{"id":180415,"date":"2026-08-31T07:26:00","date_gmt":"2026-08-31T05:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/?p=180415"},"modified":"2026-08-24T15:22:51","modified_gmt":"2026-08-24T13:22:51","slug":"wie-plastikmull-zum-rohstoff-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/wie-plastikmull-zum-rohstoff-wird\/","title":{"rendered":"Wie Plastikm\u00fcll zum Rohstoff wird"},"content":{"rendered":"\n\n\n<p>Knapp dreieinhalb Jahre haben sie noch Zeit, dann kommen die Quoten. Ab 2030 gelten f\u00fcr die Hersteller von Plastikverpackungen in der EU erstmals verbindliche Vorgaben f\u00fcr den Einsatz von recyceltem Kunststoff. So schreibt es die neue EU-Verpackungsverordnung PPWR vor. Je nach Verpackungsart ist dann ein Rezyklatanteil von bis zu 35 Prozent Pflicht, der bis 2040 kontinuierlich steigt. Wer heute schon wiederverwertetes Plastik einsetzt, tut das \u00fcberwiegend freiwillig.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/recycling-bei-dm-es-fehlt-an-geeigneten-rohstoffen-aus-altplastik-in-ausreichender-qualitaet-und-menge-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-180428\" style=\"width:659px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/recycling-bei-dm-es-fehlt-an-geeigneten-rohstoffen-aus-altplastik-in-ausreichender-qualitaet-und-menge-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/recycling-bei-dm-es-fehlt-an-geeigneten-rohstoffen-aus-altplastik-in-ausreichender-qualitaet-und-menge-300x200.jpg 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/recycling-bei-dm-es-fehlt-an-geeigneten-rohstoffen-aus-altplastik-in-ausreichender-qualitaet-und-menge-150x100.jpg 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/recycling-bei-dm-es-fehlt-an-geeigneten-rohstoffen-aus-altplastik-in-ausreichender-qualitaet-und-menge-768x512.jpg 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/recycling-bei-dm-es-fehlt-an-geeigneten-rohstoffen-aus-altplastik-in-ausreichender-qualitaet-und-menge-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/recycling-bei-dm-es-fehlt-an-geeigneten-rohstoffen-aus-altplastik-in-ausreichender-qualitaet-und-menge-400x267.jpg 400w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/recycling-bei-dm-es-fehlt-an-geeigneten-rohstoffen-aus-altplastik-in-ausreichender-qualitaet-und-menge.avif 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Recycling gilt als wichtiges Element beim Klimaschutz. Um Ressourcen zu schonen und Emissionen zu senken, muss so viel Kunststoff wie m\u00f6glich wiederverwendet oder wiederverwertet werden. Das Problem: Bislang gibt es keinen funktionierenden Kunststoffkreislauf. Von den etwa sechs Millionen Tonnen Plastikabf\u00e4llen, die jedes Jahr in Deutschland anfallen, werden noch immer zwei Drittel verbrannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar werde Kunststoffabf\u00e4lle hierzulande gesammelt, sortiert und aufbereitet. Entscheidend ist jedoch, ob daraus wieder neue Produkte entstehen. Hier kommen sogenannte Rezyklate zum Einsatz: Kunststoffgranulate aus recycelten Abf\u00e4llen, die wieder zu neuen Produkten verarbeitet werden. Ihr Marktanteil ist bislang jedoch gering. Von den 12,8 Millionen Tonnen Plastik, die j\u00e4hrlich in Deutschland verarbeitet wurden, stammen nur rund 18,9 Prozent aus recyceltem Material, hei\u00dft es in einem Bericht des Wuppertal Instituts f\u00fcr Klima, Umwelt und Energie im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Fehlende Standards<\/h3>\n\n\n\n<p>Noch ist der Handel mit Rezyklaten wenig standardisiert. Es fehle ein \u00dcberblick \u00fcber verf\u00fcgbare Mengen, Qualit\u00e4ten und Preise, sagt Felix Arnold, Referent f\u00fcr Kreislaufwirtschaft beim Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft (BNW). Die Beschaffung laufe derzeit \u00fcber direkte Absprachen zwischen produzierenden Unternehmen, Recyclern und Verpackungsherstellern. \u201eVieles ist Handarbeit\u201c, sagt Arnold.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch selbst wenn geeignete Anbieter gefunden sind, bleibt die Versorgung mit Rezyklaten oft schwer planbar. \u201eEs besteht eine grunds\u00e4tzliche L\u00fccke zwischen Materialanforderung, Bedarfsmengen, verf\u00fcgbaren Qualit\u00e4ten und Produktionskosten im Markt\u201c, sagt Andreas Bastian, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Plastship, einer Beratungsgesellschaft, die Unternehmen beim Aufbau einer Rezyklatversorgung unterst\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufbereitete Altkunststoffe lassen sich nicht wie klassische Rohstoffe einkaufen. Abnehmer m\u00fcssen Herkunft, Aufbereitung, Qualit\u00e4t und Verf\u00fcgbarkeit genau pr\u00fcfen. Daf\u00fcr baue Plastship derzeit eine Datenbank auf, sagt Bastian.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz dieser Herausforderungen \u00fcbertreffen schon heute Unternehmen die k\u00fcnftig geforderten Mindeststandards. So erreicht die Drogeriemarktkette dm bei den Non-Food-Verpackungen ihrer Eigenmarken nach eigenen Angaben einen Rezyklatanteil von 46 Prozent. M\u00f6glich sei das vor allem durch die enge Zusammenarbeit mit Herstellern und Recyclern, sagt Dagmar Glatz, die im dm-Produktmanagement f\u00fcr \u00f6kologische Zukunftsf\u00e4higkeit verantwortlich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Am Markt merkt man von den kommenden Rezyklatquoten noch wenig bis gar nichts.&#8221; Felix Arnold, Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft<\/p>\n\n\n\n<p>Doch sto\u00dfe auch dm an Grenzen: Besonders bei flexiblen Verpackungen, wie etwa Nachf\u00fcllbeuteln f\u00fcr Shampoos und Duschgels, fehlten weiterhin geeignete Rezyklate in ausreichender Qualit\u00e4t und Menge. Um Erfahrungen und L\u00f6sungen aus der Praxis zu b\u00fcndeln, gr\u00fcndete dm 2018 das Forum Rezyklat. In diesem Branchennetzwerk kooperieren inzwischen mehr als 80 Partner aus Handel, Industrie, Recycling, Wissenschaft und Politik. \u201eGemeinsam arbeiten wir daran, Verpackungsdesigns weiterzuentwickeln, die Rezyklatqualit\u00e4ten und -verf\u00fcgbarkeiten zu verbessern und effiziente Technologien zu skalieren\u201c, sagt Glatz.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz mancher Fortschritte ist die Unzufriedenheit in der Branche gro\u00df. Denn Unternehmen, die auf Recyclingmaterial setzen, sind im Wettbewerb h\u00e4ufig benachteiligt. \u201eNach wie vor haben wir einen relevanten Preisunterschied zwischen Neuplastik und Rezyklaten\u201c, sagt Timothy Glaz vom Reinigungsmittelhersteller Werner &amp; Mertz, bekannt f\u00fcr Marken wie Frosch oder Emsal. W\u00e4hrend die Herstellung von Neuware \u00fcber Jahrzehnte optimiert wurde, sind Recyclingverfahren komplexer und weniger effizient. So zahle das Unternehmen f\u00fcr eine Sp\u00fclmittelflasche aus Rezyklat pro St\u00fcck rund 1,4 Cent mehr.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Firmen sind nicht bereit, solche Zusatzkosten zu tragen. Unter dem Strich f\u00fchrt das zu einer paradoxen Situation: Obwohl die Rezyklatpflicht bald kommt, gibt es nicht genug Nachfrage. \u201eGrunds\u00e4tzlich merkt man am Markt von den kommenden Rezyklatquoten noch wenig bis gar nichts\u201c, sagt BNW-Experte Arnold. \u201eDas liegt sicher auch daran, dass die Unternehmen gerade damit besch\u00e4ftigt sind, die ersten Anforderungen der Verpackungsverordnung zu erf\u00fcllen.\u201c<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1008\" src=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/Bildschirmfoto-2026-08-24-um-12.07.53-1024x1008.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-180429\" style=\"width:525px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/Bildschirmfoto-2026-08-24-um-12.07.53-1024x1008.png 1024w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/Bildschirmfoto-2026-08-24-um-12.07.53-300x295.png 300w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/Bildschirmfoto-2026-08-24-um-12.07.53-150x148.png 150w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/Bildschirmfoto-2026-08-24-um-12.07.53-768x756.png 768w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/Bildschirmfoto-2026-08-24-um-12.07.53-274x270.png 274w, https:\/\/renewable-carbon.eu\/news\/media\/2026\/08\/Bildschirmfoto-2026-08-24-um-12.07.53.png 1038w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Ohne langfristige Abnahmezusagen fehlen Recyclingunternehmen die Anreize, in neue Anlagen und innovative Verfahren zu investieren. Die Folge: Die Branche ger\u00e4t wirtschaftlich unter Druck. Laut der Analyse des Wuppertal Instituts gef\u00e4hrden zahlreiche Insolvenzen nicht nur Arbeitspl\u00e4tze, sondern auch das \u00fcber Jahre aufgebaute Know-how. Nach Branchenangaben gingen in den vergangenen Jahren Recyclingkapazit\u00e4ten von rund einer Million Tonnen verloren. Exemplarisch f\u00fcr die Krise steht das Ende von Cirplus: Die Hamburger Plattform, die den Handel mit Recyclingkunststoffen digitalisieren und transparent machen wollte, stellte im M\u00e4rz 2026 den Betrieb ein.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr 2030 droht deshalb eine Rezyklatl\u00fccke: Die dann vorgeschriebenen Quoten k\u00f6nnten nicht vollst\u00e4ndig durch europ\u00e4ische Produktionskapazit\u00e4ten gedeckt werden. Selbst in einem optimistischen Szenario, in dem die Rezyklatmenge j\u00e4hrlich um 6,5 Prozent w\u00e4chst, bleibt laut Wuppertal Institut bis 2030 eine Differenz von 310.000 Tonnen pro Jahr.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">So wirkt die EU-Richtlinie<\/h3>\n\n\n\n<p>Um den Markt f\u00fcr Recyclingkunststoffe anzukurbeln, setzt die Politik auf neue Anreize. Ein Instrument ist das im Juni 2026 beschlossene Aktionsprogramm zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS). Es soll die Kreislaufwirtschaft insgesamt voranbringen, etwa durch den Aufbau von M\u00e4rkten f\u00fcr Sekund\u00e4rrohstoffe, mehr Digitalisierung und eine bessere Vernetzung der Akteure.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Kunststoffrezyklate ist eine Ansparphase f\u00fcr 2028 und 2029 geplant. Das hei\u00dft: Unternehmen k\u00f6nnten bereits eingesetzte Rezyklate auf die ab 2030 geltenden Quoten anrechnen lassen. Dagmar Glatz von dm h\u00e4lt das f\u00fcr einen sinnvollen Ansatz \u2013 aber nicht in allen Produktsegmenten: \u201eF\u00fcr Lebensmittelverpackungen funktioniert es zum Beispiel nicht, Material anzusparen, weil lebensmitteltaugliche Polypropylen-Rezyklate bislang nur in begrenzten Mengen verf\u00fcgbar sind.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Felix Arnold vom BNW begr\u00fc\u00dft die Ma\u00dfnahme, h\u00e4lt sie aber f\u00fcr nicht ausreichend: \u201eSolange Rezyklate gegen\u00fcber Neuplastik wirtschaftlich im Nachteil sind, wird die Nachfrage nicht steigen. Es braucht finanzielle Anreize.\u201c Darauf hofft auch Timothy Glaz von Werner &amp; Mertz: \u201eEine Inzentivierung von hochwertigen Recyklaten w\u00fcrde den Preisnachteil gegen\u00fcber Neuplastik verringern.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Einen solchen Anreiz k\u00f6nnte das neue Verpackungsrecht-Durchf\u00fchrungsgesetz setzen: Die darin enthaltenen \u201eVorgaben zur \u00f6kologischen Gestaltung der Beteiligungsentgelte\u201c schaffen die Grundlage daf\u00fcr, Lizenzentgelte st\u00e4rker an der Recyclingf\u00e4higkeit von Verpackungen auszurichten. Diese Geb\u00fchr zahlen Unternehmen im Rahmen der erweiterten Herstellerverantwortung, damit ihre Verpackungen entsorgt und recycelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Unternehmen, die besonders gut recycelbare Verpackungen entwickeln oder mehr Recyclingmaterial einsetzen, k\u00f6nnten dann niedrigere Entsorgungsbeitr\u00e4ge zahlen. Umgekehrt w\u00e4re f\u00fcr Verpackungen, die schlechter recycelbar sind, eine h\u00f6here Abgabe f\u00e4llig. Wie genau diese sogenannte \u00d6komodulation umgesetzt wird, m\u00fcsste jedoch \u00fcber eine Rechtsverordnung festgelegt werden. Wann das passieren soll, ist bislang unklar. Knapp dreieinhalb Jahre sind f\u00fcr ein solches politisches Vorhaben nicht mehr viel Zeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Knapp dreieinhalb Jahre haben sie noch Zeit, dann kommen die Quoten. Ab 2030 gelten f\u00fcr die Hersteller von Plastikverpackungen in der EU erstmals verbindliche Vorgaben f\u00fcr den Einsatz von recyceltem Kunststoff. So schreibt es die neue EU-Verpackungsverordnung PPWR vor. 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