u00fcr eine gute \u00d6kobilanz unabdingbar.<\/p>\n<p>Neben Forschungsprogrammen ist aber vor allem wichtig, welche politischen Rahmenbedingungen f\u00fcr CCU-Technologien geschaffen werden. Wenn DG Energy CCU-Kraftstoffe in die Renewable Energy Directive (RED) mit Mehrfachz\u00e4hlung (multiple counting) aufnimmt, k\u00f6nnte das eine erhebliche Signalwirkung f\u00fcr Investoren haben und der CO<sub>2<\/sub>-Nutzung deutlichen R\u00fcckenwind geben. Gerade im Verkehrsbereich werden neben Biokraftstoffen und Elektromobilit\u00e4t dringend weitere Optionen gesucht. CCU-Kraftstoffe w\u00e4ren eine solche \u2013 auf Basis des unersch\u00f6pflichen Rohstoffs CO<sub>2<\/sub>.<\/p>\n<p>Wie die Konferenz deutlich gezeigt hat, stehen die neuen Technologien in den Startl\u00f6chern, zahlreiche Optionen tun sich auf und warten auf ihre Umsetzung. Ein schlafender Riese k\u00f6nnte seinen Kinderschuhen schneller entwachsen, als Politik und \u00d6ffentlichkeit erwarten \u2013 wenn jetzt die richtigen Leitplanken gesetzt werden.<\/p>\n<p>S\u00e4mtliche 35 Vortr\u00e4ge der dreit\u00e4gigen Konferenz k\u00f6nnen ab sofort f\u00fcr 150 \u20ac unter folgender Adresse bestellt werden <a href=\"http:\/\/bio-based.eu\/proceedings\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/bio-based.eu\/proceedings\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/bio-based.eu\/proceedings\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Kontakt<\/strong><\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/bio-based.eu\/proceedings\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> nova-Institut GmbH<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/bio-based.eu\/proceedings\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Chemiepark Knapsack<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/bio-based.eu\/proceedings\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Industriestrasse 300<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/bio-based.eu\/proceedings\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> DE-50354 Huerth (Germany)<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/bio-based.eu\/proceedings\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Phone: +49 (0) 22 33-48 14 40<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/bio-based.eu\/proceedings\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Email: <\/a><a href=\"http:\/\/bio-based.eu\/proceedings\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">contact@nova-institut.de<\/a><\/p>\n<p>Diese Pressemitteilung als PDF:\u00a0<a href=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/13-11-20_pm_ccu_nova.pdf\">13-11-20_pm_ccu_nova<\/a><\/p>\n<p><em><strong>\u00dcber das nova-Institut<br \/>\n<\/strong>Das nova-Institut wurde 1994 als privates und unabh\u00e4ngiges Institut gegr\u00fcndet und ist im Bereich der Forschung und Beratung t\u00e4tig. Der Fokus liegt auf der bio-basierten und der CO<sub>2<\/sub>-basierten \u00d6konomie in den Bereichen Rohstoffversorgung, technisch-\u00f6konomische Evaluierung, Marktforschung, \u00d6kobilanzen (LCA), \u00d6ffentlichkeitsarbeit, B2B\u2013Kommunikation und Politik. Mit einem Team von mehr als 20 Mitarbeitern erzielt das nova-Institut einen j\u00e4hrlichen Umsatz von 1,8 Mio. \u20ac.<\/em><\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen<\/strong><\/p>\n<p>Das Bildmaterial zur Konferenz finden Sie unter folgendem Downloadlink:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/co2-chemistry.eu\/media\/2nd_Conference_on_CO2_nova-Institut.zip\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/co2-chemistry.eu\/media\/2nd_Conference_on_CO2_nova-Institut.zip<\/a> (2 MB)<\/p>\n<p>Die Zip-Datei beinhaltet folgende Bilder:<\/p>\n<p>\u2022 13-10-07 Dr_Lothar_Mennicken.jpg, Dr. Lothar Mennicken, Referent beim Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Forschung, w\u00e4hrend seines Vortrages (Quelle: nova-Institut\/Winkler)<\/p>\n<p>\u2022 13-10-07 Michael_Carus.jpg, Michael Carus vom nova-Institut w\u00e4hrend seines Vortrages (Quelle: nova-Institut\/Winkler)<\/p>\n<p>\u2022 13-10-08 audience.jpg, Konferenzteilnehmer w\u00e4hrend eines Vortrages (Quelle: nova-Institut\/Winkler)<\/p>\n<p>\u2022 13-10-08 audience2.jpg, Konferenzteilnehmer w\u00e4hrend eines Vortrages (Quelle: nova-Institut\/Winkler)<\/p>\n<p>\u2022 13-10-09 panel_discussion.jpg, Die Redner im Diskurs mit den Teilnehmern (Quelle: nova-Institut)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfang Oktober 2013 trafen sich die 140 f\u00fchrenden K\u00f6pfe der CCU-Technologien (Carbon, Capture &amp; Utilisation) f\u00fcr drei Tage in Essen zur gr\u00f6\u00dften Konferenz in Europa zum Thema: \u201eCO2 as chemical feedstock \u2013 a challenge for sustainable chemistry\u201c. 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