{"id":180571,"date":"2026-09-03T07:26:00","date_gmt":"2026-09-03T05:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=180571"},"modified":"2026-08-27T12:15:09","modified_gmt":"2026-08-27T10:15:09","slug":"aus-okogas-wird-kraftstoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/aus-okogas-wird-kraftstoff\/","title":{"rendered":"Aus \u00d6kogas wird Kraftstoff"},"content":{"rendered":"\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"962\" height=\"541\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/csm_aus-oekogas-wird-kraftstoff_6397211d5e.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-180593\" style=\"width:632px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/csm_aus-oekogas-wird-kraftstoff_6397211d5e.jpg 962w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/csm_aus-oekogas-wird-kraftstoff_6397211d5e-300x169.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/csm_aus-oekogas-wird-kraftstoff_6397211d5e-150x84.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/csm_aus-oekogas-wird-kraftstoff_6397211d5e-768x432.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/csm_aus-oekogas-wird-kraftstoff_6397211d5e-400x225.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 962px) 100vw, 962px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">\u00a9 Rachow\/LIKAT<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Chemiker am LIKAT-Technikum in Rostock haben erstmals einen neuen Katalysator im Pilotma\u00dfstab produzieren k\u00f6nnen. Die ersten zehn Kilogramm der Substanz wurden jetzt an die Forschungspartner aus Hamburg und Wien ausgeliefert. Der am Institut in einem fr\u00fcheren Verbundprojekt entwickelte Katalysator soll in Wien CO<sub>2<\/sub>-neutrale Kraftstoffe produzieren und seine Praxistauglichkeit f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Anlagen beweisen. Er ist das Herzst\u00fcck einer modernen Form der Fischer-Tropsch-Synthese (FTS), die vor hundert Jahren von zwei deutschen Chemikern zur Verfl\u00fcssigung von Kohle und Erdgas entwickelt worden war. Die neue FTS-Variante verfl\u00fcssigt anstelle der fossilen Rohstoffe nun das Klimagas Kohlendioxid.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die neue Variante dieses Fischer-Tropsch-Katalysators entstand am Leibniz-Institut f\u00fcr Katalyse. Das Verfahren wandelt Kohlendioxid, CO<sub>2<\/sub>, zusammen mit nachhaltig produziertem Wasserstoff (H<sub>2<\/sub>) in klimafreundliche synthetische Kraftstoffe um. Diese Kraftstoffe k\u00f6nnen \u00fcbliche Verbrennungsmotoren antreiben und sie enthalten im Unterschied zu Benzin oder Diesel keinerlei Schwefel- und Stickstoffverbindungen. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eDie Forschung zielt auf eine nachhaltige, CO<sub>2<\/sub>-neutrale Mobilit\u00e4t, wie sie auch die nationale Hightech-Agenda im Blick hat\u201c, sagt Themenleiter <strong>Dr. Christoph Wulf vom LIKAT-Technikum<\/strong>.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Nachfolge von InnoSyn<\/h3>\n\n\n\n<p>Das moderne Verfahren l\u00e4uft wie das klassische in sogenannten Blasens\u00e4ulenreaktoren ab, doch unter sehr viel milderen Reaktionsbedingungen. Dabei arbeiten sich in langen senkrechten R\u00f6hren alle beteiligten Substanzen durch eine z\u00e4he Fl\u00fcssigkeit von unten nach oben: zum einen die \u201eBlasen\u201c, das sind die gasf\u00f6rmigen Ausgangsstoffe CO<sub>2<\/sub>, H<sub>2<\/sub> und nachfolgend auch Kohlenmonoxid (CO). Zum anderen alle fl\u00fcssigen Zwischen- und Endprodukte sowie der Katalysator in Form feiner K\u00fcgelchen auf Eisenoxidbasis.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Katalysator war im Rahmen des vom Bund gef\u00f6rderten Verbundprojektes InnoSyn im Zuge der Wasserstoffrepublik Deutschland zusammen mit einem KI-Modell f\u00fcr die CO<sub>2<\/sub>-FTS unter Leitung von LIKAT-Chemiker Dr. David Linke entstanden (siehe auch\u00a0<a href=\"https:\/\/idw-online.de\/de\/news851343\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/idw-online.de\/de\/news851343<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Machbarkeit im mehrphasigen Reaktorsystem wurde im Gramm-Ma\u00dfstab von Partnern am Engler-Bunte-Institut des Karlsruher Instituts f\u00fcr Technologie (KIT) gezeigt. In einem Folgeprojekt Green Fuel and Chemicals soll das Verfahren jetzt f\u00fcr die industrielle Anwendung vorbereitet werden. Dazu z\u00e4hlt die Demonstration im kg-Ma\u00dfstab in einer Pilotanlage am Wiener Standort Unternehmens Bioenergy and Sustainable Technologies GmbH, kurz BEST. Dort sollen bis Anfang 2027 mehrere Kilogramm CO<sub>2<\/sub> in nachhaltige Kraftstoffe und Chemikalien umgewandelt werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Katalysator-Rezeptur f\u00fcr Up-Scaling<\/h3>\n\n\n\n<p>Wenn neue Katalysatoren das Forschungslabor verlassen, funktionieren sie \u00fcblicherweise in Substanzmengen von wenigen Milligramm. F\u00fcr ein Up-Scaling, wie Chemiker es nennen, in Gr\u00f6\u00dfenordnungen von mehreren Kilogramm und L\u00f6sungsmengen bis zu 100 Liter braucht der Katalysator dann eine andere Rezeptur. Es galt im Rahmen der neuen Forschungskooperation die entsprechende Vorgehensweise zu finden. Diese Aufgabe \u00fcbernahmen am LIKAT-Technikum Dr. Christoph Wulf und Dr. Simon Haida.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei ging es auch um eine praktikable Produktionstechnologie f\u00fcr den Katalysator, wie beide Chemiker erl\u00e4utern. Der Katalysator f\u00fcr die neue Fischer-Tropsch-Synthese bildet sich aus Metallsalzen in einer F\u00e4llungsreaktion, dabei entsteht ein rostroter \u201eKuchen\u201c aus Eisenoxid, eine Art Paste, die im Weiteren spr\u00fchgetrocknet und thermisch behandelt wird. Das Ergebnis sind Partikel mit einer quasi perfekten Kugelform. Die K\u00fcgelchen sind unterschiedlich gro\u00df und m\u00fcssen deshalb noch fraktioniert, also nach Gr\u00f6\u00dfe sortiert werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Partikelgr\u00f6\u00dfe entscheidet \u00fcber Funktion<\/h3>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eDie Crux ist, dass sich das Verhalten eines Katalysators im gro\u00dfen Ma\u00dfstab nicht voraussagen l\u00e4sst\u201c, sagt <strong>Simon Haida<\/strong>. <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Eine L\u00f6sung von 100 Millilitern zu r\u00fchren und gut zu durchmischen mag simpel sein. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eIn einem Ma\u00dfstab von 50-Litern ist dann vor allem die Aufarbeitung eine Herausforderung, also die Filtrierung, die das Rohprodukt von der Reaktionsl\u00f6sung trennt.\u201c <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Hier braucht es systematische Versuche, in denen die Reaktionsmengen schrittweise erh\u00f6ht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Arbeiten liefen in enger Zusammenarbeit mit LIKAT-Chemiker Dr. Aleksandr Fedorov, er hatte den Katalysator seinerzeit entwickelt. Bei jedem neuen Schritt hat er den Katalysator neu angepasst und auf seine Leistung \u00fcberpr\u00fcft. Dann mussten die Chemiker das Equipment f\u00fcr ihren n\u00e4chsten Schritt planen.<\/p>\n\n\n\n<p>So gelangten sie von einem Ansatz einiger Milliliter bis zu 50-Litern, mit denen Pilotanlagen versorgt werden k\u00f6nnen. Eine Erkenntnis aus den Experimenten lautet, dass die Partikelgr\u00f6\u00dfe ma\u00dfgeblich die Funktionst\u00fcchtigkeit des Katalysators beeinflusst. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>Dr. Wulf: <\/strong>\u201eDie Eisenoxid-K\u00fcgelchen d\u00fcrfen also nicht zu gro\u00df sein, um weiterhin im sp\u00e4teren Blasens\u00e4ulenreaktor gewisserma\u00dfen schweben zu k\u00f6nnen. Sind sie aber zu klein, verklumpen sie und verstopfen den Filter am Austritt des Reaktors oder gelangen sogar in das Produkt und kontaminieren es.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Technikum erm\u00f6glicht Up-Scaling<\/h3>\n\n\n\n<p>Das LIKAT z\u00e4hlt bundesweit zu den ersten wissenschaftlichen Einrichtungen, die neue Katalysatoren f\u00fcr ihre Forschung im Pilotma\u00dfstab herstellen k\u00f6nnen. Dabei w\u00fcrden Institute durchaus \u00fcber Pilotanlagen f\u00fcr den Test von Katalysatoren verf\u00fcgen. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><strong>Christoph Wulf:<\/strong> \u201eDoch es fehlt ihnen das Equipment, um die Test-Substanzen im erforderlichen Umfang zu produzieren.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Am LIKAT wurde das Technikum Catalysis2Scale inzwischen mithilfe von F\u00f6rderprojekten und Forschungskooperationen gut mit Ger\u00e4ten und Anlagen ausgestattet. Mit den ersten zehn Kilogramm ihres Eisenoxid-Katalysators f\u00fcr die neue Fischer-Tropsch-Synthese m\u00f6chten Dr. Wulf und Dr. Haida nun potenzielle Forschungspartner auf diese M\u00f6glichkeit aufmerksam machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chemiker am LIKAT-Technikum in Rostock haben erstmals einen neuen Katalysator im Pilotma\u00dfstab produzieren k\u00f6nnen. Die ersten zehn Kilogramm der Substanz wurden jetzt an die Forschungspartner aus Hamburg und Wien ausgeliefert. Der am Institut in einem fr\u00fcheren Verbundprojekt entwickelte Katalysator soll in Wien CO2-neutrale Kraftstoffe produzieren und seine Praxistauglichkeit f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Anlagen beweisen. 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