{"id":180788,"date":"2026-09-08T07:37:00","date_gmt":"2026-09-08T05:37:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=180788"},"modified":"2026-09-07T18:10:55","modified_gmt":"2026-09-07T16:10:55","slug":"rohstoff-aus-der-luft-grunes-methanol-trotz-wasserknappheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/rohstoff-aus-der-luft-grunes-methanol-trotz-wasserknappheit\/","title":{"rendered":"Rohstoff aus der Luft: Gr\u00fcnes Methanol trotz Wasserknappheit"},"content":{"rendered":"\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/09\/great-1024x683.png\" alt=\"Methanol steckt in Kunststoffen, Lacken und vielen weiteren Chemieprodukten und gewinnt zudem als klimafreundlicher Schiffskraftstoff an Bedeutung. Bislang wird es jedoch meist aus Erdgas oder Kohle hergestellt. 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CO\u2082 aus der Luft zu nutzen, kann insbesondere dann zum Klimaschutz beitragen, wenn dadurch fossiler Kohlenstoff ersetzt wird. <em>Erstellt mit KI<\/em><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Anhaltende Hitzewellen und unterdurchschnittliche Niederschl\u00e4ge im Fr\u00fchjahr und Sommer 2026 f\u00fchren in Deutschland und Europa zu sp\u00fcrbarer D\u00fcrre, sinkenden Grundwasserst\u00e4nden und Niedrigwasser in Fl\u00fcssen wie dem Rhein. Gleichzeitig werden f\u00fcr die Herstellung wichtiger Rohstoffe wie gr\u00fcnem Wasserstoff und Methanol betr\u00e4chtliche Mengen Wasser ben\u00f6tigt. Wenn die Produktion erneuerbarer Kraftstoffe k\u00fcnftig verst\u00e4rkt in Regionen mit viel Sonne und Wind stattfinden soll, stellt sich daher die Frage, woher dieses Wasser kommen kann.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine Antwort darauf liefert nun eine Studie des Forschungszentrums J\u00fclich: Forschende zeigen, wie sich erneuerbares Methanol auch in wasserarmen Regionen herstellen l\u00e4sst. Das daf\u00fcr ben\u00f6tigte Kohlendioxid und Prozesswasser k\u00f6nnen gemeinsam aus der Umgebungsluft gewonnen werden.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eSonnen- und windreiche Regionen bieten beste Voraussetzungen f\u00fcr die Herstellung gr\u00fcner Kraftstoffe \u2013 leiden aber h\u00e4ufig unter Wasserknappheit\u201c, sagt <strong>Erstautor Henrik Wenzel von der J\u00fclicher Systemanalyse.<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Genau hier setzt das Forschungsprojekt DryHy an, welches vom Bundesministerium f\u00fcr Forschung, Technologie und Raumfahrt gef\u00f6rdert und durch das Institute of Energy Technologies des Forschungszentrums koordiniert wird: Es untersucht die erneuerbare Herstellung von Methanol in wasserarmen Regionen aus einer ganzheitlichen Perspektive. Die nun ver\u00f6ffentlichte Studie bewertet die daf\u00fcr entwickelte Prozesskette aus techno-\u00f6konomischer Sicht.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wasser und CO\u2082 aus einer Quelle<\/h3>\n\n\n\n<p>Grundlage ist die direkte Luftabscheidung (engl. Direct Air Capture), kurz DAC. Ein Filtermaterial bindet Kohlendioxid und nimmt dabei auch Luftfeuchtigkeit auf. Was bislang eher als st\u00f6render Nebeneffekt galt, wird im untersuchten Konzept zum Vorteil: Das abgeschiedene Wasser flie\u00dft gemeinsam mit dem CO\u2082 in die Methanolproduktion. Die Forschenden modellierten daf\u00fcr die gesamte Prozesskette \u2013 einschlie\u00dflich erneuerbarer Stromerzeugung, Elektrolyse, Energiespeichern, W\u00e4rmenutzung und K\u00fchlung ohne zus\u00e4tzlichen Wasserverbrauch.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Analyse umfasst mehr als 20.000 Regionen in 78 L\u00e4ndern, die im Jahr 2050 voraussichtlich mindestens mittlerem Wasserstress ausgesetzt sein werden. In rund 97 Prozent dieser Regionen enth\u00e4lt die Luft im Jahresverlauf genug Wasser, um den Bedarf der Produktion vollst\u00e4ndig zu decken. Selbst an sehr trockenen Standorten w\u00e4re die Herstellung grunds\u00e4tzlich m\u00f6glich, wenn die Anlage bevorzugt in feuchteren Stunden arbeitet und Wasser zwischenspeichert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wind und Sonne bestimmen die Kosten<\/h3>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eUnsere Ergebnisse zeigen, dass Wasserknappheit kein grunds\u00e4tzliches Ausschlusskriterium f\u00fcr gr\u00fcnes Methanol sein muss\u201c, sagt <strong>Jann Weinand<\/strong>, Leiter der Abteilung Integrierte Szenarien der J\u00fclicher Systemanalyse. \u201eF\u00fcr g\u00fcnstige Produktionskosten ist eine ergiebige und m\u00f6glichst gleichm\u00e4\u00dfige Versorgung mit erneuerbarem Strom meist wichtiger als eine hohe Luftfeuchtigkeit.\u201c <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Besonders vorteilhaft sind Standorte mit einer guten Kombination aus Wind- und Solarenergie.<\/p>\n\n\n\n<p>An g\u00fcnstigen Standorten liegen die f\u00fcr 2050 projizierten Produktionskosten in einer Gr\u00f6\u00dfenordnung von einigen Hundert Euro pro Tonne; an weniger geeigneten Standorten k\u00f6nnen sie ein Mehrfaches erreichen. Damit k\u00f6nnte gr\u00fcnes Methanol dort, wo Wind und Sonne besonders ergiebig sind, in die N\u00e4he heutiger Marktpreise r\u00fccken. Der aktuelle europ\u00e4ische Vertragspreis liegt bei knapp 1.000 Euro pro Tonne. Dieser Vergleich ist jedoch nur eine Momentaufnahme: Marktpreise schwanken stark, w\u00e4hrend die Studie k\u00fcnftige Produktionskosten modelliert. Sinkende Technologiekosten und steigende CO\u2082-Preise k\u00f6nnten den Abstand k\u00fcnftig verkleinern.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Offene Frage: Folgen f\u00fcr das lokale Klima<\/h3>\n\n\n\n<p>Im Rahmen des DryHy-Projekts wird zudem untersucht, wie sich die gro\u00dftechnische Entnahme von Wasserdampf auf das lokale Klima auswirken k\u00f6nnte. W\u00e4hrend das aktuelle Modell untersucht, wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit die Anlage beeinflussen, kann so in Zukunft auch eine m\u00f6gliche R\u00fcckwirkung auf Luftfeuchte, Wolken oder Niederschlag bewertet werden. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eDass wir keine lokalen S\u00fc\u00dfwasservorr\u00e4te beanspruchen, bedeutet nicht automatisch, dass die Entnahme aus der Atmosph\u00e4re in jeder Gr\u00f6\u00dfenordnung folgenlos bleibt\u201c, sagt <strong>Thomas Sch\u00f6b<\/strong>, Leiter des Teams Energiesystemtransformation. \u201eVor dem Bau sehr gro\u00dfer Anlagen sollte diese Frage standortspezifisch untersucht werden.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Modell zeigt Potenziale und Grenzen<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Studie ist eine techno-\u00f6konomische Modellrechnung, keine Untersuchung bestehender Fabriken. Regionale Unterschiede bei Finanzierung, Arbeitskosten und Infrastruktur sowie m\u00f6gliche Materialengp\u00e4sse sind nicht vollst\u00e4ndig ber\u00fccksichtigt. Auch die angenommene flexible Fahrweise der Hochtemperaturelektrolyse muss sich im industriellen Dauerbetrieb bew\u00e4hren.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eDie Studie zeigt keine fertige Blaupause f\u00fcr jeden Standort\u201c, betont <strong>Henrik Wenzel. <\/strong>\u201eSie zeigt aber, unter welchen Rahmenbedingungen das Konzept besonders vielversprechend ist \u2013 und welche technischen und \u00f6kologischen Fragen als n\u00e4chstes beantwortet werden m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Originalpublikation<\/h3>\n\n\n\n<p>Direct air capture enables sustainable methanol production in water-scarce regions, by Henrik Wenzel, Thomas Sch\u00f6b, David S. Sholl, Jochen Lin\u00dfen, Detlef Stolten and Jann Michael Weinand, <em>Nature Communications, August 2026<\/em>, <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41467-026-76865-x\">DOI: 10.1038\/s41467-026-76865-x<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anhaltende Hitzewellen und unterdurchschnittliche Niederschl\u00e4ge im Fr\u00fchjahr und Sommer 2026 f\u00fchren in Deutschland und Europa zu sp\u00fcrbarer D\u00fcrre, sinkenden Grundwasserst\u00e4nden und Niedrigwasser in Fl\u00fcssen wie dem Rhein. Gleichzeitig werden f\u00fcr die Herstellung wichtiger Rohstoffe wie gr\u00fcnem Wasserstoff und Methanol betr\u00e4chtliche Mengen Wasser ben\u00f6tigt. 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